The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 32 von 62

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The Hodded Boy I forgot

32 ◊ Forgot the „L“

 

-Resis Sicht-

Gedanken lesen stand bei mir ethisch immer im Zwiespalt. Einerseits war es natürlich nicht so schlimm wie andere zu kontrollieren, dennoch griff man dabei in die Privatsphäre ein. Keine Ahnung, ob man es irgendwie stoppen könnte. Bestimmt, wenn man es nur genug wollen würde. Doch nicht mal ich war dazu in der Lage. Dazu waren wir In-thoughts einfach zu neugierig.

Aber verglichen mit meiner jetzigen Neugier, waren die anderen Male nichts. Dieser Typ mit der schwarzen Kapuzenjacke schien ein einziges Rätsel zu sein und gerade seine Gedanken konnte niemand lesen.

Inzwischen hatte ich die Grenze wieder überschritten und befand mich in vollkommener Dunkelheit. Hodded hatte sich anscheinend wieder etwas abgeregt. Zumindest wirkte es so. »Du konntest die Grenze echt nicht überschreiten? Selbst diejenigen, die nach der Kraft des Livenus süchtig sind, können es. Was bist du dann? Hypersüchtig?«

»Der Baum ist mir egal. Ich will nur, dass die Kontrolle, die auf mir liegt, aufgehoben wird. Warum ich da nicht hin konnte, kein Schimmer.« Irgendwas stimmte mit dem nicht. »Oder du wolltest es gar nicht, weil du Angst hattest?«

Daraufhin schnaufte er verärgert. »Natürlich nicht! Wie könnte ich-«

»Ja wie könntest du! Poppy riskiert da drin vermutlich gerade ihr Leben für dich.«

»Tut sie nicht. Aber trotzdem. Ich habe keine Angst.«

Genau. Das könnte ich auch sagen. Seit wann war es so schwer für mich geworden, zu durchschauen, ob jemand lügt? Vermutlich, seitdem ich die Gedanken nicht mehr lesen kann. Haha. Mein Hals wurde ganz trocken. Es machte mich wirklich kirre vor jemandem zu stehen, der alles sein konnte. Ein Psycho, ein Idiot, … okay, vielleicht wurde er auch einfach nur missverstanden, weil er anders ist. Aber… ich weiß nicht. Irgendwas störte mich an ihm.

»Hör auf mich so anzuglotzen als wäre ich ein Tier in einem verdammten Zoo.« Gruselig. Er hatte mir nicht mal sein Gesicht zugewandt. Woher wusste er, dass ich ihn anguckte? »Das ist nicht schwer zu durchschauen.« Sein Tonfall klang mit Mal total angepisst, seitdem Poppy nicht mehr unter uns war. Die beiden schienen ja etwas total Verrücktes am Laufen zu haben…

»Entspann dich mal. Wenn du es einfach durch diese Mauer geschafft hättest, wären wir jetzt nicht an diesem Punkt.« Wütend erhob er sich und stapfte auf mich zu. »Ich konnte es aber nicht, okay? Und das ist, glaube es oder nicht, ganz sicher nicht meine Schuld!« Leise vor sich hin murmelnd fügte er hinzu: »Genau deshalb kann ich so nicht weitermachen. Nichts als Vorurteile…«

»Es ist kein Vorurteil, wenn man sich bereits eine Meinung bilden konnte«, meinte ich spöttisch.

Wäre sein Gesicht nicht verdeckt gewesen, dann könnte ich es jetzt sicherlich glühen sehen. »Du kennst mich überhaupt gar nicht!«

Das mochte sein. Trotzdem machte er auf mich einen komischen Eindruck, seine Art im Allgemeinen.

»Und was jetzt?« Missmutig kickte er mit seinem Fuß die Erde einige Meter weit. Der konnte vielleicht Fragen stellen! »Was denkst du denn? Dass wir jetzt eben noch einen Imbiss zu uns nehmen, während Poppy sich da drinnen mit wer weiß was rumschlägt?«

»Natürlich nicht! Ich bin nur nicht der Typ dafür einfach nichts tuend in der Gegend rumzusitzen«, versuchte er sich zu rechtfertigen.

»Dann würde ich vorschlagen, dass du deine Zeit damit verschwendest durch diese Mauer zu gelangen.«

Er setzte sich wieder an den Baumstamm von vorhin. »Ach, nein. Das hat doch überhaupt keinen Sinn. Selbst wenn es mir gelingen würde, inzwischen ist sie sicher längst beim Livenus. Ich kann da eh nicht helfen. Nur Poppy kann da etwas ausrichten.« »Wow, du bist ein echt klasse Held. Würde deine Geschichte verfilmt werden, ich würde den Streifen sofort kaufen.«

Auf der Erde sitzend, hob er seine rechte Hand, um mir den Mittelfinger zu präsentieren.

»Hey! Wenn sich jemand als dein erster Fan outet, dann zeigt man ihm nicht Mittelfinger. Hat dir das denn keiner beigebracht?« »Ich fürchte nicht.«

Das könnte sich ja noch eine Weile hinziehen. Jeder, der schon mal mit einem Miesepeter festsaß, konnte mich da verstehen. Provozierend setzte ich mich direkt gegenüber zu ihm auf den Laubboden. Sein Blick senkte sich augenblicklich, obwohl er unter seine Kapuze auch noch eine Maske trug.

»Diese Kontrolle… liegt sie nicht nur auf den Menschen, wenn sie dich angucken?«

»Ja, aber die In-thoughts reagieren bei meinem Anblick genauso.« »Ach komm schon. So hässlich kann niemand sein…«

»Ich werde dir mein Gesicht nicht zeigen!«, fuhr er mich an. »Und warum nicht?«

»Du suchst doch nur nach weiteren Gründen dich über mich lustig zu machen.«

»Warum denkst du von allen eigentlich immer gleich das Schlechteste?«

»Weil ich damit meistens Recht habe.«

»Meistens?«, hakte ich nach, obwohl ich mir schon fast denken konnte, was er meinte.

»Ich schätze, Poppy bildet die Ausnahme.« »Du schätzt?« Dieses Mal wollte ich ihn das tatsächlich fragen. »Hör mit diesen doofen Fragen auf, die nur das wiederholen, was ich bereits sagte.«

»Sorry. Ich bin nur überrascht, weil ich gedacht hatte, du hättest Poppy von dem Augenblick an vertraut, als du sie zum ersten Mal gesehen hast.«

Er lachte. »Wie kommst du denn auf diese bescheuerte Idee?« Ich zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich habe das irgendwie aus Poppys Gedanken geschlossen.«

»Ach? Die Gedanken unserer ersten Begegnung, die sie wieder vergessen hatte?« Da war natürlich etwas Wahres dran. »Dann ist das ganze also gar nicht so kitschig wie es auf mich wirkt? Poppy, der einzige Grund für ich weiterzuleben… mit ihr auf der Erde… Ist es nicht das Ziel?«

Er brummte verärgert, weil ich mich, zugegeben, wieder über ihn lustig machte. »Ich möchte der Menschen wegen auf der Erde leben. Poppy ist nur einer der Gründe. Also danke, dass du mir gerade nur wieder einen Grund gegeben hast, warum ich die In-thoughts so verabscheue.«

»Okay, tut mir Leid. Ich wollte mich nicht über dich lustig machen. Dein Denken kann ich teilweise sogar verstehen. Die Menschen kontrollieren sich wenigstens nicht gegenseitig. Ich weiß also wie du dich fühlst.«

»Nein, tust du nicht. Aber das hätte ich auch nicht erwartet.«