Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 24 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Die Zeit Friedrichs III. von 1688-1713

Bürgerschaft Oranienburgs.“

Und dieser Dank war Pflicht. Was Luise Henriette schuf, es hat das Kleid

gewechselt, aber die Dinge blieben und der Segen lebt fort.

 

Die Zeit Friedrichs III. von 1688-1713

 

Schloß Oranienburg war, wie wir es geschildert haben, ein Bau von

mäßigen Dimensionen (nur fünf Fenster breit), als 1688, nach dem Tode des

Großen Kurfürsten, der prachtliebende Friedrich III. zur Regierung kam. Es war

eine Zeit für die bildenden Künste in unserem Lande, wie vielleicht keine

zweite,[21] zumal wenn man die verhältnismäßig bescheidenen Mittel in

Anschlag bringt, die dem fürstlichen Bauherrn zur Verfügung standen. Schloß

Köpenick, wo der Kurfürst die letzten Jahre vor seiner Thronbesteigung

zugebracht hatte, wurde zuerst beendet; dann folgte mit einer Munifizenz, die

noch weit über das hinausging, was in Köpenick geleistet worden war, der

Ausbau des Oranienburger Schlosses. Ob der Kurfürst damals die Absicht hatte,

das Schloß an der Ober-Havel zu seinem bevorzugten Aufenthalt zu machen,

oder ob er seiner Stiefmutter, der holsteinschen Dorothea, in nicht

mißzuverstehender Weise zeigen wollte, wie heilig, wie wert ihm die Schöpfung

und Hinterlassenschaft seiner rechten Mutter sei, gleichviel, Schloß Oranienburg

wuchs alsbald aus seiner engen Umgrenzung heraus und ein Prachtbau stieg

empor, wie die Marken damals, mit alleiniger Ausnahme des Schlosses zu Cölln

an der Spree, keinen zweiten aufzuweisen hatten. Von 1688 bis 1704 dauerte der

Bau, und das Schloß nahm im wesentlichen die Gestalt und Dimensionen an,

worin wir es noch jetzt erblicken. An ein reich ornamentiertes Mittelstück (corps

de logis) lehnten sich zwei Vorder- und zwei Hinterflügel, zwischen denen ein

nach einer Seite hin geöffneter Hofraum lag. Ganz wie jetzt. Am Ende jedes der

vier Flügel erhob sich ein Pavillon und das corps de logis trug zwischen dem

Dach und den Fenstern des dritten Stockes die Frontal-Inschrift: A Ludovica

princip. Auriac. matre optima exstruct. et nom. gentis insignit. aedes Friedericus

Tertius Elector in memoriam Parentis piissimae ampliavit, ornavit, auxit

MDCXC. (Dies von der besten Mutter, der Prinzessin von Oranien, Luise,

gebaute und durch den Namen ihres Geschlechtes ausgezeichnete Schloß hat der

Kurfürst Friedrich III. zum Gedächtnis der frömmsten Mutter erweitert und

geschmückt im Jahre 1690.) Diese Inschrift existiert noch.

Es kann nicht Zweck dieser Zeilen sein, mit Hilfe noch vorhandener

Aufzeichnungen den Leser durch eine lange Reihe von Prachtzimmern und Galerien, von Sälen und Porzellan-Kabinetten zu führen, von denen, mit

Ausnahme weniger Zimmer, die ich gegen den Schluß des Aufsatzes hin zu

beschreiben gedenke, auch jede Spur verloren gegangen ist; nur einiges werde

ich hervorzuheben haben, um wenigstens eine Andeutung von dem Reichtum zu

geben, der innerhalb dieser Mauern heimisch war. In dem Treppenhaus, das fast

die halbe Breite des corps de logis einnahm, sprang eine Fontaine und trieb den

Wasserstrahl bis in das dritte Stock hinauf; die Treppe selbst aber war unten mit

vier Jaspis- und weiter oben mit vier Marmorsäulen geschmückt. An der

gewölbten Decke waren die vier Laster des Hofes: Gleisnerei, Verleumdung,

Neid und Habsucht dargestellt, wie sie von eben so vielen Engeln aus dem

Himmel gestürzt werden. Deckengemälde, zum Teil ähnlichen symbolischen

Inhalts, zeigen sich in fast allen größeren Sälen. Im Vorzimmer des Königs

befand sich an den Plafond gemalt, wie schon erwähnt, eine Kopie des großen

Terwestenschen Bildes, während im sogenannten „Orangesaal“ ein anderes

großes Deckengemälde die Verherrlichung des Oranischen Hauses symbolisch

darstellte. In der Mitte desselben erblickte man eine weibliche Figur mit dem

Oranischen Wappen und einem Orange-Bukett im Haar, während sie zugleich

eine Schnur mit Medaillons in Händen hielt, wodurch die Geschlechtsfolge des

Hauses Oranien veranschaulicht werden sollte. Neid und Verräterei mühen sich,

die Schnur zu zerreißen, aber ein Blitzstrahl aus den Wolken fährt zwischen sie.

In demselben Saale befanden sich die Bildnisse der Fürsten von Oranien

von 1382 ab, daneben aber das Porträt König Friedrichs I. selbst, mit dem

bekannten Distichon als Unterschrift, durch das einst der Königsberger Dichter

Bödecker die Geburt Friedrichs verherrlicht und seine künftige Königschaft

vorhergesagt hatte:

Nascitur in Regis Friedericus Monte, quid istud?

Praedicunt Musae: Rex Friedericus erit.

 

(Königsberg heißt die Geburtsstadt des Prinzen Friedrich; was folgt draus?

Musen kündet es laut: König wird Friedrich uns sein.)

 

So waren Säle und Treppenhaus. Fast noch prächtiger war die Kapelle: die

Wände waren mit Marmor bekleidet und die Decke mit Kirchenbildern geziert,

während der Altartisch auf vier vergoldeten Adlern ruhte. Bischof Ursinus hielt

hier 1704 die Einweihungsrede. Nun ist alles hin, alles verweht und zerstoben.

Nur Orgel, Kanzel und königliche Loge existieren noch, sind aber nach

Französisch-Buchholz hin verpflanzt worden und zieren dort die Kirche bis

diesen Tag.

So war Schloß Oranienburg in den Tagen, die der oranischen Prinzessin

unmittelbar folgten. Wir fragen weiter, wie war das Leben in diesen Räumen?

Darüber liegen leider wenige Aufzeichnungen vor und wir müssen auf

Umwegen und durch Schlüsse zu einem Resultat zu gelangen suchen. Daß der

Kurfürst häufig hier verweilte, geht weniger aus der Reichtumsfülle hervor, mit

der er das Schloß ausstattete (eine prächtige Ausstattung verrät noch keine

persönliche Teilnahme, keine Herzensbeziehungen), als aus dem Eifer, mit dem

er die Herrschaft Oranienburg zu erweitern und einige der im Umkreis gelegenen

Dörfer in einen gewissen Einklang mit dem Schlosse selbst zu bringen suchte.

Diese sorgliche Fassung, die er dem Edelsteine gab, bewies am besten, wie sehr

er an demselben hing. So wurden Grabsdorf und Lehnitz, Kossebant und

Perwenitz, vier in der Nähe befindliche Güter, angekauft und in Vorwerke oder

Koloniedörfer umgewandelt. Grabsdorf erhielt ein Jagdschloß, das innerhalb

seiner schmucklosen Mauern bis diesen Augenblick noch die eiförmigen

Zimmer zeigt, die, nach damaliger Mode, ihm gegeben wurden. Dabei wurde der

Name Grabsdorf, der an unbequeme Dinge erinnern mochte, beiseite getan und

in „Friedrichsthal“ umgewandelt, unter welcher Bezeichnung Dorf und

Jagdschloß bis diesen Tag noch vorhanden sind. Auch Kossebant verlor seinen

alten Namen und trat die Erbschaft des vakant gewordenen Namens „Bötzow“

an. Das heutige Bötzow hat also nichts gemein mit Burg und Stadt Bötzow, die

bis 1650 an Stelle des jetzigen Oranienburg zu finden waren, sondern ist ein in

der Nähe gelegenes Dorf, das bis 1694 den Namen Kossebant führte.

Diese Neuschöpfungen, mit denen der Kurfürst Schloß Oranienburg umgab,

beweisen genugsam, daß dies Havelschloß, dies Vermächtnis von der Mutter her,

ein bevorzugter Aufenthalt des Kurfürsten und spätern Königs war, aber auch einzelne Berichte sind uns zur Hand, die uns, trotz einer gewissen Dürftigkeit