The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 29 von 62

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The Hodded Boy I forgot

29 ◊ Forgot the „N“

 

-Jess’ Sicht-

Ich hockte mich ans Meer, in der Hand mein Top, das ich gestern angehabt hatte. In der anderen Hand die Seife, für die der Platz im Rucksack glücklicher Weise noch ausgereicht hatte. Missmutig starrte ich in das Dreckswasser vor mir. Wie sollte mein Oberteil nur je sauber werden? Bei diesem grünalgigen Gebräu würde auch nicht die nach Vanille duftende Seife den Tag retten.

Vorsichtig beugte ich mich rüber, bedacht ja nicht vorne rüber zu kippen. Wir wollten die Sache ja nicht noch komplizierter machen als sie schon war. Mit Fingerspitzen packte ich den Träger und ließ das Top ins Wasser. Als ich es wieder hoch zog sah es sogar noch besser aus als vorher.

Unbeholfen hielt ich es nahe meiner Knie. Meine Hose durfte nicht auch noch dreckig werden. Langsam scheuerte ich mit der glitschigen Seife über das paillettenbesetzte Top. Wenn ich zu stark rieb, könnten sich die die Pailletten unter Umständen lösen. Ich ließ diese somit aus, versuchte sie anschließend mit den Fingern glatt zu polieren.

Das hatte doch keinen Sinn. Irgendwie musste sich die Seife wieder lösen und mir blieb hier bedauerlicher Weise nur das schmutzige Gewässer. Ich riss mich zusammen und tauchte mein lila Top erneut in den Fluss. Hallo Algen, schön euch wieder zu sehen.

In meiner Not zupfte ich die Dreckreste, die sich angesetzt hatten, mit meinem Fingernagel ab. Schnell strich meine Hand über die rauen Pailletten auf dem Top. Gut, noch alle dran. Einmal noch schütteln, dann müsste es einfach gehen.

Zum Trocknen wären Äste nicht schlecht gewesen. Bedauerlicher Weise gab es die nur im dunklen Gebiet, wo ich ungern zurück wollte. Kurzentschlossen legte ich es über meinen Rucksack, auch wenn dieser nass werden würde, nur hatte ich keine andere Wahl.

Ein man es positiv sah, irgendwie sah mein Top jetzt auch wieder nach etwas aus. Den leichten Graustich ignorierte ich geflissentlich, immerhin gab es keine Algen mehr.

»Ich will ja jetzt nichts sagen, aber findest du nicht, dass du dir Kleidung hättest mitnehmen sollen, die … naja, weniger ausgehfein ist? Immerhin sind wir hier in der Wildnis, wir campen. Dachte, das wäre dir wohl klar gewesen.« Lucas höhnisches Gelächter ignorierte ich schlicht, wie immer.

Er trug seinen Rucksack wieder, während er nebenbei noch schnell, ein Brötchen in sich hineinstopfte. Ich fragte mich, wie lange unser Proviant noch halten würde. Während Lucas anscheinend noch aß wie ein Scheunendrescher, hatte ich angefangen mir mein Essen einzuteilen. Na gut, im Zweifelsfall würden wir eben ohne Poppy kurz wieder heimkehren. Nur würden wir dann Same aus den Augen verlieren und ich hatte das Gefühl, dass er vielleicht weiterhelfen konnte. Er kannte sich hier zumindest ein bisschen aus.

Da er einfach weiter vor mir rumstand und grinste, fauchte ich giftig: »Was willst du?«

»Bescheid sagen, dass es gleich weitergeht. Aber wenn du so undankbar bist, dann kann ich auch wieder gehen.« Ich würde mich ganz sicher nicht bedanken. So viel stand fest.

»Ich bin ja gleich bei euch«, meinte ich mit gedehnter Stimme. Was hatten wir überhaupt vor? Weiter entlang des Meers zu gehen, erschien mir unlogisch. Nun gut, Same kannte wahrscheinlich einen Weg.

In der Hoffnung er würde wieder von hier verschwinden, wand ich mich meinem Rucksack zu, um selbst noch eine Kleinigkeit zu essen.

Es stellte sich jedoch heraus, dass dieser Gedanke wohl zu schön wäre, um wahr zu sein. Er stand mir jetzt direkt gegenüber mit hochgezogener Augenbraue. »Dann ruinierst du also neuerdings gerne deine beste Kleidung.« Pah, genau! Ist mein neues Hobby, oder was dachte der sich?

»Sie ist nicht ruiniert. Wenn ich sie Zuhause dann richtig-« »Das tut doch nichts zur Sache. Hast du Zuhause nicht noch genug hässliche Kleidung, die du hättest mitnehmen können. Ich erinnere mich, dass-« Als er meinen zornigen Blick vernahm, hielt er inne. Gut für ihn.

Eisig verkündigte ich: »Die habe ich alle verbrannt.«

-Lucas’ Sicht-

»Die habe ich alle verbrannt.« Wie hatte sie sich nur so verändern können? Und das meine ich nicht positiv, zumindest jetzt gerade nicht. Vor ihren Worten bekam man jetzt richtige Angst. Die Leere in ihren Augen war das einzige, was ich an ihr wiedererkannte.

Als sie an jenem Tag mit ihrer Rundumerneuerung in die Schule spazierte, hätte ich sie fast nicht identifizieren können. Wären da nicht ihre kalten, blauen Augen gewesen, die mir erst jetzt wirklich Angst machten. Ich hatte mir immer eingeredet, dass mir diese Jess besser gefiel, weil jeder nun Mal so dachte. Ist ja im Prinzip auch so.

Aber in Momenten wie diesen… naja…

»Und jetzt verschwinde endlich! Ich brauche hier keinen Babysitter.« … wäre es praktisch gewesen, wenn sie noch diesen Omarock besaß, mit dem ich hätte kontern können. Bevor die Situation eskalierte, lief ich zurück zu den anderen.

»Sie kommt jeden Augenblick«, verkündete ich. »Gut. Wenn sich dann nämlich alle erholt haben, zeige ich euch den Weg in die Siedlung. Wenn ihr Glück habt, dann erinnere ich mich möglicher Weise sogar daran, wo Dusk wohnt. Hoddeds Vater. Euren Gedanken nach zu urteilen, wollt ihr zu ihm.« Sames Stimme klang irgendwie schnöselig. Auch wenn die anderen von unserem Retter total begeistert schienen, ich mochte ihn nicht. Außer David, der funkelte ihn auch böse an. Aber der zählte nicht, weil sein Gehirn zerdeppert wurde und er auch Jess und Zoe noch diese Blicke zuwarf. Zumindest wurde er nicht mehr handgreiflich.

»Ich will ja nicht unhöflich sein, aber wo sollen wir bitte lang?« David hatte Recht. All das wirkte wie eine einzige Sackgasse. »Na, über das Meer natürlich«, sagte er wie selbstverständlich. »Über? Tut uns ja Leid, aber wir Mensch sind zu so etwas nicht in der Lage«, keifte David.

»Wir In-thoughts haben doch auch keine übernatürlichen Fähigkeiten. Außer ihr bezeichnet das mit den Gedanken als solche. Sicher kann euch das Wasser auch tragen. In dieser Welt scheint es eine andere Konsistenz zu besitzen.«

»Aber… Es kann uns nicht tragen! Jess und ich waren in dem Meer doch schon schwimmen«, erinnerte sich Lou.

»In diesem Meer kann man beides. Je nachdem für was ihr euch entscheidet.« Der Typ hatte doch eine Schraube locker. Natürlich war es nicht auszuschließen, dass er Recht hatte. Mein Unterbewusstsein hatte vermutlich noch nicht ganz kapiert, dass wir hier in einer anderen Welt waren.