The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 11 von 62

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The Hodded Boy I forgot

11 ◊ Forgot the „I“

 

 

Plötzlich trafen meine Füße auf sandigen Boden. Nicht diesen angenehmen Strandboden, den ich von unzähligen Urlauben an der East Coast kannte. Der Sand scheuerte rau an meinen Füßen. Von feinem Sand konnte hier keine Rede sein.

Die Unmengen an schwarzen Luftballons waren geplatzt, bis auf einen einzigen, der mir jetzt eine bessere Sicht auf meine Umgebung verschaffte. Vor uns befand sich ein Gewässer, an dem große Wälder grenzten. Es war bereits dunkel, aber das machte nichts, da es überall Öllampen gab, die uns den Weg leuchten würden.

Der Wind um uns war zu aufbrausend. Er brachte einen fremden Geruch mit sich, der mich ein wenig an denen von neuem Schreibpapier erinnerte. Aber das passte einfach nicht an diesen Ort, der Grund warum sich meine Nase irren musste.

»Doch gar nicht so schlimm hier, oder?«, fragte mich der Kapuzenjunge, nachdem ich mich eine Weile lang umgesehen hatte. Er hatte Recht. Schlimm wäre nicht das Wort wie ich sein Zuhause beschreiben würde. »So hast du es aber beschrieben«, erinnerte ich ihn.

»Nein. Ich liebe die Landschaften hier, mehr noch als die auf der Erde. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die In-toughts, vorne ran mein eigener Vater, es aber sein könnten. Ich habe dich nicht angelogen als ich meinte, dass ich keine so tolle Kindheit hatte.« Dabei bewegte er sich immer weiter auf das Wasser zu. Nicht nur das es vollkommen klar zu sein schien, von der Oberfläche ging auch ein gewisser Glanz aus.

»Wo willst du hin? Ich kann nicht schwimmen. Können wir nicht den Weg durch die Wälder nehmen, um zu deinen Vater zu gelangen?«, fragte ich den Kapuzenjungen, der jetzt immer deutlicher zeigte, dass er wirklich plante durchs Wasser zu schwimmen.

»Wir schwimmen doch gar nicht. In dieser Welt kann man sich aussuchen, ob man das Wasser zum Schwimmen oder zum Gehen nutzen möchte.«

Ich musste über seine Worte zwei Mal nachdenken bis ich sie verstanden hatte. Und selbst dann konnte ich mir immer noch nicht vorstellen, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag. »Übers Wasser gehen? Etwa wie Jesus?«

»Ich habe zwar keinen Schimmer wer dieser Jesus ist, aber deinen Gedanken nach zu urteilen liegst du mit deiner Vorstellung von der Sache ziemlich richtig.« Mir wurde klar, dass sich dieser Typ wohl niemals auf der Erde zuhause fühlen würde. Nicht nur, dass er bislang nicht in der Lage war die Menschen anzugucken. Himmel, er kannte ja nicht mal Jesus!

»Wenn es dir hier an sich eigentlich gefällt, warum bist du nicht einfach nur von deinem Vater abgehauen und hättest dir dein eigenes Leben aufgebaut?« Kaum hatte ich ihm diese Frage gestellt, wusste ich die Antwort. Denn ich musste mir dieselbe Frage auch schon unzählige Male stellen. Dass meine Mutter nicht an mich glaubte, war offensichtlich. Aber trotzdem würde sie immer meine Mutter bleiben. Ein Teil von mir fragt sich dann andauernd, ob sie nur so denkt, weil sie mich liebt. Weil sie nicht möchte, dass ich später auf der Straße lande.

»Wäre mein Vater nicht, dann würde es mich vermutlich schon längst nicht mehr geben. Er beschützt mich vor den Angriffen der anderen In-thoughts, die mich ständig kontrollieren wollen und auch könnten, wenn er nicht wäre.«

»Das tut er, weil er dich trotz alldem liebt. Deshalb können dich die Menschen auch nicht ansehen, weil dein Vater Angst hat was die Menschen dann mit dir machen würden.«

Könnte ich jetzt sein Gesicht sehen, dann wäre es vermutlich mit Zorn erfüllt. Zumindest verriet mir das seine Stimme. »Wage es nicht über ihn zu urteilen, wenn du ihn nicht kennst. Er liebt mich nicht. Er beschützt mich, weil er sich schuldig fühlt und nicht noch mehr Schuld ertragen kann. Das einzige was er in mir sieht… den größten Fehler seines Lebens.«

Mein Blick wanderte hoch in den Himmel. Irgendwo da oben mussten wohl meine Freunde und meine Heimat sein. Warum hatte ich sie für eine wildfremde Person verlassen? Vermutlich… auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein hatte, weil wir uns in ziemlich ähneln. Klar, ich bin beliebt. Aber trotzdem konnte ich mich nie irgendwo zu ordnen. Ständig zweifelte ich an Freundschaften, auf die ich eigentlich nicht verzichten wollte. Und wer hatte Schuld daran? Meine Mutter.

Sie glaubte nicht daran, dass ich eine anständige Zukunft, eine Karriere, auf die Reihe bekam… jedenfalls nicht ohne den richtigen Kerl, den richtigen reichen Kerl.

Der Mond am Himmel konnte meistens auch nicht sein wahres Selbst zeigen. Ständig musste er sich im Schatten der Finsternis verstecken. Aber wenigstens hatte er den einen Tag im Monat, so wie ich diesen Kapuzenjungen hatte. Deshalb war ich mit ihm gegangen. Weil er die Sache in meinem Leben war, die nicht beliebt war, die nicht mit gutem Aussehen punkten konnte und wie er auf mich wirkte, auch nicht mit Geld.

Aber anders als bei dem Mond und mir hatte der Kapuzenjunge niemals diese Ausnahme. Sein Gesicht war Rund um die Uhr verborgen und das würde sich auch nicht ändern. Außer ich würde ihm helfen. Deshalb bereute ich es auch nicht. Nein, ich hatte die richtige Entscheidung getroffen. Das war kein Fehler.

»Was ist denn jetzt? Kommst du endlich?« Ich war so in meinen Gedanken versunken gewesen, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass er bereits mit beiden Füßen auf dem Wasser stand. Er hatte anscheinend keine Probleme sich auf der Oberfläche zu halten.

Ich atmete einmal kurz durch und trat dann zu ihm. Natürlich ahnte ich, dass auch mir nichts passieren konnte. Meine Knie schlotterten aber trotzdem. Wasser blieb nun mal Wasser. Es gab einen Grund, warum ich das Schwimmen nie gelernt hatte. Ich hatte im Umgang damit keine guten Erfahrungen sammeln können.

»Was ist?«, fragte mich der Kapuzenjunge irritiert. »Wasser war mir noch nie geheuer. Da kann man so leicht untergehen.« Die Erinnerungen an meine Kindheit bezüglich des Ausflugs an den See verdrängte ich schnell wieder. »In diesem Wasser aber nicht.«

»Woher willst du das wissen? Nur weil du nicht untergehst? Vielleicht liegt es gar nicht an dem Ort, sondern daran, dass ich ein Mensch bin und du eben nicht.«

»Ich war in Gewässern auf der Erde, die mich nicht tragen konnten.« »Vielleicht können Menschen hier aber trotzdem nicht übers Wasser laufen.«

Er stöhnte leise auf. »Okay. Wenn du untergehst, dann rette ich dich, verstanden?«

»Verstanden.« Und obwohl mir mein Verstand riet dieser fremden Person nicht so einfach zu trauen, beruhigten mich seine Worte und ich setzte einen Schritt nach vorne. So wie der Kapuzenjunge zog auch ich vorher noch meine Schuhe samt Socken aus. Dann traf mein nackter Fuß auf das kalte Wasser.

»Na siehst du. Ich wusste doch, dass das Wasser dich tragen wird. Würde es nämlich nur bei In-thoughts funktionieren, dann würde ich auch untergehen«, erklärte er mir. Irgendwie fühlte sich das Nasse an meinen Füßen angenehm an. Es war fast so als könnte ich so den Kampf gewinnen, den ich sonst immer verloren hatte.

»Können wir rennen?«, fragte ich, woraufhin er zu lachen anfing. »Wieso das denn?«

»Ich hätte nie gedacht, dass ich je wieder in die Nähe eines Sees kommen würde, geschweige denn ihn sogar zu berühren. Wenn man will, dann kann man alles schaffen!«

Ich konnte mir gut vorstellen, dass er mir nicht ganz folgen konnte, aber das war mir egal. Ich wollte rennen, damit ich das Gefühl von Freiheit um mich fühlen konnte. »Ich verstehe schon.«

»Das denke ich nicht.«

»Doch. Schon vergessen? Ich kann deine Gedanken lesen.«

Vergessen nicht. Aber daran gewöhnen würde ich mich wohl nie. Ich schämte mich dafür, dass er wirklich Zugang auf all die Dinge hatte, die mir durch den Kopf gingen. Auch wenn er jetzt versuchte mich zu beruhigen: »Keine Sorge. Ich kann dich total verstehen. Manchmal renne ich einfach so hier rum, wenn mir mein Leben mal wieder über den Kopf steigt. Also… was sagst du? Wollen wir gemeinsam rennen?«

Ich antwortete nicht. Ich rannte einfach los. »Wer als erstes bei deinem Vater ist«, rief ich ihm noch zu. Ich hatte einen klaren Vorsprung.

»Dir ist schon klar, dass das kein fairer Wettkampf werden kann, oder? Nur ich kenne von uns beiden den Weg.« Aber mir war das gerade völlig egal. Der Wind wehte durch meine Haare und fast fühlte ich mich so als könnte ich fliegen.