Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 19 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Der Eibenbaum im Parkgarten des Herrenhauses

Der Eibenbaum

im Parkgarten des Herrenhauses

 

Die Eibe

Schlägt an die Scheibe,

Ein Funkeln

Im Dunkeln.

Wie Götzenzeit, wie Heidentraum

Blickt ins Fenster der Eibenbaum.

 

N icht voll so alt wie die Brieselang-Eiche, von der ich im letzten Kapitel erzählt habe, aber doch auch ein alter, oder sehr alter Baum ist die Eibe, die in

dem Parkgarten hinter dem Herrenhause steht. Von ihr will ich, einschaltend, an

dieser Stelle erzählen.

Der Stamm dieses Baumes, wie es [17] seiner Art in den Marken keinen

zweiten gibt, ist etwa mannsdick, und die Spannung seiner fast den Boden

berührenden Zweige wird dreißig Fuß sein. Die Höhe beträgt wenig mehr. Aus

der Dicke des Stammes hat man das Alter des Baumes berechnet. Man kennt

Taxusbäume, die nachweisbar zweihundert bis dreihundert Jahre alt sind; diese

sind wesentlich kleiner und schwächer als der Baum, von dem ich hier spreche.

Man kennt ferner einen Taxusbaum, (bei Fürstenstein in Schlesien), der

nachweisbar tausend Jahr alt ist, und dieser eine ist um ein gut Teil höher und

stärker als der unsrige. Dies läßt für diesen auf ein Alter von fünfhundert bis

siebenhundert Jahren schließen, und das wird wohl richtig sein.

Dieser unser Taxusbaum war vor einhundert und einhundertundzwanzig

Jahren eine Zierde unseres Tiergartens, der damals bis an die Mauerstraße ging.

Als später die Stadt in den Tiergarten hineinwuchs, ließ man in den

Gartenstücken der nach und nach entstehenden Häuser einige der schönsten

Bäume stehen, ganz in derselben Weise, wie man auch heute noch verfahren ist,

wo man die alten Elsen und Eichen von „Kemperhof“ wenigstens teilweise den

Villen und Gärten der Viktoriastraße belassen hat.

Unser Taxusbaum, jahrhundertelang ein Tiergartenbaum, wurde, ohne daß

er sich vom Fleck gerührt hätte, in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts

ein Gartenbaum. Und noch etwa zwanzig Jahre später tritt er aus seiner bis dahin dunklen Vergangenheit in die Geschichte ein.

Zu Anfang dieses Jahrhunderts gehörten Haus und Garten dem General-

Intendanten von der Recke, der öfters von den Königlichen Kindern, zumal vom

Kronprinzen, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV., Besuch empfing. Der

Kronprinz liebte diesen von der Reckeschen Garten ganz ungemein; es wurde

ein bevorzugter Spielplatz von ihm, und der alte Taxusbaum mußte herhalten zu

seinen ersten Kletterkünsten. Der Prinz vergaß das dem alten Eibenbaume nie.

Wer überhaupt dankbar ist, ist es gegen alles, Mensch oder Baum. Vielleicht

regte sich in dem phantastischen Gemüte des Knaben auch noch ein Anderes;

vielleicht sah er in dem schönen, fremdartigen Baume einen Fremdling, der

unter märkischen Kiefern Wurzel gefaßt; vielleicht war er mit den Hohenzollern

selbst ins Land gekommen, und es wob sich ein geheimnisvolles Lebensband

zwischen diesem Baum und seinem eignen fränkischen Geschlecht. War es doch

selbst an dieser Stelle erschienen, wie eine hohe Tanne unter den Kiefern.

Das von der Reckesche Haus wurde verkauft (ich weiß nicht, wann) und die

Mendelssohns kauften es. Sie besaßen es erst kurze Zeit, da gab es eine hohe

Feier hier: die Freiwilligen zogen aus und ein Abschiedsfest versammelte viele

derselben in diesem Garten. Eine lange Tafel war gedeckt und aus der Mitte der

Tafel wuchs der alte Eibenbaum auf, wie ein Weihnachtsbaum, ungeschmückt —

nur die Hoffnung sah goldne Früchte in seinem Grün.

Und diese Hoffnung hatte nicht gelogen. Der Friede kam, und die heiteren

Künste scharten sich jetzt um den Eibenbaum, der, ernst wie immer, aber nicht

unwirsch dreinschaute. Felix Mendelssohn, halb ein Knabe noch, hörte unter

seinem mondlichtdurchglitzerten Dach die Musik tanzender Elfen.

Doch wieder andere Zeiten kamen. Vieles war begraben, Menschen und

Dinge; da zog sich auch über dem Eibenbaum ein ernstes Wetter zusammen. Wer

weiß, was geschehen wäre, wenn nicht des Eibenbaumes bester Freund noch

gelebt hätte. Der lenkte den Strahl ab.

1852 brannte die damals in der Oberwallstraße gelegene „Erste Kammer“

nieder; das Mendelssohnsche Haus, samt Garten und Eibenbaum, wurde gekauft

und das Preußische Oberhaus hielt seinen Einzug an neuer Stelle. Niemand ahnte

Böses. Da ergab es sich, daß die Räumlichkeiten nicht ausreichten, und ein

großes, neu zu errichtendes Hintergebäude sollte den fehlenden Raum schaffen.

Soweit war alles klipp und klar, wenn nur der Eibenbaum nicht gewesen wäre.

Der bereitete Schwierigkeiten, der „beherrschte die Situation“. Einige,

mutmaßlich die Baumeister, wollten zwar kurzen Prozeß mit ihm machen und

ihm einfach den Kopf vor die Füße legen. Aber die hatten es sehr versehen. Sie

erfuhren bald zu ihrem Leidwesen, welch hohen Fürsprecher der Baum an entscheidender Stelle hatte.

Was war zu tun? Der Baum stand just da, wo das neue Gebäude seinen

Platz finden sollte. 1851 in London hatte man über zwei alte Hydeparkbäume die

Kuppel des Glaspalastes ruhig weggeführt und die Einweihungsfeier unter

grünem Dach und zwitschernden Vögeln gehalten; aber der alte Eibenbaum im

Sitzungssaale des Herrenhauses, — das ging doch nicht. Man kam also auf die

Idee einer Verpflanzung. Der König bot Sanssouci, der Prinz von Preußen

Babelsberg zu diesem Behufe an. Wer wäre nicht bereit gewesen, dem Alten eine

Stätte zu bereiten! Konsultationen wurden abgehalten und die Frage

aufgeworfen, „ob es wohl ginge?“ Aber selbst die geschicktesten Operateure der

Gartenkunst mochten keine Garantie des Gelingens übernehmen. So wurde denn

der Plan einer „Verpflanzung im Großen“ aufgegeben und statt dessen die Idee

einer Verschiebung, einer Verpflanzung im kleinen aufgenommen. Man wollte

den Baum loslösen, den Garten abschrägen und nun den losgelösten Baum, mit

Hülfe der Schrägung, bis mitten in den Garten hineinschieben. Aber auch diese

Prozedur wurde, als zu bedenklich, ad acta gelegt und endlich beschlossen, den

Baum am alten Platze zu lassen. Da unser Freund nicht in der Lage war, sich den

Baumeistern zu bequemen, so blieb diesen nichts übrig, als ihrerseits

nachzugeben und die Mauern des zu bauenden Hauses an dem Baume entlang zu

ziehen. Man hat ihm die Mauer empfindlich nahe gerückt, aber der Alte, über

Ärger und Verstimmung längst weg, reicht ruhig seine Zweige zum Fenster

hinein. Ein Gruß, keine Drohung.

Seine Erlebnisse indes, auch seine Gefährdungen während der Bauzeit, sind

hiermit noch nicht zu Ende erzählt. Während des Baues (so hatte es der hohe

Fürsprecher gewollt) war der Baum mit einem Brettergerüst umkleidet worden,

in dem er ziemlich geborgen stand, eine Art Verschlag, der die hübsche Summe

von dreihundert Talern gekostet hatte. Der Freund in Sanssouci gab es gern für

seinen Freund im Reckeschen Garten. Der Verschlag war gut gemeint und tat

auch seine Dienste. Aber er tat sie doch nicht ganz. Mauerstaub und Berliner

Staub dringen überall hin und finden jeden feinsten Spalt aus, wie Luft und

Licht. Als endlich das Haus stand und mit dem Baugerüst zugleich auch der

Verschlag des Baumes fiel, da ging ein Schrecken durch alle Herzen — der

Eibenbaum war weiß geworden. Wie Puder lag der Mauerstaub auf allen Ästen

und Zweigen. Was war zu tun? Gefahr war im Verzuge; der Besuch des Königs

stand nahe bevor. Da trat ein leuchtender Gedanke auf die Lippe des einen der

Geängstigten und er sprach: „Feuerwehr!“ Sie kam, ganz still, ohne Geklingel,

und mit kunstvoll gemäßigtem Strahl wusch sie jetzt den Staub von dem schönen

Baume ab, der nun bald schöner und frischer dastand, als je zuvor. Er trieb neue Zweige, als ob er sagen wollte: „Wir leben noch“.

Frisch und grün, wie der jüngsten einer, so steht er wieder da, schön im

Sommer, aber am schönsten in Dezembernächten, wenn seine obere Hälfte sich

unter dem Schnee beugt, während unten die Zweige wie unter einem Dache

weitergrünen. Dies Schneedach ist sein Schmuck und — sein Schutz. Das zeigte

sich vor einigen Jahren. Der Schnee lag so dicht auf ihm, daß es schien, seine

Oberzweige würden brechen. Mißverstandene Sorgfalt fegte und kehrte den

Schnee herunter; da gingen im nächsten Sommer einige jener Zweige aus, denen

man mit dem Schneedach ihr warmes Winterkleid genommen hatte.

Aber er hat es überwunden und grünt in Frische weiter, und wenn ihm

wieder Gefahren drohen, so oder so, möge unser Eibenbaum immer einen treuen

Freund haben, wie in alter Zeit.

 

Dies Vorstehende wurde im Herbst 1862 geschrieben; in den Jahren, die

seitdem vergangen sind, sammelte ich Material über allerhand „alte Bäume“,

insonderheit auch über Eibenbäume, und ich lasse zunächst folgen, was ich

darüber in Erfahrung brachte.

Die Eibe, so scheint es, steht auf dem Aussterbe-Etat der Schöpfung. Wie

bekanntlich im Laufe der Jahrtausende ganze Tiergeschlechter von der Erde

vertilgt worden sind, so werden auch Baumarten ausgerottet, oder doch nahezu

bis zum Erlöschen gebracht. Unter diesen steht die Eibe (Taxus baccata) mit in

erster Reihe. Einst in den Wäldern von ganz Europa, Nord und Süd, so häufig

wie der Auerochs, das Elenntier, begegnet man ihr in unseren Tagen nur noch

ausnahmsweise. In Hecken und Spalieren trifft man kleinere Exemplare

allerdings noch an, am häufigsten in Anlagen nach französischem Geschmack,

aber große, imponierende Exemplare sind selten. Vor der waldvernichtenden Axt

älterer Ansiedler und neuer Industrieller haben sich nur einzelne knorrige

Taxusbäume retten können, die jetzt, wo wir ihnen begegnen, ein ähnliches

Gefühl wecken wie die Ruinen auf unseren Bergesgipfeln. Zeugen, Überbleibsel

einer längst geschwundenen Zeit.

In Mitteldeutschland ist dieser Baum jetzt schon recht selten, obwohl es

bekannt ist, daß er hier, wie in ganz Europa, noch vor einem halben Jahrtausend

allgemein vorkam. Zu Cäsars Zeiten war er, wie uns dieser gelehrte Feldherr

selbst erzählt, sowohl in Gallien als in Germanien in großer Menge überall

anzutreffen. Man findet in Thüringen nur noch einzelne verkrüppelte und

verstümmelte Bäume. An einem einzigen Orte jedoch haben sie sich zahlreicher

erhalten, nämlich am Veronikaberge bei Martinroda, unweit Ilmenau, wo noch zwanzig bis dreißig Fuß hohe Individuen mit einem Stammdurchmesser von 1

bis 1¼ Fuß stehen. Daß die Eibe in Thüringen ehemals einen wesentlichen

Bestandteil der Wälder ausgemacht habe, ergibt sich aus den Ortsnamen

„Ibenhain“, „Taxberg“, „Eiba“ und anderen.

Die ältesten und schönsten Exemplare dieses einst auch in Griechenland

und Italien häufig gewesenen Nadelbaumes trifft man heutzutage noch in

England an, besonders auf Friedhöfen, wo einzelne auf mehr als zweitausend

Jahre geschätzte Stücke von prachtvollem Ansehen sich finden.[18] Der Taxus ist

in England der Baum der Trauer, wie die Zypresse in den Mittelmeerländern und

die Trauerweide in Deutschland. „Albero della morte“ nennen ihn übrigens auch

die heutigen Italiener.

Eine große, zum Teil noch nicht völlig aufgeklärte Rolle spielte die Eibe in

dem Mythus der germanischen und keltischen Völker, von der sich Nachklänge

noch in manchen bis heute üblichen Gebräuchen erhalten haben. Wie der

deutsche Name Eibe von dem gotischen aiw (ivi), ewig, herrührt, weil der Baum

immer grün ist, und das keltische Wort yw (eiddew) dieselbe Wurzel hat, so war

dieser während des langen und schneereichen nordischen Winters im frischen

Blattschmuck prangende Baum in Britannien und Skandinavien den ewigen

Göttern geweiht. Die Druiden hatten bei ihren Heiligtümern ganze Haine davon,

und manche in Cäsars Zeiten hinaufragende alte Eiben Englands mögen

ehrwürdige Reste aus solchen heiligen Hainen sein. In der Nähe des berühmten

heidnischen Tempels bei Upsala in Schweden stand ebenfalls, wie A. Krantz

erzählt, „ein gewaltiger Baum mit dicht belaubten Zweigen, ebenso grün im

Winter wie im Sommer; niemand kannte seine Art.“ Sehr wahrscheinlich war es

eine Eibe.

Daß dieser Baum in alter Zeit für heilig und geheimnisvoll gehalten wurde,

ergibt sich aus gar vielen noch jetzt fortlebenden Bräuchen. In den östlichen

Schären Skandinaviens wird die Eibe allgemein zu Maschenbrettern beim

Netzstricken benutzt, weil man glaubt, daß alle Netze, welche über Bretter aus

diesem Holze gestrickt worden sind, Glück beim Fischfang bringen.

Aber nicht Los für glückbringend und heilig, auch für geeignet zu

geheimnisvollem Zauber und selbst zu teuflischem Beginnen galt und gilt noch

der Eibenbaum. Daher fehlen in der Macbethschen Hexenküche neben dem

Auge des Wassermolchs, dem Fledermaushaar, Eidechsbein und Käuzchenflügel

und der gegabelten Natterzunge auch nicht

 

„Eibenzweige, abgerissen

Bei des Mondes Finsternissen.“

In Thüringen heißt es, daß die „Ife“ (Eibe) gegen Viehbezauberung schütze.

Die Hälfte der Bewohner des Dorfes Angelroda bei Arnstadt, in dessen Nähe

Eibensträuche noch ziemlich häufig sind, zieht an einem bestimmten Tage des

Jahres hinaus und bricht sich Taxuszweige ab, um sie in die Viehställe zu

stecken! Im Spessart meint man, daß ein Stück Eibenholz, am Körper getragen,

allen Zauber vertreibe. Das Volk sagt dort: „Vor der Euwe, ka Zauber bleibe.“

Im Altertum wurde die Eibe ihres elastischen und festen Holzes wegen

vorzüglich zu Bogen verwendet. Ebenso machte man Pfeile aus deren zähem

Kernholz. Während des ganzen Mittelalters gab so der Eibenbaum den Stoff für

die vorzüglichsten Kriegswaffen ab, besonders in England und Schweden. Auch

Uller, der nordische Jagdgott, hatte nach der Edda einen Eibenbogen (altnordisch

ybogi). Heutzutage wird das rote oder purpurbraune Kernholz der Eibe zu viel

friedlicheren und prosaischeren Gegenständen verarbeitet, namentlich zu

Faßpipen. Besonders in Ungarn werden aus dem dort sogenannten „Theißholz“

(„tisza-fa“, welcher Name aber nicht auf die Theiß bezogen werden sollte,

sondern slavischen Ursprungs ist, da die Eibe slavisch tis heißt) viele Haus- und

Wirtschaftsgegenstände verfertigt und zahlreiche Pipen aus Eibenholz in den

Handel gebracht.

In modernem Englisch heißt die Eibe yew, der Efeu ivy; dieses deutsch,

jenes keltisch. Beide Wörter (vergl. oben) bedeuten „immergrün“.

 

Ich kehre, nach dieser Exkursion in die Eibenwelt im allgemeinen, zu

unserer Eibe im besonderen, im Herrenhausgarten, zurück.

Auch an ihr gingen die letzten Ruhmesjahre preußischer Geschichte nicht

unbeachtet vorüber, ja einen der schönsten Tage feierte sie mit. Noch wichtiger,

sie bereitete der Feier die Stätte. Unter ihrem Dache gab am 20. September 1866

das Herrenhaus dem siegreich heimkehrenden Heere ein Festmahl. Der König

saß unmittelbar rechts neben dem Eibenstamm und sah den Mittelgang des

Gartens hinunter. Das Schrägdach des Leinwandzeltes war in geschickten

Verschlingungen, streifenweise, durch das Gezweig der Eibe gezogen; rings

umher brannte das Gas in Sonnen und Sternen, ein Anblick, von dem der alte

Baum in seinen Jugendtagen schwerlich geträumt haben mochte. Als das Fest

auf seiner Höhe war, erhob sich Graf Eberhard Stolberg zu einer Ansprache,

begrüßte den König und schloß dann prophetisch fast: „und sollten Euer

Majestät noch einmal zu den Waffen rufen, so wird Ihr Volk, wie es jetzt für

seinen König geblutet und gesiegt hat, neue Taten mit eisernem Griffel in das

Buch unserer glorreichen Geschichte schreiben.“ Der König antwortete: „.... Sie wissen nicht, wie schwer es einem Fürsten wird, das Wort „Krieg“

auszusprechen. Es war ein gewagter Krieg ... Die Armee hat alle meine

Erwartungen übertroffen ... Ich nehme gern die Gelegenheit wahr, derselben

meinen Dank zu sagen; zuerst Meinem Sohne, hier zu meiner Rechten, Meinem

Neffen Friedrich Karl, den kommandierenden Generalen, unter denen ich einen

schmerzlich vermisse. (Wahrscheinlich Hiller von Gärtringen.) Auch Ihnen, Graf

Stolberg.“

Das war im Herbst 1866. Dem siegreichen Kriege, als eigentlichste

Schöpfung desselben, folgte, das Jahr darauf, der „norddeutsche Reichstag“, der,

von 1867 bis 1870 in den Räumen des Herrenhauses tagend, auch nun seinerseits

in Beziehungen zu unserem alten Eibenbaume trat. In die heitersten. Die

Debatten-Flüchtlinge, so oft es das Wetter erlaubte, pflegten hier zu tagen, und

während drinnen im Saale der Redner noch nach Beifall rang, unterlag er hier

draußen bereits einer zersetzenden Kritik. Der Witz goß seine Lauge unter dem

Eibenbaume aus.

Aber er, der Alte, an dem so viele Zeiten ihre Eigenart versucht hatten,

überdauerte auch das und eben jetzt (15. Mai 1872) haben alle seine Zweige

neue Schößlinge getrieben, die, hellgelblich schimmernd, fast wie

Hollunderdolden auf dem dunklen Untergrunde liegen und den schönen Baum

schöner und frischer erscheinen lassen, denn je zuvor.

 

[17] Die schönste Zeder (eigentlich ein Taxodium) steht im Schloßpark zu Gusow, der

größte Birnbaum im Predigergarten zu Werneuchen.

[18] England, wie bekannt, ist überhaupt das Land schöner alter Bäume und einer

entsprechenden sorglichen Kultur. So befindet sich beispielsweise in der Nähe vom Cumberlandlodge im Windsor-Park ein Leviathan-Weinstock, welcher ein einzelnes Haus von 138 Fuß Länge und 20 Fuß Breite gänzlich ausfüllt. Er bedeckt gegen 2870 Quadratfuß Glas und bringt jedes Jahr durchschnittlich 2000 Trauben hervor. Der mehr bekannte Weinstock in Hampton Court trug vor einigen Jahren 1400 Trauben, deren Wert man auf mehr als 100 Lstr. veranschlagte.