Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil
General de la Chieze von 1662 bis 1671
Kurfürsten über und verblieb, ein kurzes Vorspiel abgerechnet, auf das wir des
weiteren zurückkommen (wir meinen die Zeit de la Chiezes), hundertundfünfzig
Jahre lang bei der Krone. Eine lange Zeit. Aber die Zeit seines Glanzes war um
so kürzer und ging wenig über ein Menschenalter hinaus. Mit dieser
Glanzepoche, unter Weglassung alles dessen, was vorausging und was folgte,
werden wir uns in nachstehendem zu beschäftigen haben. Auch diese
vorübergehende Glanzes-Aera gliedert sich in verschiedene Zeitabschnitte, und
zwar in die Zeit des Generals de la Chieze bis 1671, die Zeit der Kurfürstin
Dorothea bis 1689 und die Zeit Sophie Charlottens und König Friedrich I. bis
1713.
General de la Chieze von 1662 bis 1671
Der Große Kurfürst, nachdem er 1662 Schloß und Gut Kaputh erstanden,
entäußerte sich, wie in der Kürze bereits angedeutet, desselben wieder und
schenkte es „mit allen Weinbergen, Schäfereien und Karpfenteichen“ seinem
Kammerjunker und Generalquartiermeister de la Chieze. Philipp de la Chieze,
dessen Familie aus Piemont stammte, war 1660 aus schwedischem in
brandenburgischen Dienst getreten. Er war Ober-Ingenieur, ein bedeutender
Baumeister und hatte für den Großen Kurfürsten eine ähnliche Bedeutung wie
sie Rochus von Lynar, hundert Jahre früher, für Joachim II. gehabt hatte. Er
beherrschte den Schönbau wie den Festungsbau, führte das Hauptgebäude des
Potsdamer Stadtschlosses auf, leitete den Berliner Schloßbau, beteiligte sich an
der Ausführung des Friedrich-Wilhelms-Kanals, besserte und erweiterte die
Festungen des Landes.
Dies war der Mann, dem die Gnade des Kurfürsten das nur in leisen Zügen
noch an alte Kulturtage erinnernde Kaputh übergab. Er konnte es in keine
besseren Hände geben. Das in Trümmern liegende Schloß — mutmaßlich ein
spät gotischer Bau — wurde in modernem Stile wieder aufgeführt, und dem
ganzen Gebäude im wesentlichen das Gepräge gegeben, das es noch aufweist.
Namentlich der „große Saal“ erhielt bereits seine gegenwärtige Gestalt, wie wir
aus einer alten Notiz ersehen, in der es heißt: „im Obergeschoß (Hochparterre)
befand sich zuseiten des Flurs ein großer Saal durchs ganze Schloß hin, mit zwei
Fenstern nach Süden und zweien nach Norden.“ — Der Kurfürst war hier oft zu
Besuch, namentlich wenn ihn die Jagden nach dem Kunersdorfer Forste führten.
Auch den jungen Prinzen wurde zuweilen gestattet, der Einladung des alten de la
Chieze zu folgen und einen halben Tag, frei von der strengen Aufsicht ihres Hofmeisters, in Kaputh herum zu schwärmen. Die Parkanlagen waren damals