Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil
Glindow
Hier nährten früh und spat den Brand
Die Knechte mit geschäft’ger Hand,
Der Funke sprüht, die Bälge blasen,
Als gält’ es, Felsen zu verglasen.
Schiller
W as Werder für den Obst-Konsum der Hauptstadt ist, das ist Glindow für den Ziegel-Konsum. In Werder wird gegraben, gepflanzt, gepflückt, — in
Glindow wird gegraben, geformt, gebrannt; an dem einen Ort eine wachsende
Kultur, an dem andern eine wachsende Industrie, an beiden (in Glindow freilich
auch mit dem Revers der Medaille) ein wachsender Wohlstand. Dazu steht das
eine wie das andere nicht bloß für sich selber da, sondern ist seinerseits
wiederum eine „Metropole“, ein Mittelpunkt gleichgearteter und zugleich
widerstrebender Distrikte, die es fast geboten erscheinen lassen, nach Analogie
einiger Schweizer Kantone, von Werder-Stadt und Werder-Land, oder von
Glindow-Dorf und Glindow-Bezirk zu sprechen.
Bei Werder haben wir diesen Unterschied übergangen; bei Glindow wird es
dann und wann unvermeidlich sein, auf ihn Bezug zu nehmen. Deshalb an dieser
Stelle schon folgendes: Distrikt Glindow ist etwa zwei Quadrat-Meilen groß
(vier Meilen lang und eine halbe Meile breit) und zerfällt in ein Innen- und
Außen-Revier, in einen Bezirk diesseit und jenseit der Havel. Das Innen-Revier
„diesseit der Havel“ ist alles Lehm- und Tonland und umfaßt die gesamten
Territorien am Schwielow-, am Glindow- und Plessow-See; das Außen-Revier
oder das Revier „jenseit der Havel“ ist neu-entdecktes Land und dehnt sich
vorzugsweise auf der Strecke zwischen Ketzin und Tremmen aus. Dies
Außenland, abweichend und eigenartig, behauptet zugleich eine gewisse
Selbständigkeit und zeigt eine unverkennbare Tendenz sich loszureißen und
Ketzin zu einer eigenen Hauptstadt zu machen. Vielleicht daß es glückt.
Vorläufig aber ist die Einheit noch da und ob der Tag siegreicher Sezession näher
oder ferner sein möge, [43] noch ist Glindow Metropole und herrscht über Innen-
und Außen-Revier.
Die Bodenbeschaffenheit, das Auftreten des Lehms ist diesseit und jenseit der Havel grundverschieden. Im Innen-Revier tritt der Lehm in Bergen auf, als
Berglehm, und wenn wir uns speziell auf die wichtige Feldmark Glindow
beschränken, so unterscheiden wir hier folgende Lehmberge: den Köllnischen,
zwei Brandenburgische (Altstadt, Neustadt), den Kaputhschen, den
Schönebeckschen, den Invalidenberg, den Schloßbauberg, zwei Kurfürstenberge
(den großen und den kleinen), den Plaueschen, den Mösenschen, den
Potsdamschen. Die drei letztgenannten liegen wüst, sind tot. Die andern sind
noch in Betrieb. Ihre Namen deuten auf ihre früheren Besitzer. Berlin-Kölln,
Brandenburg, Potsdam, Kaputh, Schönebeck hatten ihre Lehmberge, der
Invalidenberg gehörte dem Invalidenhause etc. Diese Besitzverhältnisse
existieren nicht mehr. Jene Ortschaften haben sich längst ihres Eigentums
entäußert, das inzwischen in die Hände einiger Ziegel-Lords übergegangen ist.
Die meisten sind in den Händen der Familie Fritze.
Der Lehm in diesen Bergen ist sehr mächtig. Nach Wegräumung einer
Oberschicht, „Abraum“ genannt, von etwa dreißig Fuß Höhe, stößt man auf das
Lehmlager, das oft eine Tiefe von achtzig bis hundert Fuß hat. Der Lehm ist
schön und liefert einen guten Stein, aber doch keinen Stein ersten Ranges. Die
Hauptbedeutung dieser Lager ist ihre Mächtigkeit, annähernd ihre
Unerschöpflichkeit. Dabei mag als etwas Absonderliches hervorgehoben
werden, daß sich in diesen Lehmlagern Bernstein findet und zwar in erheblicher
Menge. Die meisten Stücke sind haselnußgroß und somit ohne besonderen Wert,
es finden sich aber auch Stücke von der Größe einer Faust, dabei sehr schön, die
bis zu fünfundzwanzig Talern verkauft werden. Wer solch Stück findet, hat einen
Festtag.
Soviel über die Lehmberge des Innen-Reviers. Ganz anders ist das
Auftreten der Lager im Außen-Revier jenseit der Havel. Der dort vorkommende
Lehm ist sogenannter Wiesen-Lehm, der nur sechs Fuß unter der Rasen-
Oberfläche liegt, aber auch selber nur in einer Schicht von sechs bis acht Fuß
auftritt. Er ist wegen des geringen „Abraums“, der fortzuschaffen ist, leichter
zugänglich; all diese Lager sind aber verhältnismäßig leicht erschöpft, auch ist
das Material nicht voll so gut.
Dieser Unterschied im Material — wie mir alte Ziegelbrenner versicherten
— ist übrigens viel bedeutungsloser als gewöhnlich angenommen wird. Wie bei
so vielem in Kunst und Leben kommt es darauf an, was Fleiß und Geschick aus
dem Rohmaterial machen. Das Beste kann unvollkommen entwickelt, das
Schwächste zu einer Art Vollkommenheit gehoben werden. So auch beim
Ziegelbrennen. Die berühmtesten Steine, die hier zu Lande gebrannt werden,
sind die „roten Rathenower“ und die „gelben Birkenwerderschen“. Aber was ihnen ihre Vorzüglichkeit leiht, ist nicht das Material, sondern die Sorglichkeit,
die Kunst, mit der sie hergestellt werden. Jedem einzelnen Stein wird eine
gewisse Liebe zugewandt. Das macht’s. Der Birkenwerdersche Ton
beispielsweise ist unscheinbar, aber geschlemmt, gesäubert, gemahlen wird er zu
einem allerdings feinen Materiale entwickelt, und die Art des Streichens und
Brennens macht ihn schließlich zu etwas in seiner Art Vollendetem. Man geht
dabei so weit, daß die Messer beim Formen des Steines jedesmal geölt werden,
um dem Ziegel dadurch die Glätte, Ebenheit und Schärfe zu geben, die ihn
auszeichnet.
Auch in Glindow und seinen Dependenzien wird ein vorzüglicher Stein
gebrannt, aber dennoch nicht ein Stein, der den Rathenowern und
Birkenwerderschen gleichkäme. Die Herstellung im Dorfe Glindow selbst
erfolgt durch etwa fünfhundert Arbeiter aller Art. Wir unterscheiden dabei:
fremde Ziegelstreicher, einheimische Ziegelstreicher und Tagelöhner. Über alle
drei Kategorien ein Wort.
Fremde Ziegelstreicher werden hier seit lange verwandt. Die einheimischen
Kräfte reichen eben nicht aus. Früher waren es „Eichsfelder“, die kamen, und
hier, ähnlich wie die Warthebruch-Schnitter oder Linumer Torfgräber, eine
Sommer-Kampagne durchmachten. Aber die „Eichsfelder“ blieben schließlich
aus oder wurden abgeschafft, und an ihre Stelle traten die „Lipper“. Diese
behaupten noch jetzt das Feld.
Die Lipper, nur Männer, kommen im April und bleiben bis Mitte Oktober.
Sie ziehen in ein massives Haus, das unten Küche, im ersten Stock Eßsaal, im
zweiten Stock Schlafraum hat. Sie erheben gewisse Ansprüche. So muß jedem
ein Handtuch geliefert werden. An ihrer Spitze steht ein Meister, der nur
Direktion und Verwaltung hat. Er schließt die Kontrakte, empfängt die Gelder
und verteilt sie. Die Arbeit ist Akkord-Arbeit, das Brennmaterial und die
Gerätschaften werden sämtlich geliefert. Der Lehm wird ihnen bis an die
„Sümpfe“ gefahren; der Ofen ist zu ihrer Disposition. Alles andere ist ihre
Sache. Am Schlusse der Kampagne erhalten sie für je tausend fertig gebrannte
Steine einzweidrittel bis zwei Taler. Die Gesamtsumme bei acht bis zehn
Millionen Steine pflegt bis 15 000 Taler zu betragen. Diese Summe wird aber
schwer verdient. Die Leute sind von einem besonderen Fleiß. Sie arbeiten von
drei Uhr früh bis acht oder selbst neun Uhr abends, also nach Abzug einer
Eßstunde immer noch nah an siebzehn Stunden; Sie verpflegen sich nach Lipper
Landessitte, d. h. im wesentlichen westfälisch. Man darf sagen, sie leben von
Erbsen und Speck, die beide durch den „Meister“ aus der lippeschen Heimat
bezogen werden, wo sie diese Artikel besser und billiger erhalten. Mitte Oktober treten sie, jeder mit einer Überschußsumme von nahezu hundert Talern, den
Rückweg an und überlassen nun das Feld den einheimischen Ziegelstreichern.
Die Einheimischen arbeiten ebenfalls auf Akkord, aber unter ganz anderen
Bedingungen. Sie erhalten nicht die ganze Arbeit, sondern die Einzelarbeit
bezahlt und stehen sich dabei nicht erheblich schlechter als die Lipper. Während
der Sommermonate teilen sie den Arbeitsplatz mit den Letzteren derart, daß die
Lipper zur Rechten, die Einheimischen zur Linken ihre Ziegel streichen. Soweit
sind sie den Lippern ebenbürtig. Darin aber stehen sie hinter diesen zurück, daß
diese das Recht haben, ihre Ziegel zuerst zu brennen. Mit andern Worten,
solange die Sommerkampagne dauert, gehört der Ofen ausschließlich den
Lippern und erst wenn diese fort sind, ziehen die Einheimischen mit den vielen
Millionen Ziegeln, die sie inzwischen gestrichen und getrocknet haben, auch
ihrerseits in den Ofen ein.
Die dritte Gruppe von Beschäftigten sind die Tagelöhner. Sie arbeiten auf
Tagelohn, erhalten täglich acht Silbergroschen der Mann (sechs Silbergroschen
die Frau) und bilden die Unterschicht einer Gesellschaft, in der die
Ziegelstreicher, wie eine mittelalterliche Handwerkszunft, die Oberschicht
bilden. Sie sind bloße Handlanger, Aushilfen für den groben Dienst, der keine
„Kunst“ verlangt, und erheben sich nach Erscheinung und allgemeiner
Schätzung wenig über ein dörfliches Proletariat, das denn auch meistens in
Familienhäusern untergebracht zu werden pflegt.
Dies führt mich auf die Gesundheitsverhältnisse dieser Ziegelbrenner-
Distrikte. Die Berichte darüber gehen sehr auseinander und während von einer
Seite her — beispielsweise von Potsdamer Hospitalärzten — versichert wird,
daß dieser stete Wechsel von Naßkälte und Glühofenhitze die Gesundheit früh
zerstöre, versichern die Glindower Herren, daß nichts abhärtender und nichts
gesunder sei, als der Ziegeldienst in Glindow. Personen zwischen siebzig und
achtzig Jahren sollen sehr häufig sein. Die Streitfrage mag übrigens auf sich
beruhen. Sie scheint uns so zu liegen, daß dieser Dienst eine angeborene gute
Gesundheit und gute Verpflegung verlangt, — sind diese Bedingungen erfüllt, so
geht es; die kümmerliche Tagelöhner-Bevölkerung aber, die „nichts drin, nichts
draußen“ hat und zum Teil von einem elenden Elternpaar geboren und
großgezogen wurde, geht allerdings früh zugrunde.
Der Gesamt-Ziegel-Betrieb ist, soweit Glindow selbst in Betracht kommt,
in Händen weniger Familien: Fritze, Hintze, Fiedler; etwa neun große Öfen sind
im Gange. Die Gesamtmasse produzierter Steine geht bis sechzehn Millionen,
früher ging es über diese Zahl noch hinaus. Die Summen, die dadurch in Umlauf
kommen, sind enorm. 1000 Steine = 8 Taler; also sechzehn Millionen (1000 mal 8 mal 16) = 128 000 Taler. Dies auf wenige Familien verteilt, muß natürlich
einen Reichtum erwarten lassen und in der Tat ist er da. Aber wie in Werder, so
ist doch auch hier in Glindow dafür gesorgt, daß Rückschläge nicht ausbleiben,
und es gibt Zeitläufe, wo die Fabriken mit Schaden arbeiten. Überall im Lande
wachsen die Ziegelöfen wie über Nacht aus der Erde und die Konkurrenz drückt
die Preise. Die Zeiten, wo tausend Steine fünfzehn Taler einbrachten, sind
vorläufig dahin, man muß sich, wie schon angedeutet, mit acht und selbst mit
siebeneinhalb begnügen. Nun berechne man die Zinsen des Erwerbs- und
Betriebs-Kapitals, das Brennmaterial, den Lohn an die Erdarbeiter, die
Ziegelstreicher (zwei Taler) und die Taglöhner, endlich die Kahnfracht (ebenfalls
eineinhalb Taler) so wird sich ergeben, daß von diesen acht Talern für je tausend
Steine nicht viel zu erübrigen ist. Die Hauptsorge machen immer die Schiffer.
Sie bilden überhaupt, wie jeder weiß, der mit ihnen zu tun hatte, eine der
merkantil gefährlichsten Menschenklassen. Mit erstaunlicher List und
Aushorchekunst wissen sie in Erfahrung zu bringen, welche Kontrakte die
Ziegelbrenner mit diesem oder jenem Bauunternehmer der Hauptstadt
abgeschlossen haben. Lautet der Kontrakt nun etwa dahin: „Die Steine müssen
bis Mitte Oktober abgeliefert sein,“ so hat der Schiffer den Ziegelbrenner in der
Hand; er verdoppelt seine Forderungen, weil er weiß, er kann es wagen, der
Ziegelbrenner muß zahlen, wenn er nicht der ganzen Einnahme verlustig gehen
will.
Die glänzende Zeit dieses Betriebes ist vorüber, [44] genau seit jener Epoche,
wo die Ziegelbrennerei einen neuen Aufschwung zu nehmen schien, seit
Einführung der Ringöfen. Der Ringofen verbilligte die Herstellung des Steins;
die ersten, die sich seiner bedienten, hatten enorme Verdienste; jetzt, wo ihn
jeder hat, hat er die Produktion zwar gefördert, aber der Wohlhabenheit nur
mäßig genützt.
Der Ringofen hat den alten Ziegelofen, wenige Ausnahmen abgerechnet,
total verdrängt, und in Erwägung, daß diese Kapitel nicht bloß auf dem Lande,
sondern auch von Städtern gelesen werden, die nur allzu selten Gelegenheit
haben, Einblick in solche Dinge zu gewinnen, mag es mir gestattet sein, einen
Ringofen, seine Eigentümlichkeiten und seine Vorteile zu beschreiben.
Der Ringofen hat seinen Namen von seiner Form; er ist ein Rundbau. Seiner
Einrichtung nach könnte man ihn einen Kammer- oder Kapellen-Ofen nennen;
seiner Haupteigenschaft nach aber ist er ein Spar-Ofen. Er spart Feuerung. Wir
kommen darauf zurück.
Zunächst seine Form und Einrichtung. Um beide zu schildern, greifen wir
nach einem Bilde, das vor einigen Jahren, als es galt das Pariser Ausstellungsgebäude anschaulich zu beschreiben, vielfach gebraucht wurde. Wir
modifizieren es nur. Denken wir uns also eine gewöhnliche runde Torte, aus der
wir das Mittel- oder Nußstück herausgeschnitten und durch eine schlanke
Weinflasche ersetzt haben, so haben wir das getreue Abbild eines Ringofens.
Denken wir uns dazu die Torte in zwölf gleich große Stücke zerschnitten; so
haben wir auch die Einrichtung des Ofens; sein Zwölfkammer-System. Die in
der Mitte aufragende Weinflasche ist natürlich der Schornstein.
Das Verfahren ist nun folgendes. In vier oder fünf der vorhandenen, durch
Seitenöffnungen mit einander verbundenen Kammern werden die getrockneten
Steine eingekarrt, in jede Kammer zwölftausend. Ist dies geschehen, so wird die
Gesamtheit der erwähnten vier oder fünf Kammern durch zwei große
Einschieber, der eine links, der andere rechts, von dem Reste der Kammern
abgesperrt. Nun beginnt man in Kammer eins ein Feuer zu machen, nährt es,
indem man von oben her durch runde Löcher ein bestimmtes Quantum von
Brennmaterial niederschüttet[45] und hat nach vierundzwanzig Stunden die
zwölftausend Steine der ersten Kammer völlig gebrannt. Aber (und darin liegt
das Sparsystem) während man in Kammer eins eine für zwölftausend Steine
ausreichende Rotglut unterhielt, wurden die Nachbarsteine in Kammer zwei
halb, in Kammer drei ein Drittel fertig gebrannt und die Steine in Kammer vier
und fünf wurden wenigstens „angeschmoocht“, wie der technische Ausdruck
lautet. Die Steine in Kammer zwei, die nun am zweiten Tage unter Feuer
kommen, brauchen natürlich, halb fertig, wie sie bereits sind, ein geringeres
Brennmaterial, um zur Perfektion zu kommen, und so geht es weiter; wohin
immer das Feuer kommt, findet es zwölftausend Steine vor, die bereits drei Tage
lang und zwar in wachsender Progression durch eine Feuerbehandlung gegangen
sind. Der eine (vorderste) Eisen-Schieber rückt jeden Tag um eine Kammer
weiter, der andere Eisen-Schieber, vom entgegengesetzten Flügel her, folgt und
gibt dadurch die Kammer frei, in der am Tage zuvor gebrannt wurde. So
vollzieht sich ein Kreislauf. In die leeren Kammern, bevor der Schieber sie in
den Feuer-Rayon hineinzwingt, wird eingekarrt, aus den im Feuer gewesenen,
vom Schieber freigegebenen Kammern wird ausgekarrt. Der Prozeß, so lange
die Brenn-Kampagne dauert, ist ohne Ende; das Feuer rückt von Kammer zu
Kammer, bis es herum ist und beginnt dann seinen Kreislauf von neuem. Der
Vorteil liegt auf der Hand. Er steigt aber insonderheit auch noch dadurch, daß der
Ringofen in seinen Feueransprüchen nicht wählerisch ist. Er frißt alles. Jedes
Material dient ihm: Holz, Torf, Braunkohle, alles hat einen gleichen oder doch
einen verwandten Wert und das billigste Material behauptet sich neben dem
teuersten. Die Ziegelbrennerei ist dadurch in eine ganz neue Phase getreten, zum Vorteil der Bauunternehmer, die seitdem die Steine für den halben Preis
erstehen, aber wenig zum Vorteil der alten Ziegelbrennerfirmen, die, ehe die
Dinge diese modern-industrielle Behandlung und Ausnutzung erfuhren, sich
besser standen. Wobei übrigens auch noch bemerkt sein mag, daß die besten
Steine, beispielsweise die Rathenower und Birkenwerderschen, nach wie vor in
den Ziegelöfen alter Konstruktion gebrannt werden. Der Ringofen hat keine
andern Vorzüge, als daß er ein Sparofen ist.
Solcher Ringofen hat Glindow selbst, wie wir schon hervorgehoben, etwa
neun, der Distrikt Glindow aber mit seinem Innen- und Außen-Revier wohl mehr
denn fünfzig. Daß sie der Landschaft zu besonderer Zierde gereichen, läßt sich
nicht behaupten. Der Fabrikschornstein mag alles sein, nur ein
Verschönerungsmittel ist er nicht, am wenigsten wenn er schön tut, wenn er
möchte. Und wie dieser reiche Betrieb, der unbestreitbar trotz Stillstände und
Rückschläge ein sich steigerndes Prosperieren einzelner oder selbst vieler
geschaffen hat, die Landschaft nicht schmückt, so schmückt er auch nicht die
Dörfer, in denen er sich niedergelassen hat. Er nimmt ihnen ihren eigentlichen
Charakter, in richtigem unsentimentalen Verstande ihre Unschuld und gibt ihnen
ein Element, dessen Abwesenheit bisher, und wenn sie noch so arm waren, ihr
Zauber und ihre Zierde war, — er gibt ihnen ein Proletariat. Ob dasselbe
städtisch oder dörfisch auftritt, ob es mehr verbittert oder mehr elend ist, sind
Unterschiede, die an dem Traurigen der Erscheinung nicht viel zu ändern
vermögen.
Auch Dorf Glindow hat von diesem allem sein geschüttelt Maß. An und für
sich ausgestattet mit dem vollen Reiz eines havelländischen Dorfes, hingestreckt
zwischen See und Hügel, schieben sich doch überall in das alt-dörfliche Leben
die Bilder eines allermodernsten, frondiensthaften Industrialismus hinein, und
die schönen alten Bäume, die mit ihren mächtigen Kronen so vieles malerisch zu
überschatten und zu verdecken verstehen, sie mühen sich hier umsonst, diesen
trübseligen Anblick dem Auge zu entziehen.
Am See hin, um die Veranden der Ziegel-Lords rankt sich der wilde Wein,
Laubengänge, Clematis hier und Aristolochia dort, ziehen sich durch den
Parkgarten, Tauben stolzieren auf dem Dachfirst oder umflattern ihr japanisches
Haus, — aber diese lachenden Bilder lassen die Kehrseite nur um so dunkler
erscheinen: die Lehmstube mit dem verklebten Fenster, die abgehärmte Frau mit
dem Säugling in Loden, die hageren Kinder, die lässig durch den Enten-Tümpel
gehen.
Es scheint, sie spielen; aber sie lachen nicht; ihre Sinne sind trübe wie das
Wasser, worin sie waten und plätschern.
[43] Es ist oft gesagt worden, daß der Stadt Berlin das Material zu raschem
Emporblühen beinah unmittelbar vor die Tore gelegt worden sei. Das ist richtig. Da sind Feldsteinblöcke für Fundament- und Straßenbau, Rüdersdorfer Kalk zum Mörtel, Holz in Fülle, Torf- und Salzlager in unerschöpflicher Mächtigkeit. Ohne diesen Reichtum, der in dem Grade, wie er jetzt vorliegt, lange ein Geheimnis war, wäre das riesige Wachstum der Stadt, bei der ursprünglich geringen Fruchtbarkeit ihres Bodens, bei ihrer Binnenlage und ihrer immerhin beschränkten Wasserverbindung nahezu eine Unmöglichkeit gewesen. Daran, daß es möglich wurde, hat Glindow seinen Anteil: der große Ziegelofen der Residenz. Das sogenannte „Geheimratsviertel“ ist großenteils aus Glindower Steinen aufgeführt und ein ganzes „Berlin der Zukunft“ steckt noch in den Glindower Bergen (Glindow heißt übrigens Lehmdorf, von dem wendischen Worte Glin der Lehm. Kaum irgend ein Wort, wie schon Seite 216 hervorgehoben, kommt häufiger vor in der Mark. Außer dem Landesteile „der Glin“ mit der Hauptstadt Kremmen, gibt es zahlreiche Dörfer dieses Namens. Vergleiche das Kapitel Groß-Glienicke.)
[44] Dieser Aufsatz wurde 1870 geschrieben. Seitdem haben sich die Dinge wieder
zugunsten der Ziegelei-Besitzer geändert.
[45] Die Feuerung geschieht von oben her durch eine runde Öffnung; ein eiserner
Stülpdeckel von der Form eines Zylinderhutes (dessen Krämpe übergreift) schließt die Öffnung und wird abgenommen, so oft ein Nachschütten nötig ist. Man sieht dann, wie durch eine schmale Esse, in die Kammer hinein und hat die aufgetürmten, rotglühenden Steine unter sich. Der Anblick, den man sich nur verschaffen kann, indem man auf die Gewölbedecke der Kammer tritt, hat etwas im höchsten Grade Unheimliches und Beängstigendes. Man steht über einer Hölle und blickt in sie hinab. Eine Schicht Steine, vielleicht kaum einen Fuß dick, trennt den Obenstehenden von dieser Unterwelt und der Gedanke hat etwas Grausiges: wenn jetzt dies Gewölbe —
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Theodor Fontane
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Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.
Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://pglaf.org
For additional contact information:
Dr. Gregory B. Newby
Chief Executive and Director
gbnewby@pglaf.org
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit http://pglaf.org
While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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