Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil
Tegel
Die Hoffnung —
Sie wird mit dem Greis nicht begraben.
H avelabwärts von Oranienburg, schon in Nähe Spandaus, liegt das Dorf Tegel, gleich bevorzugt durch seine reizende Lage, wie durch seine historischen
Erinnerungen. Jeder kennt es als das Besitztum der Familie Humboldt. Das
berühmte Brüderpaar das diesem Fleckchen märkischen Sandes auf Jahrhunderte
hin eine Bedeutung leihen und es zur Pilgerstätte für Tausende machen sollte,
ruht dort gemeinschaftlich zu Füßen einer granitenen Säule, von deren Höhe die
Gestalt der „Hoffnung“ auf die Gräber beider hernieder blickt.
Wer seinen Füßen einigermaßen vertrauen kann, tut gut, Berlin als
Ausgangspunkt genommen, die ganze Tour zu Fuß zu machen. Die erste Hälfte
führt durch die volkreichste und vielleicht interessanteste der Berliner Vorstädte,
durch die sogenannte Oranienburger Vorstadt, die sich, weite Strecken Landes
bedeckend, aus Bahnhöfen und Kasernen, aus Kirchhöfen und Eisengießereien
zusammensetzt. Diese vier heterogenen Elemente drücken dem ganzen Stadtteil
ihren Stempel auf; das Privathaus ist eigentlich nur insoweit gelitten, als es jenen
vier Machthabern dient. Leichenzüge und Bataillone mit Sang und Klang folgen
sich in raschem Wechsel oder begegnen einander; dazwischen gellt der Pfiff der
Lokomotive und über den Schloten und Schornsteinen weht die bekannte
schwarze Fahne. Hier befinden sich, neben der Königlichen Eisengießerei, die
großen Etablissements von Egels und Borsig, und während dem
Vorübergehenden die endlose Menge der zugehörigen Bauten imponiert,
verweilt er mit Staunen und Freude zugleich bei dem feinen Geschmack, bei
dem Sinn für das Schöne, der es nicht verschmäht hat, hier in den Dienst des
Nützlichen zu treten.
So zieht sich die Oranienburger Vorstadt bis zur Pankebrücke; jenseits
derselben aber ändert sie Namen und Charakter. Der sogenannte „Wedding“
beginnt und an die Stelle der Fülle, des Reichtums, des Unternehmungsgeistes
treten die Bilder jener prosaischen Dürftigkeit, wie sie dem märkischen Sande
ursprünglich eigen sind. Kunst, Wissenschaft, Bildung haben in diesem armen
Lande einen schwereren Kampf gegen die widerstrebende Natur zu führen
gehabt, als vielleicht irgend wo anders, und in gesteigerter Dankbarkeit gedenkt man jener Reihenfolge organisatorischer Fürsten, die seit anderthalb
Jahrhunderten Land und Leute umgeschaffen, den Sumpf und den Sand in ein
Fruchtland verwandelt und die Roheit und den Ungeschmack zu Sitte und
Bildung herangezogen haben. Aber die alten, ursprünglichen Elemente leben
noch überall, grenzen noch an die Neuzeit oder drängen sich in die Schöpfungen
derselben ein, und wenige Punkte möchten sich hierlands finden, die so völlig
dazu geeignet wären, den Unterschied zwischen dem Sonst und Jetzt, zwischen
dem Ursprünglichen und dem Gewordenen zu zeigen, als die Stadtteile diesseits
und jenseits des Panke-Flüßchens, das wir soeben überschritten haben.
Die Oranienburger Vorstadt in ihrer jetzigen Gestalt ist das Kind einer
neuen Zeit und eines neuen Geistes; der „Wedding“ aber, der nun vor und neben
uns liegt, ist noch im Einklang mit dem alten nationalen Bedürfnis, mit den
bescheideneren Anforderungen einer früheren Epoche gebaut. Was auf fast eine
halbe Meile hin diesen ganzen Stadtteil charakterisiert, das ist die völlige
Abwesenheit alles dessen, was wohltut, was gefällt. In erschreckender Weise
fehlt der Sinn für das Malerische. Die Häuser sind meist in gutem Stand;
nirgends die Zeichen schlechter Wirtschaft oder des Verfalls; die Dachziegel
weisen keine Lücke auf und keine angeklebten Streifen Papier verkürzen dem
Glaser sein Recht und seinen Verdienst; das Holzgitter, das das Haupt- und
Nebengebäude umzieht, ist wohl erhalten und der junge Baum, der in der Nähe
der Haustür steht, hat seinen Pfosten, daran er sich lehnt, und seinen Bast, der
ihn hält. Überall ein Geist mäßiger Ordnung, mäßiger Sauberkeit, überall das
Bestreben, sich nach der Decke zu strecken und durch Fleiß und Sparsamkeit
sich weiter zu bringen, aber nirgends das Bedürfnis, das Schöne, das erhebt und
erfreut, in etwas anderem zu suchen, als in der Neuheit eines Anstrichs, oder in
der Geradlinigkeit eines Zauns. Man will keine Schwalbe am Sims — sie
bringen Ungeziefer; man will keinen Efeu am Haus — er schädigt das
Mauerwerk; man will keine Zierbäume in Hof und Garten — sie machen feucht
und halten das Licht ab; man will nicht Laube, nicht Veranda — was sollte man
damit? Nützlichkeit und Nüchternheit herrschen souverän und nehmen der
Erscheinung des Lebens allen Reiz und alle Farbe. Grün und gelb und rot
wechseln die Häuser und liegen doch da wie eingetaucht in ein allgemeines,
trostloses Grau.
Den kläglichsten Anblick aber gewähren die sogenannten
Vergnügungsörter. Man erschrickt bei dem Gedanken, daß es möglich sein soll,
an solchen Plätzen das Herz zu erlaben und zu neuer Wochenarbeit zu stärken.
Wie Ironie tragen einige die Inschrift: „Zum freundlichen Wirt“. Man glaubt
solcher Inschrift nicht. Wer könnte freundlich sein in solcher Behausung und Umgebung? An der Eingangstür hängen zwei Wirtshausschildereien, bekannte
Genrebildszenen, die mehr an die Götzen und Kunstzustände der
Sandwichsinseln, als an die Nachbarschaft Berlins erinnern, und als einziger
Anklang an Spiel und Heiterkeit zieht sich am Holzgitter des Hauses eine
Kegelbahn entlang, deren kümmerliches und ausgebleichtes Lattenwerk dasteht
wie das Skelett eines Vergnügens.
Auf halbem Wege nach Tegel sind wir endlich bis an die letzten Ausläufer
der Stadt gelangt, und eine Kiefernheide beginnt, die uns, ziemlich
ununterbrochen, bis an den Ort unserer Bestimmung führt. Noch ein weiter freier
Platz, der nach links hin einen Blick auf den See und das Dörfchen Tegel
gestattet, dann eine Wassermühle, hübsch, wie alle Wassermühlen, und eine
Ahorn- und Ulmenallee liegt südlich vor uns, an deren entgegengesetztem Ende
wir bereits die hellen Wände von Schloß Tegel schimmern sehen.
Schloß Tegel, ursprünglich ein Jagdschloß des Großen Kurfürsten, kam,
wenige Jahre nach dem Hubertusburger Frieden, in Besitz der Familie
Humboldt. Alexander Georg von Humboldt, einem adeligen pommerschen
Geschlechte angehörig, das im Fürstentum Kammin und im Neustettiner Kreise
seine Besitzungen hatte, brachte es im Jahre 1765 durch Kauf an sich.[22] 1767
wurde Wilhelm, 1769 Alexander von Humboldt geboren, aber nicht in Tegel,
sondern in Berlin, wo der Vater aller Wahrscheinlichkeit nach in Garnison stand.
Nach dem Tode der Eltern wurde Schloß und Rittergut Tegel gemeinschaftliches
Eigentum der beiden Brüder und blieb es, bis es im Jahre 1802 in den alleinigen
Besitz Wilhelms von Humboldt, der damals Gesandter in Rom war, überging.
Alexander von Humboldt hat sich immer nur besuchsweise in Schloß Tegel
aufgehalten, und die historische Bedeutung des Orts wurzelt überwiegend in der
vieljährigen Anwesenheit Wilhelms von Humboldt daselbst, der die letzten
fünfzehn Jahre seines Lebens (von 1820 bis 1835), zurückgezogen von Hof und
Politik, aber in immer wachsender Vertrautheit mit der Muse und den
Wissenschaften, auf dieser seiner Besitzung zubrachte.
Die Kunstschätze, die Schloß Tegel bis diesen Augenblick umschließt,
gehören, wie ich bei Aufzählung derselben noch weiter hervorheben werde,
nicht unwesentlichen Teils in das Gebiet des Familienporträts. Wilhelm von
Humboldt selbst, seine Gemahlin, seine drei Töchter (jüngerer, in Rom
verstorbener Kinder zu geschweigen) haben alle, sei es in Stein oder Farbe, eine
so mannigfache Darstellung gefunden, daß es nötig sein wird, behufs besserer
Orientierung, dem Leser einen kurzen Überblick über die Familienverhältnisse Wilhelms von Humboldts zu geben.
Wilhelm von Humboldt war mit Karoline Friederike von Dacheröden
(geboren am 23. Februar 1766, gestorben am 26. März 1829) vermählt. Aus
dieser Ehe wurden ihm, mit Ausschluß der früh verstorbenen Kinder, drei
Töchter und zwei Söhne geboren. Die beiden Söhne erhielten die großen
oberschlesischen Güter, die Töchter Tegel. Die älteste Tochter, Karoline von
Humboldt, blieb unverheiratet und überlebte ihren Vater um kaum zwei Jahre.
Die zweite Tochter, Adelheid von Humboldt, war mit dem Generalleutnant von
Hedemann vermählt und besaß Schloß Tegel als väterliches Erbteil von 1835 bis
zu ihrem Tode 1856. Nach ihrem Tode (sie starb kinderlos) ging Tegel nunmehr
auf die dritte Schwester, Gabriele von Humboldt, Witwe des ehemaligen
Gesandten in London und Staatsministers von Bülow, über. Das schöne Gut wird
aber nicht im Besitz ihrer Deszendenz verbleiben, sondern fällt nach dem
Ableben der Frau von Bülow, an die ältere männliche Linie, will sagen an den
Besitzer der schlesischen Herrschaft Ottmachau zurück.
Wir haben inzwischen die Ahorn- und Ulmenallee durchschritten und
stehen nunmehr, rechts einbiegend, unmittelbar vor dem alten Schloß. Die
räumlichen Verhältnisse sind so klein und die hellgelben Wände, zumal an der
Frontseite, von solcher Schmucklosigkeit, daß man dem Volksmunde recht
geben muß, der sich weigert, von „Schloß Tegel“ zu sprechen und diesen
Diminutivbau beharrlich „das Schlößchen“ nennt. Man erkennt deutlich noch die
bescheidenen Umrisse des alten Jagdschlosses, dessen einzig charakteristischer
Zug, neben einem größeren Seitenturm, in zwei erkerartig vorspringenden
Türmchen oder Ausbuchtungen bestand. Diese Erkertürmchen sind dem Neubau,
der 1822 unter Schinkels Leitung begonnen wurde, verblieben, während der
große Seitenturm das hübsche Motiv zur Restaurierung des Ganzen abgegeben
hat. An den vier Ecken des alten Hauses erheben sich jetzt vier Türme von
mäßiger Höhe, die derart eingefügt und unter einander verbunden sind, daß sie
im Innern nach allen Seiten hin die Zimmerreihen erweitern, während sie nach
außen hin dem Ganzen zu einer Stattlichkeit verhelfen, die es bis dahin nicht
besaß.
Wir treten nun ein und befinden uns auf dem niedrigen, aber ziemlich
geräumigen Hausflur, der ganz im Charakter eines Atriums gehalten ist. Kurze
dorische Säulen tragen Decke und Gebälk, eine einfach gemusterte Steinmosaik
füllt den Fußboden und Basreliefs aller Art und Größe schmücken zu beiden
Seiten die Wand. Ziemlich in der Mitte des Atriums erhebt sich, auf einem
Sockel oder Fußgestell, die eigentliche Sehenswürdigkeit desselben: eine antike,
mit bacchischen Reliefs verzierte Brunnenmündung, die sich vormals in der Kirche St. Calisto in Trastevere in Rom befand. Der Sage nach soll der heilige
Calixtus in dieser marmornen Brunnenmündung ertränkt worden sein, weshalb
das Wasser, das aus derselben geschöpft wurde, lange Zeit für wundertätig galt.
Wilhelm von Humboldt, während seines langjährigen Aufenthalts in Rom,
brachte dieses interessante Kuriosum käuflich an sich und schmückte dasselbe
mit folgender lateinischer Inschrift: „Puteal, sacra bacchica exhibens, idem illud,
in quo, ad martyrium patiendum, circa A. C. C. XXIII, S. Calistus immersus
traditur, ex ejusdem S. Calisti aede Romana Transtiberina emptionis jure huc
devectum.“ (Also etwa: Diese Brunnenmündung, einen Bacchuszug auf ihrer
Außenseite darstellend, ist dieselbe, in welcher, einer Sage nach, der heilige
Calixtus ertränkt wurde und das Martyrium erduldete, etwa 223 nach Christus.
In der Kirche des heiligen Calixtus zu Trastevere bei Rom käuflich erstanden,
wurde sie (die Brunnenmündung) hierher gebracht.)
Zu beiden Seiten des Atriums befinden sich verschiedene Räumlichkeiten,
die alle ohne Bedeutung sind, mit Ausnahme des nach rechts hin gelegenen
Studierzimmers Wilhelms von Humboldt. Vieles darin erinnert noch an seinen
ehemaligen Bewohner, der hier die reifsten seiner Arbeiten überdachte und
niederschrieb. Hier entstanden, seiner Familie selbst ein Geheimnis und nach
seinem Tode erst aufgefunden, jene Sonette, die Alexander von Humboldt gewiß
mit Recht „die Selbstbiographie, die Charakteristik des teuren Bruders“ genannt
hat. Hier traten in mitternächtiger Stunde jene stillen Klagen und Bekenntnisse
ans Licht, zu deren sorglicher Konzipierung und Gestaltung ihm die Arbeit des
Tages keine Muße gegönnt hätte; hier schrieb er in Dankbarkeit gegen die Stille
und Verschwiegenheit der Nacht:
Das Leben ist an Möglichkeit gebunden,
Und ihre Grenzen sind oft eng gezogen;
Der Freude Maß wird spärlich zugewogen,
Des Leidens Knäuel langsam abgewunden.
Allein der Mitternacht geheime Stunden
Sind günstiger dem Sterblichen gewogen;
Wer um des Tages Glück sich fühlt betrogen,
Der heilt im süßen Traum des Wachens Wunden;
stille, durch poetische Innigkeit ausgezeichnete Bekenntnisse, an denen sich
glücklicherweise die bescheidene Hoffnung des Dichters:
Vielleicht geschieht’s, daß freundliches Gefallen
Vom Untergange kleine Anzahl rette,
und nicht die Resignation der zwei folgenden Zeilen erfüllt hat:
Sonst in des Zeitenstromes breitem Bette
Ist ihr natürlich Los, schnell zu verhallen.
In der Nähe der Fensterwand steht der Schreibtisch, kein elegantes
Tischchen, sondern ein schwerer, massiver Bau aus Mahagoniholz, ersichtlich
„ein Krieger für den Werkeltag“. Auf ihm und zwar in der Mitte desselben,
erhebt sich eine antike Doppelherme, rechts daneben ein Torso, links aber die
berühmte, vom Maler Asmus Carstens herrührende Statuette einer Parze, die am
Sockel die Namensinschrift des Künstlers und die Jahreszahl 1795 trägt. An der
gegenüber liegenden Wand, so daß das Auge des Schreibers, so oft er aufblickte,
darauf fallen mußte, befinden sich die Statuen der kapitolinischen Venus und der
Venus von Milo, zwischen beiden ein Panorama von Rom und die
Konstantinsschlacht, nach dem berühmten Raphaelischen Bilde. Die Gesamtheit
der in diesem Zimmer vorhandenen Kunstschätze aufzählen zu wollen, hieße
den Leser ermüden; nur einer Kreidezeichnung Thorwaldsens, „Bacchus,
welcher dem Amor zu trinken gibt“, sei noch, ihrer besonderen Lieblichkeit und
Grazie halber, erwähnt.
Von den Bildern und Statuen hinweg treten wir jetzt an die Glas- und
Bücherschränke heran, die ihrem Inhalte nach, wenigstens teilweise, der
Humboldtschen Zeit angehören und uns somit Gelegenheit geben, einen Einblick in die privateren Studien, selbst in die Unterhaltungslektüre des Gelehrten zu
tun. Da haben wir Byrons Life and works in siebzehn und Adam Smiths „Wealth
of Nations“ in drei Bänden; Loudons Encyclopaedia of Gardening und Cooks
Reisen um die Welt; Schleiermachers Predigten in acht und die Schriften der
Rahel in drei Bänden; Voltaire und Rousseau in zusammen vierundsiebzig
Halbfranzbänden friedlich neben einander; Goethe in einer Ausgabe von 1817;
Bulwers Eugen Aram und Rienzi in großem Originalformat und Adelungs
Wörterbuch in vier mächtigen Schweinslederbänden. Bescheiden in einer Ecke
lehnen zwei der berühmtesten Werke Wilhelms von Humboldt selbst und führen,
in Goldbuchstaben auf Dunkelblau, ihre wohlbekannten Titel: „Über die Kawi-
Sprache auf der Insel Java“ und „Über die Verschiedenheit des menschlichen
Sprachbaus“.
Neben dem Arbeitszimmer befindet sich das ehemalige Schlafkabinett
Wilhelms von Humboldt, in dem er am 8. April 1835 starb. Der überaus kleine
Raum ist gegenwärtig unbenutzt und dient nur zur Aufstellung zweier weiblicher
Torsen aus parischem Marmor, die zur Zeit des ägyptischen Feldzugs (1799)
durch einen französischen Offizier von Athen nach Rom gebracht und an den
Kunsthändler Antonini daselbst verkauft wurden. Von diesem erstand sie
Wilhelm von Humboldt. Nach dem einmütigen Urteil aller Sachverständigen
gehören diese Torsen zu dem Schönsten, was wir an weiblichen Körpern von
griechischer Kunst besitzen. Professor Waagen ist der Meinung, daß beide einer
Gruppe von Grazien angehören, deren dritten Torso er in der
Skulpturensammlung des Herrn Blundell Weld in der Nähe von Liverpool
entdeckt zu haben glaubt.
Wir verlassen nun die unteren Räume und steigen vom Atrium aus treppauf,
um den oberen Zimmern unsern Besuch zu machen. Die Treppe selbst indes, vor
allem die Art und Weise, wie Schinkel, der auch hier den Umbau leitete, alle
entgegenstehenden Schwierigkeiten glücklich überwunden hat, fesselt uns noch
auf Augenblicke. Die Enge des Raums schrieb ihm Verhältnisse vor, die etwas
Kleines und Puppenstubenhaftes nicht vermeiden konnten, und doch glückte es
ihm, durch Wölbungen hier, durch Mauereinschnitte dort, dem Ganzen den
Eindruck einer lichthellen Heiterkeit zu leihen und endlich durch Farbe und
Ornamentik diesen Eindruck bis zum Schönen und Gefälligen zu steigern. Die
einzelnen Decken und Rundbögen, deren Dimensionen mehr an das Modell
eines Hauses als an ein wirkliches Haus erinnern, sind mit Sternchen auf
dunkelblauem Grunde geschmückt und zwei in die Wandfläche des
Treppenabsatzes gemalte Kandelaber (es war kein Raum da, um wirkliche
aufzustellen) gelten für Meisterstücke guten Geschmacks und korrekter Zeichnung.
Die oberen Räume, ein Empfangszimmer, ein Saal, ein Wohnzimmer und
zwei Turmgemächer, bilden ein völliges Museum und sind zu reich ausgestattet
mit Kunstschätzen und Sehenswürdigkeiten aller Art, als daß mehr wie eine
bloße Aufzählung des Vorhandenen an dieser Stelle gestattet sein könnte. Und
selbst diese Aufzählung werde ich auf die Hauptsehenswürdigkeiten, d. h. also
auf Originalwerke zu beschränken haben. Es sind das, soweit die Plastik in
Betracht kommt, neben Werken der Antike, Arbeiten von Thorwaldsen, Rauch
und Friedrich Tieck. Aus der Reihe der Maler aber begegnen wir: Gottlieb
Schick, Karl Philipp Fohr, Karl Steuben und Wilhelm Wach.
Antiken. Die Statue der Nymphe Anchyrrhoe mit einem Wassergefäß,
gefunden vor Ponte Molle bei der Osteria la Finocchia. Ihren Namen
(Anchyrrhoe) hat diese Statue nach einer Bezeichnung, welche Ennio Quirino
Visconti auf einem andern, lebensgroßen, jetzt im Louvre befindlichen Exemplar
derselben Statue, von übrigens viel geringerer Arbeit gefunden hat. Diese Statue
hingegen zeichnet sich ebenso sehr durch das graziöse Motiv, wie durch die
vortreffliche Arbeit aus.
Die Statuette einer tanzenden Bacchantin mit dem Thyrsus (der Kopf
modern). — Das Fragment einer antiken Sarkophagskulptur, welche den Raub
der Proserpina darstellt. — Der thronende Jupiter, ein Relief aus dem Palast
Rondinini. — Vulkan, ein Relief, ebendaher. Ein Rund, auf dessen einer Seite
sich der Kopf des Jupiter Ammon, auf der andern eine opfernde Bacchantin
befindet. — Die antike Statue des Bacchus aus pentelischem Marmor. Der Kopf,
nach Angaben von Rauch, ergänzt. — Die drei Parzen, ein antikes Basrelief in
Marmor. Dieses Relief ist besonders durch die Art der Auffassung merkwürdig.
Die sitzende Klotho spinnt, und die in der Mitte stehende Atropos schneidet den
Lebensfaden ab; die Lachesis aber steht an einem Globus und bezeichnet an
demselben das menschliche Geschick.
Hieran schließen sich, bevor wir zu den Arbeiten neuer Meister übergehen,
jene wertvollen, wenigstens zum Teil der Antike angehörigen Geschenke, die
vonseiten Pius VII., als Zeichen des Dankes für wichtige, auf dem Wiener
Kongreß und später in Paris ihm geleistete Dienste, an Wilhelm von Humboldt
überreicht wurden. Diese Geschenke sind folgende: Eine Säule von
orientalischem Granit, die eine moderne Kopie, in grünem Porphyr, von dem
berühmten Kopfe der Medusa aus dem Hause Rondinini trägt, deren Original
sich in der Glyptothek zu München befindet. — Zwei andere Säulen aus rosso antico von großer Schönheit, die zwei zierliche Vasen aus jener Marmorart
tragen, die den Namen giallo antico führt. — Alle drei Säulen tragen, aufgehängt
an einem Kettchen, das in Erz gegossene und vergoldete Wappen Pius VII. Es
besteht aus drei Feldern, in deren größerem sich das päpstliche Doppelkreuz und
die Inschrift Pax befindet, während die zwei kleineren Felder drei Sternchen und
drei Köpfe zeigen. Über jedem einzelnen Wappen kreuzen sich die Schlüssel
Petri. Diese wertvollen Geschenke wurden an Wilhelm von Humboldt mit
folgendem Schreiben überreicht:
„An den Herrn Baron von Humboldt der Papst Pius VII.
Der so nachdrückliche Beistand, welchen Sie dem Ritter Canova [23] zu
dem glücklichen Ausgang seines Auftrags haben angedeihen lassen, hat
Uns nicht überrascht, denn da Wir Sie zur Genüge kennen, versahen Wir
Uns mit Gewißheit, daß Sie sich der Sache Roms und Unserer Person mit
Nachdruck annehmen würden. Nichtsdestoweniger fühlen Wir uns,
nachdem Wir vernommen, wie viel Sie zu der Rückkehr der antiken
Denkmale, Handschriften und anderer kostbaren Gegenstände beigetragen
haben, verpflichtet, Ihnen in eigener Person Unsern Dank zu erkennen zu
geben. Rom hatte sicherlich Ursache Sie nicht zu vergessen, der Sie sich,
während Ihres Aufenthalts daselbst, so viel Liebe und Achtung erworben,
es wird aber fortan noch einen andern gewichtigen Grund haben, Ihrer als
des wohlverdienten Freundes des Sitzes der schönen Künste zu gedenken.
Wir werden Ihnen ein dankbares Andenken für dasjenige bewahren,
was Sie in dieser bedeutenden Angelegenheit gewirkt haben, wie Wir Ihnen
ein Gleiches für alles dasjenige bewahren, welches Sie zu Unserm
Frommen in Wien getan, wie der Cardinal Consalvi Uns berichtet hat.
Wir werden mit der größten Freude jede Gelegenheit ergreifen, um
Ihnen Unser besonderes Wohlwollen und Unsere Achtung zu bezeugen, und
werden den Höchsten bitten, daß es ihm gefallen möge, über Sie seine
Gaben und seine himmlische Erleuchtung in Fülle auszugießen und Ihnen
die vollkommenste Glückseligkeit zu bescheren.
Gegeben in Castel Gandolfo, den 26. Oktober 1815, im 16. Jahre
Unseres Pontificats.
Pius P. P. VII.“
Ich fahre nun fort in der Aufzählung der in Tegel vorhandenen
Originalwerke der Skulptur sowohl wie der Malerei.
Zunächst von Thorwaldsen. Die Statue der „Hoffnung“ im Stil der
altgriechischen Kunst, mit der Lotosblume in der Rechten. Eine Kopie dieser
Statue, von Friedrich Tieck herrührend, krönt die Säule auf dem mehrgenannten
Begräbnisplatz der Familie. — Die Marmorbüste der Frau von Humboldt. —
Die Marmorbüste Wilhelms von Humboldt. — Zwei Kreidezeichnungen: Maria
mit dem Kinde und dem kleinen Johannes, und Maria und das Christuskind,
welche sich liebkosen. Die erste Zeichnung trägt die Unterschrift: Albertus
Thorwaldsen in. et del.; die zweite: Roma, 23. Febbrajo 1818, A. Thorwaldsen f.
Von Rauch. Venus, welche dem Mars ihre von Diomedes verwundete Hand
zeigt. Marmorrelief in einem Rund ausgeführt. Eine der frühesten und
reizendsten Arbeiten des Meisters. — Die sitzende Statue eines jungen
Mädchens, durch den Schmetterling in ihrer Rechten als Psyche bezeichnet (zu
gleicher Zeit Porträtstatue der damals (1810) zehnjährigen Adelheid von
Humboldt). — Die Marmorbüste Alexanders von Humboldt. — Die Büsten der
als Kinder verstorbenen Gustav und Luise von Humboldt.
Von Friedrich Tieck. Die Statuen des Odysseus, des Achill, der Omphale
und Iphigenie. — Reliefbild Alexanders von Humboldt. — Reliefbild des Grafen
Gustav von Schlabrendorf.
Von Gottlieb Schick. Adelheid und Gabriele von Humboldt als Kinder,
Ölporträts auf einem Bilde, eines der vorzüglichsten Werke dieses leider so früh
verstorbenen Künstlers. Durch das offene, weinumrankte Fenster sieht man auf
Berg und See einer still heitern italienischen Landschaft hinaus. Die schlichten,
einfachen Kleidchen verhüllen nur eben die jugendlichen Körper der beiden
Mädchen, von denen die jüngere träumerisch mit Blumen spielt. — Das Bildnis
der Karoline von Humboldt, der älteren Schwester der beiden eben genannten. In
Größe, Farbe und Auffassung dem vorigen Bilde sehr ähnlich, aber nicht ganz
von demselben Reiz.
Von Karl Philipp Fohr (1818 in Rom ertrunken). Hagen im Gespräch mit
den Donaunixen (Federzeichnung).
Von Karl Steuben. Das Bildnis Alexanders von Humboldt, damals (1812)
zweiundvierzig Jahre alt, in lebensgroßer Figur. Vorn Basaltsäulen, im
Hintergrunde der Chimborasso. Höchst brillant gemacht, aber nicht ohne Anflug
von Manier.
Vielleicht verlohnt es sich, und zwar speziell im Hinblick auf die zuletzt
genannten Porträts, die ganze reiche Sammlung noch ein zweitesmal kurz an uns
vorüberziehen zu lassen, lediglich um uns mit der Tatsache vertraut zu machen,
daß neben einem Kultus der Schönheit, der unbestritten hier stattfand, zu
gleicher Zeit ein Familiensinn, ein alle Glieder umschlingendes Liebesband hier anzutreffen war, das, wie in manchem andern, so auch namentlich in der reichen
Ansammlung von Familienporträts einen sprechenden Ausdruck gefunden hat.
Die Zahl dieser Porträts, mit Umgehung geringfügiger Arbeiten, ist siebzehn.
Alexander von Humboldt: Zwei große Ölbilder von Steuben und einem
Ungenannten, vielleicht Wach oder Krüger; eine Porträtbüste von Rauch; ein
Relief-Porträt von Friedrich Tieck.
Wilhelm von Humboldt: Eine Büste von Thorwaldsen; ein Relief von Martin
Klauer in Rom; ein Kreide-Porträt von Franz Krüger.
Frau von Humboldt: Ein Ölporträt von Schick; eine Marmorbüste von
Thorwaldsen, ein Kreideporträt von Wilhelm Wach.
Karoline von Humboldt : Ölbild von Schick.
Adelheid von Humboldt: Ölbild von Schick; Marmorstatue (als Psyche) von
Rauch.
Gabriele von Humboldt: Ölbild von Schick.
Gustav und Luise von Humboldt: Zwei Büsten von Rauch.
Therese von Bülow: Büste von Rauch.
Außer den fünf Zimmern, die alle diese Kunstschätze von Meisterhand
enthalten, befinden sich im obern Stockwerk noch einige andere Räume, die
nicht eigentlich zu den Sehenswürdigkeiten des Schlosses gehören, aber, unter
dem Einfluß des Kontrastes, bei jedem, der zu ihrem Besuch zugelassen wird,
ein lebhaftes Interesse wecken werden. Hier in den Zimmern, die nach außen hin
nichts zu bedeuten, nichts zu repräsentieren haben, hängen die ersten Anfänge
kurbrandenburgischer Malerkunst, wie ebensoviele grob getuschte Bilderbogen
an Wand und Pfeiler, und zwingen selbst dem preußenstolzesten Herzen ein
mitleidiges Lächeln ab. Sinn und Seele noch tief erfüllt vom Anblick idealer
Schönheit, die in hundert Gestalten, und doch immer als dieselbe eine, eben erst
zu uns sprach, werden wir, angesichts dieser blauroten Soldateska, irre an allem,
was uns bis dahin als Aufgabe einer neuen Zeit, als Ziel einer neuen Richtung
gegolten hat, und verlegen treten wir seitwärts, um des Anblicks von Dreimaster
und Bortenrock nach Möglichkeit überhoben zu sein. Mit Unrecht. Nicht die
Richtung ist es, die uns verdrießt, nur das niedrige Kunstmaß innerhalb
derselben. Ein Modell der Rauchschen Friedrichsstatue, eine Menzelsche
Hochkirchschlacht würden uns auch vielleicht frappiert, aber doch noch im
Augenblicke der Überraschung, durch ihren Eindruck auf unser Gemüt, uns ihre
Ebenbürtigkeit bewiesen haben.
Wir verlassen nun das Haus und seine bildgeschmückten Zimmerreihen, um der vielleicht eigentümlichsten und fesselndsten Stätte dieser an Besonderem
und Abweichendem so reichen Besitzung zuzuschreiten — der Begräbnisstätte.
Der Geschmack der Humboldtschen Familie, vielleicht auch ein höheres noch
als das, hat es verschmäht, in langen Reihen eichener Särge den Tod gleichsam
überdauern und die Asche der Erde vorenthalten zu wollen. Des Fortlebens im
Geiste sicher, durfte ihr Wahlspruch sein „Erde zu Erde“. Kein Mausoleum,
keine Kirchenkrypta nimmt hier die irdischen Überreste auf; ein Hain von
Edeltannen friedigt die Begräbnisstätte ein und in märkisch-tegelschem Sande
ruhen die Mitglieder einer Familie, die, wie kaum eine zweite, diesen Sand zu
Ruhm und Ansehen gebracht hat.
Zwei Wege führen vom Schloß aus zu diesem inmitten eines Hügelabhangs
gelegenen Friedhof hin. Wir wählen die Lindenallee, die geradlinig durch den
Park läuft und zuletzt in leiser Biegung zum Tannenwäldchen hinansteigt.
Unmerklich haben uns die Bäume des Weges bergan geführt, und ehe uns noch
die Frage gekommen, ob und wo wir den Friedhof finden werden, stehen wir
bereits inmitten seiner Einfriedigung, von dicht und wandartig sich erhebenden
Tannen nach allen vier Seiten hin überragt. Das Ganze berührt uns mit jenem
stillen Zauber, den wir empfinden, wenn wir plötzlich aus dem Dunkel des
Waldes auf eine Waldwiese treten, über die abwechselnd die Schatten und
Lichter des Himmels ziehen. Die Bergwand, die den Platz gegen Norden und
Osten hin umlehnt, schützt ihn gegen den Wind und schafft eine selten
unterbrochene Stille. Die Form des Ganzen ist ein Oblong, etwa dreißig bis
vierzig Schritte lang und halb so breit. Der ganze Raum teilt sich in zwei
Hälften, in eine Gartenanlage und in den eigentlichen Friedhof. Dieser besteht
aus einem eingegitterten Viereck, an dessen äußerstem Ende sich eine dreißig
Fuß hohe Granitsäule auf Quaderstufen erhebt. Von dem ionischen Kapitäl der
Säule blickt die Marmorstatue der „Hoffnung“ auf die Gräber herab.
Blumenbeete schließen das Eisengitter ein.
Die Zahl der Gräber, wenn ich richtig gezählt, beläuft sich auf zwölf, und
wenig Raum ist gelassen für neu hinzukommende. Die Grabsteine, die sich der
Säule zunächst befinden, darunter die Wilhelms von Humboldt, seiner Gemahlin
und der ältesten Tochter Karoline, haben keine Inschriften, sondern Name,
Geburts- und Todesjahr der Heimgegangenen sind in die Quadern des
Postaments eingegraben. Die mehr am andern Ende des Gitters gelegenen Hügel
aber weisen kleine Marmortäfelchen auf, die einfach den Namen und die Daten
tragen und in ihrer Schlichtheit an die Stäbchen erinnern, die der Gärtner dort in
die Erde steckt, wo er um die Herbstzeit ein Samenkorn für den Frühling
eingelegt hat. Alle Gräber sind mit Efeu dicht überwachsen; nur eines, der Gittertür und dem Beschauer zunächst, entbehrt noch des frischen, dunkelgrünen
Kleides. Fahl gewordene Tannenreiser bedecken die Stätte, aber auf den Reisern
liegen Lorbeer- und Eichenkränze und verraten leicht, wer unter ihnen schläft.
Wenn ich den Eindruck bezeichnen soll, mit dem ich von dieser
Begräbnisstätte schied, so war es der, einer entschiedenen Vornehmheit begegnet
zu sein. Ein Lächeln spricht aus allem und das resignierte Bekenntnis: wir
wissen nicht, was kommen wird, und müssens — erwarten. Deutungsreich blickt
die Gestalt der Hoffnung auf die Gräber hernieder. Im Herzen dessen, der diesen
Friedhof schuf, war eine unbestimmte Hoffnung lebendig, aber kein bestimmter
siegesgewisser Glaube. Ein Geist der Liebe und Humanität schwebt über dem
Ganzen, aber nirgends eine Hindeutung auf das Kreuz, nirgends der Ausdruck
eines unerschütterlichen Vertrauens. Das sollen nicht Splitterrichter-Worte sein,
am wenigsten Worte der Anklage; sie würden dem nicht ziemen, der selbst
lebendiger ist in der Hoffnung als im Glauben. Aber ich durfte den einen Punkt
nicht unberührt und ungenannt lassen, der, unter allen märkischen Edelsitzen,
dieses Schloß und diesen Friedhof zu einem Unikum macht. Die märkischen
Schlösser, wenn nicht ausschließlich feste Burgen altlutherischer Konfession,
haben abwechselnd den Glauben und den Unglauben in ihren Mauern gesehen;
straffe Kirchlichkeit und laxe Freigeisterei haben sich innerhalb derselben
abgelöst. Nur Schloß Tegel hat ein drittes Element in seinen Mauern beherbergt,
jenen Geist, der, gleich weit entfernt von Orthodoxie wie von Frivolität, sich
inmitten der klassischen Antike langsam, aber sicher auszubilden pflegt, und
lächelnd über die Kämpfe und Befehdungen beider Extreme, das Diesseits
genießt und auf das rätselvolle Jenseits hofft.
[22] Es scheint zweifelhaft, ob Tegel 1765 durch Kauf, oder 1766 als Frauengut an den
Major von Humboldt kam. Ich finde nämlich anderen Orts, aus ersichtlich guter Quelle, folgendes: „1766 vermählte sich der Oberst-Wachtmeister (Major) von Humboldt mit Marie Elisabeth geb. Colomb, verwitwete Frau von Hollwede. Aus dieser Ehe wurden Wilhelm und Alexander von Humboldt geboren. Die Mutter der beiden Brüder war, als Erbtochter des Direktors Johann Heinrich Colomb, Besitzerin von Ringenwalde in der Neumark, Tegel und Falkenberg (anderthalb Meilen von Berlin). In der Falkenberger Kirche ließ Frau von Humboldt 1795 ein Erbbegräbnis bauen, in dem sowohl sie selbst wie ihre beiden Ehemänner: Hauptmann von Hollwede † 1765 und Oberst-Wachtmeister von Humboldt † 1779, beigesetzt wurden. Frau v. Humboldt starb 1796.“
[23] Der berühmte Bildhauer Canova war im Jahre 1815 Kommissarius für die
Zurückforderung der aus den päpstlichen Staaten nach Paris entführten Kunstdenkmäler.