Der 9. November

Bernhard Kellermann · Kapitel 78 von 87

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Der 9. November

Viertes Buch

 

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Von heute auf morgen . . .

Innerhalb von vierundzwanzig Stunden . . .

Die Depeschen fliegen, es ticken die Fernschreiber. Fahle Gesichter, flatternde

Hände, erbleichende Augen.

Wie?!

Ist es möglich?!

Ein Keulenschlag! Der General ringt nach Luft und preßt beide Hände gegen

den Brustkorb. Er befürchtet, sich übergeben zu müssen.

Ein Jeu — hm — Poker? Aber wir sind schließlich ja nicht in Monte Carlo?

Letzten Endes ist ein Weltkrieg doch kein Manöver, wo der steigende

Fesselballon das Signal zum Halten gibt?

Der General ist krank, die Grippe hat ihn gepackt, ja, auch ihn, ganz zuletzt —

es gelingt ihm gerade noch im letzten Moment ein Glas Wasser zu ergreifen,

sonst wäre ein Unglück geschehen. Der Schweiß bricht ihm nun aus der Stirn.

Schon aber knattern die Lichtbogen und aus den Antennen schwingen die

Wellen durch den Äther. Es wanken die Empfangsstationen, die Beamten, die

Hörmuschel am Ohr, erbleichen. Wer spricht? Eine Verhöhnung, eine Finte, ein

schlechter Scherz? Die Station Nauen hat gesprochen.

Schon fliegen die Türen in den Ministerien, und in den Augen entzündet sich

ein Leuchten —

Der General kriecht durch die Zimmer, in den Schlafrock mit den roten

Aufschlägen eingewickelt, hustet, keucht. Nun, also — nicht! Nicht diesmal!

Rollen wir die Fahnen zusammen — das nächstemal! Blutiger noch und

furchtbarer als dieser Krieg . . . Schon wieder nimmt er Aspirin und hustet. Er

sinkt in einen Sessel und starrt, starrt — er sieht nichts, die Gedanken sind stehengeblieben, vor dem Abgrund haben sie haltgemacht.