The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 57 von 62

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The Hodded Boy I forgot

57 ◊ Forgot the „E“

 

 

Der Gong konnte heute gar nicht früh genug den Unterricht beenden. Das war natürlich immer so, nur wünschte ich mir den Schulschluss im Moment besonders stark herbei. Erst nach gefühlten Ewigkeiten, konnte ich mich auf den Heimweg machen… oder bessergesagt noch kurz einen Stopp bei der Wiese gegenüber einlegen.

Inzwischen sah ich die Bäume, an denen ich vorbei lief, mit ganz anderen Augen. Sie wirkten plötzlich auf mich wie ungelöste Rätsel. Die gesamte Welt stellte ich plötzlich in Frage. Ich blinzelte in die Sonne. Der Himmel war klar, nur wenige Wolken zogen vorbei. Da oben würde man irgendwann ins Weltall gelangen, nicht in eine verfluchte Welt, die sich Baum nannte… lächerlich.

Der Ballon ist aufgestiegen, aber irgendwo dort musste sich eine Art Portal befinden. Hatte man dieses erstmal erreicht, wurde man wieder von der Schwerkraft angezogen. Nur wo? Am besten, ich dachte nicht länger darüber nach. Auf eine Antwort würde ich ohne weiteres eh nicht kommen.

»Du brauchst da nicht hoch zu starren. Ich bin bereits hier unten.« Bei seiner Stimme zuckte ich kurz zusammen, obwohl ich natürlich irgendwie mit ihm gerechnet hatte.

»Ich weiß, ich-« Ich zögerte. »Egal. Hier, das gehört wohl dir.« Ich zog den Brief aus meiner Hosentasche und überreichte ihn Hodded mit zitternden Händen.

»Ich hätte euch nie gehen lassen sollen. Wusste ich doch, dass du ihn nicht übersetzen kannst.«

»Ich glaube jeder Buchstabe steht für einen bestimmten anderen Buchstaben im Alphabet.« Es brachte zwar nicht viel, trotzdem war es vielleicht eine Chance für die beiden. Unsterbliche hatten immerhin eine Ewigkeit zum Übersetzen Zeit.

»Keine Ewigkeit. Wer weiß schon, ob halbe In-thoughts ebenfalls unsterblich sind«, entgegnete er. »Noch ein Grund, warum ich ein In-thought werden will. Auch, wenn das sicher nicht der Hauptgrund ist.«

»Dann kennst du sicherlich auch die Lösung! Wenn dir das nächste Mal ein kleines, naives Mädchen über den Weg läuft, die dich begleiten will, dann lass sie nicht gehen.« Warum hatte er es damals überhaupt getan? Wegen seines großen Herzens, glaubte ich nachdem, was er mir und meinen Freunden angetan hatte, ganz sicher nicht mehr.

»Du hältst mich für ein Monster. Klar.«

»Es gibt keine Monster. Du hattest eine schlechte Kindheit, die dich zu dem gemacht hast, was du Heute bist. Das Übliche eben. Wenn ich dich damals nicht vergessen hätte, hätte es für dich vielleicht noch eine Chance gegeben. Jetzt ist es zu spät.« Ständig war es das. Es kotzte mich einfach nur noch an.

»Du weißt doch gar nicht, was ich für eine Kindheit hatte.« »Nein, aber ich kann es mir vorstellen.« Ich seufzte. Verdammte Vorurteile!

»Okay, na dann. Ich werde jetzt gehen.« »Für immer.« Ich stellte es beabsichtigt nicht als Frage. Es sollte vielmehr eine Bitte oder Aufforderung sein.

Er brauchte eine Weile, bis er antwortete. »Na schön. Ich werde nicht wiederkommen.« WAS?! Wieso sollte er… auf mich hören? Er brauchte doch immer noch sein Menschenopfer? Warum nicht einfach andere Menschen bezirzen.

»Ich wurde erzogen, Poppy. Selbstverständlich weiß ich, dass Menschenopfer nicht in Ordnung sind.«

»Ich denke, das weißt du eben nicht.«

»Doch, verdammt! Verstehe es doch! Ich tat es, obwohl ich mir der Konsequenzen bewusst war. Ein In-thought zu werden, war wichtiger. Warte, ich will es erklären. Ich habe dir nicht alles über mir erzählt.«

»Wow, bin ich schockiert«, murmelte ich mit jede Menge Ironie in der Stimme.

»Es stimmt: Ich kann Gedanken lesen, aber niemanden kontrollieren. Dafür kontrollieren andere mich.« »Hä? Was?« Manchmal war ich wirklich schwer von Begriff. Lag das nicht auf der Hand, dass In-thoughts sowas tun? »Ohne es wirklich zu wollen, meine ich. Denken sie gerade irgendwelche Sachen über mich, dann werde gehorchen – ohne Ausnahme.«

»Die In-thoughts oder…«

»Nicht nur die. Alle. Ich hätte dich nie im Leben gehen lassen, wenn ich selbst entscheiden könnte. Du wolltest es, also musste ich es tun. Zwar kann ich zu einem bestimmten Punkt rebellieren. Wie stark, ist immer unterschiedlich. Doch Schlussendlich bin ich meistens nichts weiter als ein Versager. Oder Sklave.«

Das wurde mir gerade echt zu viel. »Und war mit Lucas? Sicher haben wir dich alle dazu kontrolliert, ihn nicht zu töten.« »Oh, das habt ihr. In der Tat. Deshalb ist es mir bestimmt auch nicht gelungen. Dusk hat mir netterweise etwas geholfen, indem er mir ständig in Gedanken befiel, ihn endlich zur Strecke zu bringen. Ein innerer Kampf, ehrlich. Du hast Glück so viele Freunde zu haben, sodass ihr in der Mehrheit wart.«

Ich war sprachlos. Wirklich. »Deshalb werde ich nicht wieder kommen. Weil du es nicht anders von mir verlangst. Aber eins sollst du zum Schluss noch wissen: Meine Gefühle sind unantastbar. Egal wie sehr du von mir verlangst, dich sympathisch zu finden, ich werde dich immer als das Mädchen in Erinnerung behalten, das mir meine Zukunft verbaute. Zugegeben, zwischenzeitlich mochte ich dich, weil du mir helfen wolltest. Ich wollte dich ja sogar verschonen! Nun, jetzt nicht mehr.«

Wenn man glaubte, eine Situation konnte gar nicht schlimmer werden, wurde man immer wieder vom Gegenteil überzeugt. »Deine letzten Worte, tja, die beruhen wohl auf Gegenseitigkeit«, flüsterte ich. Dann flog er davon. Einfach so. Ohne ein letztes Wort, das auch nur ansatzweise wie eine Verabschiedung geklungen hätte. Irgendwann hatte sich der schwarze Fleck am Himmel aufgelöst.

Man konnte ihn also kontrollieren. Ob ich ihn damals kontrolliert hatte … als Kind? Wollte ich gar nicht fort von hier? Irgendwie schwer vorstellbar. Als Kind, erinnerte ich mich, zogen mich fremde Welten quasi magisch an. In meinem Kinderzimmer stand sogar ein Einhorn-Schaukelpferd. Inzwischen hatte ich die Nase von übernatürlichem Zeugs gestrichen voll. Zum Glück war das magische Portal nun geschlossen – für immer.