The Hodded Boy I forgot

Annika Ha · Kapitel 54 von 62

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The Hodded Boy I forgot

54 ◊ Forgot the „S“

 

Hektisch blickte ich auf meine Armbanduhr. Wie konnte die bereits fünf nach acht anzeigen? Ich hatte alles genau abgerechnet. Der Umweg zur Wiese hatte bestimmt nicht länger als fünf Minuten gedauert. Ich musste doch nur den Brief für Hodded unter dem Stein drapieren. Mein Blick hatte die darauf stehenden Worte auch nur für wenige Sekunden gestreift… theoretisch. Möglicherweise hatte ich etwas an Zeitgefühl verloren, sonst wäre ich jetzt nicht in dieser Situation.

Auf der anderen Seite… wie lange konnte man den Satz Ich werde nach der Schule, um vier, hier auf dich warten. Hoffentlich liest du das vorher anstarren? Lang war er nun wirklich nicht. Warum kamen meine Berechnungen denn sonst nicht hin? Weil ich eine Niete in Mathe bin? Das war vermutlich eher der Grund.

Ich sprintete die Stufen unserer High School hoch wie ein Blitz. Der Unterricht hatte bereits seit fünf… nein, inzwischen sechs… Minuten begonnen. Völlig außer Atem traf ich dann bei Mrs. Richards in den Englischunterricht ein. An sich war Mrs. Richards eine Nette, doch nicht wenn es um das Zuspätkommen in ihrem Unterricht ging.

»Poppy, da bist du ja wieder!« Überrascht stellte ich fest, dass sie mich in eine Umarmung zog. Seit wann tat sie denn so was? »Ich habe eben schon gesagt wie schlimm es ist, was euch passierte und … Eure Mitschüler stellen sich selbstverständlich alle zur Verfügung, wenn ihr mit dem Stoff nicht mitkommt und Nachhilfe braucht.« So lange waren wir nun auch nicht verschwunden. Trotzdem lächelte ich sie an, weil ich wusste wie sie es meinte. Sie hatte Mitleid – wie alle in meinem Umfeld. Ich verdiente es nicht mal.

◊

»Mrs. Richards will uns, denke ich, am liebsten alle zum Vertrauenslehrer schicken«, schmatzte Erin, während sie genüsslich in ihr Sandwich biss. »Denkst du, der weiß auch, warum Jungs so verdammt schwer zu verstehen sind?« Und der Alltag nahm wieder seinen Lauf. »David und ich würden so gut zusammen passen. Und er war doch an mich interessiert, oder nicht?«

»Wahrscheinlich findet er es komisch, dass du so plötzlich deine Meinung geändert hast«, mutmaßte ich. Zumindest erging es mir so. »David ist vernünftig, schlau… So einen Typen brauche ich in meinem Leben. Das ist mir jetzt klargeworden.« Ich lachte. »Was werden die anderen denken, wenn du mit ihm ausgehst?« Erin war es doch verdammt wichtig, was andere über sie dachten.

Sie zuckte mit den Schultern. »Bald haben wir die High School hinter uns, Poppy. Am College werden sich alle um jemanden wie David reißen.«

»Oh, also wenn das der Grund ist, dann verstehe ich David ziemlich gut. Warum dich nehmen, wenn er bald alle haben kann?« Es sollte eigentlich ein Scherz sein, doch Erin blieb bitterernst. Fast wirkte sie bedrückt.

»Du hast Recht. Ich bin nicht gut genug für ihn.« »Nein, Erin. Das habe ich damit doch gar nicht gemeint.« »Aber es stimmt. Meine Noten sind nur durchschnittlich.« »Es gibt viele intelligente Streber da draußen, Erin. Wenn du Glück hast, ist einer davon für dich bestimmt.«

Erin schnaubte. »Mein Seelenverwandter ist sicher strohdoof. So doof, dass er keinen meiner Witze verstehen wird.« Dazu brauchte es ja auch nicht viel.

»Es wäre für uns alle wohl besser, wenn du jemanden finden würdest, wo es in Ordnung wäre, wenn du deine Witze für dich behältst.«

»So jemanden kann es nicht geben, Poppy. Außerdem, wie werden wir je wieder lachen können – ohne meine Witze? Deshalb bist du doch in erster Linie mit mir befreundet, nicht? Gerade jetzt kannst du etwas Aufmunterung sicher vertragen.« Jetzt kommt’s. Verdammt. »Was ist weiß und rollt den Berg hoch?«

»Auf jeden Fall nicht der Witz. Der rollt sicher abwärts.« »Eine Lawine mit Heimweh.« Oh, man. Tat das weh. Der war so schlecht, dass er auch schon wieder gut war. Vermutlich, denn gerade musste ich über ihre Antwort grinsen. Vielleicht auch aus Mitleid.

»Pass auf. Nicht, dass Mr. Right jede Minute an unseren Tisch tritt.« Das sagte ich, weil Jess, Lou und Zoe gerade mit den Moppelgeschwistern auf uns zukamen.

Ich musste mir das Grinsen verkneifen, als Erin schreckhaft zusammenzuckte, als sie Jess Stimme hinter sich vernahm: »Da seid ihr beiden ja. Wir haben euch schon überall gesucht.« Alle fünf setzten sich jetzt zu uns an den Tisch. Langsam wurde es echt eng.

»Erin, Poppy – das sind Damian und Brianna. Sie gehören ab sofort zu uns. Sie sind nämlich sehr nett«, erklärte Jess. Deshalb hatte Jess sie ganz sicher nicht aufgenommen. Sie gehörten lediglich zu ihrem Vorhaben, auch die Loser aufzunehmen. Eigentlich war es mir auch egal.

Brianna strahlte übers ganze Gesicht. »Der liebe Gott scheint meine Gebete tatsächlich erhört zu haben.«

Ihr Bruder war anscheinend nicht ganz so begeistert. »Ist ja schön, dass diese Entführungssache euch die Augen geöffnet hat, aber ich denke nicht, dass das auf Dauer funktionieren wird.« Brianna tätschelte Damian bemitleidend die Schulter. »Stimmt. Du passt nicht wirklich in eine Mädchenclique hinein. Aber ich bin jetzt angesagt, Damian. Ich kann nicht mehr bei dir bleiben.«

Zoe verdrehte die Augen. »Hast du Angst vor so vielen Mädels, oder was? Bleib doch einfach. Deine Schwester war doch deine einzige Freundin, nicht? Wo willst du sonst hin?« Damians Augen weiteten sich. Zoe war ihm auf jeden Fall zu direkt. »Ich habe Freunde… Nur nicht hier«, behauptete M… Damian. (Es fiel mir sichtlich schwer, ihn nicht mehr Moppel-Damian zu nennen. Alle taten das aufgrund des Übergewichts der beiden. Aber wenn sie jetzt zu uns gehören sollten, dann sollte ich mir das schleunigst abgewöhnen. Der Spitzname war ja auch fies.)

»Wissen wir doch«, zwinkerte Brianna. Jap. Er hatte definitiv keine Freunde außerhalb. Das konnte man aus Briannas Stimme deuten.

Mein Handy vibrierte in meiner Hosentasche. Da Erin gerade den Kopf gesenkt hielt, war die Nachricht höchstwahrscheinlich von ihr.

12:17_Das war NICHT witzig.

12:18_Wieso? Damian ist bestimmt auch schlau. Jedenfalls hat er viel Freizeit zum Lernen.

Zwei blaue Häkchen, allerdings keine Antwort. Stattdessen bekam ich einen bitterbösen Blick über den Tisch zugeworfen. Dann eben nicht. Vor ein paare Tagen hätte ich sie noch für ihre Vorurteile verurteilt. Ich sollte meinen Mund allerdings nicht zu voll nehmen. Hätte ich welche gegenüber Hodded gehabt, dann wäre all das nicht passiert. Manchmal sind Vorurteile anscheinend nicht nur menschlich, sondern auch angebracht.