The Hodded Boy I forgot
37 ◊ Forgot the „N“
-Resis Sicht-
Unruhig ging Hodded auf und ab, während ich ihn belustigt beobachtete. Ich wette, dass er es inzwischen bereute, nicht mit ihr gekommen zu sein. Ja, ich war immer noch der festen Überzeugung, dass wenn er es nur gewollt hätte, diese Mauer überschritten hätte. »Sie hätte inzwischen längst zurück sein sollen«, murmelte er, mehr zu sich selbst. Er hatte beschlossen, mich einfach zu ignorieren. Warum auch nicht?
»Ich könnte dir jetzt sagen: Hab’s dir ja gleich gesagt, aber das würdest du eh stumpf ignorieren.«
»Nein! Wer sollte dieses Messer sonst besorgen können, wenn nicht Poppy?« Was das wohl für ein Messer war? Laut Poppys Gedanken, konnte es anscheinend Wunder vollbringen. Den In-thoughts die Kontrolle nehmen, war das, wofür ich stets gekämpft hatte. Kaum vorstellbar, dass ein einziger Gegenstand die Welt so einfach machen könnte. Was wenn er Poppy angelogen hatte…? Immerhin schien der Grund, den sie glaubte, ziemlich abwegig.
Wiederwillig gab ich den Zugang zu meinen Gedanken für Hodded frei. Da ich grundsätzlich wenig über hatte, wenn es ums Kontrollieren ging, schaffte ich es auch nicht lange meine Gedanken vor anderen zu verbergen. Der einzige schwerwiegende Nachteil des Ganzen…
»Vielleicht ist es ja so. Schon mal daran gedacht, dass es Gegenstände gibt, nie man nie in die Finger bekommen kann?« Typisch In-thoughts, dass sie glaubten, alles stehe ihnen zur Verfügung. Dabei war er hier nicht mal der In-thought von uns beiden.
»Aber-« Darauf fiel ihm wohl nichts mehr ein, weil ich ganz einfach Recht hatte. Davon ging ich aus, aber jetzt war ich mir nicht mehr so sicher. Hodded hatte nämlich mitten im Satz abgebrochen, weil er etwas gehört hatte. Auch ich nahm jetzt das Knacksen von Ästen hinter mir wahr. Neugierig, und leider auch etwas ängstlich, drehte ich mich um meine eigene Achse. Konnte nur hoffen, dass es nicht Lichtwesen oder ähnliches waren. Schließlich befanden wir uns immer noch an diesem grausamen Ort.
»Papa?!«, stieß Hodded überrascht aus. Dann sah ich ihn auch: Den In-thought, der in Begleitung von weiteren Menschen war! Verrückter Tag Heute, aber echt! Zwar versuchte dieser In-thought vor mir natürlich seine Gedanken zu verbergen, doch in mir breitete sich eine Vorahnung aus. Ich gehörte zu meiner Familie, weil sie mich damals bei sich aufgenommen hatten, als die Wurzeln des Livenus mich formten. Irgendwas sagte mir, dass diese zwei noch viel mehr miteinander verband, als es für gewöhnlich üblich war.
»Ah! Guckt an, wie schnell wir sie gefunden haben«, sagte Hoddeds Vater zu den Menschen.
Einer von ihnen kam mit großen Augen auf mich zu. »Poppy? Bitte sag nicht, dieser Kerl hat dich bereits in einen von ihnen verwandelt.«
Ich musste lachen. »Verwandelt?! Als ob jemand so große Kräfte wie der Livenus besitzen könnte. Nein, ich bin Resi, die Begleitung.« Ich streckte ihm höfflich die Hand entgegen, die er allerdings nicht ergriff. Auch gut. Auf jeden Fall schien er über meine Aussage ziemlich erleichtert zu sein. Verständlich. Inzwischen hatte er bestimmt genug In-thoughts kennengelernt, um zu wissen wie die meisten tickten.
»Wo ist Poppy?«, fragte ein blondes Mädchen, das neben dem Jungen stand.
Ich kam nicht umher, daraufhin schadenfroh in Hoddeds Richtung zu grinsen. »Ja, genau. Wo ist Poppy, Hodded? Warum seid ihr nicht mehr zusammen unterwegs.«
Auch wenn ich sein Gesicht nicht sehen konnte, seine Augen waren nicht schwer zu verfehlen. Diese starrten mich jetzt direkt an und sprühten nur so vor Zorn. Fast hätte ich Angst vor ihm bekommen. Er wollte auf mich losgehen, ohne Zweifel. Doch auch diese Vermutung schien sich nicht zu bewahrheiten. Okay, vielleicht hätte er es wirklich gerne gemacht, doch im Moment schien er eher das Bedürfnis zu haben, dies bei seinem eigenen Vater zu tun.
»Sie ist schon seit Ewigkeiten beim Livenus! Kannst du mir sagen, warum sie noch nicht zurück ist?«, fuhr er den In-thought an. Dieser, sichtlich überrascht von Hoddeds Tonlage, zuckte mit den Schultern.
»Es war lediglich eine Vermutung, dass Poppy es schaffen könnte.«
»Was soll das jetzt heißen? Was ist mit Poppy?, fragte ein leicht dunkelhäutiges Mädchen.
»Naja«, setzte Hoddeds Vater an. »Das kommt ganz darauf an mit welcher Absicht Poppy den Livenus betreten hat. Ein Grund, warum man sie nicht all zu starr festlegen sollte. Möglich, dass man dort nie mehr wegkommt.«
»Ach? Und das hättest du uns nicht vorher mitteilen können?«, fragte Hodded, in einem Ton wie ich niemals mit meinen Eltern reden würde.
»Der Livenus meinte, es wäre möglich…«, murmelte er als Antwort vor sich hin. Ohne Zweifel, dass das anscheinend nicht ganz gestimmt hatte.
»Worauf wartet ihr dann noch? Wir müssen Poppy da rausholen!«, erklang die Stimme eines rothaarigen Mädchen, das ich bislang noch gar nicht bemerkt hatte.
»Das würde ich an eurer Stelle nicht versuchen. Ihr braucht, wie gesagt, einen Grund. Ihr könnt in eurem Fall nicht ausweichen, da eure einzige Absicht ist, Poppy zu retten. Das wird euch aber nicht gelingen und auch ihr werdet auf ewig dort festsitzen«, warnte Hoddeds Vater.
»Na super…«, brummte Hodded. »Toll hingekriegt.« Der blonde Junge drehte sich zu den anderen Menschen um. »Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich werde jetzt nicht einfach aufgeben. Wenn auch nur die geringste Chance besteht, dass wir Poppy daraus bekommen, dann sollten wir diese nutzen.«
»Oh, aber die gibt es nicht«, warf Hoddeds Vater ein. Die Menschen taten mir gerade total Leid.
Der blonde Junge tat so, als hätte der In-thought überhaupt nicht gesprochen und starrte seine Freunde weiterhin erwartend an. Obwohl… laut seinen Gedanken, war ich mir nicht mal sicher, was die anderen für ihn waren.
»Kaum zu glauben, dass ich das Mal sage, aber ich denke Lucas hat Recht. Warum sind wir sonst hier?« Inzwischen hatte ich das rothaarige Mädchen genauer in den Augenschein genommen. Anscheinend hatte sie hier das Sagen.
»Ich… also. Ich bewundere es ja, dass ihr das für Poppy tun wollt. Aber… das ist doch Wahnsinn! Hat das nicht etwas von Selbstmord?«, fragte der andere blonde Junge, der etwas schlaksiger war.
»Keiner verlangt, dass du mitkommst, Nerd. Wenn du ehrlich zu dir selbst bist, Poppy interessiert dich doch einen Scheißdreck. Du hast sie nie wirklich gemocht, oder? Weil sie eingebildet-«
»Hey! Das stimmt nicht!«, der Junge wirkte wütend. Offensichtlich, dass sich die beiden Jungs nicht besonders mochten. Dafür musste man keine Gedanken lesen können. »Nur denke ich realistisch! Müssen wir uns denn alle ins Unglück stürzen? Was ist mit unseren Eltern? Sie würden nicht wollen, dass wir so blind handeln. Mich haben sie so zumindest nicht erzogen.«
»Okay, David. Meine Mum hat mich dazu erzogen, meine Freunde niemals im Stich zu lassen und dass man gemeinsam immer stärker ist«, meinte die Dunkelhäutige, die mir irgendwie am sympathischsten ist. Und ja, wenn man Gedanken lesen kann, kann man darüber so schnell urteilen. Denke ich…
»Möchte noch jemand bei David bleiben?«, fragte sie in die Runde. Als niemand antwortete, wand sie sich ein letztes Mal an David. »Wenn wir in fünf Stunden nicht zurück sind, dann gehst du ohne uns Nachhause. Hier bitte, der Luftballon.«