The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 36 von 62

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The Hodded Boy I forgot

36 ◊ Forgot the „S“

 

 

Als die Wanduhr drei Uhr schlug, öffnete ich meine Augen. Ich schlug meine Sandaletten unruhig gegeneinander.

»Noch ein Stück Kuchen, Poppy?«, lächelte mir Mrs. Bagehot entgegen. Nichts auf der Welt war schöner als das Lächeln dieser Frau. Meine Mami lächelte viel zu selten. »Vielen Dank, sehr gerne.« Ich reichte ihr meinen Teller mit dem Blümchenrand entgegen. Deshalb verbrachte ich das Wochenende so gerne bei Lucas und seiner Familie.

»Müsst ihr denn gar nicht in den Kindergarten?«, fragte Mr. Bagehot, der gerade in seiner Zeitung vertieft war. »Es ist Wochenende, Papa!«, meinte Lucas lachend. »Bald gehen wir in die Schule, Poppy. Dass Schule nicht samstags ist, weiß Papi dann zum Glück.«

Dieser fing nun auch zu lachen an. »Es ist einfach unlogisch! Es gibt nämlich ziemlich viele Leute, die samstags auch arbeiten müssen.«

»Apropos arbeiten«, setzte Mrs. Bagehot an und reichte ihrem Mann eine braune Tasche. »Käsebrot und Apfel sind eingepackt.«

Mr. Bagehot grinste von seiner Zeitung auf. »Dann hat der Tag ja doch noch etwas Schönes an sich. Trotzdem würde ich am liebsten bei euch bleiben.« Er stand auf und küsste seine Frau sanft auf die Lippen.

»Iiiih, Papa! Du kannst Mama auch woanders küssen.« Während er dies sagte, stibitzte er sich schnell ein Stück von meiner Torte.

»Hey! Das ist meine! Vielleicht solltest du einfach Mal langsamer essen?«, und schlug dabei nach seinen Fingern. Er konnte manchmal ganz schön frech… Moment, nein! Das hier ist Lucas! Der ist immer frech, nein, nicht frech – einfach ein Vollidiot. Und das hier bin auch nicht ich. Ich habe keine Schuhgröße achtundzwanzig oder was auch immer… Ich bin fast volljährig! Das hier war gar nicht real.

Als die Wanduhr drei Uhr schlug, öffnete ich meine Augen. Ich schlug meine Sandaletten unruhig gegeneinander.

»Komm, Poppy. Wir gehen zu Riley. Mama und Papa können uns hier gerade nicht gebrauchen.« Lucas zog mich von meinem Stuhl, weg von dem verführerischen Kuchenstück. Schade aber auch. »Tut uns sehr Leid, Poppy. Du siehst ja, es gibt noch so viel Arbeit zu erledigen. Schade, dass heute kein Kindergarten ist. Sonst könntet ihr da jetzt spielen.«

Die letzten Worte von Mrs. Bagehot, nahm ich nur noch ganz schwach wahr. Lucas und ich waren bereits ins Nebenzimmer abgehauen, wo Rick mit Bauklötzen spielte. »Wolltest du kein Kuchen?«, fragte ich ihn. Er hatte nämlich eindeutig etwas verpasst.

»Ich spiele lieber mit meinen Bauklötzen.«

Lucas gähnte. »Langweilig. Gut, dass wir sowas nicht machen, oder Poppy?«

»Möchtest du mit uns nach draußen gehen? Wir könnten uns ein cooles Geheimversteck bauen, das nicht nur aus Bauklötzen besteht.« Lucas Worte ignorierte ich einfach, weil er nicht besonders nett zu seinem einzigen Bruder war. Warte… nicht nett. Verdammt! Ich bin wieder drauf reingefallen, oder?

»Lucas! Lass das verdammt nochmal! Wie oft willst du mich diese Szene noch durchleben lassen? Dadurch wird sie nicht realer.«

»Wenn das hier nicht real ist, Poppy, dann muss es in deinem Kopf stattfinden. Ich würde sagen, dann entscheidest du, was passiert – nicht ich.«

Als die Wanduhr drei Uhr schlug, öffnete ich meine Augen. Ich schlug meine Sandaletten unruhig gegeneinander.

Mir war der Appetit vergangen, als ich die Nachrichten sah, die im Hintergrund mitliefen. Ich blickte von meiner Torte hoch und schaute in das grinsende Gesicht von Rick. »Wo ist Lucas?« Ich schaute mich im Raum um, doch er war nirgends zu entdecken.

»Er hatte keinen Hunger. Hast du das etwa vergessen?«, hakte seine Mutter nach.

»Ja, stimmt. Aber dann hätte er mir doch zumindest Gesellschaft leisten können…«, murmelte ich.

»Scheint, als wäre er gerade lieber bei seinen Bauklötzen als bei seiner besten Freundin. Warum bist du überhaupt mit ihm befreundet? Wenn du möchtest können wir zusammen nach draußen gehen und dort etwas spielen. Dann musst du nicht ständig mit Lucas in der Bude hocken.«

Gerade wollte ich mich wieder laut stark über Lucas aufregen, dass Rick schon immer der bessere Bruder gewesen ist und ich mehr Zeit mit ihm hätte verbringen sollen. Da erkannte ich ein Muster. Nicht das Muster, dass sich diese Küchenszene im Hause der Familie Bagehot ständig wiederholte. Ja, ich erinnerte mich.

»Was hast du denn, Poppy? War doch nur ein Vorschlag.« »Das wäre jetzt eigentlich der Punkt, an dem ich sagen sollte, dass das hier nicht real ist. Doch dann würde das hier immer so weitergehen. Denn die Wahrheit ist: Das hier ist die Realität. Es stimmt, dass Lucas früher einmal der wichtigste Bestandteil meines Lebens war. Möglicherweise war er sogar der einzige, der damals für mich da war.«

»Der einzige? Jetzt übertreibst du aber! Wir haben uns auch ziemlich gut verstanden.«

»Nimm es mir nicht übel, Rick, aber du warst nun mal nur der Bruder meines besten Freundes. Tut mir Leid, aber ich muss dringend zu ihm. Wo ist er jetzt?«

Rick hob skeptisch die Augenbraue. »In seinem Zimmer vermutlich?«

Ohne weiter auf Rick einzugehen (ich weiß, sehr unhöflich), sprintete ich aus der Küche, die Treppen hoch. Als ich die Tür zu Lucas Zimmer aufschlug, sah ich ihn auf dem Fußboden kauern. Neben ihm lagen Bauklötze, die er immer höher und höher stapelte. Die Situation wirkte an sich so real, wäre neben ihm nicht das hässliche spitze Messer. Es zerstörte das Bild.

»Jetzt weiß ich, dass es real ist, Lucas! Bitte, du musst mich die Küchenszene noch einmal erleben lassen. Dieses Mal aber bitte die reale Version.«

»Dir ist schon klar, dass ich in der realen Version kein Messer bei mir tragen werde, oder?« Das Messer! Irgendwo in meinem Hintertürchen dämmerte es mir, dass es wichtig war. Andererseits konnte nichts so wichtig sein, als endlich die Wahrheit herauszufinden.

»Mir egal. Bitte, setze alles auf Anfang. Ein letztes Mal.« Er nickte zufrieden. »Ich wusste doch, dass du mich dieses Mal nicht im Stich lassen wirst. Wenn du willst, kann es so bleiben… für immer.«

Als die Wanduhr drei Uhr schlug, öffnete ich meine Augen. Ich schlug meine Sandaletten unruhig gegeneinander…