The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 59 von 62

PDF-Seiten

The Hodded Boy I forgot

59 ◊ Forgot the „W“

 

-Zoes Sicht-

»Einen Cappuccino, bitte. Und etwas von dem Erdbeerkuchen.« Das Bistro war heute besonders voll, musste ich zu meinem Bedauern feststellen. Hoffnungsvoll schaute ich mich um. Doch ich erblickte kein vertrautes Gesicht aus der Schule oder von sonst wo. Ob das wohl wegen der Taste of Cambridge Crab Cook-Off so voll war? Mich interessierte dieses Event nicht mehr, weil wir dort alle Jahre teilnahmen. Aber die Leute kamen aus aller Welt, um unsere Kleinstadt zu besuchen.

»Ist hier noch frei?«, fragte ich ein braunhaariges Mädchen, das am Fenster einen Brownie verputzte. Sie nickte nur, da ihr Mund anscheinend voller Kuchen war.

»Wohnst du hier?«, fragte mich das Mädchen mit einem Akzent, der entweder deutsch oder niederländisch sein musste.

»Jep. Geboren und aufgewachsen.«

»Echt tolle Stadt. Das muss ich schon sagen.« Ihr Englisch war ziemlich abgehackt, aber ich konnte sie dennoch verstehen. »Woher kommst du?«, fragte ich sie.

»Deutschland.« Hab ich’s doch gewusst. Mann, war ich gut.

Ich schaute mich weiterhin nach einem bekannten Gesicht um. Das konnte doch nicht sein. Freitagnachmittags im Sommer, wimmelte es hier in der Regel nur so von Schulkammeraden. »Du suchst jemanden, oder? Diesen Jungen da? Er guckt dich an die ganze Zeit.« Ihren komischen Satzbau ignorierend, folgte ich ihrem Blick zu dem Jungen, der mich anscheinend anstarrte.

Es war David, der mutterseelend allein an seinem Brötchen kaute. Warum kam er nicht zu mir rüber? Etwas angepisst, dass er mich einfach ignorierte, winkte ich provozierend auffällig. Er senkte den Blick, nahm dann aber doch seinen Teller und kam zu uns. »Du kennst ihn? Kein Stalker?«

Ich musste lachen. »Nein, er ist kein Stalker.«

»Hey, warum hast du dich nicht einfach zu mir gesetzt? Ich beiße schon nicht«, begrüßte ich ihn scherzend. »Ja, du weißt schon. Erin hat es doch bestimmt erzählt. Ich will mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben. Ich passe da nicht rein.« Ach, richtig. Erin wollte mit ihm zusammen sein, David aber nicht.

Der Kopf des deutschen Mädchens huschte zwischen uns hin und her. »Ich verstehe nicht ganz.«

»Da geht es dir wie mir«, murmelte ich. »Das mit dem da passe ich nicht rein, ist doch völliger Quatsch, David. Eigentlich passt niemand irgendwo rein. Am Ende stehen wir doch nur für uns selbst.« Gedankenverloren spielte ich mit dem Löffel meines Cappuccinos.

»Habe ich was verpasst?«, fragte David verwirrt. Ich seufzte. »Die meisten Freundschaften gehen irgendwann in die Brüche. Wir geben alle Lucas die Schuld dafür, aber unsere Clique entfernt sich nicht wegen ihm langsam voneinander. Lou und ich zum Beispiel. Das habe allein ich verbockt, wegen meiner Lügen.«

»Dabei hätte der Ausflug uns doch zusammenschweißen sollen, nicht?«, lachte David.

»Das hat er sicherlich. Nur ist Annäherung nicht immer zwangsläufig etwas Gutes.«

»Soll Ausflug irgendeine versaute Metapher sein?«, fragte die Deutsche. »Denn wenn dem so ist, lässt Gras drüber wachsen.« Sie drehte sich zu David. »Man nutzt Mädchen nicht auf diese Weise aus. Du weißt doch, dass du tief in dir Gefühle für sie empfindest.« Jetzt war ich an der Reihe: »Jungs! Was erwartest du? Sie werden dich nicht gleich heiraten wollen. Gebe ihm Zeit.« Wow. Sie verstand wirklich nichts.

»Äh, ja. Was ist das deutsche Wort für Nerd?«, fragte ich David. »Ich weiß, was Nerd ist«, entgegnete sie. Ich zeigte auf David. »Er ist ein Nerd. Der Nerd meiner Freundin. Nein, falsch. Ex-Nerd.«

Jetzt schien ihr ein Licht aufzugehen. »Ah! Puh! Zum Glück! Sonst müsste ich nämlich verschwinden. Ich bin nicht gerne das dritte Rad am Wagen bei unangenehmen Situationen. Wie heißt ihr eigentlich?«

»Ich bin Zoe und das ist David.«

Das Mädchen nickte. »Ah. Ich heiße Annika.«

Ein Mädchen mit schulterlangen, hellbraunen Haaren trat neben den Tisch und sagte etwas in einer Sprache, die ich nicht verstand. Deutsch vermutlich. Annika antwortete und wand sich anschließend zu uns in Englisch: »Das ist meine Schwester. Wir wollen weiter. Tschüss, dann.«

»Bye«, verabschiedete ich mich.

»Und? Gehst du da auch gleich hin?«, fragte mich David. Den Kopf hatte er auf sein Handy gerichtet. Neugierig schaute ich ihm unauffällig über die Schulter. Könnte ja sein, dass er doch wieder Kontakt zu Erin hatte. Doch alles was ich sah: Er hatte Google aufgerufen, um sich über Universitäten zu informieren. Ich gähnte theatralisch.

»Nicht schon wieder. Dieses Jahr passe ich wohl.«

Er nickte abwesend. »Stimmt. Ist doch eh immer das Gleiche.« Er hob den Blick. »Lou und du habt doch bestimmt schon die Aufgaben in Geschichte nachgearbeitet, oder?« Unser Streberduoruf …

»Keine Ahnung, was mit Lou ist, aber … ja, habe ich.« Mich ärgerte es, dass er das überhaupt fragen musste. »Sag nicht, du willst abschreiben?!« Ich tat gespielt entsetzt.

»Natürlich nicht. Ich habe selbstständig alles nachgearbeitet.« Wie hätte es auch anders sein können. »Nur bin ich mir bei sehr vielen Sachen, die ich aufgeschrieben habe, nicht ganz sicher. Vielleicht könnten wir uns ja austauschen?« Ich lachte. »Geschichte fand ich eigentlich ziemlich einfach. Könnte daran liegen, dass ich über das Thema mal einen Film gesehen habe.«

»Gut, dann beruht der Austausch eben nicht auf Gegenseitigkeit.« Mir gefiel der Gedanke, dass ich besser vorbereitet war als David. Lernen war zwar total ätzend, aber Streber zu sein ganz sicher nicht. Wissen ist Macht, oder wie hieß es noch gleich? Mag sein, dass ich mich anfangs nur zu Lou gesellt habe, weil sie ein Streber war und die Einzelgänger sind.

Inzwischen mochte ich mein Leben – so wie es ist. Ich war gerne ein Streber, der seine beste Freundin leider unheimlich doll vermisste. Irgendwie musste ich es wieder gerade biegen. »Und? Was sagst du zu meinem Angebot?« »Ist gebongt.«