The Hodded Boy I forgot
28 ◊ Forgot the „E“
Zumindest konnte man ihn wieder ansprechen, auch wenn er vollkommen neben der Spur war. Ständig raunte er mir zu: »Wir brauchen einen Plan B… für alle Fälle.« Ich sage es ja. Völlig weggetreten. Sonst wüsste er, dass es keinen Plan B gibt. Es waren seine eigenen Worte gewesen, die mir mitteilten, dass das hier unsere einzige Chance wäre.
»Wenn ich mir einmischen darf: Was ich inzwischen so über den Typ rausgehört habe, scheint Hoddeds verrücktes Ich Recht zu haben. Es scheint nicht abwegig, dass er euch trotzdem nicht hilft, selbst wenn er dieses Messer in seinen Händen hält. Die einige Lösung, da rede ich aus Erfahrung: Der Feind muss ausgelöscht werden. Kopf ab, würde ich ja sagen, aber In-thoughts sind unsterblich. Trotzdem gibt es in der Geschichte der In-thoughts Fälle, wo altes Leben ausgelöscht wurde und der Baum neues gebar. Ihr müsst nur herausfinden wie.« Ich verdrehte meine Augen. Ihre Ratschläge halfen herzlich wenig. Sorry, aber es stimmt.
Hooded, so durchgeknallt er gerade auch sein mochte, stand mir in seiner Meinung sogar bei: »Das geht nicht. Wenn er stirbt, dann die Menschheit mit ihm. Sie sind verbunden.«
Resi seufzte laut auf und murmelte, sodass wir es mitbekamen: »Ja, aber doch nur, weil er mit der Menschheit verbunden sein möchte. Da gehe ich jede Wette ein.« Über ihre Vermutung dachte ich nicht länger nach. Mord kam für mich eh nicht in Frage, egal wie grausam Hoodeds Vater auch sein mochte.
»Wisst ihr beiden den Weg zum Baum noch?« Es war mir ein Rätsel wie sich in dieser Dunkelheit orientieren konnten. »Natürlich. In-thoughts, und anscheinend auch Halb-In-thoughts, haben eine spezielle Verbindung zum Livenus. Diese Verbindung lässt uns seine Präsenz spüren.«
Klar, dass es so eine abgedroschene Erklärung für die perfekte Orientiertheit der beiden gab. Was denn sonst? Wenn ich wieder Zuhause bin, dann werde ich Pflanzen sicher mit ganz anderen Augen wahrnehmen.
»Na guckt euch das an«, schnaubte Resi amüsiert. Sie hatte Recht: Direkt vor uns befand sich anscheinend eine Mauer, denn kurz nachdem sie uns warnte, bekam auch meine Nase das Vergnügen der harten und schmerzenden Dunkelheit.
»Ist das normal?«, fragte ich die beiden Profis. »Was weiß ich. Ist ja nicht so als ob ich schon mal beim Livenus gewesen wäre. So eine Art In-thought bin ich nicht«, zwitscherte sie zuckersüß. »Wenn wir Glück haben, ist Hodded gerade mit seinem Verstand bei uns und verrät uns, was zu tun ist.«
»Hey! Das ist auch mein erstes Mal. Oder denkst du, sowas mache ich gerne in meiner Freizeit?«, fragte er gereizt. Anscheinend hatte er sich wirklich wieder erholt.
»Und da müssen wir wirklich lang? Gibt es keinen anderen Weg?«, wollte ich wissen.
»Naja, das wäre zumindest der Kürzeste«, meinte Hooded.
Mit einer Hand an der nichtsichtbaren Mauer, tastete ich mich weiter links rum. Selbst das Licht der Taschenlampe machte hier nichts aus. Es war einfach nur pechschwarz hier. Hoodeds Luftballons waren im Vergleich dazu ein heller Sommertag im Juli.
»Leute, ich glaube ich bin drüben«, ertönte plötzlich Resis Stimme. Ein Wink mit der Taschenlampe, bestätigte ihre Aussage. Keine Resi weit und breit. »Wie hast du das gemacht?«, fragte ich gedankenverloren. Ich versuchte mich weiterhin irgendwie durch diese Materie zu drücken. Nein, das hatte doch alles keinen Sinn.
»Gar nichts. Hat gleich beim ersten Mal geklappt, als ich es versucht habe. Entweder bin ich einfach nur talentiert oder…, was ich eher vermute, diese Mauer soll den Livenus schützen vor Leute, die ihn benutzen wollen – wie euch zwei. »Das ergibt keinen Sinn. Mein Vater schafft es auch jedes Mal zu ihm, trotz seiner unreinen Weste.« Da hatte Hooded Recht. Ist tatsächlich ziemlich unlogisch das Ganze.
»Ach kommt schon. Als ob man seine eigenen Gedanken nicht austricksen könnte«, lachte Resi. Also wenn wir mit dem Gedanken rangehen, dass wir gar nicht zum Baum wollen, dann…
Tatsächlich! Meine Hand bahnte sich durch die Wand, die vor wenigen Sekunden noch vor mir war. Aber das war nicht das einzige was sich änderte: Die grausame uns umgebene Dunkelheit, war nicht länger vorhanden.
Stattdessen umkreisten uns unzählige Meter hohe Gesteinsfelsen. Zwischen ihnen plätscherte ein Wasserfall, der aufgrund seiner einzelnen Schichten breiter als durchschnittlich war. Andererseits, was ist in dieser Welt schon durchschnittlich? Meine Füße waren umgeben von vielen kleinen gelben Blümchen. Wenn ich sie sah, musste ich an meinen ersten Sommerurlaub in Frankreich denken.
Mit diesem Urlaub waren so viele wunderbare Erinnerungen verknüpft. In Frankreich hatte ich tatsächlich das Gefühl gehabt, irgendwohin zu gehören. Familiengefühl. Natürlich war mir auch ohne diesen Urlaub bewusst, dass mich meine Eltern liebten. Nur zeigten sie es manchmal viel zu selten, wenn sie ständig in ihrer Arbeit festsaßen.
Obwohl mich diese Blumenwiese schon fesselte, das Highlight war dennoch die glasartige Kuppe an der Spitze des Wasserfalls. Die Glaskugel umhüllte einen riesigen Baum. Nur so eine Vermutung, aber ich befürchte, dass wir Livenus erreicht hatten. Die Frage ist nur: Wie kommen wir da hin?
»Hooded? Warum dauert das so lange?« Er war immer noch nicht aufgetaucht. Generell hatte sich die dunkle Wand komplett aufgelöst. Weit und breit erblickte man nur gelbes Jakobskraut. »Wir haben unser Ziel erreicht! Nicht nur das. Die Dunkelheit hat sich aufgelöst und wir stehen mitten in einer Blumenwiese.«
»Was für eine Blumenwiese?«, fragte Resi verdutzt. Hä? Ist sie blind?
»Was? Kannst du die Blumen denn gar nicht sehen?« Sie schüttelte den Kopf, sichtlich skeptisch darüber, möglicherweise sogar verängstigt.
»Ich mag diesen Ort nicht«, murmelte sie. »Wenigstens kann ich die Kuppe mit dem Livenus sehen, der auf den Wasserfällen hervorragt.
»Ich schaff’ es irgendwie nicht«, brüllte Hoodeds Stimme plötzlich zu uns rüber.
»Schrei doch nicht so. Auch wenn du uns nicht siehst, stehen wir direkt neben dir – anfällig für ein Platzen des Trommelfells«, erwiderte Resi.
Das wurde hier ja immer besser. Weshalb kam Hooded nicht rüber und wir schon? Vielleicht weil er immer noch nicht ganz bei klarem Verstand war? Ich hatte gehofft schon, aber im Moment sah es nicht danach aus.
»Geht es wirklich nicht? Denk einfach nicht an diesen blöden Baum und was wir vorhaben«, riet ich ihm verzweifelt.
»Nein, keine Chance! Ich hab’s jetzt schon unzählige Male versucht – ohne Erfolg.« Himmel, ich brech’ ins Essen! Am liebsten hätte ich ihm an den Kopf geworfen: Selbst dein baumbesessener Vater hat es irgendwie hingekriegt, nicht mehr an ihn zu denken. Warum du nicht?! Aber was würde es bringen? Die Schwelle konnte er dennoch nicht überschreiten.