The Hodded Boy I forgot
50 ◊ Forgot the „N“
-Jess’ Sicht-
»Keine schlechte Idee. Ich überlege die ganze Zeit, was ich meiner Mum gleich sagen soll. Nicht, was mit mir passiert ist, sondern auch was vorher alles zwischen uns abgelaufen ist.« Erin, die genau wusste wovon ich sprach, sagte ermutigend: »Das schaffst du schon, Jess. Das Schwierigste haben wir doch überstanden.« Ich hoffte, dass sie damit Recht behielt.
Missmutig lehnte ich mich an den Felsen, der am Rand der Wiese stand. Ich sah zu, wie meine Freunde ihren Heimweg antraten – und dachte erneut über alles nach. Sie würde sicher glauben, dass ich entführt wurde, weil ich vorher abgehauen bin. Auf der Flucht vor ihr und Mr. Fell. War ja im Prinzip auch so. »Ich weiß was du jetzt denkst, aber das kannst du knicken. Ich habe als erstes gesagt, dass ich noch bleiben möchte.« Da wurde mir plötzlich wieder bewusst, dass Lucas ja auch noch hier war.
»Du denkst, ich will, dass du dich verziehst? Ich bitte dich. Wir sind keine kleinen Kinder mehr. Außerdem… ich muss zugeben, dass du deine Sache in unserer Mission Rettet-Poppy ziemlich passabel gemeistert hast. Vielleicht wirst du ja tatsächlich endlich erwachsen.«
Er trat jetzt neben mir und legte sich ebenfalls gegen den Fels. »Und weshalb kneifst du?«
Was soll’s. Bald wusste es eh die ganze Schule. Mit Sicherheit. »Meine Mum datet Mr. Fell.«
»Moment… Mr. Fell aus Bio?«
»Genau, der. Mr. Am-liebsten-stell-ich-Jess-vor-allen-in-der-Klasse-bloß. Das ist glaube ich sein Hobby.«
»Okay. Das ist wirklich hart. Dann sollen meine Eltern sich lieber bekriegen, ehe einer von denen etwas mit einem meiner Lehrer anfängt. Mein Ruf ist bei denen nicht gerade toll. Außer Dad fängt was mit der hübschen Sportlehrerin an. Ich glaube, die steht auf mich. Obwohl, nein. Das wäre zu schräg.« »Ms. Fields steht nicht auf dich! Sie ist zu allen nett.«
Lucas schmollte. »Und mein Traum ist zerplatzt, danke.« Da er danach zu lachen anfing, sollte das wohl ein Scherz sein. Ein Schlechter noch dazu.
»Ich habe dich nur vor einer Katastrophe bewahrt.« »Oh ja. Das hast du. Bei mir scheint Pech in der Liebe in den Genen zu liegen.«
»Nicht nur bei dir.« Sofort musste ich wieder an Mum und Mr. Fell denken und an Josh, der inzwischen vielleicht sogar zu gut für mich war.
»Ach komm schon. Du hast wenigstens richtige Beziehungen. Kann mich nicht daran erinnern dich mal Single erlebt zu haben.«
»Tja, bin ich aber. Ich kann nicht anders als dass ich jede meiner Beziehungen immer aufs Genauste analysiere. Was spricht dafür, was dagegen. Ich weiß, es klingt verrückt.« »Nö, so verrückt ist das gar nicht. Vielleicht sollten sich meine Eltern mal ein Beispiel an dir nehmen.«
»Eher nicht. Der Punkt Wir-haben-Kinder wird in meiner Pro-und-Contra-Liste ziemlich stark mit zusammen bleiben gewertet.«
»Das ist ja blöd. Dann hast du vermutlich doch Recht und du solltest diese Liste in die Tonne treten.«
Ich verdrehte die Augen. »Sagte der, der selbst keine Ahnung von funktionierenden Beziehungen hat.«
»Da ist was Wahres dran. Andererseits hat es immer dann am besten funktioniert, wenn ich einfach nicht darüber nachgedacht habe. Das brauchst du vielleicht auch. Eine kleine Affäre – ohne gleich ans Heiraten zu denken.«
Ich schnaufte amüsiert auf. »Ganz genau.« Dann durchdachte ich die Sache noch mal und musste feststellen, dass er vielleicht gar nicht so Unrecht hatte. »Oder doch. Dann denke ich nicht drüber nach. Habe keine Ahnung, wer mein Gegenüber überhaupt ist. Und wer weiß? Vielleicht funktioniert es am Ende einfach. Gute Idee!«
Er grinste mich an. »Dann hättest du also nichts dagegen?« »Im Grunde hört es sich doch nach einer guten Idee-« Was tat er da? Er wollte doch nicht… Doch er wollte! Seine Lippen kamen immer näher. Noch gerade so schaffte ich es, ihn von mir weg zu drücken. Möglicherweise etwas unsanft – das gebe ich zu. Aber was dachte er sich auch dabei?
»Was? Ich dachte du hättest nichts dagegen.« »Ja, aber doch nicht mit dir, du Idiot! Nur weil ich mal kurz nett zu dir war, ist das noch lange keine Einladung mich zu küssen.« Beschämt schaute er auf den Boden. Da verstand ich, worum es hier wirklich ging. »Hierbei geht es um Poppy, oder?«
»Nein, natürlich nicht! Warum denken immer alle, dass sich alles um sie dreht.«
»Jetzt, wo es vielleicht wirklich etwas mit ihr werden könnte, machst du dicht. Jetzt habe ich nicht angebissen, also fragst du die nächste Schlampe an unserer Schule. Lucas, warum tust du das? Ich habe doch gesehen, dass du auch anders kannst. Lass deine pubertäre Phase endlich hinter dir.«
»Ich dachte, wir wären uns einig, dass Beziehungen bei mir genetisch nicht funktionieren können.«
»Verstehe. Und Poppy bedeutet dir zu viel, als dass du es versauen möchtest. Aber ich denke, wenn es mit der richtigen Person ist, dann können Beziehungen selbst bei dir funktionieren.«
Er lächelte kurz. »Danke. Schätze dann wohl, dass das Gleiche für dich auch gilt.«
Ob Josh der Richtige war? »Ich glaube, in Wahrheit verdiene ich ihn gar nicht.«
»Witzig, dass du das sagst, wo du mir erst noch Mut zugesprochen hast, ich soll es mit Poppy probieren.«
»Wieso?«
»Na sie ich auch zu gut für mich. Ist das nicht offensichtlich?« Oder vielleicht war es auch nur ein Zeichen dafür, dass man die Person wirklich liebte.
»Du hast ihr das Leben gerettet. Ich glaube nicht, dass sie zu gut für dich ist.« Anders als Josh. Ich hatte ihn zu oft verletzt, was er gar nicht verdient hatte.
»Hätte nicht gedacht, dass du überhaupt darüber nachdenken musst. Bist du nicht die Jessica Clancy, in der die Hälfte meiner Jungs verliebt ist?«
»Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich die noch sein möchte.« Den Losern an unserer Schule keines Blickes zu würdigen, war fies und gemein. Möglicherweise gelang mir ja beides: Beliebt sein und nicht auf den Nerds herum zu trampeln.
»Dann lass es einfach. Früher fand ich dich nämlich sympathischer.«
»Du hast mich früher gemobbt.«
Er verschränkte die Arme vor seiner Brust. »Wer sagt, dass ich mich früher gemocht habe.«
»Ach so. Dann ist das jetzt also der Beginn einer neuen Ära und ich bin live dabei? Lucas wird plötzlich ein sympathischer Streber.« »Naaa…« Er tat so, als müsste er skeptisch darüber nachdenken. »Hast Recht. Das passt nicht.«