Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 62 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Zwei „heimlich Enthauptete“

 

 

Auch Tröstliches kommt ans Licht der Sonnen.

Romantisch verloren, menschlich gewonnen.

 

G eschichten von „Enthaupteten“, wie wir sie vorstehend in dem Falkenrehder Kapitel erzählt, am liebsten aber von „heimlich Enthaupteten“, haben hier zu

Lande immer eine Rolle gespielt und sich neben den „weißen Frauen“ und

„vergifteten Apfelsinen“ in unseren Volkssagen erhalten.

Unter diesen „heimlich Enthaupteten“ stehen, noch über den General von

Weiler hinaus, Graf Adam Schwarzenberg († 1640) und General von Einsiedel

(† 1745) obenan.

Erst neuere Forschungen haben festgestellt, daß beide Geschichten, wie die

Weilersche, bloße Erfindungen sind und jedes eigentlichen Anhalts entbehren.

Verdachtgründe lagen vor und die Gesamtsituation ließ dergleichen als möglich

erscheinen.

Dies genügte. Wir beginnen mit dem Graf Schwarzenberg-Fall und zeigen

zuerst wie das Gerücht entstand, dann wie es widerlegt wurde.

 

1. Graf Adam Schwarzenberg

 

1755 kam Prinz August Wilhelm von Preußen, ältester Bruder Friedrichs

des Großen, mit seiner Schwester der Prinzessin Amalie nach Spandau. Bei

dieser Gelegenheit besahen sich die beiden Königlichen Geschwister auch das

Innere der Nikolai-Kirche. Bei der Begräbnistafel des Grafen Schwarzenberg

blieb der Prinz erstaunt stehen, indem er zu seiner Umgebung äußerte: „Wie? Ist

der Graf nach dem Tode George Wilhelms nicht nach Wien gegangen und dort

verstorben? Diese Tafel ist wohl nur zum Schein hier angebracht?“ Aller

Gegenversicherungen ungeachtet blieb der Prinz auf seiner Meinung bestehen

und um sich vollständig von dem Sachverhalt zu überzeugen, befahl er, das Grab

zu öffnen. Nachdem dies geschehen, erhielt der Page von Dequede von dem

Prinzen die Weisung hinabzusteigen und zu sehen, ob sich wirklich ein

Leichnam im Gewölbe befinde. Der beherzte Page kam nach einiger Zeit mit

dem halb vermoderten Kopfe eines Menschen wieder zum Vorschein. Der Prinz besah den Kopf genau und rief dann unwillig: „Ja, das ist er. Man werfe ihn nur