The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 17 von 62

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The Hodded Boy I forgot

17 ◊ Forgot the „K“

 

Unsicher kratzte ich mich am Kopf, unfähig zu entscheiden was ich als nächstes tun sollte. Läge es nicht an Hooded mit dem Gespräch zu beginnen? Ich hatte sowieso keinen blassen Schimmer, was ich jetzt sagen sollte. Während ich darauf wartete, dass er endlich zu reden begann, fiel mir erneut auf, wie schön es hier doch war. Der Garten, einfach alles. Man konnte sich kaum vorstellen, dass jemanden hier eine schreckliche Kindheit wiederfahren konnte.

Dickkopfvögel weit das Auge reicht, die in Vogelhäusern wohnen durften, wovon die Vögel auf der Erde nur träumen konnten. Wenn man hier sogar einen Pool zur Unterkunft gratis dazubekam, dann wäre ich auch gerne ein Vogel. Weil du Zuhause ja auch gar keinen hast. Gut, das ist was anderes. Zuhause hatte ich ja auch alles. Sauna, Fitnesscenter, Heimkino… irgendwann hing einem auch das zum Halse raus.

»Ich weiß, dass du dieses Messer nicht für meinen Vater suchen möchtest«, begann Hooded endlich das Gespräch. »Du etwa? Wer weiß, was er damit alles anstellen will.« Hoodeds Vater konnte einfach kein guter Mensch, … ich meine In-thought, sein, nachdem was ich alles über ihn gehört hatte. Und so ein Typ mit einem mächtigen Messer… Ne, lieber nicht.

»Aber dann wird er die Kontrolle nicht von mir nehmen. Dann kann ich nicht unter den Menschen leben. Und… wenn wir erstmal von hier verschwunden sind, dann kann es uns doch egal sein, was er mit dieser Welt anstellt.« Ich schluckte. Wow, für so gleichgültig gegenüber anderen hatte ich Hooded gar nicht eingeschätzt.

»Wie kann dir das egal sein? Auch wenn du dich in dieser Welt nie wohl gefühlt hast, sie war immerhin bislang dein Zuhause.« »Zuhause ist dort, wo man am liebsten ist. Hier ist das ganz sicher nicht.«

»Trotzdem kann ich es nicht mit mir selbst vereinbaren, wenn den Leuten hier etwas passieren wird… wegen mir.« Mein ganzes Leben schon, hatte ich strenge Moralvorschriften. Die würde ich jetzt auch nicht ändern.

»Das verstehe ich, aber den Leuten hier wird nichts passieren. Wofür er dieses Messer auch immer braucht, er wird damit sicher keinen abstechen. Er ist kein schlechter Mensch, Poppy. Nur ein schlechter Vater.« Also ich weiß nicht…

»Er kontrolliert andere. Das ist schlecht.« »Poppy, das macht In-thoughts aus. Jeder macht das hier. Noch ein Grund, warum wir dieses Messer besorgen sollten, damit ich schnellstmöglich hier weg kann.«

»Wir finden einen anderen Weg. War nicht die Rede von einem überaus mächtigen Gottheitsbaum? Vielleicht kann der uns helfen.« »Kann er nicht. Mein Vater kontrolliert mein Erscheinungsbild gegenüber den Menschen, nur er kann es wieder rückgängig machen. Dieses Messer ist unsere einzige Chance, wenn er es nur unter den Bedingungen macht.«

Das sah ich ja alles ein, aber… »Es ist ein Messer! Wozu soll er es sonst verwenden? Ich glaube kaum, dass er damit die Karotten klein schneidet.«

»Wir könnten ihn fragen, wofür er es braucht.«

Ich musste lachen. »Ja, genau. Weil er uns auch mit Sicherheit die Wahrheit sagen wird.«

»Poppy, du musst aufhören mein Vater als Monster anzusehen. Das darf nur ich, weil er ja auch nur mich hasst. Ich bin sein Fehler, den er nie wieder gut machen kann.«

»Eine lebendige Person als Fehler zu bezeichnen macht ihn auch für mich zum Monster.«

»Gut, aber trotz allem ist er höfflich zu dem Rest der Welt, sogar zu mir eigentlich. Als wäre ich ein schiefgeratener Auflauf, den er nur mit Würgen essen könnte, aber trotzdem noch versuchte ihn mit jeder Menge Käse zu retten.« Was zur Hölle sollte dieser schräge Auflauf-Vergleich?

»Ich mag eben gerne Aufläufe«, erklärte er mir. Ich grinste. Irgendwie hatte ich mir in meinem Kopf ein eigenes Bild von Hooded und seinem Leben gebildet, das aber gar nichts mit der Realität zu tun hatte. Er aß Auflaufe in seiner Freizeit, vermutlich sogar ohne diese lächerliche Kapuze. Ehrlich, so konnte ich mir ihn einfach nicht vorstellen.

»Na schön. Fragen wir ihn was er mit diesem Messer vorhat.« Schade eigentlich, dass Hooded nicht die Gedanken seines Vaters lesen konnte, wie er mir auf den Weg hierher erzählt hatte. Einziger Vorteil, sein Vater konnte auch nicht seine Gedanken lesen. Keiner konnte das, weil er etwas war, was eigentlich nicht existieren sollte.

»Dusk!«, schrie Hooded durchs Haus. Dass er ihn nicht Dad oder so nannte, wunderte mich überhaupt nicht. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich es auch nicht.

Wir hatten gerade fast wieder die Küche erreicht, als Dusk uns im Türrahmen abfing. »Wo drückt der Schuh?«, fragte er, obwohl er es sicherlich schon genau wusste.

»Was hast du mit dem Messer vor? Wenn du uns das sagst, werden wir es dir besorgen.« Außer natürlich, wenn sein Plan Mord beinhaltete. Aber das ist ihm sicher klar, nicht nur aufgrund meiner Gedanken.

»Darf man etwa keine Privatsphäre haben?«, fragte er eingeschnappt.

»In diesem Fall nicht, nein.« Schlicht und direkt, wie er es verdient hatte. Er sollte sich nicht ins Hemd machen. Ich und meine Gedanken bekamen schließlich auch keine Privatsphäre.

Ein tiefes Lachen ertönte aus Dusks Kehle. »Du bist echt ein amüsanter Mensch, Poppy. Kein Wunder, warum Hodded dich so sehr mag.« Er stupste sich vom Türrahmen ab und machte einen Schritt auf mich zu. »Dieses Messer, es kann einem In-thought die Kontrolle nehmen. Ziemlich praktisch, oder? Das willst du doch auch. Andere zu kontrollieren kannst du nicht ausstehen, ich weiß es genau.«

Hä? Es konnte den In-thoughts die Kontrolle nehmen? Aber warum würde Dusk das wollen?

Gerade wollte ich ihn fragen, da antwortete er mir bereits: »Selbstverständlich habe ich mir im Laufe meines Lebens Feinde gemacht, von denen ich es gerne hätte, dass sie mich nicht kontrollieren.« Okay, das war eigentlich nichts Verwerfliches. Zwar würden sich seine Feinde dann nicht mehr währen können, aber laut Hooded würden sie das auch gar nicht brauchen. Dusk war ja angeblich kein schlechter Mensch. Ob ich dem jetzt Glauben schenken würde oder nicht, zumindest würde durch dieses Messer niemand sterben.

Außerdem… wenn selbst Hooded behauptete, dass Dusk kein schlechter Mensch … äh, In-thought … war, dann muss da was dran sein. Immerhin ist die Beziehung der beiden… nun ja, nicht gerade rosig. Ich würde nicht positiv über die Person sprechen, die ich hasste, wenn es nicht der Wahrheit entsprach.

»Fein. Holen wir dieses Messer«, entschloss ich mich. »Und der Baum? Weißt du wo der ist?«, fragte ich an Hooded gewandt.

»Den Ort kenne ich, ja. Auch wenn ich den Baum selbst noch nie zu Gesicht bekommen habe.«

Na klasse. Das konnte ja was werden. Wenn all das hinter mir lag, dann würde ich erstmal eine monstermäßige Party veranstalten. Mit oder ohne Hooded war mir egal. Okay, das war gelogen. Ich wollte ihn dabei haben. Wollte, dass er meine Freunde kennenlernte und Teil unserer Welt wurde… mit den Menschen leben konnte. Doch bis das möglich wäre, erschien es mir noch unendlich Jahre hin zu sein. War das, was wir planten nur ein dummer Traum, der eh nie wahr werden könnte?

Möglicher Weise. Aber es lohnte sich für seine Träume zu kämpfen, selbst wenn es eine Ewigkeit dauern würde.

»Echt schade, dass ich mich jetzt schon von dir verabschieden muss, Poppy. Die kurze Zeit mit dir hat mir Spaß gemacht.« Über Dusks Worte konnte ich nur die Augen verdrehen. Es war offensichtlich, dass es ihm nur so viel Spaß mit mir gemacht hat, weil er sich sicher sein konnte, dass ich ihn nicht kontrollieren würde. Dusk und seine ach-so-tollen Menschen… Der hatte echt ein Problem. Dass der Grund für meine Existenz auf nichts anderes als diesem kleinen Problem beruhte, ignorierte ich geflissentlich.