The Hodded Boy I forgot
35 ◊ Forgot the „A“
-Zoes Sicht-
Es war Mitten in der Nacht und ich konnte nicht schlafen. Der Grund dafür lag in diesem Moment auf einer Picknickdecke unter den Sternen, während er sich vermutlich gegen uns verschwor. Gerade jetzt, wo er unbeobachtet war. Was, wenn er uns im Schlaf niederstach?
Er sollte uns begleiten, ja, aber auch nur, weil es unsere einzige Chance wäre zu Poppy zu gelangen. Ob er wirklich schlief? Zugern würde ich mich leise aus dem Zelt schleichen und… Nein, ich bin nicht paranoid! Ich habe es lediglich gerne, wenn ich bei allem und jeden auf den neusten Stand bin.
Vorsichtig drehte ich mich zu Lou, die zu schlafen schien, obwohl sie sich ständig hin und her wälzte. Es konnte nicht schaden. Selbst wenn er mich erwischte, na und? Was wollte er tun? Kurz frische Luft schnappen war nicht verboten. Und das ich nicht schlafen kann, wäre nicht mal gelogen.
Möglichst geräuschlos streifte ich beide Beine aus meinem schwarzen Schlafsack, was hervorragend funktionierte. Dank meiner Mum, die mir dieses coole gefütterte Teil zum Geburtstag geschenkt hatte. Ich konnte mich drehen und wenden wie verrückt, es wäre trotzdem nichts zu hören gewesen.
Das Aufziehen des Zelteinganges war hingegen nicht ganz so einfach. Ich zog den Reißverschluss etappenweise auf, was ziemlich zeitaufwändig erschien, aber wenigstens wurde Lou nicht wach. Ich hatte nur die Hälfte geöffnet und mich versucht hindurchzuzwängen. Trotzdem kam es mir vor wie eine Ewigkeit, ehe alles wieder ordnungsgemäß verschlossen war.
Ich wusste, dass Dusk seine Decke hinter unseren Zelten ausgebreitet hatte. Zum Glück – dann konnte er mich nicht auf Anhieb sehen, falls er nicht schlafen sollte. Als ich die Picknickdecke erreicht hatte (immer noch erleichtert, dass es im Moment Sommer war – was hätten wir im Winter getan?), stellte ich erleichtert fest, dass er tatsächlich schlief.
Um mir hundertprozentig sicher zu sein, beugte ich etwas weiter vor, trotzdem genug Abstand zum Zelt haltend. Ich keuchte kurz auf, überrascht, dass dort gar nicht Dusk mit seinem dicken Schädel schlief. Wer immer das war (David oder Lucas) schien mich gehört zu haben, denn er drehte sich unruhig auf die Seite.
»Zoe?«, zischte er und richtete sich auf. »Was ist los?« Lucas rieb sich verschlafen über die Augen und gähnte ausgiebig. »Geht’s schon weiter?« Wow, er schien wirklich verschlafen zu sein, wenn er nicht mal realisierte, dass es noch mitten in der Nacht war. Ich umrundete das Zelt und ging auf ihn zu.
»Nein. Ich dachte… also… Warum hast du mit Dusk getauscht?« Nur weil er uns half, besaß er noch lange keinen Anspruch auf unsere Zelte.
Er zuckte mit den Schultern. »Als der Idiot neben mir wieder zu röcheln angefangen hat, dachte ich mir: Hey, es ist warm draußen und du bist allein und ungestört. Besser als neben Schnarch-David ist es auf jeden Fall.« Er setzte sich auf die Decke und deutete mir an, dass ich mich zu ihm gesellen sollte. »Und warum bist du jetzt hier?«
Ich sah keinen Grund ihn anzulügen. »Naja, Dusk ist nicht gerade vertrauenswürdig, oder? Wie kannst du schlafen, wenn er im Zelt direkt neben dir schläft?«
Lucas fing zu lachen an. »Wenn ich bedenke, wie du heute Morgen in dem dunklen Wald David zu Boden geschlagen hast, sollte er kein Problem darstellen.«
»Du weißt nicht, was er alles drauf hat.«
»Stimmt. Dann müssen wir entweder hoffen, dass er ein Schwächling ist… oder er tatsächlich ehrlich mit uns ist und uns zu Poppy führt. Die Chancen für letzteres stehen gut, immerhin hätte er uns längst abmurksen können, wenn er es wollte.«
»Oder er wartet nur auf den perfekten Moment, wenn wir…« Ich hielt inne, weil ich selbst bemerkte wie schwachsinnig sich das eigentlich anhörte. Wie immer, machte ich mir einfach zu viele Gedanken. »Ich weiß, das klingt gerade schwachsinnig.«
»Wieso denn schwachsinnig? Dass du skeptisch bist, ist doch ganz normal. Ich traue dem Typen übrigens auch nicht«, meinte er. Ob es gerade wohl wirklich mitten in der Nacht war? Zuhause, meine ich. Schnell verdrängte ich den Gedanken wieder, da ich das besorgte Gesicht meiner Mum vor meinen Augen nicht ertragen konnte.
»Ich habe mich noch gar nicht bedankt«, fiel mir plötzlich ein. Seine Augenbrauen hoben sich auf verwunderter Weise. »Warum bedanken?«, fragte er.
»Dafür, dass du den anderen nichts über… du weißt schon… meine Lüge erzählt hast.«
Er zuckte mit den Schultern. »Liegt ja nicht an mir es ihnen zu sagen.«
»Du hast mich gefragt, warum ich nicht einfach einen auf einfach-zu-haben mache. Weil das doch viel effektiver wäre. Als ich mit der ganzen Sache angefangen habe, war ich noch ziemlich jung und habe an Jungs gar nicht gedacht. Ich war schon immer lieber Einzelgänger. Als sich Lou Jess’ Clique anschließen wollte, war ich aus gutem Grund dagegen.«
»Aha. Aber trotzdem hast du nachgegeben?« Ja, aber… »Ich bitte dich. Mitglied einer Highschool-Clique zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, dass lebenslange Freundschaften entstehen. Damals habe ich mir nicht viel dabei gedacht.« Er lachte. »Und doch seid ihr alle mitgekommen, um Poppy zu retten.«
»Und doch sind wir alle mitgekommen, um Poppy zu retten«, bestätigte ich.
»Alleine kommt man nicht unbedingt besser durchs Leben, weißt du?«
»Meine Mum schon«, rutschte es mir heraus. Keine Ahnung, warum ich das gerade gesagt hatte. Nicht mal mit Lou redete ich darüber.
Ich bereitete mich darauf vor, dass er mich nur so mit Fragen durchlöcherte, stattdessen sagte er seufzend: »Ja, ich denke so oft, wenn sich meine Eltern wieder streiten, dass sie ohne einander besser dran wären. Aber… keine Ahnung. Ich hoffe trotzdem, dass ich eines Morgens aufwache und sie sich einfach mal vertragen.«
»Als ich noch klein war, ist meine Mum mit mir abgehauen. Mein Vater war Rund um die Uhr besoffen und ich denke, dass er meine Mum auch geschlagen hat.« Warum erzählte ich das hier gerade?! Ich konnte so etwas nicht durch die Welt posaunen, wenn ich mir nicht mal selbst sicher war. Mum hatte mir gegenüber nie etwas erwähnt, auch wenn ihre blauen Klecken dafür sprachen.
Lucas Augen weiteten sich. »Oh… das tut… mir Leid.« Er schien verunsichert, wie er jetzt reagieren sollte. Ich tat so, als wäre es in Wirklichkeit kein heikles Thema. »Das ist lange her. Mum geht es gut, mir geht es gut. Was mit meinem Vater ist, keine Ahnung. Ist mir ehrlich gesagt auch egal. Könnte gut sein, dass er an einer Alkoholvergiftung gestorben ist – ohne dass wir es mitbekommen haben.« Ich sollte jetzt einfach meinen verdammten Mund halten.
»Würdest du ihm verzeihen, wenn du ihn Heute wiedertreffen würdest und er wäre ein vollkommen anderer Mensch?«, wollte er wissen. Fragte er das etwa, weil er hoffte, dass Poppy ihm verzieh? Ganz genau wusste ich ja nicht, was zwischen den beiden vorgefallen ist. Aber laut Poppy zumindest, hatte er es ganz schön verbockt.
»Kommt drauf an, ob er seine Entschuldigung aufrichtig ernst nimmt«, log ich, falls es ihm tatsächlich darum ging. Würde ich dieses Arschloch wiedertreffen, hätte er erstmal ein hübsches blaues Auge.
»Ich könnte ihm vermutlich nicht verzeihen«, sagte er schlicht weg und ohne jegliche Emotionen. Okay, vielleicht hatte er doch nicht wegen Poppy und sich gefragt.