The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 53 von 62

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The Hodded Boy I forgot

53 ◊ Forgot the „R“

 

Es war mitten in der Nacht, als ich plötzlich hochschreckte. Klopfte da etwa jemand ans Fenster, um diese Uhrzeit? Noch total verschlafen, quälte ich mich aus dem Bett. Ich öffnete das Fenster irgendwie zombieartig. Ja, im Aufwachen war ich total schlecht. Ich brauchte erstmal literweise Kaffee bevor überhaupt etwas lief.

»Hodded?« Nein, das konnte nicht sein. Verschlafen rieb ich mir die Augen. Doch er stand da tatsächlich mit seinem schwarzen Luftballon in unserem Vorgarten. Fast hätte ich ihm das Fenster wieder vor der Nase zugemacht, so überrascht war ich. »Was willst du von mir? Es ist mitten in der Nacht.«

»Das konnte ich ja nicht wissen. Du weißt, wie das Zeitverhältnis vom Baum sich mit dem der Erde unterscheidet. Und jetzt bin ich hier… also.«

»Also?«, fragte ich verwirrt.

»Du hast etwas, was mir gehört.« Der Brief, natürlich. »So schnell willst du ihn wieder haben? Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, ihn in die Suchmaschine einzugeben.« Trotzdem ging ich zum Schreibtisch rüber, um ihn zu holen. Ich blickte auf die Tintenschrift, die jetzt total verschwommen war. »Außerdem bin ich im Moment viel zu müde, um sie überhaupt zu lesen.«

Als ich wieder zu Hodded ans Fenster ging, stand da plötzlich nicht er, sondern Dusk. »Der Brief ist mir egal.« Das musste ein Traum sein. Sicherheitshalber beugte ich mich aus dem Fenster, um nach Hodded Ausschau zu halten, doch er war verschwunden. »Er ist nicht hier. Du hast Recht. Du träumst.« Erleichtert atmete ich aus. Auch wenn es seltsam war, da ich in der Regel nie darauf kam, dass ich gerade träumte. Und wenn, dann wachte ich sofort danach auf.

»Bist du etwa noch nicht selbst drauf gekommen? Wir In-thoughts können uns in eure Köpfe schleichen und euch kontrollieren. Warum also nicht auch in eure Träume?« Heftig schüttelte ich meinen Kopf. »Nein. Nicht, wenn uns Welten voneinander trennen. Das ist nur eine Paranoia meines Unterbewusstseins.«

Dusk zuckte mit den Schultern. »Glaube was du willst. Ich werde das hier trotzdem sagen. Vielleicht gibt es ja den winzigen Schimmer Hoffnung, dass du auf mich hörst. Ich weiß, dass Hodded dir erzählt hat, dass du für unsere Welt eine Schlüsselfigur darstellst. Du weißt schon, weil ich Gedanken lesen kann und so…« In seiner Stimme klang stolz mit. Darauf sollte er sich nichts einbilden. Was nütze es Gedanken lesen zu können, wenn man trotzdem ein Idiot ist.

»Ich bin hier nicht der Feind, Poppy. Ich hoffe, dass dir das irgendwann klar wird. Wir brauchen dich. Aber nicht nur wir, sondern auch die Menschen.«

»Die Menschen?« Als ob.

»Unsere Welten sind miteinander verbunden. Momentan jedenfalls noch. Es liegt an dir, dass es so bleibt.«

»Ich hätte nichts dagegen, wenn der Zugang zu eurer Welt sich in Luft auflösen würde.«

»Du Dummerchen! Ich bin dieser Zugang! Ihr existiert nur wegen mir.«

»Das glaube ich nicht.«

Er lachte. »Dann sei weiterhin das verblödete, kleine Mädchen. So wirst du die Welt aber nicht retten können. Du musst endlich einsehen, wer der wahre Feind ist.«

Der wahre Feind. Aus seinem Mund hörte sich das ziemlich lustig an. »Warte. Der wahre Feind. Erin hat mir davon erzählt. Damit meinst du bestimmt Same, nicht wahr? Aber nur weil er dir alles genommen hat, ist er nicht automatisch der Feind aller.«

»Ich spreche ja auch nicht von Same, sondern von Hodded. Er war es schon immer: Mein furchtbarer Fehler. Er war mein Preis, den wir jetzt leider alle zahlen müssen.«

Wut kochte in mir auf. Hodded hatte mich zwar angelogen und Fehler gemacht, doch aufgrund seines üblen Vaters tat er mir immer noch Leid. »Ich sagte es bereits zu Hodded: Ich bin keine bescheuerte Schlüsselfigur. Und wenn jemand Schuld an allem hat, dann du!«

»Stimmt. Trotzdem bin ich nicht das verdammte Problem! Irgendwann musst du dich zwischen dem Wohl aller und dem einer einzelnen Person entscheiden. Inzwischen kenne ich deine Gedanken gut genug, um zu wissen, dass du immer möglichst viele retten willst.«

»Richtig. Aber selbst wenn Hodded sich dazu entscheiden sollte ein In-thought zu werden, macht ihn das nicht zum Feind von uns allen. Ein Halbling ist nicht automatisch ein Monster.«

»Du verstehst es immer noch nicht, oder? Ich habe eine komplett neue Welt samt Spezies erschaffen wollen. Alles im Leben hat seinen Preis. Für so einen großen Wunsch, musste ich selbstverständlich zahlen. Der Preis ist nicht nur einen Halbling als Sohn zu haben, sondern viel größer als du dir vorstellen kannst. Er betrifft uns alle!« Wie gerne wollte ich jetzt aufwachen.

»Wenn ich eure Schlüsselfigur sein soll, dann solltest du etwas über mich wissen. Ich gebe nicht einfach auf. Kein Mensch kann von Natur aus ein Monster sein.«

»Kein Mensch oder In-thought. Aber Hodded ist weder das eine noch das andere.«

»Aber er hat Gefühle. Und alle die, die fühlen können, haben eine Chance auf ein Happy End.«

»Okay. Wenn du meinst. Vielleicht irre ich mich ja wirklich. Nur denke an diesen Traum, wenn du irgendwann mal nicht weiter wissen solltest.« Wenn ich mal nicht weiter wusste?! Bei meiner zukünftigen Berufswahl, oder was? Denn mit den In-thoughts hatte ich ein für alle Mal abgeschlossen. Mit diesem Brief wird alles enden.

Was danach passierte, wusste ich nicht mehr genau. Das nächste, an was ich mich erinnerte, war das Klingeln meines Weckers. Halb sieben. Na toll. Der Alltag, der sich Schule nannte, nahm wieder seinen Lauf. Auch wenn alles wieder normal sein sollte, hatte ich nicht das Gefühl, dass das wirklich der Fall war.

Schon alleine, weil mein Vater (ja – er war es wirklich!) mir Frühstück ans Bett brachte. »Morgen, Kleines. Wie geht’s uns denn heute?« Er hatte definitiv noch Schuldgefühle. Auch wenn er sich ziemlich Mühe gegeben hatte, brachte ich (außer dem Kaffee vielleicht) keinen Bissen runter. Ich ergriff den Brief, der neben meinem Bett lag. Gestern Abend noch hatte Google keine Treffer für diese Sprache angezeigt.

Auch wenn ich inzwischen eine Theorie entwickelt hatte. Der Brief war immerhin ganz normal aufgebaut. Oben musste eine Art Anrede stehen, unten der Abschied. Hodded meinte, dass der Brief in Dusks Handschrift verfasst wurde. Ganz unten standen die Worte: Bijz. Das waren vier Buchstaben – wir bei Dusk. Was, wenn einfach nur alle Buchstaben vertauscht wurden? Dann würde B D, I U, J S und Z K sein. Nur würde es Ewigkeiten dauern dies für den ganzen Brief herauszufinden. Es war also, wie zu erwarten, hoffnungslos.