Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 50 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Marquardt

 

Des Hofes Glanz und Schimmer

Blinkt nur wie faules Holz,

Die Kirche lebt vom Flimmer

Und wird vor Demut stolz;

Arm sind des Lebens Feste,

Rings abgestandner Wein,

Das Höchste und das Beste,

Wie niedrig und wie klein.

 

Walter Raleigh

 

E ine Meile hinter Bornstädt liegt Marquardt, ein altwendisches Dorf, ebenso anziehend durch seine Lage, wie seine Geschichte. Wir passieren Bornim,

durchschneiden den „Königsdamm“ und münden unmerklich auf der Chaussee

in die Dorfstraße ein, zu deren Linken ein prächtiger Park bis an die Wublitz und

die breiten Flächen des Schlänitz-Sees sich ausdehnt.

Die gegenwärtige Gestalt von Marquardt, ebenso wie sein Name, ist noch

jung; in alten Zeiten hieß es Schorin. Im fünfzehnten Jahrhundert, und weiter

zurück, war es im Besitz zweier Familien; die eine davon nannte sich nach dem

Dorfe selbst (Zabel von Schorin 1375), die andere waren die Bammes. Der

Besitz wechselte oft; die Brösickes, Hellenbrechts und Wartenbergs lösten

einander ab, bis 1704 der Etatsminister und Schloßhauptmann Marquardt

Ludwig von Printzen das reizende Schorin vom Könige zum Geschenk, und das

Geschenk selber, dem Minister zu Ehren, den Namen Marquardt erhielt.

An von Printzen, der sieben hohe Standesämter bekleidete und ebensoviele

Titel führte, läßt sich die Phrase vom „unsterblichen Namen“ mustergültig

studieren. Wer kennt ihn noch? Und doch war der Ruhm, den er seinerzeit

genoß, ein so allgemeiner und wohlverdienter, daß selbst der medisante Herr von

Pöllnitz nicht umhin konnte, in seinen Memoiren zu schreiben: „Um 1710 wurde

von Printzen zum Oberhofmarschall ernannt. Seine Verdienste machten ihn

dieser Stelle vollkommen würdig. Der Hof, bei welchem er schon sehr jung

angestellt worden war, hatte weder seine Sitten noch sein Herz verdorben. Treue

und Redlichkeit waren die Triebfedern aller seiner Handlungen und man kann mit Wahrheit sagen, daß unter allen Ministern des Königs er derjenige war, der

den Meinders und Fuchs, welche Deutschland unter seine größten Männer

rechnete, am meisten gleichkam. Seine Aufrichtigkeit hatte ihm jedermanns

Liebe zugezogen. Selbst der Kronprinz, der ein geborener Feind aller Minister

war, konnte ihm seine Hochachtung nicht versagen, so daß er, als der Prinz zur

Regierung kam, der Einzige war, der seine Stelle behielt.“

So Pöllnitz über von Printzen. Ein Glück, daß sieben Hof- und Staatsämter

ihn bei Lebzeiten schadlos hielten für die Undankbarkeit der Nachwelt. Er bezog

vierzigtausend Taler jährlich. Unter seinen vielen Ämtern war auch das eines

„Direktors des Lehnswesens“, was die Anhäufung von Lehnsbriefen des

gesamten Havellandes im Marquardter Archive erklären mag.

von Printzen starb 1725; schon sechs Jahre früher (1719) war das anmutige

Schorin, nunmehr Marquardt, in die Hände der Familie von Wykerslot

übergegangen, die, zu Anfang des Jahrhunderts, vom Niederrhein, dem

Jülichschen und Cleveschen her, ins Land gekommen war. Vater und Sohn

folgten einander im Besitz, jagten und prozessierten ein halbes Jahrhundert lang

und erwarben sich das im engsten Zusammenhang damit stehende fragwürdige

Verdienst, das Gutsarchiv mit den meisten Aktenbündeln, diesmal nicht

Lehnsbriefe, vermehrt zu haben. Es war eine kalvinistische Familie und das

Interessanteste aus ihrer Besitzzeit bleibt wohl, daß, obschon sie die Kirche aus

eigenen Mitteln erbaut hatten, ihnen, solange Friedrich Wilhelm I. regierte, nicht

gestattet wurde, das heilige Abendmahl in dieser ihrer Kirche aus der Hand eines

reformierten Geistlichen zu empfangen. Die Wykerslot mußten sich, an ihrem

eigenen Gotteshause vorbei, nach Nattwerder begeben, einer benachbarten

Schweizerkolonie, wo das Abendmahl nach kalvinistischem Ritus erteilt wurde.

1781 starb der jüngere Wykerslot. War der Besitz bis zu diesem Zeitpunkte

kein konstanter gewesen, so wurde er von jetzt ab, in der Unruhe sich steigernd,

ein beständig wechselnder, so daß wir in dem kurzen Zeitraum von 1781 bis

1795, die Wykerslots noch mit eingerechnet, das nunmehrige Marquardt in

Händen von vier verschiedenen Familien sehen. Die Nähe Potsdams — wie bei

vielen ähnlichen Punkten — spielte dabei eine Rolle. Wer dem Hofe nahe stand,

oder, wer außer Dienst, es schwer fand, sich ganz aus der Sonne zurückzuziehen,

wählte mit Vorliebe die nahegelegenen Ortschaften. Unter diesen auch

Marquardt. Hofleute erstanden es, nahmen hier ihre Villeggiatur und verkauften

es wieder. Die Besitzreihe war die folgende:

Oberstleutnant von Münchow von 1781 bis 1789,

Hofmarschall von Dorville von 1789 bis 1793,

Kammerherr und Domherr Baron von Dörenberg von 1793 bis 1795,