The Hodded Boy I forgot
33 ◊ Forgot the „L“
-Lous Sicht-
Die Tür öffnete sich und wie zu erwarten, stand vor uns jemand, dessen Schädel mindestens genauso riesig wie der von Same war. Allerdings stand sein Mund um weiten offener. Er starrte uns fast an, als wären wir Alien. Ob er gar nicht von der Existenz von Menschen wusste? Oder hatte sich Same im Haus geirrt?
Wie sein Blick mich durchbohrte, jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken. »Wow. Jahrelang keine Menschen gesehen und jetzt so direkt hintereinander. Hallo, ich bin Dusk. Ihr sucht wohl Poppy, richtig?« Puh, Glück gehabt. Dann hatten wir uns also doch nicht im Haus geirrt.
»Ja, wir sind Freunde von Poppy«, erklärte Jess. Auch sie schien vor diesem Dusk mehr Respekt zu haben. »Aber natürlich seid ihr das. Tut mir Leid euch enttäuschen zu müssen, aber sie ist nicht hier.«
»Reden Sie keinen Bullshit. Natürlich ist sie hier. Sonst würden Sie ihren Namen doch gar nicht kennen«, merkte Lucas an.
»Sie war hier. Hodded und Poppy sind inzwischen aber sicherlich über alle Berge.« Verdammt! Das hatte uns gerade noch gefehlt. »Und wann kommen sie wieder?«, bohrte Zoe neben mir nach. Sie schien noch vollkommen die Fassung bewahren zu können. Anders als bei mir, musste ich zugeben.
»Das kann ich euch leider nicht genau sagen. Ihr könnt gerne hier warten, wenn ihr wollt.« An sich schien er ja einen netten Eindruck zu machen. Nur wussten wir es besser. »Nein, danke. Irgendeine Idee wo die beiden hin wollten?«, fragte Zoe weiter.
»Zum Livenus, der für euch allerdings unmöglich zu finden wäre, da ihr keine In-thoughts beziehungsweise Halb-In-thoughts seid. Ihr müsst wissen, dass es dort nämlich ziemlich dunkel ist. Man könnte kaum seine eigene Hand vor Augen erkennen.« Na klasse.
»Super. Von dort sind wir gerade gekommen…«, meinte ich gedehnt.
Wenn ich an diesen Ort zurückdachte, dann wollte ich da ganz sicher nicht wieder zurück. David musste dort ganz schön was einstecken. Möglich, dass ich das nächste Opfer der Dunkelheit, samt ihren komischen Wesen, wurde.
»Ich würde sagen, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ihr macht es euch in meinem bescheidenen Heim gemütlich, bis sie wieder zurück sind. Oder… ja, ich bin so nett… ich könnte euch zum Livenus hinführen.«
Verwundert hob ich meine Augenbrauen. Das war doch sicher eine Falle, oder?
»Ja, klasse. Wenn Sie das tun würden, dann nichts wie los. Deswegen sind wir doch hier.« So selbstsicher wie Jess fühlte ich mich nicht. Klar, er war unsere einzige Chance, um Poppy zu finden. Doch sein schadenfrohes Grinsen dabei, gefiel mir ganz und gar nicht.
»Natürlich geht das auch nur, wenn damit alle einverstanden sind. Nur die Hälfte reicht mir nicht.« Okay, doppelt gruselig. Woher wusste er …?
»Mir scheint, euch ist noch nicht ganz klar, was wir In-thoughts so drauf haben. Euer nette Reisebegleiter Same-« Bei seinem Namen verzog er das Gesicht. »-hat wohl wichtige Details ausgelassen. Und dann hält man mich für gemein! Wir In-thoughts können nämlich Gedanken lesen.«
Mir schockte der Atem. Das alles war ja noch schlimmer, als ich vermutet hatte. Es gab Sachen, die hatte ich nicht mal Zoe erzählt und dieser Typ…
»Ja, ich kenne alle eure Geheimnisse«, erklärte er auch noch grinsend. Für mich war das ganz und gar nicht zum Lachen.
Die anderen starrten ihn auch einfach nur sprachlos an. Wie sollte man darauf auch vernünftig reagieren? »Na schön«, ergriff Dusk wieder das Wort. »Dann werde ich die anderen drei eben überzeugen müssen. Ich bin hier nämlich auch nur das Opfer.«
Ah ja. Mir egal. Konnte er von mir aus auch sein, immerhin kannte ich ihn gar nicht. Bis Same uns etwas anderes erzählte, wusste ich ja nicht mal, dass Hodded überhaupt einen Vater hatte. Ich hatte lediglich automatisch von Sohn auf Vater geschlossen. Im Allgemeinen wollte ich mich ungern länger bei jemandem aufhalten, der meine Gedanken lesen konnte.
Doch bevor ich auch nur irgendetwas hätte erwidern können, löste sich das hübsche Haus aus roten Ziegelsteinen vor meinen Augen auf und wurde durch einen kleinen Springbrunnen ersetzt. Eine Umdrehung um dreihundertsechzig Grad verriet mir, dass ich mich in einem Park aufhielt. Die anderen waren verschwunden. Dafür konnte Dusk auf einer Bank sitzen sehen, zusammen mit einem anderen Mädchen (natürlich ebenfalls eine In-thought)
»Ich verstehe das nicht. Gestern meintest du doch noch, alles was du bräuchtest wäre Zeit. Dazwischen sind nicht mal vierundzwanzig Stunden verstrichen. Wie kannst du dir dann plötzlich so sicher sein, dass du ihn mehr liebst?«
Auch wenn Same im nächsten Moment nicht aufgetaucht wäre, hätte ich ahnen können, dass er von ihm sprach. Wie er seinen Namen aussprach, ähnelte der Art von Abscheu wie er sie auch vorher benutzte. »Ganz einfach. Weil ich mehr drauf habe als du.«
In dem Moment schaute Dusk Same genauso verwirrt an wie ich selbst. Die In-thought neben Dusk nickte schlicht weg. Ihre Augen bedachten Same mit so einem verliebten Blick, wie es sich jeder wünschte angeguckt zu werden. Mich würde wahrscheinlich niemand je so angucken.
»Was soll das heißen? Hast du sie etwa kontrolliert?«, fragte Dusk mit scharfer Stimme.
Same lachte. Sein Lachen hörte sich nicht mal fies oder gemein an. Es war so harmonisch wie wir ihn vor kurzem auch kennengelernt hatten. »Du kannst es ja auch versuchen. Aber wir wissen beide, dass du mich nicht übertrumpfen kannst.«
»Aber… Das kann doch nicht sein! Sie hätte sich dagegen wehren müssen.«
»Wozu denn? Wir kämpfen nur dagegen an, wenn wir uns entscheiden möchten. Sun ist bestimmt mehr als erleichtert, dass ich ihr diese lästige Entscheidung abgenommen habe.« »Ich habe mich dazu entschieden, weil es die richtige Entscheidung-« Mehr konnte ich nicht mehr verstehen, weil sie sich bereits aufgelöst hatten. Allerdings konnte ich mir den Rest denken.
Kaum stand ich wieder mit meinen Füßen auf der Steintreppe, meinte Lucas hinter mir: »Wie rührend. Nur leider interessiert das hier keinen. Wir hätten längst bei den Tümpeln sein können.« »Außerdem, woher wissen wir, dass Sie nicht lügen?«, warf Erin ein.
»Wenn wir unsere Gedanken offenbaren, dann können wir nicht lügen. Aber das wisst ihr natürlich nicht. Egal, es stimmt. Ihr müsst mir einfach glauben.«
»Ganz ehrlich? Wer nicht mit will, der bleibt eben hier! Wir gehen jetzt einfach los, verdammt nochmal«, verkündete Jess uns in ihrem typischen Tonfall. Drehte sich auf dem Tritt um und stapfte davon.
»Ihr habt eure Bienenkönigin gehört. Auf geht’s!« Und auch Lucas, gefolgt von Zoe, die mich einfach mit sich zog, liefen Jess hinterher. Auch wenn Lucas für uns alle behauptet hatte, dass uns Dusks Geschichte nicht interessiere, musste ich feststellen, dass das nicht ganz stimmte. Dass ihm einst das Herz gebrochen wurde, das war mir wirklich herzlich egal. Es ging eher um die Tatsache, dass er überhaupt jemanden geliebt hatte. Das machte diese Fremden irgendwie menschlicher. Vielleicht waren sie uns gar nicht so verschieden.