Der 9. November

Bernhard Kellermann · Kapitel 8 von 87

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Der 9. November

Kapitel 7

Er sollte wissen, daß sie ihn liebte und Mut hatte. Ja, es gehörte Mut dazu,

denn Papa würde sie auf die Straße werfen, wenn etwas passierte.

Sie war völlig außer sich vor Raserei. Ja, und sie konnte schwören, daß sie

nichts bereute, daß sie es niemals bereute — trotz der fürchterlichen Angst, die

sie ausgestanden hatte.

Hunderte von Pferdehufen trappelten auf der Straße — sie hörte sie immer

noch — jetzt in dieser Sekunde . . .

Die Zigarette brannte. „Danke“, sagte sie, und der Kellner ging.

„Wo liegt dein Regiment jetzt, Otto?“ fragte sie, während die Röte ihrer

Wangen langsam verflog.

„Ich weiß es nicht genau. Wohl an derselben Stelle.“

Einige Belanglosigkeiten — und plötzlich sieht Hedi auf die Armbanduhr und

springt auf. Mein Himmel! Sie reicht dem Kellner eine Note, zehn Mark, das

macht drei Mark Trinkgeld, aber sie kann nicht warten bis er herausgibt.

„Nun will ich dir gute Reise wünschen, Otto. Nein, bleibe sitzen. Ich will

allein gehen. Ich habe es sehr eilig. Auf Wiedersehen!“

Ihr Aufbruch kam so rasch, daß Otto völlig verblüfft war. Hedi ging, und sie

sah die weißen Rosen, die verlassen auf dem Nachbartisch lagen, nicht an. Ganz

Lady, schritt sie über die Teppiche.

Ein Nicken, ein Lächeln an der Türe, der Groom verbeugte sich.

Es ging gelinde ab, dachte Otto, der den Kellner ungeduldig herbeiwinkte und

es plötzlich ebenfalls sehr eilig hatte. Da fiel ihm ein, daß sein General seinerzeit

den gleichen Ausdruck ihm gegenüber gebraucht hatte — damals, als er dreißig

Prozent seiner Leute liegenließ. Er hatte die Geschichte erst vorhin Heinz

erzählt. Nun, jedenfalls hatte sie sich wie eine Dame benommen. Er fürchtete

nichts mehr als Szenen.

Aber ein unangenehmes Empfinden blieb in ihm zurück. Was war es doch?

Er haßte sie in diesem Augenblicke bitter.

 

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Schuft, Schuft!“ Hedi lachte. Was für ein bodenloser Schuft war er doch!

Mit schnellen Schritten eilte sie an den Häusern entlang in das Schneetreiben

hinein, den Hut mit dem kleinen Reiher dicht in den Schirm gedrückt.

Seine Motive — seine Motive kannte sie ganz genau! Seine Familie, seine

Karriere — was für Ausflüchte! Hätte er doch den Mut gehabt ihr zu sagen, daß er sie nicht mehr liebte! Aber diese Männer sind Feiglinge, und wenn sie auch