The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 43 von 62

PDF-Seiten

The Hodded Boy I forgot

43 ◊ Forgot the „E“

 

 

Alles in meinem Leben fühlte sich in diesem Moment perfekt an. Der Geruch nach Sommer und meine nackten Zehe, die sich in den Blumen verfangen hatten.

»Könnten wir hier einfach für immer liegen bleiben?«, fragte ich Lucas, der neben mir im Gras lag.

»Das waren zumindest deine Worte: Wenn du daran glaubt, dann kannst du alles tun.«

Bei seinen Worten musste ich grinsen und überlegte dabei, welches Muster diese Wolke da oben wohl darstellte. Doch meine Euphorie hielt nicht lange an. Die Stimme, die plötzlich durch meinen Geist drang, schickte sie fort – Lous Stimme. »Ja, Poppy. Natürlich kannst du hier bleiben. Aber ist es das wirklich wert? Deine Familie verlassen, deine Freunde? Die, die dich dringend brauchen.«

Ich schreckte hoch. Das Messer! Hooded brauchte es, er brauchte mich. Dafür bin ich hier! Lucas starrte mich an, als wüsste er nicht, was plötzlich mein Problem wäre. Mein Problem war, dass ich die Vergangenheit nicht ändern könnte. Ich hatte damals Lucas verlassen. Wenn ich es wieder gerade wollte, dann bei dem richtigen, gegenwärtigen Lucas, den ich nicht ausstehen konnte.

In seiner Hosentasche schimmerte immer noch jenes Messer, nur erschien es jetzt etwas versteckter. Bevor ich es mir anders überlegen konnte, griff ich danach. Lucas’ verärgerter Blick verschwand in wenigen Augenblicken vor meinen Augen. Stattdessen vernahm ich ein ohrenbetäubendes Knacken. Die Kugel über mir riss allen Anschein nach ein! Als sie dann in Milliarden von Teilchen zersprang, legte ich mich reflexartig auf alle Viere. Dabei erreichte mich schlussendlich nicht mal ein einziges Partikelchen.

Vorsichtig hob ich meinen Blick vom Boden. Nein, das konnte nicht sein. Ich schluckte. Wie es aussah, hatte mich der Baum immer noch nicht freigegeben. Anders würden jetzt nicht meine Freunde vor mir stehen. Und dass das hier nicht die Erde ist, dürfte selbst mir klar sein. Das Messer hielt ich in meinen Händen – Auftrag erfüllt. Was musste ich denn noch tun, um dieser Gefängniswelt zu entkommen?

»Wir haben es geschafft … oder?«, fragte Einbildungs-Erin. »Wenn mir auch nicht ganz klar ist wie.« »Wichtig ist jetzt erstmal nur, dass wir es geschafft haben«, meinte Lou. All meine Halluzinationsfreunde starrten mich jetzt erwartungsvoll an. Tut mir ja leid, aber mir war immer noch nicht klar, was ich zu tun hatte.

»Vielleicht ist dir ja nicht klar, was wir mit dieser Reise alles auf uns genommen haben, aber ein einfaches Dankeschön wäre jetzt theoretisch schon angebracht«, meinte Lucas, der inzwischen ordentlich in die Höhe geschossen war.

»Wofür soll ich mich bedanken? Danke lieber Livenus, dass du mich immer noch hier festhältst?«

»Poppy, die Kuppe ist explodiert. Du bist frei! Siehst du das nicht?«, fragte Jess.

Ich schüttelte heftig meinen Kopf. »Nein.« Ich schaffte es gerade noch so meine Tränen zurückzuhalten. »Dann wärt ihr nicht hier. Das muss ein Trick sein.« Ich hatte sie alle so sehr vermisst. Dass sie nun vor mir standen, andererseits wiederrum auch wieder nicht, tat unglaublich weh.

»Wir sind hier, weil wir dir gefolgt sind. Was dachtest du? Du bist einfach so in diese fremde Welt abgehauen – ohne dich überhaupt zu verabschieden!« Erins Worte trafen mich Schlag auf Schlag. Ihre Reaktion hätte ich mir nicht herbeifantasieren können. Hieß das… »Ihr seid wirklich hier?«

»Natürlich sind wir das, du Schlaumeier!«, lachte Zoe. Jetzt, wo ich sie genauer betrachtete, erschien es umso logischer. Sie sahen echt mitgenommen aus. So hätte ich sie mir garantiert nicht vorgestellt. Verdammt, jetzt konnte ich die Tränen doch nicht mehr aufhalten. Doch nicht aufgrund von Verzweiflung, sondern vor Erleichterung und Glück.

Ich stand auf und lief ihnen Arme, zog sie alle auf einmal an mich. Sie sind gekommen – um mich zu retten! »Lucas! Jetzt komm schon her! Du hast mich auch gerettet, also hast du dir diese Gruppenumarmung selber eingebrockt.« Er verdrehte die Augen. »Nur weil ich euch begleitet habe, macht mich das zu keinem Mitglied eurer bescheuerten Clique.« Ich hatte schon erwartet, dass er sich weigern würde. Das hier ist schließlich der reale Lucas.

Zoe allerdings, schien sich damit nicht zufrieden zu geben. Grob zog sie Lucas einfach zu uns, sodass er klein bei geben musste. »Wie habt ihr mich gefunden? Wie seid ihr überhaupt in diese Welt gelangt?« Hatte Hooded nicht behauptet, das würde nur mit dem Ballon funktionieren?

»Den Ballon hat uns diese gruselige Frau geliehen oder vielleicht auch geschenkt. Sie schien sehr froh darüber ihn loszuwerden«, erklärte Lou.

Ich schaute mich um, doch keiner von ihnen hielt einen schwarzen Ballon in den Händen. »Und wo ist er?« Nicht dass wir ihn noch brauchten. Hoodeds Ballon konnte uns genauso gut Nachhause bringen. Es machte mich dennoch stutzig. »David hat ihn. Er ist auch mitgekommen, nur wartet er unten. Weil … naja, keiner wusste, ob wir zurückkehren würden und-« Erin brach ab.

»Ich verstehe schon. Ihr hättet euch wegen mir nicht in Gefahr begeben dürfen.«

»Aber sonst wärest du da jetzt immer noch gefangen«, gab Lou zu bedenken.

»Da ist was Wahres dran. Ich weiß sowieso nicht, wie ich das je wieder gut machen soll.«

»Du könnest jetzt mit uns von hier verschwinden«, schlug Jess vor.

»Nichts lieber als das.« Schnell steckte ich mir noch das Messer in die Hosentasche.

»Mir wäre es um einiges lieber, wenn du die Mordwaffe hier lässt«, meinte Zoe noch.

»Das ist keine Mordwaffe. Sie wird Hooded mit seinem Vater helfen. Außerdem kann man damit niemanden töten. Es nimmt einen In-thought lediglich die Macht andere zu kontrollieren. Das ist etwas Gutes.«

Erin schlang von hinten ihren Arm um meine Schulter. »Ich liebe dich, aber du bist manchmal ganz schön naiv.«

»Nicht naiv. Ich glaube an das Positive in der Welt.« Und das rentierte sich ja auch ab und zu. Sonst hätte ich diese Kuppe sicher nie verlassen. Wunder oder nicht, wenigstens für diesen Moment war mir das vollkommen egal. Der Abschluss meiner Mission rückte unweigerlich näher und näher. Und das war etwas Positives – zweifellos.