The Hodded Boy I forgot
55 ◊ Forgot the „A“
-Jess’ Sicht-
»Denkst du, ich und mein Bruder werden dieser Gruppe wirklich gerecht werden?«, fragte mich Brianna. Ich war mir unsicher, was ich darauf antworten sollte. Die eiskalte Wahrheit war eigentlich: Nein. Es gab schließlich einen guten Grund warum es Loser nie an die Spitze schafften. Aber die letzten Wochen hatten meine Sichtweise geändert. Ich wollte uncoole Kids nicht mehr länger ausschließen, weil es mich keinen Deut besser als die machte, die mir das damals antaten. Selbst wenn das bedeuten würde, dass ich selbst wieder zu ihnen gehören würde – den Losern.
»Quatsch. Du und Damian passen perfekt in unsere Gruppe.« Poppy, Erin, Lou und Zoe schauten mich immer noch verdutzt an, als könnten sie mein Handeln nicht ganz nachvollziehen. Schwungvoll schulterte ich meine Tasche. Ich musste am Spind noch meine Bücher für die nächste Stunde zurechtsuchen.
»Kommt ihr mit?« Erin hatte ihr Sandwich bereits aufgegessen, deshalb fragte ich. »Ich muss mein Englischbuch austauschen.« Bio. Ich wollte gar nicht daran denken. Die anderen nickten nur und folgten mir alle wie selbstverständlich.
Doch kaum hatte ich besagten Ort erreicht, wäre ich am liebsten sofort wieder umgedreht. Da stand Dan, das größte Arschloch auf der Welt. Keiner konnte ihm diesen Rang streitig machen. Er lehnte samt Gang an seinem Schließfach, als wäre er der coolste weit und breit. Am liebsten hätte ich ihm das Grinsen aus dem Gesicht geschlagen.
Doch es war zu spät, um die Flucht zu ergreifen. Dan hatte sich zu mir umgedreht, beäugte belustigt die beiden Neuen hinter mir. Wow. Ich wusste gar nicht, dass eure Clique soweit sinken kann, dass ihr die Moppelgeschwister aufnehmt.« Wie mich dieser Kerl doch aufregte! Sein Fußvolk trat neben ihm, genauso breit grinsend. Lucas war anscheinend immer noch dabei. Hatte ich ihm eh nicht zugetraut, dass er sich ändern würde.
»Nicht jeder muss so oberflächlich wie ihr sein«, murmelte ich nur, darauf aus einfach nur meinen Spind zu öffnen und die verdammten Bücher auszuwechseln. Tja, Fehlanzeige. Cody hatte das Gespräch noch nicht für beendet erklärt. »Mir macht das nichts, Jess. Wenn du momentan Single bist, für dich hätte ich immer einen Platz in meinem Bett frei.« Igitt. Allein der Gedanke… So verstört ich gerade auch war, musste ich trotzdem lächeln. All das hatte meinem Ruf keineswegs geschadet.
»Nun, Cody. Ich wäre da vorsichtig. Ohne ihr Make-up, könnte Jess wieder zu unserer vertrauten rothaarigen Hexe werden. Nicht, dass du dich morgens beim Erwachen erschrickst«, ertönte plötzlich Lucas Stimme. WAS? DIESES ARSCH! Was war daraus geworden, dass er schweigen wollte? Am liebsten hätte ich geantwortet: Ach, dann küsst du also gerne Hexen? Aber die Jungs würden mir sicher nicht glauben, wenn Lucas das abstreiten würde. Dann wirkte ich auf die noch erbärmlicher. Nicht mit mir!
»Was? Echt jetzt? So gutes Make-up gibt es? Stimmt das, Jess?« Wow. Da fragte mich Cody doch tatsächlich, anstatt naiv jedes Wort zu glauben. Okay…. Vielleicht sollte ich einfach alles abstreiten. Andererseits… warum eigentlich? Inzwischen hatte sich die Situation geändert. Über die letzten Wochen durfte ich feststellen, dass mich meine Freunde trotzdem mochten. Mehr brauchte ich eigentlich nicht.
»Ja, Cody. Es stimmt. Meine Hautprobleme sind noch nicht aus der Welt. Na zu! Nennt mich Hexe, nennt mich wie ihr wollt! Mir egal.« Gelächter ertönte. Vertrautes Auslachen, das ich jetzt schon eine Weile nicht mehr gehört hatte. Da war es wieder. Bilder wollten sich in meinen Kopf setzen, wie rohe Eier in meinen Haaren gelandet waren… oder noch viel schlimmere Sachen.
»Mir fällt gerade ein, dass ich noch was erledigen muss. Wir sehen uns in Englisch.« Kaum hatten die Worte an meine Freunde meinen Mund verlassen, hatte ich die Tür zugeschlagen. Ich musste diesem dreckigen Gelächter einfach entkommen. Mit schnellen Schritten ging ich die Aula entlang, bis ich die Tür zu den Mädchentoiletten erreicht hatte.
Himmel, ich musste nicht mal! Ich brauchte lediglich einen Zufluchtsort und dieser war mir von früher noch ziemlich vertraut. »Ach! Erst auf taffes Mädchen machen und dann einfach abhauen!« Die Stimme hinter mir… Nein. Jetzt ist er wirklich zu weit gegangen. Lucas hatte mich bloßgestellt, dabei dachte ich, er hätte sich wirklich geändert.
Wie ein Blitz wirbelte ich mich zu ihm um und in der nächsten Sekunde klatschte meine Hand gegen Lucas’ Wange. Puh! Das hatte gut getan. Der Schock auf seinem Gesicht war unbezahlbar, während er sich mit der Hand die schmerzende Stelle rieb. »Jetzt kennen zumindest alle die Wahrheit«, versuchte er sich zurechtfertigen.
Innerlich bereitete ich mich darauf, dass noch weitere Worte folgten, die es in sich hatten. Er würde sich dafür rächen… ohne Zweifel. Aber er sagte nichts mehr. Er starrte mich einfach an. Hatte ich ihn gerade etwa sprachlos geschlagen?
»Es liegt nicht an dir solche Dinge über mich Preis zugeben. Du denkst jetzt vielleicht, alles wird zurück auf Anfang gehen. Doch du irrst dich. Richte Dan aus, sollte er die Dreistigkeit besitzen, auch nur ein falsches Wort über mich oder meine Freunde zu verlieren, werde ich persönlich dafür sorgen, dass sein Leben die Hölle auf Erde wird. Euer aller Leben, vollgemerkt.«
Jetzt aber. Jetzt würde er kontern. Ich legte mir bereits Gemeinheiten zurecht, die ich ihm an den Kopf knallen könnte, doch es blieb weiterhin still. Was war denn los? So hart hatte ich nun auch wieder nicht zugeschlagen. Nach einer gefühlten Ewigkeit fing er zu grinsen an. »Wusste ich doch, dass du dich nicht von jetzt auf gleich ändern kannst. Da haben wir wohl was Gemeinsam.« Nein, hatten wir nicht. Ich hatte die Moppelgeschwister aufgenommen und was hatte er getan? Er sabberte weiterhin Dan hinterher. »Wegen dir bin ich wieder ganz unten angelangt. Das wird Konsequenzen mit sich ziehen. Du weißt schon… Rache und so.«
Stolz über diese Ansage, wand ich mich wieder der Toilettentür zu, ohne dass das arrogante Grinsen aus meinem Gesicht verschwand. Tja, anscheinend war ich immer noch die eiskalte Anführerin, die Bienenkönigin, auch wenn ich jetzt einen Haufen Loser leiten würde. Einen letzten Blick in Lucas Richtung, bevor ich verschwand. Er grinste immer noch. Aber warum? Grinsen war nicht seine Art, im Gegensatz zu den anderen Jungs seiner Gang. Ich hasste dieses selbstgefällige Grinsen von jedem einzelnen so abgrundtief, besonders Dans. Dann hatte Lucas sich anscheinend in seinem Kopf schon einen brillanten Plan zurechtgelegt. Verdammt. Da konnte ich aber gegenhalten.