The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 20 von 62

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The Hodded Boy I forgot

20 ◊ Forgot the „C“

 

 

-Lous Sicht-

Ich tat so, als würde ich tatsächlich schlafen. Ignorierte die hämmernden Geräusche, die von unten zu mir hoch dröhnten. Die Hände unter meiner Decke waren schweißgebadet, noch ein Grund, warum ich einfach nicht in den Schlaf finden wollte. Irgendwas stimmte hier nicht und zwar gewaltig. Mein Griff um Mr. Teddy verstärkte sich. »Komm, Mr. Teddy. Es ist wieder an der Zeit, um nachzusehen, ob mit Mami alles in Ordnung ist.«

Die Tür, die ich gerade öffnen wollte, öffnete sich plötzlich von selbst. Nein, doch nicht. Mami stand direkt vor mir, vor sich der Kinderwagen. Wie hatte sie den denn nur? Dafür war ich doch inzwischen schon etwas zu alt. »Ich dachte schon, du würdest nie mehr ins Bett kommen, Mami. Ich hatte Angst.«

Sie antwortete nicht. Mann, da rannten wieder diese Tränen über ihre Augen, die ich nicht mochte. »Es tut mir Leid, Lou. Ich schaff das einfach nicht mehr. Ich habe es versucht.« Dann kam sie auf mich zu, wollte mich in den Kinderwagen zerren. »Mami, es ist zu spät, um spazieren zu gehen. Ich brauche ihn auch nicht-«

Da wurde mir klar, dass sie damit gar nicht fahren wollte. Er wurde zum Maxi-Cosi umfunktioniert. Der Gurt an meinem Bauch war eng und es war keine Frage, dass ich hier nicht reingehörte. Im Notfall konnte ich es jetzt gerade so aushalten, aber was-

»Was hast du vor, Mami? Habe ich etwas falsch gemacht?« »Du wirst mich einfach nie glücklich machen können.«

-

Ich schreckte hoch. Man sollte meinen, dass ich das inzwischen schon gewohnt wäre. Dennoch raste meine Atmung als gäbe es keinen Morgen. Ich drehte mich zu Zoe um, die glücklicherweise noch seelenruhig schlief. Puh, dann hatte ich sie nicht aufgeweckt.

Im Laufe der Zeit hatte sich mein Traum ständig geändert. Meine Erinnerungen sind verblasst, ohne Zweifel. Es würde mich nicht wundern, wenn das Meiste einfach nur meiner blühenden Fantasie entsprungen war. Es gab jedoch eine Ausnahme, die sich all die Jahre nie verändert hatte. Der letzte Satz: Du wirst mich einfach nie glücklich machen können.

Selbst wenn der komplette Rest nur erfunden war, ich war mir zu hundert Prozent sicher, dass dieser Satz die eiskalte Realität war. Verzweifelt vergrub ich meinen Kopf in das Kopfkissen. Verdammt, Lou! Du bist krank. In deinem Leben gibt es zwei wundervolle Eltern, die dich über alles lieben. Hör auf dir über alles den Kopf zu zerreißen. Dir geht es gut. Du hast in der Schule gute Noten. Mami wäre stolz auf dich, wüsste sie, zu welchem Mädchen du herangewachsen bist.

Das war das Schlimmste daran. Nicht die Träume, sondern der Gedankenfluss in meinem Kopf, der einfach nicht verschwinden wollte. Anschließend wieder den Schlaf zu finden ist zwecklos. Ob ich draußen einen klaren Kopf finden würde? Zuhause half es mir eine Runde auf dem Crosstrainer zu laufen, nur stand der mir hier ja nicht zur Verfügung. Schaden konnte es bestimmt nicht. Besser als dieses hilflose Rumliegen.

Leise, so dass Zoe nicht wach wurde, zog ich den Reißverschluss zu unserem Zelt auf. Ich schlüpfe in meine Schuhe, die ich am Zelteingang gelagert hatte. Dann atmete ich mit großen Zügen die fremde Abendluft ein. Sie erinnerte mich an den Geruch, den man immer wahrnahm, wenn man etwas Neues beschnupperte – mein Lieblingsgeruch.

Ich hatte meine Schuhe schon wieder ausgezogen, weil ich mich spontan dazu entschlossen hatte, meine Füße etwas in das Wasser zu halten. Das entspannte bestimmt am besten. Doch dann erblickte ich plötzlich einen Schopf roter Haare, der sich auf dem Sand unmittelbar vor dem weiten Meer, niedergelassen hatte.

Ich legte meine Schuhe zurück ins Zelt, um barfuß über den Sand laufen zu können. Dass er sich hier grober unter den Füßen anfühlte, hatte etwas von einer Fußmassage. Meine Augen fixierten das weite Gewässer, während ich mich neben Jess in den Sand setzte. Diese drehte sich überrascht zu mir um. »Was machst du hier?«

»Albtraum. Jetzt kann ich nicht mehr schlafen. Und warum bist du hier?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Nachdenken. Kann deshalb auch nicht schlafen.«

Ich beäugte sich skeptisch. »Du hast es gar nicht erst versucht, oder? Du hast dich noch nicht abgeschminkt.« Witzig, aber obwohl wir schon so lange befreundet waren hatte ich Jess glaube ich noch nie ungeschminkt gesehen.

Da sie mir nicht antwortete, versuchte ich es anderweitig: »Über was denkst du denn nach?«

Immer noch keine Antwort, auch wenn sie sich inzwischen zu mir gedreht hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit murmelte sie: »Hauptsächlich denke ich gerade an mein Zuhause.«

»Ja, kann ich verstehen. Ich vermisse meine Eltern auch.« Sie schüttelte den Kopf. »Nein, das meine ich nicht. Kurz bevor ich von Zuhause weg bin, gab es da noch eine Sache, die ich vorher eigentlich klären sollte – habe ich aber nicht.« »Hättest du im Nachhinein aber gerne?«

»Ich weiß es nicht.« Tja, das war eben Jess. Verschlossen wie eh und je.

Eigentlich brachte es nichts noch weiter nachzubohren, dennoch fühlte ich mich verpflichtet zu sagen: »Wenn du mit jemanden darüber reden möchtest, ich habe immer ein offenes Ohr für dich. Das weißt du.«

Sie seufzte. »Ich weiß.« Damit sollte das Thema eigentlich abgeharkt sein, doch überraschender Weise sagte sie: »Meine Mum hat einen neuen Typen: Mr. Fell.«

Mr. Fell? »Du meinst Mr. Fell wie unser Biolehrer Mr. Fell? Das Arschloch Mr. Fell?« Sie nickte. Okay, das ist wirklich hart. »Hm… Ich glaube es war gut, dass du das jetzt erst noch ungeklärt gelassen hast.«

Verwundert hob sie die Augenbraue. Mit dieser Reaktion hatte sie wohl nicht gerechnet. »Warum das?«

»Weil du dann wüsstest, was das genau zwischen den beiden ist. Schätze, das hätte nur noch mehr Sorgen mit sich gebracht.« »Tja, aber das ist nun Mal die Realität… voll von Sorgen.«

»Mag sein. Aber wir können uns immer noch unsere eigenen Momente kreieren, die frei von allen Sorgen sind und einfach Spaß haben.«

»Was meinst du?«, fragte sie verblüfft. Anstatt einer Antwort zog ich mir einfach mein Oberteil über den Kopf.

»Äh … Was wird das?«

»Ich gehe jetzt baden und du solltest das Gleiche tun.« Jetzt stand ich nur noch in Unterwäsche da, bereit einfach ins Wasser zu laufen. Jess starrte mich weiterhin sprachlos an. »Was? Wir haben Wechselkleidung und sogar Handtücher eingepackt. Jetzt komm schon!«

»Nein, danke. Ich verzichte.«

»Komm schon. Irgendwann solltest du sowieso mal baden. Warum nicht jetzt? Nachtbaden ist cool. Dann kommt auch mal dein ganzer Haufen Schminken ab. Es ist nämlich nicht gut mit Schminke zu schlafen, Jess.« Als sie ihren Blick plötzlich abwand und gen Boden richtete, wusste ich, dass ich ins Schwarze getroffen hatte.

»Ach komm schon, Jess. So viel schlimmer kannst du ungeschminkt auch nicht aussehen.«

»Doch kann ich. Ich habe mir verdammt viele YouTube-Tutorials angeguckt, um diese verdammte Akne zu überdecken. Kanntest du mich als ich noch ein Loser war? Hast du dir gemerkt, wie ich da ausgesehen habe? Nun, in Wahrheit hat sich nichts geändert.«

Eine blasse Erinnerung hatte ich noch von dem rothaarigen Mädchen mit den Zöpfen, der Zahnspange (die sie offensichtlich aber losgeworden war) und der von Pickeln übersehenden roten Haut. »Aber Jess! Solltest du inzwischen nicht wissen, dass wir nicht wegen deiner Beliebtheit und deinem hübschen Aussehen mit dir befreundet sind, sondern weil wir dich mögen.«

Ein kleines Lächeln huschte über ihren Mund. »Das hoffe ich. Aber… Naja…« Sie verstummte.

»Du machst dir Sorgen wegen Lucas, oder? Dass er es in der Schule rumerzählt und du wieder zum Loser wirst.« Sie nickte eingeschüchtert. Warum noch gleich hatten wir diesen Blödmann mitgenommen?

»Weißt du was? Lass den mal meine Sorge sein. Und jetzt spring endlich mit mir in dieses verdammte Meer oder See, was weiß ich!« Ich grinste ihr zu und sie grinste zurück. Geht doch. »Okay«, sagte sie und zog sich ebenfalls um. Ihr Körper war im Gegensatz zu meinem einfach perfekt. Sie musste dafür viel trainiert haben, um so auszusehen. Jess sollte wirklich weniger Wert auf ihr Aussehen legen.

»Zusammen?«, fragte ich und streckte ihr meine Hand entgegen, die sie ergriff. »Eins, zwei, drei.« Und dann liefen wir als ginge es um unser Leben. Sprangen mit voller Karacho ins Wasser, sodass es nur so spritzte. Irgendwie fühlte sich das Wasser an meinen Beinen anders an, nicht so flüssig, obwohl es genauso flüssig schien. Es fühlte sich aber gut an.

Ich fuhr mit meinen lackierten Fingernägeln durch das merkwürdige Wasser, um Jess damit abzuspritzen. »Hey!«, schrie sie mich an. Fing im nächsten Moment aber lauthals zu lachen an. »Das gibt Rache!«

»Oh nein!«, kreischend lief ich durchs Wasser, auf der Flucht vor Jess, die jetzt nur noch mehr Wasser auf mich los feuerte.

»Was ist hier denn los?«, ertönte plötzlich eine Stimme. Ups, verdammt! Wir hätten leiser sein sollen, hatten ganz vergessen, dass die anderen ja noch schliefen. Doch jetzt schienen wir alle mit unserem Gelächter aufgeweckt zu haben.