The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 24 von 62

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The Hodded Boy I forgot

24 ◊ Forgot the „G“

 

»Oh mein Gott! Ihr habt mich angelogen!« Da kam die Wahrheit ans Licht. Klar, war ja auch nur noch eine Frage der Zeit gewesen. So gut wie es ging hatte ich versucht nicht daran zu denken, aber wie es immer so schön war, wenn man krampfhaft versuchte nicht an eine Sache zu denken, am Ende tat man gerade das. »Dabei habe ich wirklich gedacht ihr würdet euch auch verstecken. Aber natürlich: Immer geht es um diesen verdammten Baum.«

»Tut uns wirklich leid, dass wir das Klischee erfüllen, aber du musst uns ja nicht hinterher laufen wie ein verlassener Köter«, merkte Hooded an. Über seine Worte musste ich schmunzeln. Schön zu sehen, dass er doch sowas besaß, das man ansatzweise als Humor bezeichnen konnte.

»Falsch. Gerade das ist für mich ein Grund euch noch weiter zu begleiten. Vielleicht schaffe ich es ja euch vom Gegenteil zu überzeugen.«

»Unwahrscheinlich«, murmelte ich nur. Halbe Sachen gab es bei mir nicht. Ich hatte mich jetzt dafür entschieden Hooded zu helfen, koste es was es wolle. Hauptsache die Kontrolle, die auf ihm lag, wurde am Ende aufgelöst.

Hooded, der uns den Weg leuchtete, schwang die Taschenlampe in die Richtung der In-thought. »Was war das noch von wegen, dass wir zwei eigenartige Leute wären? Du bist doch anscheinend selbst kein Stück besser.« Erschrocken hielt sich Hooded die Hände vor dem Mund, als hätte er etwas Falsches gesagt. Hä? Was meinte er denn jetzt damit?

»Ich dachte, du könntest von In-thoughts keine Gedanken lesen«, warf ich ihm vor. Wieso sollte er lügen?

»Doch… Ich… das wollte ich gerade eigentlich gar nicht sagen. Tut mir Leid.«

»Hast du aber. Also was ist jetzt?«, giftete ich.

»Ich habe gelogen. Ich kann die Gedanken von allen lesen. Eigentlich nur gerecht, wenn ich schon niemanden kontrollieren kann.«

»Hä? Warum hast du mich denn angelogen? Was bringt dir das?« Mein Kopf schwirrte. All das ist vollkommenen ohne Sinn.

»Ich habe nicht speziell dich angelogen. Jeder denkt, ich könnte die Gedanken der In-thoughts nicht lesen. Die Lüge kam ganz automatisch. Ich schütze mich nur vor den In-thoughts. Sie behandeln mich auch so schon schlecht genug. Ich will mir nicht ausmalen was wäre, wenn sie Wind davon bekämen…« Mit diesen Worten blickte er auffordernd zu Resi rüber, bittend sein Geheimnis zu bewahren. Dass ich dicht halten würde, ahnte er anscheinend schon.

»Wenn du mein Geheimnis bewahrst, dann verrate ich auch nichts«, erwiderte diese schlicht. Jetzt wurde ich doch neugierig.

»Okay. Und jetzt noch mal für die von uns, die keine Gedanken lesen können. Was für ein Geheimnis?«, warf ich ein. Die einzige Tatsache, um die ich Hooded beneidete: Er konnte Gedanken lesen. Resi jedoch winkte ab. »Die Story ist nicht besonders interessant und zu lang, als dass sie es wert wäre erzählt zu werden.«

»Tja. Dann ist es ja gut, dass Hooded vorhin meinte, dass es bis zum Gottheitsbaum noch ein Stückchen wäre. Ich habe Zeit.« Resigniert wand sie sich zu mir. Dabei lösten sich ein paar Haare aus ihrem Dutt. Stöhnend meinte sie: »Na fein. Dann zeig ich es dir eben.«

»Zeigen?« Ich musste mich wohl verhört haben. Oder hatte die In-thought mir nicht richtig zugehört?

»Ja, zeigen. Wir In-thoughts sind Herrscher der Gedanken. Auch wenn es oft vergessen wird, aber das beinhaltet nicht ausschließlich deren Kontrolle. Wir können unsere Gedanken auch anderen zeigen.«

Was ist aus der bewehrten Methode des guten alten Geschichtenerzählens geworden? Nicht nur, dass meine Eltern mir damals nie Märchen vorgelesen hatten, sie stattdessen mit mir am Plasmafernsehr anguckten, selbst an einem Ort wo weit und breit nichts dergleichen zu sehen war, musste mir die Geschichte gezeigt werden. Große Klasse.

»Begin? Wo bist du? Wir wollen essen. Anxiety kann auch mitessen meinte Mama.« Noch bevor ich irgendetwas aus meinem verschwommenen Umfeld identifizieren konnte, war da diese Stimme. Eine vertraute Stimme, Resis Stimme. Obwohl sich die Stimme vom Klang her so anhörte, als hätte ich selbst gesprochen.

Das verwaschene schwarz, das ich vor kurzem noch vor Augen hatte, verband sich nun mit lila-braun Tönen. Die Nuancen wurden immer präziser, da ich jetzt nicht nur mehrere Farbtöne vernahm, sondern auch Gegenstände erkennen konnte. Da war ein weißes Sofa in einem Zimmer, das eine lila Tapete mit Blümchenmuster besaß.

Mir gegenüber befand sich ein Himmelbett. Die Decke bewegte sich ein bisschen, da ganz in der Nähe ein Fenster speerangelweit geöffnet war. Auf den ersten Blick wirkte es auf mich wie ein typisches Mädchenzimmer. Es gab sogar ein Tisch, auf dem ein Schminkspiegel thronte. Das harmonische Bild wurde allerdings von den Bluttropfen auf dem Korkboden zerstört. Da lag ein Mädchen, das Resi ziemlich ähnlich sah, auf dem kalten Fußboden. In ihrer Brust steckte Holzstück, das anscheinend mal ihre Gardinen zusammenhalten sollte.

Ohne jegliche Kontrolle über meinen eigenen Körper, sackte ich zusammen, beugte mich über den toten Körper der In-thought. Auch die nassen Tränen auf meiner Wange, konnten nicht von mir stammen. Ich war Resi, was ihre (beziehungsweise meine) nächsten Worte auch bestätigten: »Begin! Oh Gott! Was-« Ihre Worte brachen und auch wenn ich keinen wirklichen Zugang auf ihr Inneres hatte, schien auch sie zu brechen.

◊

Schlag auf Schlag befand ich mich plötzlich in einer Art Büro, vor mir der typische seriöse Geschäftsmann. Okay, vermutlich würde er auf mich seriöser wirken, wenn er nicht diesen Riesenschädel hätte. Aber was soll’s. Ich bin hier schließlich nicht auf der Erde.

»Was soll es sonst sein, wenn es kein Selbstmord war, Miss?« »Dieser Anxiety ist bei ihr gewesen. Mir war der schon immer unsympathisch. Er hat sie getötet. Begin würde sich nie umbringen, dafür ist ihr Leben einfach zu perfekt.«

»Nichts ist perfekt. Aber wie dem auch sei… Auf dem Holzstück befanden sich nur ihre Fingerabdrücke.«

Egal wie komisch ich diese Resi fand, in diesem Moment tat sie mir wirklich leid. Ich hatte nie Geschwister gehabt, wenn ich mir auch immer welche gewünscht hatte. Ihr Verlust tat weh, so viel war klar. »Dann muss dieser Idiot sie kontrolliert haben!«

Der Geschäftsmann lachte bitte. »Ach kommen Sie… Jedes Kind hätte sich gegen solch eine Kontrolle wehren können.« »Aber ändert es etwas an der Tatsache, dass ER schuldig ist?« »Der Junge wusste nicht was er tat. Wer kann denn ahnen, dass sich das Gegenüber dagegen nicht wehren würde?«

»Mag sein, dass Anxiety es nicht beabsichtigte. Aber das ist ja das Problem in dieser verdammten Welt! Wir kontrollieren einfach willkürlich, ohne mit den Konsequenzen zu rechnen.« Das Bild hatte sich wieder verdunkelt. Vor mir schien lediglich Hoodeds Taschenlampe. »Inzwischen weiß ich, warum meine Schwester starb. Nämlich für eine höhere Sache. Wenn erstmal alle mit dieser verdammten Kontrolle aufhören, dann wird alles leichter sein. Meine Schwester machte den Anfang, ich werde ihre Mission fortsetzten.«

»Da hast du dir ja die richtigen zum Bekennen ausgesucht. Weder Poppy noch ich besitzen überhaupt die Möglichkeit andere Leute zu kontrollieren.« Da hatte er Recht. Resi sollte sich da vielleicht lieber Hoodeds Vater vornehmen. Der könnte eine Intervention sicher gut gebrauchen.

»Ich will euch ja gar nicht bekennen. Okay, außer dass ihr zum Gottheitsbaum wollt… damit bin ich immer noch nicht einverstanden. Nein, gerade weil ihr Kontrolle in erster Linie gar nicht ausüben könnt, wäret ihr gute Verbündete.« Aha. Verbündete also.

Gerade wollte ich ihr antworten, da kam Hooded mir schon zuvor: »Danke, aber wir müssen ablehnen.«

»Ach, das sagt ihr jetzt. Ich gebe nicht so leicht auf.«