The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 14 von 62

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The Hodded Boy I forgot

14 ◊ Forgot the „W“

 

-Jessicas Sicht-

An Jess, Lou & Zoe: Treffen in der ersten großen Pause beim Sportplatz. Es geht um Poppy!!! -Erin

Schnell faltete ich den Zettel wieder unauffällig zusammen. Wie kam Erin auch nur auf die glorreiche Idee bei Mr. Fell Zettel rumgehen zu lassen? Der hatte seine Augen doch überall. Mein Blick richtete sich zur Tafel. Ob er was bemerkt hatte? Bei ihm konnte man das nie genau sagen.

Wozu überhaupt diese dämlichen Zettel? Okay, vermutlich wegen Lou und Zoe. Die waren nach Stundenende manchmal so schnell zusammen verschwunden, dass man gar nicht dagegen gucken konnte.

»Und das, meine lieben Schüler, ist der Grund warum die tRNA so wichtig ist. Warum nochmal, Jess?« Wie ich Bio samt Mr. Fell hasste. Immer war ich sein Opfer. Hass beruhte eben auf Gegenseitigkeit. Fast schon erwartete ich wieder dieses dumpfe Auslachen meiner Mitschüler in meinen Kopf. Doch keiner lachte, weil sie es sich mit mir nicht verscherzen wollten. Ach, wie ich diese Veränderung in meinem Leben doch immer noch liebte.

»Keinen blassen Schimmer«, sagte ich so selbstbewusst wie jetzt für mich typisch war.

»Und warum nicht?« Der Zorn in seiner Stimme war nicht zu überhören.

»Möglicherweise, weil Bio mir mal den Buckel runterrutschen kann.« Damals hatte ich mal weil Bio scheiße ist gesagt, woraufhin ich vor der Tür landete. Diese Wortwahl war wohl noch in Ordnung -und trotzdem hatte ich das zustimmende Gelächter der anderen noch auf meiner Seite.

»Weil sie zwischen der mRNA und den Aminosäuren vermittelt. Vermutlich sagt dir nicht mal die Code-Sonne etwas, oder?« »Doch, die bestimmt den genetischen Code.« Sehr vielversprechend, Jess, wirklich. Sicherlich wollte er das ausführlicher haben. Aber hey, sollte er sich doch damit zufrieden geben.

»Denkst du, wir könnten diese Code-Sonne auch anwenden, um die Buchstaben auf deinem Zettel zu entziffern?« War ja klar, dass er es jetzt bemerkt hatte. Bei Lou, Zoe und Erin hatte er anscheinend noch nichts bemerkt, bei mir natürlich schon.

Das ließ dann meine Wut irgendwie überkochen. »Kann sein, dass Sie eine brauchen. Die meisten Leute können auch so lesen.« Ach ja. Wie toll es doch war, dass die Schüler jetzt mit mir und nicht mit dem Lehrer lachten.

»Das reicht, junges Fräulein! Den Zettel, jetzt!« Ohne zu zögern gab ich ihm den Zettel. Wenn er doch irgendwo ein Herz besaß, dann hätte er vielleicht sogar Mitleid mit mir. Denn... Er wusste genau dass meine beste Freundin Poppy seit gestern vermisst wurde.

»An Jess, Lou und Zoe. Treffen in der ersten großen Pause beim Sportplatz. Es geht um Poppy«, las er dann auch noch laut vor. »Das ist eine Angelegenheit, die man nicht während des Unterrichts besprechen sollte. Das wird die Polizei schon regeln.« Er war also doch ein Roboter. Zudem hatte er auch noch Unrecht. Die Polizei konnte das ganz sicher nicht regeln, wenn Poppy in einer anderen Welt mit einem gruseligen Typen fest saß.

◊

»Was macht der denn hier?«, fragte ich sofort als ich David hinter Erin auftauchen sah.

»Er will nur helfen«, entgegnete Erin zuckersüß als wüsste sie nicht, wo das Problem lag. Hatte sie etwa vergessen, wo Poppy aller Wahrscheinlichkeit nach war? War es nicht so was wie ein Geheimnis, was nur unsere Clique etwas anging?

Erin schien anscheinend zu ahnen, was ich darüber dachte, deshalb erklärte sie schnell: »Sollte Poppy wirklich dort sein, dann werden wir vier Mädels das unmöglich alleine dahin schaffen. Wir brauchen einen starken Kerl.« Starken Kerl? Und da wählte sie ernsthaft David? Sicherlich hatten die beiden was am Laufen, deswegen.

»Und sicherlich hast du ihn bereits in alles eingeweiht«, giftete ich sie an. Wir würden diesen Ort doch niemals finden. Auch nicht mit Davids Hilfe. Aber Erin hatte schon Recht. Wir mussten es trotzdem versuchen - für Poppy... falls sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch lebte. Panisch verwarf ich diesen Gedankengang.

»Pah! Natürlich nicht!« Beleidigt verschränkte Erin ihre Hände vor ihrer Brust. »Ich bespreche so was vorher mit euch. Trotzdem solltet ihr auf mich hören.« Manchmal hatte ich das Gefühl, dass Erin diese Clique zu gut bekommen ist. Hatte sie etwa alles aus ihrer Vergangenheit einfach nur verdrängt? Ihre Besessenheit für beinahe jeden Typen auf dieser Schule ließ darauf schließen.

»Irgendwie könnten wir bestimmt männliche Unterstützung gebrauchen, wenn dort wirklich Gefahren auf uns lauern werden. David kann man doch bestimmt vertrauen«, überlegte jetzt auch Lou. Na toll. Keiner war auf meiner Seite.

Poppy hatte ihr Geheimnis uns anvertraut. Nicht, damit wir es an irgendwelche Leute einfach weitergaben. »Dann nehmen wir lieber Josh mit. Der hat wenigstens keine Angst im Dunkeln«, meinte ich lachend, woraufhin mich David böse anfunkelte.

Daraufhin lachte Erin mich aus. »Dein Freund Josh, der ständig auf seine kleine Schwester aufpassen muss? Der könnte es nie länger als ein paar Tage von Zuhause entfernt aushalten. Seid ihr jetzt überhaupt noch zusammen? Du hattest doch erst was an ihm auszusetzen.«

Ja, kann schon sein, dass Josh und ich uns getrennt hatten. Ich wollte ihn ja auch nicht wirklich mit haben. Nur sollte Erin ihren Typen einfach nicht mitschleppen. Das wollte ich damit nur klar machen. Ich hätte natürlich auch Neil erwähnen können, aber das war mir einfach noch zu frisch. Zudem ich ihnen noch nicht wirklich mitgeteilt hatte, dass zwischen mir und Josh Schluss sei. Sie würden mich nur wieder verurteilen.

Gerade wollte ich Erin sagen, dass David eher als Mädchen durchging anstatt als Kerl, da hörte ich ein Räuspern hinter mir. »Was genau plant ihr wegen Poppy zu unternehmen?«

Argh! Diese Stimme hatte mir gerade noch gefehlt. Lucas, auch wenn sein dämliches Fußvolk fehlte. Am schlimmsten von seinen Freunden war aber noch Dan. Der hatte Sprüche drauf. Wegen einigen von denen habe ich Nächte durchgeweint. Wegen Dan, aber auch wegen dem Rest. Die Schulhierarchie verlangte inzwischen zwar, dass sich die beiden beliebtesten Cliquen untereinander gut verstanden. Aber ich schaffte es einfach nicht. Sollte der Rest sie doch mögen, ich nicht. Auch, wenn sie sich immer wieder versuchten bei mir einzuschleimen.

»Das geht dich einen Scheiß an«, zischte ich. Die anderen schauten mich nur schockiert an, aber sie hatten auch nie das durchmachen müssen, was ich durchmachte. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß.

»Hey, Jess! Sei doch nicht immer so mies gelaunt. Mich geht das schon was an. Poppy war früher mal meine beste Freundin. Ich sorge mich immer noch um sie.« Als ob! Irgendwann fühlte er sich zu cool für Poppy und ärgerte lieber rothaarige Hexen. Nur weil sie jetzt wieder ganz oben auf der beliebt-sein-Skalar stand...

»Also gegen Lucas kannst du jetzt nichts sagen. Er hat im Dunklen sicher keine Angst«, sagte Erin und drehte sich anschließend zu David. »Sorry, nicht persönlich nehmen.«

»Gut, nehmen wir von mir aus David mit. Aber nicht ihn.« »Entschuldig, aber ich habe auch einen Namen. Nur weil du hier die möchte-gern-Anführerin bist, kannst du nicht so mit uns beiden spielen. Wenn zwei Männer ihre Hilfe anbieten, dann nimmt man die dankend an.« Als ob ich für irgendetwas dankbar sein sollte, was er tat. Allerdings war hier eh keiner auf meiner Seite.

Ich konnte ja verstehen, dass wir jede Hilfe gebrauchen könnten, wenn es um Poppy ging. Aber doch nicht die von Lucas! Ich sah es schon kommen. Bald war Dan auch noch mit von der Partie. Vielleicht sollte ich deswegen doch zu sagen. Lucas wäre ein besserer Kompromiss als Dan.

»Na fein. Aber Erin, du erklärst den beiden wo sich Poppy aufhält. Dann halten sie nur dich für verrückt.«

Anscheinend hatte sie damit auch kein Problem den beiden Jungs diese Story aufzutischen. Eher war es ihr unangenehm, dass sie irgendwie zurzeit mit beiden der Jungs was hatte. Warum wurde sie nicht einfach mit David glücklich? Lucas meinte es mit ihr doch eh nicht ernst. David wäre der bessere Umgang.

»Okay. Da muss ich Jess Recht geben. Das hört sich wirklich zu abgedroschen an«, meinte David, nachdem Erin alles erklärt hatte. »Sicher, dass dieser Typ nicht doch Gedanken kontrollieren kann? Warum sollte Poppy sonst mit ihm mit?«, fragte Lucas, während er sich eine Zigarette anzündete.

»Laut Poppy kann er Gedanken nur lesen, nicht kontrollieren«, sagte Zoe.

»Ach«, Lucas machte eine wegwerfende Handbewegung. »Der lügt doch von vorne bis hinten.«

»Das tut jetzt nichts zur Sache. Wir müssen Poppy finden. Aber wie stellen wir das an, wenn sie in einer ganz anderen Welt ist?«, hinterfragte Lou. »Wir haben alle keinen Schimmer wie wir da hinkommen.«

Lou brachte unser Problem Nummer eins ziemlich gut auf den Punkt. Vielleicht wäre es doch das Beste, wenn wir Poppy vertrauten und einfach auf sie warteten. Wäre da nicht diese Stimme in meinem Hinterkopf, die mir sagte, dass Poppys Naivität sie in Gefahr brachte. Wir müssen wohl alles Mögliche versuchen.

»Stimmt. Aber vielleicht weiß ich jemanden, der uns weiterhelfen könnte«, verkündete Erin uns. Hä? Wer sollte das bitte sein? »Da gibt es diesen Ort, wo die beiden sich immer getroffen haben. Der Kapuzenjunge war da nicht ohne Grund. Poppy meinte, er hätte da jemanden besucht. Wisst ihr? Diese komische und gruselige Frau aus dem alten Bauernhaus? Die weiß vielleicht mehr.«

Irgendwie dämmerte es bei mir gerade nicht. Sind wir da schon mal gewesen? Oder war sie da nur mit Erin? Komische und gruselige Frau fragen, hörte sich aber nicht gerade vielversprechend an, jedoch leider unser einziger Anhaltspunkt.

◊

Völlig fertig mit meinen Nerven schloss ich die Haustür auf. Was ich jetzt brauchte war eine schöne heiße Tasse Tee, eine Wolldecke mit der ich mich aufs Sofa kuscheln konnte, nebenbei vielleicht noch eine Folge Grey's Anatomy zusammen mit Mum. Etwas, was meine Gedanken von dem heutigen Tag wegbringen könnte. Ich wollte meine nächsten Tage nicht mit dem Jungen verbringen, der meiner Persönlichkeit einen kleinen Knacks verabreicht hatte.

Meine Tasche schmiss ich einfach in die Ecke, um erstmal in die Küche und zu meinem geliebten Früchtetee zu gehen. Hätte ich nicht die Stimme meiner Mum aus dem Wohnzimmer gehört: »Nein. Ich denke wir sollten noch warten. Jetzt wird sie es noch nicht verkraften.«

Nanu? Telefonierte sie oder hatte sie mal wieder Männerbesuch? Soll sie sich doch nicht so anstellen. Womit ich sie schon alles erwischt hatte... Bei manchen war ich mir nicht sicher, ob sie sich da nicht einen Landstreicher geangelt hatte. Schockieren konnte mich also gar nichts mehr.

»Ich kann das nicht mehr. Heute hätte ich es ihr schon fast sagen wollen.« Warte, diese Stimme kannte ich doch. »Wir hatten uns schon wieder in den Haaren. Am liebsten hätte ich einfach vor allen gesagt: Ich will doch nur das Beste für dich, dass deine Noten sich bessern. Gerade so habe ich mich zurückgehalten, aber ich weiß nicht wie lange ich das noch kann.«

Was?! Nein, war das etwa... Konnte dieser Tag noch schlimmer werden? Meine Mum und Mr. Fell? Ich glaube mir wird schlecht. Spontan änderte ich mein Vorhaben für diesen Nachmittag und lief stattdessen hoch in mein Zimmer. Fiel auf mein Bett und weinte. So wie ich es jetzt eine ganze Weile nicht mehr getan habe, trotzdem hatte ich dieses Gefühl keinesfalls vergessen. Wenn man sich früher regelmäßig in den Schlaf geweint hat, vergisst man das nicht so schnell.

Da will mir einer sagen, ich sei verrückt weil ich Josh nur wegen einem Fehler verlassen habe. Hätte ich das nicht, dann endete ich irgendwann noch so verzweifelt wie Mum - ausschließlich von Vollidioten umgeben.