The Hodded Boy I forgot
48 ◊ Forgot the „B“
Ganz ruhig, Poppy. Nur nicht zu viel denken. Konzentriere dich auf die Wahrheit, die dich weiterbringt.
»Dieser Brief ist ganz offensichtlich in einer anderen Sprache verfasst.«
Dusk lachte. »Du bist ja eine ganz Schlaue.« »Aber nicht schlau genug, um diese Sprache zu beherrschen«, stellte Hodded fest. »Also… machen wir da weiter, wo wir aufgehört haben?«
»Kann schon sein, dass ich die Sprache nicht beherrsche. Das gilt allerdings für die meisten Sprachen auf der Erde. Es gibt so unglaublich viele, doch ich habe leider nur Englisch und Spanisch gelernt. Aber der Übersetzer könnte mir eventuell eine Übersetzung liefern.« Das war nicht mal gelogen. Auch wenn es ziemlich unwahrscheinlich schien, war es dennoch möglich.
»Warum sollte es auf der Erde eine Sprache geben, die es hier nicht auch gibt? Und diese Worte in sämtliche Übersetzungsmaschinen einzugeben, haben wir bereits versucht.« Hodded hielt felsenfest an seiner Meinung fest. »Auch wenn es aussichtslos erscheint, könnte es möglich sein, dass es in unserer Welt mehr Sprachen gibt.«
»Was verlangst du jetzt? Dass wir euch einfach so gehen lassen, damit ihr den Brief in diesen blöden Übersetzer eingeben könnt?« Das traf es so ziemlich auf den Punkt, ja. Dusk nickte. »Ich wäre bereit das Risiko einzugehen. Dieser Brief ist ungeheuer wichtig.«
»Aber klar würdest du dieses Risiko eingehen! Der Brief ist dir ja auch wichtiger als ich!«
»So sollte das jetzt nicht rüber kommen, aber-« »Lass es gut sein, Dusk.« Er wand sich von seinem Vater ab, hin zu mir. »Du weißt gar nicht, was du da verlangst. Lasse ich euch gehen, dann entgleitet ihr mir. Auf der Erde kann ich kein In-thought werden. Es muss auf dem Baum geschehen.«
»Auf dem Baum?« Wollte er das Opfer tatsächlich vorher noch auf den Livenus schleppen, oder wie?
»Unsere Welt heißt so – Baum.« Ich musste lachen. Baum? Was für ein bescheuerter Name für eine Welt.
»Ach und Erde ist besser? Ihr benennt eure Welt nach dem Dreck unter euren Füßen.« Stimmt, da ist schon was Wahres dran.
Dass ich jetzt überhaupt erst den Namen der Welt erfuhr, in der ich mich die ganze Zeit aufhielt, ist armselig. Ich versuchte mir von alles ein Bild zu machen: Von Hodded und seinem Leben. Aber Fakt ist doch, dass das hier alles total fremd ist. Ich wusste rein gar nichts.
»Tja, Hodded. Jetzt musst du dich wohl zwischen dem leichten, aber falschen oder den richtigen und schweren Weg entscheiden.«
Er richtete sein schwarzes Gesicht direkt auf mich. »Du nennst mich jetzt Hodded.«
Obwohl es keine Frage war, hatte ich das Bedürfnis darauf zu antworten: »Ja, es hat eine Weile gedauert, aber jetzt verstehe ich, warum die so heißt wie du heißt.«
Er schüttelte energisch den Kopf. »Nein, nein. Du weißt, dass das nicht stimmt. Ich habe keinen Namen.«
»Doch, den hast du. Du bist Hodded. Aber soweit mir bekannt ist, kann sich in eurer Welt der Name im Laufe des Lebens ändern.« Ich hoffte inständig, dass meine Worte etwas bei ihm auslösten.
Es dauerte eine Weile, bis er sich aus seiner Starre löste. »Ich würde gerne mit Poppy unter vier Augen sprechen.« »Bitte! Nichts lieber als das«, meinte Lucas. »Wenn du mich dann in Ruhe lässt.« Ich folgte ihn bis ans Wasser.
»Du bist in diese Welt gekommen, um mich zu retten.« »Ja, aber doch nicht so.«
»Dusk würde nie die Kontrolle aufheben. Nur als In-thought habe ich die Chance auf ein Happy End.«
»Ich mochte dich, weil du anders bist. Weil du das eben nicht bist.«
»Ich bin immer noch anders.« Ja, aber du hast mich enttäuscht. »Wäre ich ein In-thought, dann hätte ich dich bestimmt nicht hintergangen.« Dusk hatte mich als In-thought auch hintergangen. »Dusk ist Dusk. Er tut Dinge, die er nicht tun sollte. Aber so schlimm sind wir In-thoughts gar nicht.« Er sagte »wir«, wow.
»Ich werde euch gehen lassen, Poppy, damit du weißt, dass ich keine schlechte Person bin.« Oh, wie überaus großzügig. Jetzt hielt ich ihn natürlich mit einem Mal für Mutter Theresa. »Ich werde dich und deine Freunde retten. Kann ich auf dich zählen, dass du mich dann auch nicht aufgibst?« Ich zögerte. Eigentlich wäre es nur fair. Allerdings wollte ich ihn auf eine andere Art und Weise helfen, mit der er nicht einverstanden war.
»Du weißt, was ich von der Idee halte. Ich finde immer noch, du solltest zu dir selbst stehen – als der Halbling, der du nun mal bist. Aber ich kann dir versprechen, dass ich weiterhin versuche dir zu helfen. Allerdings mit Mitteln, die ich für richtig halte. Ich versuche diesen Brief zu übersetzen. Und sollte es einen humanen Weg geben, wie du zum In-thought werden kannst, dann bitte. Ich stehe dir jedenfalls nicht im Weg.«
Etwas anderes konnte ich nicht sagen. In dieser Welt fühlte ich mich irgendwie unglaublich machtlos. Es wurde Zeit, dass wir wieder Heim kehrten. »Dann ist das hier jetzt wohl der Abschied.« »Weißt du, du könntest mich all das vergessen lassen. Denn könnte ich ein drittes Mal auf deine Tricks reinfallen.« Meine Wut auf ihn war zu groß. Ich musste diese Worte einfach loswerden.
»Tu nicht so, als würdest du mich verstehen! Du wolltest unbedingt mit mir gehen, schon vergessen?« »Weil ich nicht wusste, was mich hier erwarten würde.« »Genau. Deswegen ließ ich dich das erste Mal laufen. Doch dann traf ich auf mein Schattenwesen. Es meinte, wir würden dich hier brauchen. Du wärest eine Schlüsselfigur in einer Sache, die uns alle betreffen würde.«
»Ach… und dieses Schattenwesen hat Ahnung?« »Es entstammt aus den Wurzeln des Livenus. Natürlich hat es Ahnung. Licht- und Schattenwesen kommunizieren für den Livenus.«
»Da hat sich euer Gottheitsbaum wohl geirrt. Ich gehe jetzt – bedeutungslos. Ich war weder das Opfer, das dich zum In-thought machen könnte, noch irgendeine andere Schlüsselfigur.« »Deshalb wollte ich dich erst nicht gehen lassen.« »Lass mich raten… Dann hat das Schattenwesen dir geflüstert, du solltest es doch tun. Kannst du denn keine eigenen richtigen Entscheidungen treffen?«
»In eurer Welt gibt es doch auch einen Gott, oder?« Ich nickte verwirrt. »Zumindest habe ich früher an einen geglaubt. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher.«
»Natürlich gibt es einen. Und damit meine ich nicht meinen Vater, nur weil er euch erschaffen hat. Egal wie Gott auch immer aussehen mag, er ist immer dafür, dass wir einen freien Willen haben.«
»Weise Worte. Und jetzt hast du beschlossen wie ein Gott zu handeln und mich selbst entscheiden zulassen? Ein bisschen spät, oder?«
»Nein, natürlich nicht. Niemand kann wie Gott sein. Menschen sind auch selbstsüchtig und lassen sich von ihren Gefühlen steuern. Deshalb solltest du verstehen, warum ich auch an mich denken musste. Immer nur an andere denken, kann auf Dauer nicht gut sein, Poppy.« Sprach er jetzt direkt zu mir? »Wir sollten im Gleichgewicht leben. Und da du in letzter Zeit zu viel an andere gedacht hast, anstatt an dich selbst, werde ich das jetzt für dich übernehmen. Auch wenn das bedeutet, dass wir dich als Schlüsselfigur in unserer Welt verlieren werden.«