The Hodded Boy I forgot
25 ◊ Forgot the „E“
-Erins Sicht-
Es brachte schlicht und ergreifend nichts mehr. Um uns – Dunkelheit. Selbst wenn Poppy hier irgendwo rumlief würden wir es, dank der Schwärze um uns, nicht bemerken. Mein Zeitgefühl war schon lange zerstört. Meinen blutenden Füßen nach zu urteilen, sollten wir jetzt bald aber Pause machen.
»Es hat doch keinen Sinn mehr. Lasst uns die Zelte aufschlagen«, meinte ich.
»Nein, nicht hier. Wir müssen diesen Ort vorher wieder verlassen. Diese Stimmen machen mich andernfalls noch verrückt«, sagte Jess zerknirscht. Stimmen? Welche Stimmen, bitte?
»Ich höre keine Stimmen«, entgegnete David, wobei ich zustimmendes Gemurmel vernahm, jedoch nicht bestimmen könnte von wem die Äußerung nun genau kam. Schätze mal, von fast jedem – außer Zoe, da diese einwarf: »Nein, da sind wirklich Stimmen. Ich höre sie auch. Fühlt sich fast so an, als würden sie sich in mich fressen.«
»Ach. Und damit kommt ihr erst jetzt?«, fragte Lucas. »Sie wollten nicht, dass ich darüber spreche«, murmelte Jess so leise, dass ich es beinahe nicht verstanden hätte.
David griff nach meiner Hand. Er schien plötzlich sichtlich angespannt. »Erin. Wir müssen sie vernichten.« Seine Stimme klang rauchig und passte überhaupt nicht mehr zu ihm. »Was ist los, David?« Jetzt wurde ich doch nervös. Eigentlich machte mir Dunkelheit nichts aus und (wenn man mal die Selbstbewussten, Lucas und Zoe, beiseite nahm) ich schien als einzige noch die Fassung zu bewahren. Doch jetzt wurde mir mulmig – zweifellos.
»Die Stimmen. Sie müssen vernichtet werden.« Bevor ich realisieren konnte, was er tat, war er von meiner Seite gewichen. Ein Keuchen rechts von mir, lenkte Lous Aufmerksamkeit und somit ihre Taschenlampe, in diese Richtung. Dann erst konnte ich die Situation einordnen.
David stand direkt vor Zoe, beabsichtigt, ihr die Luft zum Atmen zu nehmen. Was zur…? Lucas handelte augenblicklich. Tja, da sagte noch mal jemand, wir hätten ihn nicht mitnehmen sollen. Ich hatte alles richtig gemacht. Stürmisch zog er David am Kragen seines Shirts von Zoe weg, versuchte ihn mit einem Schlag ins Gesicht auszuknocken.
Überrascht musste ich feststellen, dass er jedoch keine Chance hatte. Im Gegenteil: David schlug mit dem Ellenbogen um sich, was Lucas zu Boden warf.
»David! Lass das! Was ist denn los mit dir?«, kreischte Lou. Ihre Taschenlampe wackelte unruhig hin- und her. Sie wusste genauso gut wie ich: Jetzt wo Lucas am Boden lag, wer könnte da schon was gegen David ausrichten?
»Komm, wir alle!«, befiel Jess. Wir sollten uns alle auf David stürzen? Äh… Na gut, vermutlich gab es keinen anderen Weg. Also lief ich einfach drauf los… ziemlich hilflos. Sofort wurde ich von seinen kräftigen Armen in den feuchten Boden gedrückt. Wusste ich’s doch. Das hatte keinen Zweck.
Das war doch nicht David, der da kämpfte. War er wirklich so stark? Hätte ich nie für möglich gehalten. Obwohl er ja nicht nicht muskulös war. Erst auf Heathers Party ist mir das bewusst geworden. Früher… okay, jetzt auch noch, wenn Schule war … wusste er immer zu gut, wie er diese verdeckte. Ich fragte mich warum…
Was denkst du da nur, Erin? Deine Freundin wird attackiert, während du liegend über die Muskeln von David, noch dazu ein ziemlich Loser, nachdenkst? Ich versuchte mich wieder aufzurichten, doch bei jeder Bewegung schmerzten meine Gelenke. Das hatte keinen Zweck.
Als ich wieder einen einigermaßen klaren Überblick hatte, stellte ich verwundert fest, dass David ebenfalls am Boden lag. »Wie…?«, setzte ich an.
»Im Zweifelsfall ist es immer gut, wenn sich Mädchen selbst verteidigen können«, meinte Zoe schulterzuckend. Nicht nur ich schaute Zoe sprachlos an. Lucas, der sich langsam wieder aufrichtete, stand wortwörtlich der Mund offen.
»Was machen wir denn jetzt? David kommt sicher gleich wieder zu sich und wenn er nicht der Alte ist, dann…«, setzte ich an, doch Jess schnitt mir das Wort ab: »Wie schon gesagt: Ich denke, wir sollten von hier verschwinden.«
»Klasse Idee. Nur wie?! Wo ist der Ausgang?« Lou leuchtete verzweifelt in alle Richtungen, doch überall nur Bäume und Gestein, in Dunkelheit getränkt… kein Licht. Wären wir doch nur am Wasser geblieben. Da schien es um Weiten sicherer gewesen zu sein, auch wenn wir dort ständig im Kreis liefen.
Hier lang! Klasse, jetzt hörte ich auch schon Stimmen. Das war nicht mal alles! Vor meinen Augen erschien plötzlich eine helle Lichtung direkt am Wasser. Der Ort, von dem wir kamen! Der Ort, den wir zurück müssen! Die anderen nahmen das Bild anscheinend auch war, da sie alle in diese Richtung blickten. Allerdings war es im nächsten Moment wieder verpufft.
Da wollt ihr hin, oder? Einfach den roten Pfeilen folgen. »Ihr hört diese Stimmen auch, oder?«, fragte Lou mit zittriger Stimme.
»Ja«, antwortete ich. Sicherlich sahen wir jetzt alle diesen roten leuchtenden Pfeil vor unseren Augen, der wie eine Projektion wirkte. Laut dem, mussten wir den Weg nach links einschlagen. Nur traute ich von nun an generell keiner Sache mehr, die an diesem Ort entsprang.
»Wo rauf wartet ihr?« Zoe hatte sich bereits zum Aufbruch bereitgemacht.
»Das könnte eine Falle sein«, mutmaßte ich. »Natürlich könnte es das. Nur haben wir keine anderen Alternativen. Ich möchte David nicht wieder bewusstlos schlagen, ehrlich.«
David. Was machten wir jetzt mit ihm? Sein wahres Ich konnten wir nicht hier zurücklassen. Ich betrachtete ihn eine ganze Weile, bis Lucas sich zu Wort meldete: »Schon gut. Ich werde ihn tragen.«
Unbeholfen versuchte er David vom Boden zu heben, scheiterte jedoch kläglich. Ich nahm es ihm nicht übel. David musste nicht gerade wenig wiegen. »Hilfe wäre allerdings nicht schlecht.«
Lachend kam Zoe auf Lukas zu. »Und wir wollten für diesen Ausflug extra zwei starke Jungs mitnehmen. Bitte…« Eingeschnappt griff Lukas unter Davids Arme, während Zoe sich die Füße schnappte. »Du hattest vorhin nur Glück«, meinte er. »David hatte sicher nicht damit gerechnet, dass du dich wehren könntest.«
»Wenn es dein Ego beruhigt, rede es dir ruhig weiter ein«, lachte Zoe, während wir uns in Bewegung setzten, um den Pfeilen zu folgen.
Ich fragte mich, wie wohl die ganzen Mädchen an unserer Schule, die Lucas so vergötterten, reagieren würden, wenn sie hörten, dass er von Streber-David zusammengeschlagen wurde. Nein, bestimmt hätten sie eher Mitleid mit ihm gehabt. Er tat einem ja auch irgendwie leid, schließlich hatte er nur helfen wollen.
Vielleicht bildete ich es mir ja nur ein, aber gerade hatte ich wirklich das Gefühl, dass es um uns heller wurde.