Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 20 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Schloß Oranienburg

 

Noch ragt der Bau, doch auf den breiten Treppen

Kein Leben mehr, kein Rauschen seidner Schleppen,

Die alten Mauern stehen öd’ und leer,

’s sind noch die alten und — sie sind’s nicht mehr.

 

D ie prächtige Havel, mit jener Fülle von Seen, die sie, namentlich um Potsdam herum, an ihrem blauen Bande aufreiht, ist, auf weite Strecken hin, wie

ein Spiegel unserer königlichen Schlösser, deren Schönheit sie verdoppelt.

Aber nicht überall zeigt sie diese breite Pracht. Schlicht, schmal, ein

Wässerchen nur, tritt sie aus dem Mecklenburgischen in die Mark, um dann, auf

ihrem ganzen Oberlaufe, ein Flüßchen zu bleiben, das nicht Inseln leicht und frei

wie schwimmende Blätter trägt, sondern sich teilen muß, um hier und dort ein

Stückchen Land mit dünnem Arm zu umspannen. Nicht das Wasser der Herr und

Sieger, sondern das Land.

So gibt sich die Havel bei Oranienburg, dem unsere heutige Wanderung

gilt. Der Weg dahin führt uns, an Tegel vorbei, zunächst bis an den romantischen

Sandkrug, wo die Stehkrippen von unseren zwei Braunen mit lebhaftem Prusten

begrüßt werden. Der Sandkrug verdient den Beinamen „romantisch“, den wir

ihm soeben gegeben, denn die Forsten, die ihn einfassen, sind fast der einzige

Punkt noch in der Umgegend Berlins, darin sich ein Stückchen mittelalterlicher

Wegelagerei erhalten hat, freilich von jener unpoetischeren Art, die statt des

lauten Angriffs in Stahl und Eisen die Schoßkelle leise beschleicht und sich

damit begnügt, statt der Hälse die Koffer abzuschneiden.

Sandkrug ist halber Weg. Noch eine anderthalbstündige Fahrt an

Tannenholz und Dörfern vorbei und wir halten auf einem großstädtisch

angelegten Platz, über dem sich eben der prächtigste Regenbogen wölbt. Das ist

der Schloßplatz von Oranienburg. Das Wetter klärt sich auf; die Sonne ist da.

Das Haus, das uns aufnehmen soll, verbirgt sich fast hinter den Lindenbäumen,

die es umstehen, und erweckt, neben manchem anderen, unsere günstigsten

Vorurteile auch dadurch, daß wir vernehmen, es sei Rathaus und Gasthaus

zugleich. Wo Justiz und Gastlichkeit so nahe zusammen wohnen, da ist es gut

sein. In alten Zeiten war das häufiger. Unsere Altvordern verstanden sich besser

auf Gemütlichkeit als wir.