Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 73 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Kurfürstin Dorothea von 1671 bis 1689

noch unbedeutend; der Garten nur mit Obstbäumen besetzt.

 

Kurfürstin Dorothea von 1671 bis 1689

 

Der alte de la Chieze starb 1671 oder 1673; Kaputh fiel an den Kurfürsten

zurück und er verschrieb es nunmehr seiner Gemahlin Dorothea, die es —

insonderheit nach dem Tode ihres Gemahls (1688) — zu ihrem bevorzugten

Wohnsitz machte. —

Das Schloß, um seinem neuen Zwecke zu dienen, mußte eine erhebliche

Umgestaltung erfahren. Was für den in Kriegszeiten hart gewordenen de la

Chieze gepaßt hatte, reichte nicht aus für eine Fürstin; außerdem wuchsen

damals — unter dem unmittelbaren Einflusse niederländischer Meister — rasch

die Kunstansprüche in märkischen Landen. Erst fünfzig Jahre später, unter

Friedrich Wilhelm I., — obwohl er sich rühmte, ein „treu-holländisch Herz“ zu

haben — hörten diese Einflüsse wieder auf und wir verfielen, auf geraume Zeit

hin, in die alte Nacht.

Schloß Kaputh rüstete sich also zum Empfang einer neuen Herrin. Die

Grundform blieb, aber Erweiterungen fanden statt; zwei kleine Eckflügel

entstanden, vor allem wurde die innere Einrichtung eine andere. Eine Halle im

Souterrain, wo man den Jagdimbiß zu nehmen pflegte, wurde an Wand und

Decke mit blaugrünen holländischen Fliesen ausgelegt, die Zimmer des

Obergeschosses mit Tapeten behängt und mehrere mit Plafond-Schildereien

geziert. Besonders bemerkenswert war die Ausschmückung des „großen Saales“,

ein Deckengemälde, das seinem Gedankengange nach an spätere Arbeiten

Antoine Pesnes erinnert. Minerva mit Helm, Schild und Speer führt die Künste:

Baukunst, Skulptur und Malerei, in die brandenburgischen Lande ein; ein

gehörntes Ungetüm, halb Luzifer, halb Kaliban, entweder den Krieg oder die

Roheit, oder beides zugleich darstellend, entweicht ins Dunkel vor dem

aufgehenden Licht. Ähnlich wohlerhalten präsentiert sich ein zweites Bild, im

sogenannten „Grünen Zimmer“. Zwei geflügelte Genien halten die umkränzten

Bilder von Kurfürst und Kurfürstin in Händen: die Fama bläst mit einer

Doppeltuba den Ruhm beider in die Welt hinaus; eine andere geflügelte Gestalt

zeigt auf die Chronik ihrer Taten. In einem dritten Gemach, das den Namen des

Schlafzimmers der Kurfürstin führt, begegnen wir einem Deckenschmuck aus

wahrscheinlich eben dieser Zeit. Außer einem Mittelbilde zeigt er zwei

weibliche Figuren: die Nacht, ein Fackellicht tragend und den Morgen, Rosen

streuend in leicht angehauchtem Gewölk.