The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 60 von 62

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The Hodded Boy I forgot

60 ◊ Forgot the „I“

 

Sein schwarzes Kapuzengesicht befand sich direkt vor mir. Nichts war zu erkennen, obwohl er unmittelbar gegenüber von mir stand. »Du hast mein Leben ruiniert«, schluchzte ich. »Du glaubst ich hätte deins ruiniert? Nein, du hast meins ruiniert wie du es so wunderbar kannst. Du denkst, du kannst das Leben von einer Person zum Besseren wenden? Du ruinierst es eher, wie das von Lucas und deiner Mutter. Mich mal außenvorgelassen.«

Zum gefühlten tausendsten Mal wachte ich schweißgebadet aus meinem Albtraum auf. So konnte das definitiv nicht weitergehen. Ich brauchte Abstand von meinem Leben. Ob meine Eltern mich irgendwo Urlaub machen ließen? Diesen Ort konnte ich definitiv nicht mehr ertragen. Ich starrte auf den Wecker. Es war vier Uhr – noch mitten in der Nacht. Nur wollte ich nicht mehr einschlafen. Es würde eh nicht lange dauern, bis ich wieder erwachte, so unruhig war mein Schlaf. Möglicherweise sollte ich gleich morgen Früh mit Mum zum Arzt und mir Tabletten verschreiben lassen, oder sonst etwas, das mich beruhigen könnte.

Jetzt würde ich definitiv nicht mehr zur Ruhe kommen. Um irgendetwas zu tun, ging ich rüber zum Schreibtisch und kramte in der Schublade nach Zettel und Stift. Als ich fündig wurde, setzte ich mich hin, um mir alles, was mir im Kopf spukte, von der Seele zu schreiben:

Das ist nicht fair. Du bist verschwunden, für immer. Aber hast du schon mal daran gedacht, dass du mich so nicht einfach zurücklassen kannst? Ich weiß noch alles. Jedes verdammte Detail. Und es zerreißt mich von innen, warum auch immer. Ich würde es ja nicht zulassen, aber ich kann nicht anders. Eine Vorwarnung wäre nicht schlecht gewesen. Aber sei’s drum. Möglicherweise könnt ihr ja überhaupt gar keine Träume kontrollieren und ich werde einfach nur wahnsinnig.

Das eine oder das andere: Du wirst diesen Brief hoffentlich nie lesen. Das würde nämlich bedeuten, du hast dein Versprechen mir gegenüber eingehalten. Aber ich vertraue dir nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass du ihn doch liest, ist gar nicht mal gering. Und darauf muss ich jetzt bauen. Du musst wiederkommen – ein letztes Mal. Ich muss dich vergessen. Wenn du es damals konntest, warum dann nicht jetzt? Klar. Ich bin kein Kind mehr. Ich sollte mit der Wahrheit umgehen können. Nur kann ich es nicht.

Es ist der einfache, leichtere Weg, nicht unbedingt der bessere – ich weiß. Ich erzähle dir etwas übers Kämpfen, wenn ich es selbst nicht mal geschissen bekomme. Lieber lebe ich mit einer Lüge, anstatt so. Es wird sich auch nicht zum Besseren ändern können. Selbst wenn die Zeit vergeht, erinnerst du mich an all mein Versagen. Bei dir habe ich versagt. Du bist der Grund, warum ich dasselbe auch bei Lucas verbockt habe. Also bringe es wieder in Ordnung! Das ist keine Bitte, sondern ein Befehl!

Poppy

◊

Der Regen auf meiner Haut fühlte sich unglaublich erfrischend an. Meinem Schlafmangel tat das besonders gut. Den Zettel hatte ich in meine Hosentasche geknüllt. Dieses Mal würde ich den Brief wohl nicht nur unter einen Stein legen, sondern irgendwo, wo kein Regen hinfiel. Jenes Haus samt Gruselfrau, eignete sich perfekt dafür.

Konnte ich sie überhaupt noch Gruselfrau nennen? Verglichen mit dem Rest ihrer Familie war sie quasi die Biene Maja, die jeder mochte.

Die Monate zogen ins Land, ohne dass sich der Zettel auch nur Millimeter bewegte. Ab einem bestimmten Zeitpunkt hatte ich aufgegeben. Sprich, der Brief landete in meinem Papierkorb. Ich hätte meine Erinnerungen löschen können, wenn ich Hoddeds Mutter nach dem schwarzen Ballon gefragt hätte. Wenn ich zu ihm zurückgekehrt wäre. Doch das Risiko, dass sie mit diesem Messer auf mich warten würden, war mir zu groß.

Ich könnte Hodded kontrollieren es nicht zu tun, nur wäre er mit Dusk zusammen stärker, wenn ich alleine aufkreuzte. Meine Freunde wollte ich, aus dieser Sache, für den Rest meines Lebens heraushalten. Ihre Leben würde ich nicht noch mal riskieren. Und wer garantierte mir, dass er dort drüben nicht mit einer ganzen In-thought-Armee auf mich wartete? Das war sicher seine Absicht. Er durchkreuzte meine Träume, damit ich ihn anflehte meine Erinnerungen an ihn auszulöschen. Er plante, dass ich zurückkehrte. Nein! Nicht mit mir!

Egal, was auch passierte, ich würde stark bleiben. Nie wieder würde ich auch nur einen Fuß in diese Welt setzen. Das schwor ich mir.

»Das macht dann neunundneunzig Cent.« Ich durchforstete mein Portmonee nach einem Dollar. »Verreist du?« Die Verkäuferin kannte mich, weil die Stadt klein war und hier alle hingingen, wenn sie mal ein-Dollar-Sachen benötigten. Außerdem war sie die Mum von Charlie, einem Jungen, der eine Stufe unter mir war. »Kann man so sagen«, erwiderte ich.

»Das ist auch richtig. Den Abschluss hast du in der Tasche. Die Zeit danach sollte man nutzen, um so viel wie möglich von der Welt zu sehen.«

»Naja, soweit soll die Reise gar nicht gehen.« »Auch gut. Man möchte ja die Möglichkeit haben, zu seinen Lieben zurückzukehren.« Nachdem ich mich verabschiedet hatte, zog ich meinen Trolley in die Straße, die sich gleich rechts gegenüber befand.

Vorher öffnete ich noch den Reißverschluss, um das Helium mit der Aufschrift Partyspaß herauszuholen. Es war nicht viel, aber für einen Ballon reichte es mindestens. Jetzt hatte ich hundert pinke Luftballons, die ich am Ende alle in die Tonne kloppen könnte. Ich brauchte nur einen, um endlich mit der Sache abschließen zu können. Ich würde Hoddeds Mutter nicht nach dem schwarzen Ballon fragen, sondern einen pinken steigen lassen.

Der Ballon wurde immer größer. Nachdem der Knoten befestigt war, ließ ich los. Er stieg auf, wie es der schwarze auch einst getan hatte. Da oben musste sich doch etwas befinden. Ein Zugang oder wirklich ein Portal. Wo befand sich diese verdammte Welt sonst? So oft hatte ich mir diese Frage gestellt, wenn ich den Himmel auch nur angeschaut hatte. Doch das Heute war anders. Es sollte das Ende sein. Ich erlaubte dieser Frage den Zugang zu meinen Gedanken nicht.

Nur wie war es so oft? Wenn man krampfhaft versuchte, an eine Sache nicht zu denken, dann tat man am Ende genau das.