The Hodded Boy I forgot
26 ◊ Forgot the „N“
Trotz der blickdichten Dunkelheit, leuchtete zwischen den Ästen der Bäume das Gesicht eines kleinen Kindes. Ihre makellose Haut schien das Licht irgendwie zu reflektieren, wie die Leuchtsterne, die ich als kleines Kind über meinem Himmelbett hängen gehabt hatte. Das Bild vor mir, total irreal, dennoch überraschte es mich nicht. Ich befand mich in einer Welt mit In-thoughts, die Köpfe größer als ein Kürbis hatten. Dann gab es da noch Hooded, was immer er darstellen mochte. Leuchtende Menschen überraschten mich da nicht wirklich.
»Mami? Wann fahren wir mit Papa mal wieder ins Disneyland?« Disneyland? So was gab es hier auch?
Das kleine Mädchen schaute mich nun direkt mit ihren großen Kulleraugen an. Ihre zwei geflochtenen Zöpfe kamen mir unheimlich bekannt vor. Herr Gott im Himmel, das war ich! Als ich noch kleiner war, gute sechs Jahre vielleicht.
»Die Leuchtwesen dieses Waldes, gewachsen aus den tiefsten Wurzeln des Baumes Livenus, konfrontieren uns mit unseren größten Problemen«, erklärte Resi lehrhaft. »Einer der Gründe, warum ihr schleunigst auf mich hören und von hier verschwinden solltet.«
»Zum millionsten Mal! Dann verschwinde einfach von hier, wenn du dich fürchtest«, zischte Hooded in Resis Richtung.
»Ich stelle mich meinen Problemen schon seit Jahren. Wenn hier jemand Angst haben sollte, dann seid ihr es«, lachte sie.
Mein kindliches Ich wirkte plötzlich unheimlich traurig. »Nicht weinen, bitte! Ich habe mich heute extra schick gemacht, siehst du?«
Wollten diese Lichtwesen mich echt mit alten Kamellen aus der Vergangenheit verängstigen? Echt nichts Neues. Diesen Problemen konnte ich mich einfach nicht stellen, weil sie mich gar nicht betrafen. Also… schlechter Scherz!
Kaum hatte ich das gedacht, verkrüppelte sich das Lichtwesen zusammen, um sich anschließend wieder aufrichten zu können. Dieses Mal war es, als würde ich in den Spiegel gucken. Obwohl die Poppy vor mir sichtlich mitgenommener ausschaute. Unter ihren Augen bildeten sich dicke, dunkle Augenringe ab. Dadurch wirkte ich um einiges älter.
»Es tut mir Leid. Ich weiß, ich hätte dich nicht einfach ohne ein Wort verlassen dürfen.« Ich brauchte nicht lange, um zu begreifen worum es ging. Das war mein zukünftiges Ich, das diese Welt wieder verlassen hatte und sich nun ihren Eltern stellen musste.
Aus der Ferne erschien ein weiteres Lichtwesen, welches (was für eine Überraschung) das Ebenbild meiner Mutter war. »Es ist mir egal, dass du mich verlassen hast, Poppy. Es geht hier darum, warum du mich verlassen hast. Dieser Kapuzenjunge ist kein guter Umgang für dich. Hat er überhaupt Geld?«
»Ich wollte ihm doch nur helfen!«, schluchzte mein zukünftiges Ich bitterlich.
»Dein ständiges soziales Arrangement wird dir noch deine eigene Zukunft verbauen! Denk endlich mal an dich, Poppy, statt an andere.«
Keine Überraschung für mich, dass es ungefähr so ablaufen würde. Diese Lichtwesen waren armselig. Meinem zukünftigen Ich kamen plötzlich die Tränen und es lief dabei direkt auf mich zu. Als es sich in mir festgesetzt zu haben schien, sprach mein Körper plötzlich in sich zusammen.
»Du hattest Recht! Es tut mir Leid, dass ich es nicht früher bemerkt habe«, schrie ich die Projektion meiner Mutter an. Am Ende von all dem würde ich doch alleine da stehen. Was erwartete ich? Bestenfalls würde Hooded anfangen bei seiner Mutter zu leben. Wir waren zu verschieden, um uns überhaupt in erster Linie zu kennen. Ich gehörte zu meiner Clique und trotzdem war ich allein. Verstehen würden sie mich niemals.
Was sollte mein Leben eigentlich? Für wen lebte ich eigentlich? Sicher nicht für mich selbst.
Während ich mich am Boden räkelte, spürte ich einen Arm, der mich unsanft weiterzog. Vernebelt bemerkte ich, dass diese Person einen Ring mit einem roten Stein trug. Das musste Resi sein. Oh, verdammt! Sie wollte uns von hier wegbringen. Das durfte ich nicht zulassen.
Energisch schüttelte ich ihre Hand von meiner. »Stopp! Wir müssen zum Gottheitsbaum.«
Kaum hatten diese Worte meine Lippen verlassen, spürte ich das Lichtwesen meinen Körper verlassen.
»Wow. Das habe ich ja noch nie gesehen. Du willst so dringend zum Livenus, dass du damit sogar deine Probleme aus der Welt schaffen kannst. Witzig, dass es nicht mal du bist, sondern der Kapuzenjunge, der davon profitiert. Entweder du bist einen gewaltigen Ticken zu sozial … oder ich habe da was überhört.«
Ich streifte mir den Schutz von meiner Jacke. Hooded, scheinbar immer noch Lichtwesen-besessen, keuchte mit zugekniffenen Augen: »Es tut mir Leid. Bitte, verzeih mir!« »Tja. Nur hat der hier etwas mehr mit seinen Problemen zu kämpfen, wie es scheint. Was schlägst du also vor?«, fragte sie gedehnt ungeduldig. Hooded zappelte ziemlich, sodass Resi etwas damit zu kämpfen hatte, ihn weiterhin mit sich zu ziehen.
»Keine Ahnung! Aber es muss eine andere Lösung geben als diesen dunklen Ort zu verlassen«, hoffte ich. »Gibt es nicht.« Meine Einstellung kümmerte ihr einen Dreck und sie zog ihn einfach weiter.
Wütend stellte ich mir in den Weg. »Wir gehen jetzt zu diesem bescheuerten Baum, selbst wenn Hooded in diesen Zustand ist. Und du wirst mir den Weg zeigen, wenn er es nicht kann.« Jetzt lachte sie mich aus. »Genau.«
»Du magst für etwas kämpfen, aber weißt du, wir tun das auch! Wenn wir hier fertig sind, dann kannst du so viel rebellieren wie du willst, nur nicht jetzt. Erst sind wir an der Reihe.« Ich kannte dieses Mädchen nicht. Obwohl sie dieses Gedanken-Kontrolle-Ding verachtete, war sie trotzdem eine In-thought. Man konnte ihr nicht trauen.
»Warum tust du das überhaupt? Ihm helfen, meine ich.« Ich atmete tief durch. Schätze, richtig wurde es mir gerade erst bewusst. »Es gibt Dinge in der Welt, die man nicht mehr gerade biegen kann.« Meine Mutter, aber das behielt ich lieber für mich.
»Ich kann deine Gedanken lesen«, erinnerte sie mich. Verdammt. Ich hasse diese Welt.
»Aber das ganze Drama mit Hooded, das ist noch nicht hoffnungslos verloren.«
»Also gut. Ich werde euch helfen. Trotzdem möchte ich dich an dieser Stelle warnen: Wenn du so weitermachst, dann gibt es kein Happy End. Vielleicht für jeden anderen, aber nicht für dich.«