The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 38 von 62

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The Hodded Boy I forgot

38 ◊ Forgot the „I“

 

 

-Erins Sicht-

Dass David sich dazu entschieden hatte, uns nicht zu begleiten, enttäuschte mich nicht. Im Gegenteil: Ich war erleichtert. Ständig führte ich mir wieder ins Gedächtnis, dass Dusk sich irren konnte und wir tatsächlich eine Chance hatten, Poppy daraus zu holen. Ein Teil von mir hoffte immer noch, dass das alles nur ein Traum war, aus dem ich bald erwachen würde. Obwohl sich das hier alles viel zu real anfühlte…

Während wir jetzt nach und nach auf die andere Seite wechselten, hörte ich noch wie das In-thought-Mädchen zu dem Kapuzenjunge sagte: »Guck dir das an! Die schaffen es tatsächlich alle.« Und dann war ich drüben. Hier war es eindeutig heller, trotzdem nicht zwangsläufig angenehmer. Unter mir war hässlicher Teerboden, der mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte.

»Ich mag diesen Ort nicht«, murmelte ich. Am liebsten wäre ich sofort wieder umgekehrt, wenn Poppy hier nicht irgendwo festsaß. »Ach, komm. Der dunkle Wald eben war schlimmer«, meinte Lucas. Da konnte ich ihm nicht ganz zustimmen. Aber das ist vermutlich Ansichtssache.

»Auf welchen Untergrund steht ihr gerade? Kommt mir nämlich so vor, als würde er hier gar nicht hergehören«, fragte uns Jess. Nicht, dass ich es mir nicht vorstellen konnte, dass es auch hier Teerboden gab. Doch Jess hatte Recht. Dieser Teerboden gehörte nur an einen Ort.

»Schätze, dass jeder von uns etwas anderes sieht«, mutmaßte Zoe.

»Wahrscheinlich. Lass uns aufhören darüber zu diskutieren und einfach weitergehen. Hier finden wir Poppy ganz sicher nicht«, meinte ich und zeigte auf den großen Baum, der sich oben auf dem Berg in einer Glaskugel befand. »Da muss sie sein.«

»Gut geraten, Erin«, lachte Lou. »Wenn wir erst mal oben angekommen sind, dann bin ich mit meinen Kräften wohl am Ende.« »Und das, Schätzchen, ist der Grund, warum ich dir ständig eintrichtere mehr Sport zu treiben«, tadelte Zoe ihre Freundin. »Hey! Ich kann nichts dafür, dass ich unsportlich geboren bin.«

»Ach Lou, ich wurde doch auch unsportlich geboren«, stellte Jess grinsend klar. »Trotzdem solltest du wenigstens versuchen, dich etwas fit zu halten. Kann nie schaden.« »Ist ja gut. Ich werde ja trotzdem durchhalten.«

Ich zog mir meinen Rucksack zu Recht und folgte den anderen Richtung Wasserfall. Es sah irgendwie witzig aus, dass das Wasser den Boden nicht mal mit einem einzigen Tropfen durchnässte. Oder… möglicherweise tat es das ja, nur konnten wir es nicht sehen. »Es könnte gut sein, dass wir nie wieder zurückkehren, weißt du?«, ertönte plötzlich eine Stimme neben mir. Eindeutig Jess.

»Ach, was du nicht sagst.«

»Macht dir das keine Angst?«, fragte sie, offensichtlich, weil sie selbst am ganzen Körper zitterte.

»Natürlich. Warum auch nicht?«

»Naja, wenn wir wirklich nicht zurückkehren… Es gibt einfach noch so viele Dinge, die ich klären müsste.«

Wem sagte sie das. Das Gefühl, nicht wirklich zu sterben, dennoch möglicherweise nie mehr Heimzukehren, war grausam. Würden wir wenigstens noch einander haben? Nicht mal das konnten wir garantieren.

»Bevor wir aufgebrochen sind, um Poppy zu retten, habe ich mich heftig mit meiner Mum gestritten. Ich könnte es nicht ertragen, sie nie wieder zu sehen. Sie ist das Wichtigste in meinem Leben.«

Auch wenn ich mich mit meinen Eltern nicht wirklich gestritten hatte, konnte ich Jess nur zu gut verstehen. »Warum bist du dann mitgekommen? Du hättest bei David bleiben können.« Am liebsten wäre es mir, wenn sie alle bei David geblieben wären. Doch dass sie das niemals zulassen würden, lag sowas von auf der Hand.

»Keine Ahnung. Weil ich es Poppy schulde? Vielleicht habe ich auch Angst nach allem was passiert ist, meiner Mutter unter die Augen zu treten. Sie macht sich gerade bestimmt ziemlich große Sorgen.« Ich wollte gar nicht daran denken. Poppy ist meine beste Freundin, aber meine Familie ist meine Familie… und es brach mir gerade fast das Herz.

»Wenn wir je wieder zurück zur Erde gelangen, dann werde ich Josh noch eine Chance geben«, sagte Jess plötzlich, woraufhin ich lachen musste.

»Ach ja? Wieso das denn auf einmal? Hatte er nicht irgendwas falsch gemacht?« Was immer das auch gewesen sein musste.

»Stimmt, das hat er zwar. Aber ich schätze, dieser Fehler war nicht so schwerwiegend, als dass ich ihm dafür nicht verzeihen kann. Dieser Ausflug hat mir vor Augen geführt, dass ich jemanden in meinem Leben brauche, der immer an meiner Seite steht. Irgendwann hatte ich eh geplant mich zu binden. Vielleicht sollte ich langsam anfangen ernst zu machen.« Wow. Diese Worte von Jess. Wow.

»Und Josh ist da tatsächlich der Richtige?«, neckte ich sie. »Vielleicht«, sagte sie grinsend. »Wird man sehen.« »Wow, allein das ist schon ein Grund, warum wir unbedingt wieder von hier verschwinden müssen.«

»Ganz sicher. Der wichtigste überhaupt.«

Dieser Ausflug schien Jess tatsächlich verändert zu haben. Im positiven Sinne, meine ich. Ihre sarkastische Bemerkung war zum Beispiel ein Zeichen dafür. Jess machte eigentlich nie sarkastische Bemerkungen.

Als wir den Wasserfall erreicht hatten, schlugen wir den Weg ein, der sich direkt dahinter befand. Sicher einleuchtend, dass wir dabei etwas nass wurden. Bei diesem Wetter, das einen ohnehin schon zittern ließ, sicherlich nicht Vorteilhaft. Rational betrachtet, hatten wir im Moment aber größere Probleme.

»Warum muss das so steil hoch gehen?«, fragte Lou stöhnend. »Ich will ja jetzt nichts sagen, aber ich hab’s dir ja gesagt. Sport, Liebes«, tadelte Zoe.

Lou streckte Zoe scherzhaft ihre Zunge raus und kämpfte sich weiter nach oben – buchstäblich gesprochen. Sie stützte sich bei jedem Schritt auf ihre Beine ab. Ich meine, so steil war das wirklich nicht. Selbst ich schaffte es irgendwie.

»Poppy sollte das hier wirklich zu schätzen wissen«, brummte Lou. Ja, wir waren eine ziemliche komische High-School-Clique. Das konnte keiner mehr leugnen.