The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 9 von 62

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The Hodded Boy I forgot

9 ◊ Forgot the „E“

 

»Die brauchst du jetzt gar nicht anzusprechen, Jess. Poppy steckt gerade in ihren eigenen Gedanken fest, wie eigentlich ständig in letzter Zeit«, hörte ich Erin sagen. Damit hatte meine beste Freundin wohl Recht. Ständig schwankten meine Gedanken zu der Nachricht, die ich dem Kapuzenjungen bei der Wiese hinterlassen hatte. Ob er sie bereits gelesen hatte? Die Zeilen, die ich verfasste, wusste ich immer noch haargenau:

Ich habe meine Meinung geändert. Ich helfe dir. Ich komme mit, um deinen Vater zu überreden. Treffe mich morgen um siebzehn Uhr genau hier.

Heute war morgen. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass in ungefähr fünf Stunden soweit sein würde. Was dann kommen würde… Der Gedanke versetzte mich irgendwie in Angst und Schrecken.

»Immer noch? Hatten wir das Thema Kapuzenjunge nicht schon abgeharkt? Du wirst da nicht hingehen und dich solchen Gefahren aussetzten«, sagte Jess bestimmt. Ach so. Dann ist Jess also neuerdings meine Mutter? Hätte ich eigentlich kein Problem mit. Ich wusste jetzt schon, dass sie den Job besser machen würde.

»Warum musst du da überhaupt überlegen? Ich würde so einen Gefallen glaube ich nicht mal einer guten Freundin machen… also mich für sie in Gefahr setzten. Und der? Du kennst ihn nicht, weißt nicht mal wie er aussieht«, machte Lou mir klar.

»Da gebe ich dir Recht, Schwester«, schmatzte Zoe hervor, da sie immer noch an ihrem Brötchen kaute. Natürlich waren Lou und Zoe keine richtigen Schwestern. Sie nannten sich nur so, weil sie es wahrscheinlich gerne wären. Anschließend wand sich Zoe an mich: »Du solltest lieber versuchen, deine Beziehung zu Lucas wieder gerade zu biegen.«

»Meine Worte!«, warf Erin ein. »Ne, nicht Lucas. Der ist ein Arsch. Such dir lieber jemanden wie David«, schlug Jess vor. Ich musste lachen, als ich mitbekam wie Erin bei der Erwähnung von Davids Namen rot anlief.

»Danke, Jess. Ach, und Zoe: Witzig das gerade von der zu hören, die selber nie eine Beziehung eingeht.« »Hey! Das kommt sicher nur, weil ich diesen Kettenbrief in der Grundschule nicht weitergeschickt habe«, sagte sie lachend. »Das wird es sein, Schwesterherz. Oder einfach die Tatsache, dass Jungs nicht mit Strebern ausgehen wollen.«

»Sei nicht so pessimistisch, Lou! Ihr seid heiße Streber. Das zieht Jungs nur regelrecht an«, sprach Jess den beiden Mut zu. »Bislang liegt mein Magnet wohl falschrum«, murmelte Lou deprimiert. »Du hast ja auch gut reden. Jess, warst du eigentlich jemals Single?«, fragte ich sie. Das war eine ernste Frage. Seit der High School hatte ich sie immer nur in den Armen eines Typens gesehen.

»Natürlich Ladies. Man muss die Ware doch ausprobieren, bevor man sie dann irgendwann kauft.« »Und wie sieht es mit dem jetzigen Model aus?«, fragte Erin grinsend. Josh und Jess waren jetzt schon eine ganze Weile lang zusammen. Ich würde behaupten, die längste Beziehung, die sie je hatte. War es jetzt fast ein Jahr?

»Ohne Zweifel. Er hat auf jeden Fall Qualität. Aber Qualität ist bekanntlich auch teuer.« Hä? Was wollte sie denn jetzt? Teuer? Da ich nicht die einzige war, die sie daraufhin fragend anschaute, erklärte sie: »Ich habe langsam das Gefühl, dass er zu viele Gegenleistungen verlangt. Neulich hat er mich total lieb in ein teures Restaurant eingeladen. Gestern fragte er mich dann, ob ich auf seine kleine Schwester aufpassen könnte. Hätte ich ja auch, wenn ich an diesem Wochenende nicht schon meine Tante in New York besuchen wollte. Daraufhin meinte er dann so, dass er mich doch auch zum Essen eingeladen hätte. Das ist doch Erpressung, oder? Als würde er mitzählen, dass wir auch ja gleiche Anteile zu der Beziehung besteuern.«

Klar, dass hörte sich irgendwie nach einem No-Go für eine Beziehung an. Aber dabei sollte man bedenken, dass Josh ansonsten total der liebe Kerl ist. Jess könnte ihn darauf ansprechen, versuchen die Woge zu glätten. Einmal hatte sie mit jemanden Schluss gemacht, weil er geschnarcht hat. So findet sie doch nie den Mann fürs Leben.

Erin dachte anscheinend genauso und fragte deshalb: »Dann wirst du dich also Heute, Morgen oder spätestens Übermorgen von ihm trennen?« Jess schien darüber tatsächlich eine Weile nachzudenken. Hut ab. »Wisst ihr was? Vielleicht habt ihr Recht und ich sollte Josh vielleicht doch noch eine Chance geben.« »Echt? Warum das?«, fragte ich ironischer Weise schockiert. »Es macht gerade zu viel Spaß, um jetzt schon aufzuhören.«

Man könnte schon sagen, dass Jess die Jungs ein Stück weit ausnutzte. Wir konnten uns alle denken warum. Sie wollte vermutlich nur Gerechtigkeit. Damals wurde sie von den Jungs verarscht, jetzt war sie an der Reihe.

◊

Sechzehn Uhr siebenfünfzig. Ich erreichte die Wiese und setzte mich anschließend auf die Schaukel, nur um irgendwas zu machen. Wenn ich nervös war, dann musste ich das einfach. Sonst drehte ich noch durch. Normalerweise ließ ich meine Füße sonst nur ein wenig über den Boden schlittern, ohne richtig Anschwung zu geben. Heute war mir aber irgendwie danach.

»Das hast du früher auch immer gemacht.« Ich schreckte kurz zusammen als ich seine fremde Stimme hörte. Schnell bremste ich ab. »Ja, aber sowas mache ich eigentlich nicht mehr.« »So wie du eigentlich nicht mitkommen wolltest?« »Sieht wohl so aus.«

Ein eigenartiges Lachen ertönte. »Okay. Also…« Er spielte mit der Schnur seines Luftballons. Als er nichts weiter sagte, fragte ich: »Was jetzt? Wie läuft das ab?«

Er räusperte sich. »Du musst mit mir zusammen die Schnur umfassen. Zur Sicherheit solltest du dabei deine Augen schließen.«

Wie mir befohlen wurde, ging ich mit gesenktem Blick immer näher auf ihn zu. »Achtung! Pass auf.« Ups. Das war wohl etwas zu weit. Wie es für meine Tollpatschigkeit typisch war, rannte ich direkt in ihn hinein. »Tut mir leid.«

Vorsichtig tastete ich nach der Schnur. »Was jetzt?« »Jetzt kannst du wohl nach oben gucken.« Daraufhin hielt ich meinen Kopf in den Nacken, um anschließend die Augen zu öffnen. Was ich dort sah, war einfach nur unglaublich. Statt dem einen schwarzen Ballon befand sich dort nun ein ganzer Haufen der Sorte.

»Warum sind die Ballons alle schwarz?«, fragte ich ihn verwundert. »Weil ich so nun mal bin.« »Ich glaube ein oder zwei pinke Ballons dazwischen würden sicherlich nicht schaden.« Als diese Worte meine Lippen verlassen hatten, hoben wir ab.

»Das ist witzig«, sagte er, dieses Mal aber ohne dieses komische Lachen. Obwohl es gut zu seinem Satz gepasst hätte. »Was soll daran bitte witzig sein?« »Würde ich aus deinen Gedanken nicht das Gegenteil heraushören, dann könnte ich schwören, dass du dich erinnerst.«

Die Unmengen von schwarzen Luftballons trugen uns immer höher in den Himmel. Jetzt durfte keiner platzen. Meine Nervosität hatte er bemerkt und daraufhin zu meiner Beruhigung einen Arm um mich gelegt. Aber dass das keine normalen Luftballons waren, war sowieso schon klar. Sonst hätten meine Hände die Schur längt nicht mehr halten können.