The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 18 von 62

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The Hodded Boy I forgot

18 ◊ Forgot the „L“

 

-Davids Sicht-

Heilige Mutter Gottes, ich flog! Das einzige was mich halten sollte, war diese hauchdünne Schnur… und wir waren sechs Leute. Hatte ich schon erwähnt, dass ich unglaubliche Höhenangst hatte? Nein, gut, hatte ich aber. Wenn ich fallen würde, dann…. Nach oben gucken, David. Es ist ganz einfach. Scheiße, wir würden alle sterben.

Doch bevor ich anfangen konnte zu hyperventilieren, fingen einzige der Ballons zu platzen an und wir sanken wieder. Da konnte ich nur hoffen, dass unter uns kein Gewässer lag. Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht schwimmen konnte… Wasser generell fürchtete? Ich weiß, Höhenangst, Wasserangst… ich hörte mich wie ein richtiges Weichei an.

Hm… könnte daran liegen, dass ich eins bin. Ich hätte ja nicht ahnen können, dass diese Luftballons uns wirklich in eine andere Welt bringen würden. Sonst hätte ich meinen Eltern wenigstens noch einen Zettel oder so hinterlassen. Oh Gott! Sie würden gerade sicher umkommen vor Sorge!

»Ich glaube ich muss wieder zurück. Meine Eltern-« Während sich immer mehr Ballons in Luft auflösten, fing Lucas zu lachen an. »Oh weh! Du hast Mami nicht Bescheid gesagt? Vielleicht hättest du die Sache besser durchdenken sollen?« Arschloch. Am liebsten hätte ich es diesem Idioten ins Gesicht gespuckt, aber das wäre unhöflich.

»Willst du wirklich wieder zurück?« Erins Blick wirkte auf mich einfach traumatisierend, aber das war ja nichts Neues. Fast wie ein Hundeblick, der mir sagen wollte, dass sie ohne mich aufgeschmissen wäre. Verdammt! Dieses Mädchen brachte mich dazu die unmöglichsten Sachen zu tun.

»Also… Naja-«, begann ich, doch Zoe unterbrach mich: »Du kannst dich jetzt eh nicht mehr um entscheiden. Wir haben nur einen Ballon, den wir für unsere Rückkehr brauchen, falls wir Poppy nicht finden.« Wie lange würden wir sie wohl suchen, bis wir einfach aufgaben? Hoffentlich nicht länger als eine Woche. Ich machte mir gerade wirklich ernsthafte Sorgen um meine Eltern.

Als auch der zweitletzte Ballon zerplatzte, befanden sich meine Füße wieder auf festen Untergrund. Puh, glücklicher Weise kein Wasser. Wir befanden uns auf Sandboden, der meine Füße komischer Weise kein Stückchen einsacken ließ, obwohl er furztrocken war. Fasziniert nahm ich etwas von dem Sand und rieb ihn zwischen meine Hände. Wow. Zwischen meinen Fingern fühlte es sich fast so an, als wäre das Schmirgelpapier statt Sand.

Im Sand steckten Öllampen, die nur in eine Richtung zu leuchten schienen – direkt in mein Gesicht. Hinter diesen Lampen war völlige Dunkelheit, was merkwürdig war, wenn man bedachte, dass Tag war. Ob es hier anders war? Immerhin befand sich über mir ein Mond.

»Ich bin dafür wir gehen ins Licht«, meinte Erin neben mir, die in die entgegengesetzte Richtung blickte. Dieser Teil schien nicht nur aufgrund der Öllampen heller, ich schwöre, am Ende des Horizonts war sogar eine Sonne zu sehen. Verrückte Welt. Ach – und wie hätte es anders sein können, zu meinem Glück befanden wir uns direkt vor einem Gewässer. Weites Gewässer, wodurch nicht mal die besten Schwimmer schwimmen konnten, stellte ich erleichtert fest. Dann waren wir gezwungen irgendwo anders lang zu gehen.

»Was ist los, David? Du guckst das Wasser vor dir an als würde es dich gleich verschlucken«, lachte Lucas. Erin drückte beruhigend meine Hand. Ach stimmt. Sie ist ja damals auch dabei gewesen bei der Feier am See. Sie und Poppy. Damals waren Erin und ich noch Fremde gewesen, beziehungsweise einfache Schulkammeraden.

»Du warst auch auf dem Boot, oder?«, flüsterte mir Erin zu. Und da fluteten die verdrängten Erinnerungen wieder direkt auf mich zu. Poppy war nicht nur auf dieser Feier gewesen. Sie hatte mit im Boot gesessen. Wer ist damals überhaupt auf die bescheuerte Idee gekommen, mit diesem brüchigen Ding auf den weiten See zu fahren?

»Ist doch süß, wenn er nicht schwimmen kann«, meinte Zoe nur. »Ich würde das als armselig bezeichnen«, lachte Lucas.

Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich musste mich echt beherrschen nicht die Fassung zu verlieren. »Vielleicht würdest du es anders sehen, wenn du gefühlte Stunden versuchst dich über Wasser zu halten, während du hilflos zusiehst, wie andere um dich herum die Kraft verlieren und aufgeben.« Ich würde das Gesicht von Sarah und Jason nie mehr aus meinen Kopf kriegen, wie sie da reglos im Rettungsboot lagen und keiner sie wiederbeleben konnte.

Ach, wie plötzlich es Lucas plötzlich die Sprache verschlagen konnte. Wo war sein Selbstbewusstsein jetzt abgeblieben? Weshalb war dieser Kerl überhaupt mitgekommen? Dass Poppy und er befreundet gewesen waren, lang schon Jahrzehnte zurück. Laut Poppy auch hauptsächlich nur, weil ihre Väter Arbeitskollegen waren.

»Ich wäre jetzt dafür, dass wir uns alle wieder lieb haben und am Wasser entlang gehen, um irgendwann einen begehbaren Weg in diese Richtung zu finden.« Gut, dass Lou mitgekommen war. Sie war die Vernunft in Person, indem sie uns immer wieder an unser Ziel erinnerte, wenn gewisse Arschlöcher es uns vergessen ließen.

»Gute Idee. Folgt mir!«, rief uns Jess über ihre Schulter zu. Sie liebte es uns Befehle zu erteilen, das konnte man ihr ansehen. Erin war eigentlich viel zu nett, um mit so jemand wie Jess befreundet zu sein. Ich würde mir von der nichts sagen lassen. Sie hatte nichts, was Erin nicht auch hatte. Poppy und Erin wären ohne diese beliebte Clique besser dran. Klar, dann wären sie vielleicht wieder Loser. Aber mir wäre das egal. Die Leute mit denen man seine Zeit verbrachte, sollten nicht über den sozialen Status bestimmen. Dann bin ich eben ein Loser, wenigstens stand ich für mich selbst.

»Ich wäre schon lange vor der geflüchtet«, meinte ich grinsend zu Erin. Wir beiden bildeten wieder den Schluss. Vor uns trottete Lucas mutterseelend allein umher, davor Lou und Zoe, die sich ab und zu mit der Bienenkönigin ganz an der Spitze unterhielten.

Erin rammte mir spielerisch ihren Ellenbogen in die Seite. Man, wie ich diese Freundschaft hasste. Wäre ich ehrlich zu ihr gewesen, könnten wir möglicherweise sogar mehr als das sein. Aber nein. Meine Verklemmtheit hatte mir wieder alles versaut, wie immer. »Hey! Auch wenn ich dich verstehen kann, dass da vorne ist meine Freundin!«

»Ja, aber warum?« Die Frage war ernst gemeint, auch wenn Erin das nicht wirklich verstand.

»Weil sie Jess ist. Sie treibt mich tatsächlich ab und zu in den Wahnsinn. Anfangs konnte ich nie verstehen, warum Poppy mit ihr befreundet war. Aber den besten Beweis haben wir hier, wie sie sich für Poppy einsetzt, um sie zu retten. Koste es was es wolle.«

»Sie ist doch nur mit, weil sie zu eurer Clique gehört. Von alleine wäre sie darauf gekommen Poppy zu retten.« »Was?! Natürlich wäre sie das. Sie war einer der ersten, die meinte, dass wir dringend was unternehmen müssten.« Der Unglauben darüber, wie ich so etwas nur über ihre Freundin denken konnte, stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Na gut. Vielleicht habe ich Jess wirklich etwas schnell verurteilt. Nur hatte ich genug Erfahrungen mit Mädchen wie sie gesammelt. Sie verarschten dich, konnten echt gefährlich werden. Ehrlichgesagt war ich einfach nur erleichtert darüber, dass Jess mich bislang ignoriert hatte.

◊

Wir spazierten noch eine ganze Weile am See entlang. War es überhaupt ein See? Mir kam es im Moment eher wie ein Meer vor. Ich wollte ja nichts sagen, aber langsam machten meine Beine schlapp. Zudem war es unheimlich, dass wir bislang noch keiner Menschenseele über den Weg gelaufen sind.

»Was haltet ihr von einer Pause?«, sprach Zoe die magischen Worte, die mir meine Beine retten sollten. »Hat einer von euch die Uhrzeit?«, fragte Erin. Ich starrte auf meine Ice Watch, die halb sechs zeigte. Ob die Uhrzeit auch für diese Welt galt, war eine andere Frage.

»Spät genug, um ein Lager aufzuschlagen«, sagte ich deshalb einfach.

»Wie viele Zelte haben wir mitgenommen?«, fragte Lucas. »Drei Zelte, in denen jeweils zwei Personen passen.« Nebenbei packte Lou bereits eines der drei aus ihren Rucksack aus.

»Okay, wer schläft mit wem?«, fragte Lucas. Jess, kramte Essen hervor, was übrigens nicht lange halten würde, weshalb wir schleunigst auf Leben treffen sollten. Jeder bekam von ihr eine Brötchenhälfte als Abendessen. »Dein Ernst? Das fragst du noch?«, lachte Jess.

Zur Abwechslung konnte ich Lucas verstehen, da mich diese Frage auch interessierte. Als er Jess nur verwundert anstarrte, meinte sie: »Du schläfst ganz sicher nicht mit Erin in einem Zelt.« Hä? Was? Wie kam sie da überhaupt drauf? Wenn hier jemand mit ihr in einem Zelt schlief, dann doch wohl ich.

»Na schön. Mit wem dann? Zoe, Interesse?«, dabei wackelte er mit seinen Augenbrauen. Klar. Jeder Junge wusste, welchen Ruf Zoe hatte. Sicherlich hatten die beiden schon mal was miteinander gehabt.

»Du schläfst mit keinem Mädchen in einem Zelt, Lucas«, sagte Jess schlicht. Wie konnte sie das bestimmen? Sie hatte vielleicht in ihrer Clique das Sagen, aber über mich bestimmte sie nicht. Ich würde mir sicher nicht mit dem da ein Zelt teilen.

»Ach komm. Wir sind hier nicht auf einem Schulausflug. Eine Jungs-Mädchen-Trennung ist nicht notwendig«, fand Lucas. War sie wirklich nicht.

»Ich könnte mir mit Erin ein Zelt teilen«, schlug ich einfach vor, auch wenn es hoffnungslos wäre, wenn Jess einen Plan hatte.

»Komm, Lou. Wir bauen unser Zelt schon mal auf, während die da noch diskutieren. Wir teilen uns nämlich auf jeden Fall ein Zelt«, sagte Zoe, in der Hand die Einzelteile eines Zeltes. »Es gibt hier nichts zu diskutieren«, meinte Jess nur.

»Doch gibt es. Ich werde mir sicher nicht mit Lucas ein Zelt teilen.« Das musste jetzt mal gesagt werden. »Ja. Mir ist es total egal wer in meinem Zelt schläft, nur nicht er da«, dabei zeigte er doch tatsächlich mit seinen schmutzigen Fingern auf mich. Ich müsste aufgeschmissen sein, nicht er.

»Ich kann Lucas nicht zu Erin ins Zelt lassen, um sexuelle Belästigung vorzubeugen.« Äh, was?! Ich musste mich wohl verhört haben. Das hatte Jess jetzt nicht gesagt. »Und in mein Zelt kommst du nur über meine Leiche«, maulte sie Lucas an. Huch. Das war Mal eine Ansage. »Fazit: Ihr beiden teilt euch ein Zelt.« Würde mich bitte jemand erschießen?