Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 37 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Der Königswall

der Fähr-Einnahme, die sie aufgaben, sondern vielmehr noch der historischen

Macht, die sie niederlegten. An das Haus Müller kamen liegende Gründe, Geld,

zuletzt auch der Brückenpalast, der auf ihrem alten Territorium wie als

Wahrzeichen ihrer früheren Herrlichkeit, ihnen errichtet worden ist. Selten wohl

hat eine Fährstelle im Leben und Sterben so gute Tage gesehen.

 

Der Königswall

 

Von der Mitte der Brücke aus hat man ein ansprechendes Bild in die

genannten drei Wasserflächen und die zwischenliegende Landschaft hinein.

Nach rechts hin, wo die Krampnitz und der Jungfern-See ein Eck bilden,

zieht sich dammartig ein Erdwerk zwischen Wald und Wasser. Dieses Erdwerk

ist der Königswall, im Munde des Volks, wie all dergleichen primitive

Festungswerke, die Römer- oder Räuber- oder Schweden-Schanze geheißen.

Ausdrücke, die historisch gar keinen Anhalt geben. Die Bezeichnung

„Königswall“ ist übrigens kaum besser. Drei Seiten der Umwallung, welche sich

zwanzig Fuß vom Boden erheben, sind mit geräumigen Eingängen versehen, von

denen zwei dem Wasser, der dritte dem Lande zugewandt liegen. Die vierte Seite

des Walles — wahrscheinlich eine von der Natur gebildete Hügelwand — fällt

aus einer Höhe von mindestens fünfzig Fuß steil zum Seeufer ab, und scheint

auch darum keinen Zugang zu haben. Die ganze Umwallung, soweit sie

künstlich ist, mißt siebenhundert Schritt, und muß viel Hände und viel Zeit

erfordert haben. Es ist wohl unzweifelhaft ein alter Kamp, ein wendischer Lager-

oder Verteidigungsplatz aus jenem Jahrhundert her, wo sich Christen- und

Heidentum hier bekämpften. Die Deutschen hatten das Westhavelland inne; hier

in dem Waldterrain des Osthavellandes, auf der „Insel Potsdam“, von allen

Seiten her durch Fluß und See und Sumpf geschützt, saßen noch die Wenden.

Hier hatten sie ihre letzten Stätten, ihre ausgedehntesten Begräbnisplätze;

einzelne Striche sind mit Waffen und Totenurnen wie besäet.

 

Das Heinenholz und der Kirchberg

 

Eine kaum minder interessante Wegstrecke bildet das Gehölz, in das die

Fahrlander Straße, unmittelbar nach Passierung der Brücke, einmündet. Dies

Wäldchen führt den Namen des „Heinenholzes“ und aus seiner Mitte hervor

steigt der höchste Berg dieser Gegenden, der „Kirchberg“. Es verlohnt sich

durchaus, ihn zu besteigen. Seine Höhe ist zweihundertundsiebzig Fuß. Das landschaftliche Bild, das sich von seiner Kuppe aus dem Auge darstellt, ist sehr