The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 5 von 62

PDF-Seiten

The Hodded Boy I forgot

5 ◊ Forgot the „Ö“

 

»Wieso? Was ist mit dem?«, raunte ich Erin zu. Klar, er nervte ab und an… wie Streber es nun mal so taten. Aber wen hätte sie denn als Lehrer erwartet? Für so einen Job meldeten sich halt Streber. »Äh«, murmelte sie nur. Als sie dann plötzlich auf ihre typische Erin-Art anfing rot anzulaufen, wusste ich Bescheid.

»Nicht dein Ernst, oder?« Meine Verwunderung konnte ich nur noch schwer zurück halten. »David ist der Typ von der Party? Unser Streber-David?« Ich versuchte wirklich leise zu sein, doch leider geling mir das nicht ganz so gut. Dazu war ich zu überrascht.

»Psst!«, zischte sie und wurde noch roter. »Ich schwöre dir, dass er auf dieser Party wie eine andere Person war. Und dass er gut aussieht ist ja bekanntlich kein Geheimnis.«

Trotzdem. Ich hätte Erin jeden Typen hier auf der Schule zugetraut. Nur David… den hätte ich als letztes vermutet.

◊

Mittwoch. Nachmittag. Vier Uhr. Mein Blick schleifte immer nervös zu dem Busch, hinter dem Erin sich versteckt hatte. Nein, man konnte sie definitiv nicht mehr sehen. Jetzt musste ich wohl einfach nur warten und hoffen, dass er auftauchen würde.

Der Brief lag immer noch auf der gleichen Stelle unter dem Stein. Entweder hatte er ihn nicht gelesen oder er hatte ihn danach einfach wieder zurückgelegt. Ich hoffe auf letzteres. Nervös tippelte ich von einem Fuß auf den anderen. Es sind schon fünf Minuten vergangen. Ob er noch auftauchen würde? Unwahrscheinlich.

Zehn Minuten. Erin rief mir aus dem Gebüsch zu: »Er wird nicht mehr kommen, Poppy.« Zehn Minuten waren natürlich noch nicht so lang, aber irgendwas in mir sagte, dass Erin Recht hatte. Aber ich wollte noch nicht aufgeben. Nicht jetzt schon. »Noch fünf Minuten, Erin. Wenn er dann nicht auftaucht gehen wir.« »In einem Busch zu sitzen ist nicht gerade angenehm, weißt du?«

Ich verdrehte die Augen. »Ich weiß und jetzt leise!« Immerhin war sie diejenige, die unbedingt mitwollte.

Drei weitere Minuten vergingen und so langsam sollte mein Kopf diesen Kapuzenjungen wohl einfach vergessen. Immerhin ist mir das schon mal gelungen. Doch ich würde ihn nicht an diesem Tag vergessen, so viel stand fest. Denn im nächsten Augenblick erblickte ich wie eine dunkle Gestalt hinter dem Haus hervor trat.

Mir stockte der Atem. Auch wenn er sich kaum verändert hatte. Die Kapuze verdeckte immer noch sein Gesicht und in seiner rechten Hand hielt er einen schwarzen Luftballon. Erst dachte ich, dass er nur zufällig hier war. Dass er sich gar nicht mit mir treffen wollte. Doch dann kam er tatsächlich direkt auf mich zu. Atmen nicht vergessen, Poppy. Atmen!

Er hielt einen guten Meter vor mir an, seinen Blick abgewandt. Warum sagte er nichts? »Danke, dass du gekommen bist«, sagte ich somit. »Erst wollte ich nicht. Es bringt immerhin nichts.« Wow. Seine Stimme schien vertraut, doch gleichzeitig auch so fremd.

»Aber du hast deine Meinung geändert«, stellte ich fest. »Ja, aber nicht dir zu Liebe, sondern meinetwegen.« Okay… er war ja schon irgendwie seltsam. Nicht nur wegen seinem Aussehen. »Weil ich so bin wie ich bin.«

»Na schön. Und wie bist du?«, fragte ich nach. »Ist das nicht offensichtlich?« »Für mich nicht. Nein. Wie soll ich wissen wie du bist, wenn du mich nicht mal richtig angucken kannst.«

Jetzt wand er sich komplett von mir ab. »Ich fände es besser, wenn deine Freundin da uns nicht belauschen würde.« Er zeigte auf den Busch. Verdammt! Wie hatte er sie bemerkt? Sie hatte sich am Ende doch wirklich Mühe gegeben ruhig zu bleiben.

Enttäuscht erhob Erin sich aus ihrem Versteck. »Ist ja gut. Du hast mich erwischt.« Sie wischte schnell den Dreck von ihrer Kleidung. »Bist du schüchtern? Oder warum möchtest du uns nicht dein Gesicht zeigen?«, fragte Erin auf ihrer total direkten Art.

Unerwarteter Weise fing der Kapuzenjunge plötzlich an zu lachen. »Daran liegt es sicherlich nicht.«

»Gut. Warum guckst du mich dann nicht direkt an?« Ich hätte mich sicherlich nie getraut ihn so direkt zu konfrontieren. Da hatte Erin doch mehr Mumm. »Du willst mich ansehen? Na schön. Dann tu’s.« Der Kapuzenjunge wand sich zu Erin hin und schaute sie nun direkt an. Kurz weiteten sich Erins Augen… vor Entsetzten? Keine Ahnung. Jedenfalls hielt dieser Ausdruck nur eine kurze Zeit an. Danach schaute sie ihn einfach nur gleichgültig an.

Ihr Blick richtete sich auf mich. »Okay. Dann mach ich mich mal wieder auf den Weg Nachhause. Wir sehen uns morgen, Poppy?« Wie bitte? Ich wollte sie gerade damit konfrontieren, was das bitte sollte. Ich dachte, dass sie mich nicht mit diesem mysteriösen Fremden alleine lassen wollte. Doch Erin hatte sich bereits auf den Weg gemacht. Keine Chance überhaupt irgendwas zu erwidern.

»So, Poppy. Willst du mein Gesicht jetzt auch noch mal sehen?« Ich war sprachlos. Ich brachte kein Wort heraus.

Nach einer Weile schaffte ich zumindest Bruchstücke eines Satzes: »Wie… kann… Das ist doch… nicht normal… unmöglich.« »Die Art und Weise wie sie reagiert hat als sie mein Gesicht gesehen hat… Sie ist unnatürlich, nicht wahr? Willkommen in meiner Welt.«

Unnatürlich? Was zum Teufel wollte er mir damit sagen? Dass ich den Kapuzenjungen nicht vergessen habe, weil ich mich nur an die beliebtesten Jungs erinnern kann? Wer zum Teufel ist dieser Junge nur?

»Also. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder du schaust mich wie deine Freundin an und verschwindest dann wie von selbst. Oder du lässt es und entscheidest dich freiwillig zu gehen.«

»Und was, wenn ich weder das eine noch das andere möchte?«, fragte ich ihn daraufhin. Er lachte bitter. »Was könntest du sonst noch wollen? Du musst dich nicht mehr schuldig dafür fühlen, dass du mich vergessen hast. Belass es einfach dabei.«

»Ich möchte es aber nicht dabei belassen.« »Warum? Was willst du denn noch von mir, Poppy?« Man konnte einen gewissen Schmerz aus seiner Stimme heraushören. Als ob er meine Anwesenheit nicht länger ertragen könnte.

»Wenn du mich unbedingt loswerden willst, warum bist du dann überhaupt aufgetaucht? Warum verschwindest du nicht einfach wieder?« »Weil ich so nun mal bin. Auch wenn ich weiß, dass es ein Fehler ist. Deshalb kann ich nur darauf hoffen, dass du klug bist.« Ja. Es war offiziell. Dieser Typ ist sowas von durchgeknallt. Aber diese Tatsache verschreckte mich nicht.

»Sorry, aber meine Noten deuten auf was anderes hin. Was ich will fragst du? Die Antwort darauf ist einfach. Ich möchte bleiben anstatt zu gehen.« Keiner von uns beiden rührte sich von der Stelle.

»Wäre ich schlauer, sagst du also, hätte ich dich verlassen?« Daraufhin nickte er. »Und weil ich immer noch so einsam wie bei unserer ersten Begegnung bin, könnte sich der Fehler wiederholen. Hoffen wir mal, dass du irgendwann so schlau bist mich wieder zu vergessen.«

»Habe ich dich deshalb beim ersten Mal vergessen? Weil ich schlauer wurde?« »Ja und weil ich damals noch Hoffnungen hatte. Hoffnungen auf eine Welt, die weniger einsam sein würde.«