Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil
3. Die Pfaueninsel unter Friedrich Wilhelm III. 1797 bis 1840
3.
Die Pfaueninsel unter Friedrich Wilhelm III.
1797 bis 1840
Mein Herr ist König im Land,
Ich herrsch’ im Garten der Rosen.
Uhland
Die Anfänge dazu (zur Zauber-Insel) fallen bereits in die Regierungszeit
Friedrich Wilhelms II. Der Schilfgürtel, der die Insel vor jedem Zutritt zu bergen
schien, wurde mittelbar die Ursache, daß sich ihre Schönheit zu erschließen
begann. In diesem Schilfe nisteten nämlich, wie schon angedeutet, tausende von
Schnepfen und Enten, die den jagdlustigen König, als er davon vernommen, erst
bis an den Rand der Insel, dann auf diese selber führten. Einmal bekannt
geworden mit dieser Waldesstille, die ihm bald wohler tat als die Aufregungen
der Jagd, lockte es ihn öfter, vom nahen Marmorpalais, zu Kahn herüber. Aus
dem Heiligen See in die Havel, an Sakrow vorüber, steuerte er an heiteren
Nachmittagen, umgeben von den Damen seines Hofes, der ihm lieb gewordenen
Insel zu, auf deren schönster Waldwiese die reichen orientalischen Zelte, die ihm
irgend ein Selim oder Mahmud geschenkt hatte, bereits vorher ausgespannt
worden waren. Die Musik schmetterte; Tänze und ländliche Spiele wechselten
ab; so vergingen die Stunden. Erst mit der sinkenden Sonne kehrte man nach
dem Marmorpalais zurück.
Solche Lust gewährten dem Könige diese Fahrten nach der stillen, nahe
gelegenen Waldinsel, daß er sich im Jahre 1793 entschloß, dieselbe vom
Potsdamer Waisenhause, dem sie durch eine Schenkung Friedrich Wilhelms I.
zugefallen war, zu kaufen. Dies geschah und schon vor Ablauf von drei Jahren
war das Eiland zu einem gefälligen Park umgeschaffen, mit Gartenhaus und
Meierei, mit Jagdschirm und Federviehhaus und einem Lustschloß an der
Nordwestspitze. Die Zeichnung zu diesem Lustschloß, so wird erzählt, rührte
von der Gräfin Lichtenau her, die das Motiv dazu, während ihrer Reise in Italien,
einem verfallenen Schloß entnahm, das zwei, oben mit einer Brücke verbundene
Türme, unten aber, zwischen den beiden Türmen, ein großes Bogentor zeigte.
Wir halten diese Erzählung für glaubhaft, trotzdem Kopisch sie bezweifelt. Die
Lichtenau dilettierte in Kunstsachen und nicht ganz ohne Talent. Esprit und
Geschmack zählen bekanntlich zu den Vorrechten aller Damen aus der Schule
der Laïs.
Der Bau des Schlosses begann; aber noch ehe dieses und anderes seinen Abschluß gefunden hatte, starb der König und die Annahme lag nahe, daß auch
die nun zurückliegenden zehn Jahre unter Friedrich Wilhelm II., genau wie die
sieben Jahre unter Kunckel, zu einer bloßen Episode im Leben der Pfaueninsel
werden würden. Es kam indessen anders. Friedrich Wilhelm III., in allem
gegensätzlich gegen seinen Vorgänger und diesen Gegensatz betonend, machte
doch mit Rücksicht auf die Pfaueninsel eine Ausnahme und wandte ihr von
Anfang an eine Gunst zu, die, bis zur Katastrophe von 1806, alles daselbst
Vorhandene liebevoll pflegte, nach dem Niedergange der napoleonischen
Herrschaft aber diesen Fleck Erde zu einem ganz besonders bevorzugten machte.
Ohnehin zu einem kontemplativen Leben geneigt, fand der König, aus den
Stürmen des Krieges heimgekehrt, die Einsamkeit dieser Insel anziehender denn
zuvor. Was ihm Paretz zu Anfang seiner Regierung gewesen war, das wurde ihm
die Pfaueninsel gegen den Schluß hin. Man schritt zu neuen Anlagen und war
bemüht, den Aufenthalt immer behaglicher zu gestalten. Viele Anpflanzungen
von Gesträuchen und Bäumen, darunter Rottannen und Laubhölzer aller Art,
fanden statt. Wildfliegende Fasanen machten sich heimisch auf der Insel; neue
Bauten wurden aufgeführt. Eine mit Kupfer beschlagene „Fregatte“ traf ein, die
der Prinz-Regent dem Könige Friedrich Wilhelm III. zum Geschenk gemacht
hatte;[25] ein russischer „Rollberg“ entstand, eine sogenannte Rutschbahn, und
russische Schaukeln setzten sich in Bewegung. 1821 wurde ein Rosensortiment
aus der Nachlassenschaft des Dr. Böhm für eine erhebliche Summe Geldes
gekauft und in vier Spreekähnen von Berlin aus nach der Pfaueninsel geschafft.
Die Überführung dieser Sammlung gab Anlaß zur Anlage eines Rosengartens,
der alsbald einhundertundvierzig Quadratruten bedeckte und dreitausend hoch-
und halbstämmige Rosen, dazwischen ungezählte Sträucher von Zentifolien,
Noisetten und indischen Rosenarten umschloß.
Ziemlich um dieselbe Zeit wurde ein Wasserwerk mit einer Dampfmaschine
errichtet, lediglich um ein großes Reservoir zu speisen, aus dem nun der sandige
Teil der Insel bewässert werden konnte. Damit war Lebensblut für alle darauf
folgenden Verschönerungen gegeben.
1828, nachdem viele Geschenke und Ankäufe vorausgegangen, ward auch
eine reizende, alle Tierarten umfassende „Menagerie“ erworben. Sie wurde hier
wie von selbst zu einem zoologischen Garten, da Lenné, feinen Sinnes und
verständnisvoll, von Anfang an bemüht gewesen war, den einzelnen Käfigen und
Tiergruppen immer die passendste landschaftliche Umgebung zu geben. 1830
wurde auch das Palmenhaus errichtet.
Das kleine Eiland stand damals auf seiner Höhe. „Eine Fahrt nach der
Pfaueninsel, so durfte Kopisch wohl schreiben, galt den Berlinern als das schönste Familienfest des Jahres und die Jugend fühlte sich überaus glücklich,