Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 15 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Der Brieselang

 

Balsamisch wogten die Düfte

Über das feuchte Revier,

Die alten Störche bezogen

Freudig das alte Quartier.

In all den Luchen und Lanken

Waren die Wasser erwacht,

Die Kiefern lauschten und tauschten

Ihre Grüße sacht.

 

G. Hesekiel

 

E ine der ältesten Waldpartien des Havellandes ist der Brieselang, anderthalb Meilen westlich von Spandau. Die Hamburger Eisenbahn schneidet an seinem

Südrande hart vorbei und bildet, wenn man auf die Karte blickt, den Fuß, auf

dem er steht. Wer ihn besuchen will und die Jahre des Turner-Enthusiasmus

hinter sich hat, pflegt deshalb auch die genannte Bahn zu benutzen, die ihn

wochentags bis an die östlichen Vorlande des Waldes (Station Segefeld) oder

Sonntags in Extrazügen direkt bis an seine Eingänge führt.

Der Brieselang ist nicht mehr, was er war. In alten Tagen ging er über

Quadratmeilen hin und füllte das ganze Territorium, das man damals als Alt-

Bredow-Land bezeichnen konnte. Das Nauensche Luch, die Falkenhagenschen

Wiesen, der Bredowsche Forst, das Pausinsche Bruch, alles war Brieselang, ein

Elsbruch im großen Stil: im Frühjahr ein Sumpf oder See, im Sommer ein

Prairie, zu allen Jahreszeiten aber von mächtigen Eichen, den „Brieselang-

Eichen“, überragt, die um einen Schuh höher waren als alle anderen im Lande.

Das ist nun anders geworden. In allen Teilen des alten Gebiets, zumal auch auf

jener Strecke, die noch den alten Namen führt, haben sich die Elemente

geschieden, aus weiten Sumpfstrecken, denen man die Elsen und Eichen nahm,

sind weite Wiesenstrecken geworden, und aus anderen, denen man Elsen und

Eichen hinzutat, sind regelrechte Waldreviere geworden. Nur da, wo Wald und

Wiese mit einander grenzen und der Wald aus seinem Heerlager einzelne Posten

in die weite Wiese hinausstellt, nur an diesen Stellen zeigt der Brieselang noch

seinen alten Charakter, zumal im Frühjahr, wenn das Sumpfwasser steigt und sich wieder in Lachen und Lanken um die Elsenbüsche sammelt.

Der Brieselang ist eine schwindende Macht, an Terrain verlierend wie an

Charakter, aber auch noch im Schwinden ehrwürdig, voll Zeichen alter

Berühmtheit und alten Glanzes. Er besteht zur Zeit noch aus zwei Hälften, aus

dem eigentlichen Brieselang und aus der Buten-Heide, von denen jener, mit dem

Hauptpunkt „Finkenkrug“, die südliche, diese, die Buten-Heide, mit dem

Hauptpunkt „Königs-Eiche“, die nördliche Hälfte bildet. Da aber, wo beide

Hälften zusammentreffen, inmitten einer Lichtung, erhebt sich die „Försterei

Brieselang“, die als Zentralpunkt mit Recht den Namen des ganzen Waldes trägt.

In den Brieselang also!