The Hodded Boy I forgot
21 ◊ Forgot the „H“
-Lucas Sicht-
»Hör zu. Diese Seite des Zeltes gehört mir. Damit meine ich, komplett mir. Wehe ich sehe auch nur eine Sache hier drüben, die zu dir gehört. Haben wir uns verstanden?« Jemand wie David brauchte klare Ansagen, sonst würde das Ganze irgendwann ausarten.
»Ja, das gleiche kann ich nur zurückgeben.« Er dachte, er hätte etwas zu melden? Süß.
»Ich hoffe für dich, dass du nicht schnarchst«, keifte ich, einfach nur so.
»Dito.« Mann, regte mich dieser Typ auf. Wer glaubte er, dass er war? Wäre das hier ein Schulausflug, dann würde er es sich nicht trauen diese Worte zu mir zu sagen.
»Hör auf mit der Scheiße.« Wie durch ein Wunder sagte er im Anschluss tatsächlich nichts mehr. Zufrieden, das letzte Wort gehabt zu haben, stieg ich in meinen Schlafsack und machte es mir gemütlich. Meine Augen waren geschlossen, ich war bereit in meine Traumwelt einzutauchen, als plötzlich seine verdammte Stimme neben mir erdröhnte. Kopf ab, so einfach ist das.
»Was?!«, brummte ich, weil ich wirklich kein einziges Wort von seinem Bullshit aufgenommen hatte.
»Versuche wenigstens mit mir klar zu kommen. Wir sind die einzigen Männer hier. Müssen wir deswegen nicht zusammenhalten?« Sein Ernst?
Ich richtete mich wieder aus meiner gemütlichen Position auf. »Du hast mich geweckt, weil du findest wir sollten netter zueinander sein?« Der Typ war ein Witz.
»Du hast schon geschlafen? Und nein. Ich habe dich eben gefragt, ob du mal was mit Erin gehabt hast – oder noch am Laufen hast.« Jetzt musste ich doch grinsen. Daher wehte der Wind also.
Na gut. Aber nur, weil er es so gewollt hatte. »Ja, wusstest du das nicht? Sind wir nicht das Pärchen schlechthin in der Schule?«, spottete ich.
»Oh. Das wusste ich ja gar nicht.«
»Naja, Privatsphäre ist uns natürlich sehr wichtig.«
»Seit wann denn schon?« Der konnte ja Fragen stellen. Klar, dass er selber was von Erin wollte. Ich wäre zu gerne dabei, wenn Erin ihn fallen lässt.
»Drei Monate«, meinte ich schulterzuckend. Ich denke, das wäre ein guter Zeitraum.
Plötzlich fing David an breit zu grinsen. Warum grinste er? »Dann scheint das aber keine solide Beziehung zu sein, wenn sie andere Typen küsst.« Was? Erin hatte David geküsst? Och nö. Ich war davon ausgegangen, dass die Gefühle nicht auf Gegenseitigkeit beruhten. Immerhin redeten wir hier von Loser-David. Sie könnte doch jeden haben. Warum nimmt sie gerade den?
Etwas überfordert legte ich mich wieder hin. »Wir führen eine offene Beziehung.«
»Ah, die Art von Beziehung, die bedeutet: Ich liebe dich nicht, aber lass trotzdem zusammen sein.« Genau die, Idiot. »Tja. Irgendwann wird sie aber jemanden finden, den sie wirklich liebt und für den wird sie dich dann verlassen«, meinte er als wäre er Mutter Theresa höchstpersönlich.
»Denkst du, dass du mich so ärgern kannst? Es kümmert mich nicht, wenn Erin mich für einen anderen verlassen würde.« Außer, wenn du es bist, aber das hat nichts mit mir zu tun. »Also bist du einer von der Sorte, der zu keinen Gefühlen fähig ist? Das kann ich mir nämlich nicht vorstellen, sonst wärest du nicht mitgekommen, um Poppy zu retten. Sie bedeutet dir etwas.«
»Bist du irgendwie hirngestört? Ich habe nie behauptet nichts zu empfinden, sonst wäre ich ja ein Roboter. Mir wäre es nur egal, wenn Erin sich einen anderen sucht.« Eine Ausnahme bestätigt wie gesagt die Regel.
Erleichtert, dass er mich jetzt endlich in Ruhe zu lassen schien, entspannte ich mich jetzt gänzlich. Der Tag war echt anstrengend gewesen, was meine Knochen auch andeuteten. Das Liegen tat wirklich gut.
»Liebst du sie?«, fragte er plötzlich. Grrr, war das sein beschissener Ernst?!
»Hast du mir gerade überhaupt zugehört? Wenn Erin einen anderen hat, dann-«, wollte ich sagen, doch David unterbrach mich: »Ich rede auch nicht von Erin.«
Ich seufzte. Dass er ein Weichei darstellte, war mir bereits bekannt. Bestimmt sprach er in seiner Freizeit gerne über so etwas wie Gefühle und das gerade bedeutete Hobbyverwirklichung. Da hatte er sich aber das falsche Opfer gesucht. »Wieso sollte ich sie lieben, wenn sie mich immer wieder verlässt?«
»Du liebst sie also.« Sag mal, war der irgendwie taub?! »Ich weiß es nicht, okay? Ich dachte es mal… aber jetzt bin ich mir da nicht mehr sicher.«
»Warum? Weil du jetzt zu cool bist, oder was?« Warum unterhielt ich mich überhaupt mit diesem Spinner darüber? Der hatte doch gar keine Ahnung.
»Beziehungen halten sowieso nicht. Irgendwann gibt es nur noch Streit. Man weiß, dass man sich trennen sollte, tut es aber trotzdem nicht, weil man sich irgendwie verpflichtet fühlt die Beziehung zu retten.«
Ich drehte mich auf die andere Seite, sodass ich ihn nicht mehr in die Augen gucken brauchte. »Weißt du, das gilt nicht für alle Beziehungen. Meine Großeltern haben schon goldene Hochzeit gefeiert und sind immer noch total glücklich miteinander.« »Schön. Die Beziehungen in deiner Familie mögen halten, aber meine sind bestimmt zum Scheitern verurteilt.«
»Was hat das denn damit zu tun? Das hat was mit dem Partner zu tun und ob er der Richtige ist.«
»Und du glaubst, dass Poppy die Richtige für mich ist?«, fragte ich lachend. »Wäre sie das, dann wäre sie jetzt bei mir und nicht bei diesem gruseligen Typen mit der Kapuze.«
»Poppy ist doch nur bei ihm, weil er Hilfe braucht. Und wie Poppy nun mal ist, hilft sie. Deshalb magst du sie doch, oder?« Das wurde mir wirklich zu blöd. Der Typ glaubte von allem Ahnung zu haben, obwohl er das nicht hatte.
»Ich werde jetzt schlafen«, brummte ich. »Na schön. Nur tu dir selbst den Gefallen und lass dein Herz nicht zu Stein werden.« Zu Stein werden? Der hatte doch irgendwas geraucht.
◊
Irgendwann musste ich trotz Davids nervigem Gelaber doch eingeschlafen sein. Auf jeden Fall war ich in der Lage durch ein schallendes Gelächter von draußen wach zu werden. David neben mir, saß plötzlich kerzengerade im Bett. »Hast du das auch gehört?«
»Ja. Vermutlich werden die uns gleich holen und anschließend essen«, lachte ich. Dieser Loser würde mir vermutlich sogar glauben.
»Das ist nicht witzig«, funkelte er mich an. Ohne weiter auf ihn einzugehen, suchte ich meine Sachen zusammen, um zu gucken, was draußen los war. Er brauchte zwar noch einen Moment, um zu schnallen was ich vorhatte, doch dann folgte er mir.
»Was ist hier denn los?«, fragte ich, als ich bemerkte woher der Lärm kam. Lou und Jess hielten es anscheinend für angebracht, jetzt mitten in der Nacht (keine Ahnung wie spät wir es wirklich hatten), baden zu gehen. Als sie uns erblickten liefen sie beschämt aus dem Wasser, um sich ein Handtuch umzulegen.
Jess huschte an mir mit gesenktem Blick vorbei. Die Schminke war ab, wie es aussah. Aber auf ihr Gesicht achtete ich im Moment auch gar nicht, musste ich gestehen. Mann, hatte die einen durchtrainierten Körper! Jetzt konnte ich Cody irgendwie besser verstehen, wenn er davon sprach wie heiß Jess ist. Klar, ihre Wimperntusche war verschmiert und das bröckelige Make-up zeigte gerötete Mittesser. Aber das sah Cody ja für gewöhnlich nicht, wenn sie alles perfekt überdeckt hatte.
Lou, die sich bereits ein Handtuch umgelegt hatte, kam mit großen Schritten auf mich zu. Es schien ihnen peinlich zu sein, weil sie in Unterwäsche baden gegangen sind. Ich würde das nie verstehen. Mit Bikini hätten sie doch genauso viel Haut gezeigt… aber naja, ein ungelöstes Mysterium.
»Ihr hättet uns ruhig Bescheid sagen können. Dann wären wir alle gemeinsam baden gegangen«, grinste ich.
Mein Angebot ignorierte sie einfach und kam direkt zum Punkt: »Ich warne dich, wenn du in der Schule auch nur ein Wort über Jess’ unreine Haut verlierst, mache ich dich einen Kopf kürzer.« Natürlich war ihre Drohung lachhaft. Die kleine Lou hätte nicht die Kraft mir auch nur ein Haar zu krümmen. Auch wenn sie ihren Standpunkt ziemlich deutlich machte.
Desinteressiert zuckte ich mit den Schultern. »Keine Sorge, ich hätte eh nichts gesagt. Die neue Jess ist mir und jedem anderen auch, viel lieber.« Jeder wusste, dass ich nicht gut lügen konnte. Das hatte sich irgendwann mal in der Schule rumgesprochen. Es stimmte irgendwie, auch wenn ich es besser konnte, als die meisten glaubten. Jedenfalls war dieses Gerücht der Grund, warum Lou nicht weiter nachbohrte und mir in der Sache einfach vertraute. Konnte sie auch. Ich sah keinen Grund, warum ich die alte Jess wieder aus der Schublade locken sollte.