The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 2 von 62

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The Hodded Boy I forgot

2 ◊ Forgot the „C“

 

»Hallo? Hast du überhaupt gehört was ich gerade gesagt habe?« Schuldig im Sinne der Anklage. Ich hatte keinen einzigen Bruchteil von Erins Worten mitbekommen. Meine Gedanken waren nämlich ganz woanders. Wie konnte ein altes Diddltagebuch einen nur so in den Bann ziehen?

»Sorry. Was hast du gesagt?« Sie verdrehte die Augen und seufzte. »Wovon träumst du bitte? Was ich sagen wollte: Ich träume in letzter Zeit von einem echt süßen Typen, den ich letztens auf der total coolen Party kennengelernt habe, auf der du ja leider nicht dabei sein konntest.«

»Ja klasse, Erin. Reib mir das ruhig noch weiter unter die Nase. Bist echt ne tolle beste Freundin.« Aber ich wusste ja bereits, dass das Erins Art war. Sie prahlte immer mit dem was sie hatte. Komisch, aber dafür liebte ich sie.

»Jetzt sag endlich! Was beschäftigt dich so?« Die Neugierde in ihren Augen war nur schwer zu übersehen. »Ich habe neulich in einem alten Tagebuch von mir geblättert, das ich als Kind geschrieben habe. Da habe ich etwas von einem Typen mit einer Kapuzenjacke geschrieben. Allerdings erinnere ich mich nicht mehr an ihn. Ist das normal?«

»Naja… wenn er für dein Leben unbedeutend war, dann schon. Sonst… solltest du dich vermutlich auf Alzheimer testen lassen.« »Das ist nicht witzig. Ein Junge mit einer schwarzen Kapuze? In der zweiten Klasse? Das ist relativ selten. Klar, in meiner Pubertät gibt es eine Menge solcher komischen Kerle. Aber an den jungen Kapuzenträger hätte ich mich doch erinnert.«

»Was spielt das jetzt noch für eine Rolle? Vermutlich wohnt er längst ganz woanders. Du solltest mal ein Auge auf die ganzen süßen Typen um dich werfen. Außerdem sind sie ohne Kapuze immer eindeutig attraktiver.« Zustimmend nickte ich Erin zu. Allerdings… auch wenn ich es nicht wollte, meine Gedanken gingen immer wieder zu diesem Tagebucheintrag zurück.

»Wollen wir uns am Kiosk eine Schorle holen? Vielleicht braucht dein Gehirn mal eine Abkühlung«, schlug Erin vor. Dankbar nahm ich ihr Angebot an. Ablenkung konnte ich vermutlich am besten gebrauchen. »Wahrscheinlich haben wir uns damals nur ein einziges Mal getroffen. Deshalb habe ich ihn vergessen«, fing ich wieder mit dem Thema an. Verdammt! Hör auf, Poppy!

»Das wird es sein. Und jetzt komm endlich«, sagte Erin und zog mich praktisch von der Bank.

Doch als ich sah, wer heute mit Kioskverkauf dran war – ja, das mussten bei uns leider die Schüler machen – machte ich sofort wieder kehrt. Verärgert zog ich Erin am Ärmel wieder weg. »Ach, deshalb möchtest du also eine Schorle!«

Lucas stand da. »Ich dachte, du hättest auf der Party einen süßen Jungen kennengelernt.« Erin winkte ab. »Ja, aber gegen Lucas ist der doch nichts.« Da waren sie wieder. Erins lästige Schwärmereien für Lucas. Warum mich das so aufregte? Naja. Lucas und ich waren mal die besten Freunde, bevor die Pubertät ihn verdorben hatte.

»Werde erwachsen, Erin. Früher ja, da war er mal süß und niedlich. Jetzt ist er das Arschloch höchstpersönlich.« Wer wem die Freundschaft gekündigt hatte? Oh, das war gar nicht nötig gewesen. Irgendwann hatte er einfach aufgehört meine Anrufe zu ignorieren und bevorzugte stattdessen die Anwesenheit von irgendwelchen Bitches. Seitdem herrschte Funkstille.

»Vielleicht ist er nicht mehr so süß wie früher, Poppy. Aber du musst schon zugeben, dass er viel heißer ist.« Ja, sie hatte Recht. Er ist heiß, weshalb die Mädchen bei ihm auch Schlange standen. Wenn wir früher nicht beste Freunde gewesen wären und ich somit jetzt all seine Peinlichkeiten kannte, hätte er sich wahrscheinlich auch an mich rangeschmissen. Der Grund, deshalb jemand wie Erin oder Rest meiner Clique überhaupt mit mir befreundet war: Ich war nicht unattraktiv.

Zwar hatte ich oftmals das Gefühl, dass es zwischen mir und Erin echte Freundschaft gab. Etwas, das über Cliquenbeliebtheit hinausging, aber wie so oft stellte ich mir die Frage: Wäre sie mit mir befreundet, wenn ich hässlich wäre und eine typische Streberin? Ganz sicher nicht. Woher ich das wusste? Weil es mir nicht anders ging. Wäre Erin hässlich, hätte ich sie wie den Rest der Streber ausgerecht.

Ich weiß, das klingt unfair und kalt. Aber so funktioniert das nun mal, wenn man dazugehören möchte.

»Poppy? Hallo? Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken? Er ist heiß, oder?« Ich verdrehte die Augen. »Ich schätze schon.« »Und ich sehe auch wie er dich ansieht. Ich schätze ihr wäret ein süßes Pärchen.«

»Er sieht mich so an, weil ich ihn kannte bevor er zum Arsch wurde.« Das wusste sie genau. »Eine Vorgeschichte! Ist doch sogar noch süßer.« »Ich dachte du stehst auf ihn«, erinnerte ich sie wieder.

»Schon. Aber ich stehe auf ihn… mit dieser unerreichbare Art und Weise. Wegen eurer Vorgeschichte hättest du eher eine Chance. Dich kennt er wenigstens.« »Ja, ja, ja. Genau. Als ob er dich nicht kennen würde. Hattet ihr nicht sogar kurz mal was am Laufen? Außerdem ist Lucas nicht besonders wählerisch.«

»Ein Kuss auf einer Party, wo wir beide betrunken waren zählt nicht. Und ja, natürlich kennt er meinen Namen. Aber mit kennen meine ich so richtig kennen.« »Ich kenne Lucas nicht richtig. Sonst wären wir jetzt noch miteinander befreundet. Er ist nicht so wie ich geglaubt hatte, dass er ist.«

Erin hatte wohl endlich eingesehen, dass wir uns heute keine Schorle mehr holen würden. Endlich zog sie mich wieder zurück in die Aula.

»Warum hast du nur immer so Pech mit Jungs, Süße? Die Guten willst du nicht. Du willst immer nur die Unerreichbaren.« »Tja, ich schätze das macht uns zu Schwestern. Oder hast du den süßen Typ von der Party angerufen? Nein, hast du nicht. Lucas ist und bleibt deine unerreichbare Nummer eins.«

»Jedes Mädchen braucht einen Schwarm, den sie nie haben wird. Heißt aber nicht, dass ich mich mit dem süßen Partyjungen nicht für Freitag verabredet hatte.« Okay, das kam jetzt überraschend. Sonst hieß es immer: Lucas hier, Lucas da. Man kann sich vermutlich vorstellen wie ätzend das für mich war.

»Wer ist im Moment eigentlich deine unerreichbare Nummer eins? Ich weiß genau da gibt es jemanden in deinen Gedanken.« Ja, Sebastian aus der Oberstufe. Schon seit einem guten Monat. Er war total heiß, fuhr ein total teures Auto…

Nur musste ich gerade feststellen, dass Erins beiden Sätze total unterschiedlich zu beantworten waren. Denn in meinen Gedanken war seit kurzem jemand anderes… dessen Gesicht ich nicht mal kannte.