Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 82 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Glindow

 

Hier nährten früh und spat den Brand

Die Knechte mit geschäft’ger Hand,

Der Funke sprüht, die Bälge blasen,

Als gält’ es, Felsen zu verglasen.

 

Schiller

 

W as Werder für den Obst-Konsum der Hauptstadt ist, das ist Glindow für den Ziegel-Konsum. In Werder wird gegraben, gepflanzt, gepflückt, — in

Glindow wird gegraben, geformt, gebrannt; an dem einen Ort eine wachsende

Kultur, an dem andern eine wachsende Industrie, an beiden (in Glindow freilich

auch mit dem Revers der Medaille) ein wachsender Wohlstand. Dazu steht das

eine wie das andere nicht bloß für sich selber da, sondern ist seinerseits

wiederum eine „Metropole“, ein Mittelpunkt gleichgearteter und zugleich

widerstrebender Distrikte, die es fast geboten erscheinen lassen, nach Analogie

einiger Schweizer Kantone, von Werder-Stadt und Werder-Land, oder von

Glindow-Dorf und Glindow-Bezirk zu sprechen.

Bei Werder haben wir diesen Unterschied übergangen; bei Glindow wird es

dann und wann unvermeidlich sein, auf ihn Bezug zu nehmen. Deshalb an dieser

Stelle schon folgendes: Distrikt Glindow ist etwa zwei Quadrat-Meilen groß

(vier Meilen lang und eine halbe Meile breit) und zerfällt in ein Innen- und

Außen-Revier, in einen Bezirk diesseit und jenseit der Havel. Das Innen-Revier

„diesseit der Havel“ ist alles Lehm- und Tonland und umfaßt die gesamten

Territorien am Schwielow-, am Glindow- und Plessow-See; das Außen-Revier

oder das Revier „jenseit der Havel“ ist neu-entdecktes Land und dehnt sich

vorzugsweise auf der Strecke zwischen Ketzin und Tremmen aus. Dies

Außenland, abweichend und eigenartig, behauptet zugleich eine gewisse

Selbständigkeit und zeigt eine unverkennbare Tendenz sich loszureißen und

Ketzin zu einer eigenen Hauptstadt zu machen. Vielleicht daß es glückt.

Vorläufig aber ist die Einheit noch da und ob der Tag siegreicher Sezession näher

oder ferner sein möge, [43] noch ist Glindow Metropole und herrscht über Innen-

und Außen-Revier.

Die Bodenbeschaffenheit, das Auftreten des Lehms ist diesseit und jenseit der Havel grundverschieden. Im Innen-Revier tritt der Lehm in Bergen auf, als

Berglehm, und wenn wir uns speziell auf die wichtige Feldmark Glindow

beschränken, so unterscheiden wir hier folgende Lehmberge: den Köllnischen,

zwei Brandenburgische (Altstadt, Neustadt), den Kaputhschen, den

Schönebeckschen, den Invalidenberg, den Schloßbauberg, zwei Kurfürstenberge

(den großen und den kleinen), den Plaueschen, den Mösenschen, den

Potsdamschen. Die drei letztgenannten liegen wüst, sind tot. Die andern sind

noch in Betrieb. Ihre Namen deuten auf ihre früheren Besitzer. Berlin-Kölln,

Brandenburg, Potsdam, Kaputh, Schönebeck hatten ihre Lehmberge, der

Invalidenberg gehörte dem Invalidenhause etc. Diese Besitzverhältnisse

existieren nicht mehr. Jene Ortschaften haben sich längst ihres Eigentums

entäußert, das inzwischen in die Hände einiger Ziegel-Lords übergegangen ist.

Die meisten sind in den Händen der Familie Fritze.

Der Lehm in diesen Bergen ist sehr mächtig. Nach Wegräumung einer

Oberschicht, „Abraum“ genannt, von etwa dreißig Fuß Höhe, stößt man auf das

Lehmlager, das oft eine Tiefe von achtzig bis hundert Fuß hat. Der Lehm ist

schön und liefert einen guten Stein, aber doch keinen Stein ersten Ranges. Die

Hauptbedeutung dieser Lager ist ihre Mächtigkeit, annähernd ihre

Unerschöpflichkeit. Dabei mag als etwas Absonderliches hervorgehoben

werden, daß sich in diesen Lehmlagern Bernstein findet und zwar in erheblicher

Menge. Die meisten Stücke sind haselnußgroß und somit ohne besonderen Wert,

es finden sich aber auch Stücke von der Größe einer Faust, dabei sehr schön, die

bis zu fünfundzwanzig Talern verkauft werden. Wer solch Stück findet, hat einen

Festtag.

Soviel über die Lehmberge des Innen-Reviers. Ganz anders ist das

Auftreten der Lager im Außen-Revier jenseit der Havel. Der dort vorkommende

Lehm ist sogenannter Wiesen-Lehm, der nur sechs Fuß unter der Rasen-

Oberfläche liegt, aber auch selber nur in einer Schicht von sechs bis acht Fuß

auftritt. Er ist wegen des geringen „Abraums“, der fortzuschaffen ist, leichter

zugänglich; all diese Lager sind aber verhältnismäßig leicht erschöpft, auch ist

das Material nicht voll so gut.

Dieser Unterschied im Material — wie mir alte Ziegelbrenner versicherten

— ist übrigens viel bedeutungsloser als gewöhnlich angenommen wird. Wie bei

so vielem in Kunst und Leben kommt es darauf an, was Fleiß und Geschick aus

dem Rohmaterial machen. Das Beste kann unvollkommen entwickelt, das

Schwächste zu einer Art Vollkommenheit gehoben werden. So auch beim

Ziegelbrennen. Die berühmtesten Steine, die hier zu Lande gebrannt werden,

sind die „roten Rathenower“ und die „gelben Birkenwerderschen“. Aber was ihnen ihre Vorzüglichkeit leiht, ist nicht das Material, sondern die Sorglichkeit,

die Kunst, mit der sie hergestellt werden. Jedem einzelnen Stein wird eine

gewisse Liebe zugewandt. Das macht’s. Der Birkenwerdersche Ton

beispielsweise ist unscheinbar, aber geschlemmt, gesäubert, gemahlen wird er zu

einem allerdings feinen Materiale entwickelt, und die Art des Streichens und

Brennens macht ihn schließlich zu etwas in seiner Art Vollendetem. Man geht

dabei so weit, daß die Messer beim Formen des Steines jedesmal geölt werden,

um dem Ziegel dadurch die Glätte, Ebenheit und Schärfe zu geben, die ihn

auszeichnet.

Auch in Glindow und seinen Dependenzien wird ein vorzüglicher Stein

gebrannt, aber dennoch nicht ein Stein, der den Rathenowern und

Birkenwerderschen gleichkäme. Die Herstellung im Dorfe Glindow selbst

erfolgt durch etwa fünfhundert Arbeiter aller Art. Wir unterscheiden dabei:

fremde Ziegelstreicher, einheimische Ziegelstreicher und Tagelöhner. Über alle

drei Kategorien ein Wort.

Fremde Ziegelstreicher werden hier seit lange verwandt. Die einheimischen

Kräfte reichen eben nicht aus. Früher waren es „Eichsfelder“, die kamen, und

hier, ähnlich wie die Warthebruch-Schnitter oder Linumer Torfgräber, eine

Sommer-Kampagne durchmachten. Aber die „Eichsfelder“ blieben schließlich

aus oder wurden abgeschafft, und an ihre Stelle traten die „Lipper“. Diese

behaupten noch jetzt das Feld.

Die Lipper, nur Männer, kommen im April und bleiben bis Mitte Oktober.

Sie ziehen in ein massives Haus, das unten Küche, im ersten Stock Eßsaal, im

zweiten Stock Schlafraum hat. Sie erheben gewisse Ansprüche. So muß jedem

ein Handtuch geliefert werden. An ihrer Spitze steht ein Meister, der nur

Direktion und Verwaltung hat. Er schließt die Kontrakte, empfängt die Gelder

und verteilt sie. Die Arbeit ist Akkord-Arbeit, das Brennmaterial und die

Gerätschaften werden sämtlich geliefert. Der Lehm wird ihnen bis an die

„Sümpfe“ gefahren; der Ofen ist zu ihrer Disposition. Alles andere ist ihre

Sache. Am Schlusse der Kampagne erhalten sie für je tausend fertig gebrannte

Steine einzweidrittel bis zwei Taler. Die Gesamtsumme bei acht bis zehn

Millionen Steine pflegt bis 15 000 Taler zu betragen. Diese Summe wird aber

schwer verdient. Die Leute sind von einem besonderen Fleiß. Sie arbeiten von

drei Uhr früh bis acht oder selbst neun Uhr abends, also nach Abzug einer

Eßstunde immer noch nah an siebzehn Stunden; Sie verpflegen sich nach Lipper

Landessitte, d. h. im wesentlichen westfälisch. Man darf sagen, sie leben von

Erbsen und Speck, die beide durch den „Meister“ aus der lippeschen Heimat

bezogen werden, wo sie diese Artikel besser und billiger erhalten. Mitte Oktober treten sie, jeder mit einer Überschußsumme von nahezu hundert Talern, den

Rückweg an und überlassen nun das Feld den einheimischen Ziegelstreichern.

Die Einheimischen arbeiten ebenfalls auf Akkord, aber unter ganz anderen

Bedingungen. Sie erhalten nicht die ganze Arbeit, sondern die Einzelarbeit

bezahlt und stehen sich dabei nicht erheblich schlechter als die Lipper. Während

der Sommermonate teilen sie den Arbeitsplatz mit den Letzteren derart, daß die

Lipper zur Rechten, die Einheimischen zur Linken ihre Ziegel streichen. Soweit

sind sie den Lippern ebenbürtig. Darin aber stehen sie hinter diesen zurück, daß

diese das Recht haben, ihre Ziegel zuerst zu brennen. Mit andern Worten,

solange die Sommerkampagne dauert, gehört der Ofen ausschließlich den

Lippern und erst wenn diese fort sind, ziehen die Einheimischen mit den vielen

Millionen Ziegeln, die sie inzwischen gestrichen und getrocknet haben, auch

ihrerseits in den Ofen ein.

Die dritte Gruppe von Beschäftigten sind die Tagelöhner. Sie arbeiten auf

Tagelohn, erhalten täglich acht Silbergroschen der Mann (sechs Silbergroschen

die Frau) und bilden die Unterschicht einer Gesellschaft, in der die

Ziegelstreicher, wie eine mittelalterliche Handwerkszunft, die Oberschicht

bilden. Sie sind bloße Handlanger, Aushilfen für den groben Dienst, der keine

„Kunst“ verlangt, und erheben sich nach Erscheinung und allgemeiner

Schätzung wenig über ein dörfliches Proletariat, das denn auch meistens in

Familienhäusern untergebracht zu werden pflegt.

Dies führt mich auf die Gesundheitsverhältnisse dieser Ziegelbrenner-

Distrikte. Die Berichte darüber gehen sehr auseinander und während von einer

Seite her — beispielsweise von Potsdamer Hospitalärzten — versichert wird,

daß dieser stete Wechsel von Naßkälte und Glühofenhitze die Gesundheit früh

zerstöre, versichern die Glindower Herren, daß nichts abhärtender und nichts

gesunder sei, als der Ziegeldienst in Glindow. Personen zwischen siebzig und

achtzig Jahren sollen sehr häufig sein. Die Streitfrage mag übrigens auf sich

beruhen. Sie scheint uns so zu liegen, daß dieser Dienst eine angeborene gute

Gesundheit und gute Verpflegung verlangt, — sind diese Bedingungen erfüllt, so

geht es; die kümmerliche Tagelöhner-Bevölkerung aber, die „nichts drin, nichts

draußen“ hat und zum Teil von einem elenden Elternpaar geboren und

großgezogen wurde, geht allerdings früh zugrunde.

Der Gesamt-Ziegel-Betrieb ist, soweit Glindow selbst in Betracht kommt,

in Händen weniger Familien: Fritze, Hintze, Fiedler; etwa neun große Öfen sind

im Gange. Die Gesamtmasse produzierter Steine geht bis sechzehn Millionen,

früher ging es über diese Zahl noch hinaus. Die Summen, die dadurch in Umlauf

kommen, sind enorm. 1000 Steine = 8 Taler; also sechzehn Millionen (1000 mal 8 mal 16) = 128 000 Taler. Dies auf wenige Familien verteilt, muß natürlich

einen Reichtum erwarten lassen und in der Tat ist er da. Aber wie in Werder, so

ist doch auch hier in Glindow dafür gesorgt, daß Rückschläge nicht ausbleiben,

und es gibt Zeitläufe, wo die Fabriken mit Schaden arbeiten. Überall im Lande

wachsen die Ziegelöfen wie über Nacht aus der Erde und die Konkurrenz drückt

die Preise. Die Zeiten, wo tausend Steine fünfzehn Taler einbrachten, sind

vorläufig dahin, man muß sich, wie schon angedeutet, mit acht und selbst mit

siebeneinhalb begnügen. Nun berechne man die Zinsen des Erwerbs- und

Betriebs-Kapitals, das Brennmaterial, den Lohn an die Erdarbeiter, die

Ziegelstreicher (zwei Taler) und die Taglöhner, endlich die Kahnfracht (ebenfalls

eineinhalb Taler) so wird sich ergeben, daß von diesen acht Talern für je tausend

Steine nicht viel zu erübrigen ist. Die Hauptsorge machen immer die Schiffer.

Sie bilden überhaupt, wie jeder weiß, der mit ihnen zu tun hatte, eine der

merkantil gefährlichsten Menschenklassen. Mit erstaunlicher List und

Aushorchekunst wissen sie in Erfahrung zu bringen, welche Kontrakte die

Ziegelbrenner mit diesem oder jenem Bauunternehmer der Hauptstadt

abgeschlossen haben. Lautet der Kontrakt nun etwa dahin: „Die Steine müssen

bis Mitte Oktober abgeliefert sein,“ so hat der Schiffer den Ziegelbrenner in der

Hand; er verdoppelt seine Forderungen, weil er weiß, er kann es wagen, der

Ziegelbrenner muß zahlen, wenn er nicht der ganzen Einnahme verlustig gehen

will.

Die glänzende Zeit dieses Betriebes ist vorüber, [44] genau seit jener Epoche,

wo die Ziegelbrennerei einen neuen Aufschwung zu nehmen schien, seit

Einführung der Ringöfen. Der Ringofen verbilligte die Herstellung des Steins;

die ersten, die sich seiner bedienten, hatten enorme Verdienste; jetzt, wo ihn

jeder hat, hat er die Produktion zwar gefördert, aber der Wohlhabenheit nur

mäßig genützt.

Der Ringofen hat den alten Ziegelofen, wenige Ausnahmen abgerechnet,

total verdrängt, und in Erwägung, daß diese Kapitel nicht bloß auf dem Lande,

sondern auch von Städtern gelesen werden, die nur allzu selten Gelegenheit

haben, Einblick in solche Dinge zu gewinnen, mag es mir gestattet sein, einen

Ringofen, seine Eigentümlichkeiten und seine Vorteile zu beschreiben.

Der Ringofen hat seinen Namen von seiner Form; er ist ein Rundbau. Seiner

Einrichtung nach könnte man ihn einen Kammer- oder Kapellen-Ofen nennen;

seiner Haupteigenschaft nach aber ist er ein Spar-Ofen. Er spart Feuerung. Wir

kommen darauf zurück.

Zunächst seine Form und Einrichtung. Um beide zu schildern, greifen wir

nach einem Bilde, das vor einigen Jahren, als es galt das Pariser Ausstellungsgebäude anschaulich zu beschreiben, vielfach gebraucht wurde. Wir

modifizieren es nur. Denken wir uns also eine gewöhnliche runde Torte, aus der

wir das Mittel- oder Nußstück herausgeschnitten und durch eine schlanke

Weinflasche ersetzt haben, so haben wir das getreue Abbild eines Ringofens.

Denken wir uns dazu die Torte in zwölf gleich große Stücke zerschnitten; so

haben wir auch die Einrichtung des Ofens; sein Zwölfkammer-System. Die in

der Mitte aufragende Weinflasche ist natürlich der Schornstein.

Das Verfahren ist nun folgendes. In vier oder fünf der vorhandenen, durch

Seitenöffnungen mit einander verbundenen Kammern werden die getrockneten

Steine eingekarrt, in jede Kammer zwölftausend. Ist dies geschehen, so wird die

Gesamtheit der erwähnten vier oder fünf Kammern durch zwei große

Einschieber, der eine links, der andere rechts, von dem Reste der Kammern

abgesperrt. Nun beginnt man in Kammer eins ein Feuer zu machen, nährt es,

indem man von oben her durch runde Löcher ein bestimmtes Quantum von

Brennmaterial niederschüttet[45] und hat nach vierundzwanzig Stunden die

zwölftausend Steine der ersten Kammer völlig gebrannt. Aber (und darin liegt

das Sparsystem) während man in Kammer eins eine für zwölftausend Steine

ausreichende Rotglut unterhielt, wurden die Nachbarsteine in Kammer zwei

halb, in Kammer drei ein Drittel fertig gebrannt und die Steine in Kammer vier

und fünf wurden wenigstens „angeschmoocht“, wie der technische Ausdruck

lautet. Die Steine in Kammer zwei, die nun am zweiten Tage unter Feuer

kommen, brauchen natürlich, halb fertig, wie sie bereits sind, ein geringeres

Brennmaterial, um zur Perfektion zu kommen, und so geht es weiter; wohin

immer das Feuer kommt, findet es zwölftausend Steine vor, die bereits drei Tage

lang und zwar in wachsender Progression durch eine Feuerbehandlung gegangen

sind. Der eine (vorderste) Eisen-Schieber rückt jeden Tag um eine Kammer

weiter, der andere Eisen-Schieber, vom entgegengesetzten Flügel her, folgt und

gibt dadurch die Kammer frei, in der am Tage zuvor gebrannt wurde. So

vollzieht sich ein Kreislauf. In die leeren Kammern, bevor der Schieber sie in

den Feuer-Rayon hineinzwingt, wird eingekarrt, aus den im Feuer gewesenen,

vom Schieber freigegebenen Kammern wird ausgekarrt. Der Prozeß, so lange

die Brenn-Kampagne dauert, ist ohne Ende; das Feuer rückt von Kammer zu

Kammer, bis es herum ist und beginnt dann seinen Kreislauf von neuem. Der

Vorteil liegt auf der Hand. Er steigt aber insonderheit auch noch dadurch, daß der

Ringofen in seinen Feueransprüchen nicht wählerisch ist. Er frißt alles. Jedes

Material dient ihm: Holz, Torf, Braunkohle, alles hat einen gleichen oder doch

einen verwandten Wert und das billigste Material behauptet sich neben dem

teuersten. Die Ziegelbrennerei ist dadurch in eine ganz neue Phase getreten, zum Vorteil der Bauunternehmer, die seitdem die Steine für den halben Preis

erstehen, aber wenig zum Vorteil der alten Ziegelbrennerfirmen, die, ehe die

Dinge diese modern-industrielle Behandlung und Ausnutzung erfuhren, sich

besser standen. Wobei übrigens auch noch bemerkt sein mag, daß die besten

Steine, beispielsweise die Rathenower und Birkenwerderschen, nach wie vor in

den Ziegelöfen alter Konstruktion gebrannt werden. Der Ringofen hat keine

andern Vorzüge, als daß er ein Sparofen ist.

Solcher Ringofen hat Glindow selbst, wie wir schon hervorgehoben, etwa

neun, der Distrikt Glindow aber mit seinem Innen- und Außen-Revier wohl mehr

denn fünfzig. Daß sie der Landschaft zu besonderer Zierde gereichen, läßt sich

nicht behaupten. Der Fabrikschornstein mag alles sein, nur ein

Verschönerungsmittel ist er nicht, am wenigsten wenn er schön tut, wenn er

möchte. Und wie dieser reiche Betrieb, der unbestreitbar trotz Stillstände und

Rückschläge ein sich steigerndes Prosperieren einzelner oder selbst vieler

geschaffen hat, die Landschaft nicht schmückt, so schmückt er auch nicht die

Dörfer, in denen er sich niedergelassen hat. Er nimmt ihnen ihren eigentlichen

Charakter, in richtigem unsentimentalen Verstande ihre Unschuld und gibt ihnen

ein Element, dessen Abwesenheit bisher, und wenn sie noch so arm waren, ihr

Zauber und ihre Zierde war, — er gibt ihnen ein Proletariat. Ob dasselbe

städtisch oder dörfisch auftritt, ob es mehr verbittert oder mehr elend ist, sind

Unterschiede, die an dem Traurigen der Erscheinung nicht viel zu ändern

vermögen.

Auch Dorf Glindow hat von diesem allem sein geschüttelt Maß. An und für

sich ausgestattet mit dem vollen Reiz eines havelländischen Dorfes, hingestreckt

zwischen See und Hügel, schieben sich doch überall in das alt-dörfliche Leben

die Bilder eines allermodernsten, frondiensthaften Industrialismus hinein, und

die schönen alten Bäume, die mit ihren mächtigen Kronen so vieles malerisch zu

überschatten und zu verdecken verstehen, sie mühen sich hier umsonst, diesen

trübseligen Anblick dem Auge zu entziehen.

Am See hin, um die Veranden der Ziegel-Lords rankt sich der wilde Wein,

Laubengänge, Clematis hier und Aristolochia dort, ziehen sich durch den

Parkgarten, Tauben stolzieren auf dem Dachfirst oder umflattern ihr japanisches

Haus, — aber diese lachenden Bilder lassen die Kehrseite nur um so dunkler

erscheinen: die Lehmstube mit dem verklebten Fenster, die abgehärmte Frau mit

dem Säugling in Loden, die hageren Kinder, die lässig durch den Enten-Tümpel

gehen.

Es scheint, sie spielen; aber sie lachen nicht; ihre Sinne sind trübe wie das

Wasser, worin sie waten und plätschern.

[43] Es ist oft gesagt worden, daß der Stadt Berlin das Material zu raschem

Emporblühen beinah unmittelbar vor die Tore gelegt worden sei. Das ist richtig. Da sind Feldsteinblöcke für Fundament- und Straßenbau, Rüdersdorfer Kalk zum Mörtel, Holz in Fülle, Torf- und Salzlager in unerschöpflicher Mächtigkeit. Ohne diesen Reichtum, der in dem Grade, wie er jetzt vorliegt, lange ein Geheimnis war, wäre das riesige Wachstum der Stadt, bei der ursprünglich geringen Fruchtbarkeit ihres Bodens, bei ihrer Binnenlage und ihrer immerhin beschränkten Wasserverbindung nahezu eine Unmöglichkeit gewesen. Daran, daß es möglich wurde, hat Glindow seinen Anteil: der große Ziegelofen der Residenz. Das sogenannte „Geheimratsviertel“ ist großenteils aus Glindower Steinen aufgeführt und ein ganzes „Berlin der Zukunft“ steckt noch in den Glindower Bergen (Glindow heißt übrigens Lehmdorf, von dem wendischen Worte Glin der Lehm. Kaum irgend ein Wort, wie schon Seite 216 hervorgehoben, kommt häufiger vor in der Mark. Außer dem Landesteile „der Glin“ mit der Hauptstadt Kremmen, gibt es zahlreiche Dörfer dieses Namens. Vergleiche das Kapitel Groß-Glienicke.)

[44] Dieser Aufsatz wurde 1870 geschrieben. Seitdem haben sich die Dinge wieder

zugunsten der Ziegelei-Besitzer geändert.

[45] Die Feuerung geschieht von oben her durch eine runde Öffnung; ein eiserner

Stülpdeckel von der Form eines Zylinderhutes (dessen Krämpe übergreift) schließt die Öffnung und wird abgenommen, so oft ein Nachschütten nötig ist. Man sieht dann, wie durch eine schmale Esse, in die Kammer hinein und hat die aufgetürmten, rotglühenden Steine unter sich. Der Anblick, den man sich nur verschaffen kann, indem man auf die Gewölbedecke der Kammer tritt, hat etwas im höchsten Grade Unheimliches und Beängstigendes. Man steht über einer Hölle und blickt in sie hinab. Eine Schicht Steine, vielleicht kaum einen Fuß dick, trennt den Obenstehenden von dieser Unterwelt und der Gedanke hat etwas Grausiges: wenn jetzt dies Gewölbe —

 

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1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance with this agreement, and any volunteers associated with the production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.

 

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.

Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://pglaf.org

For additional contact information:

Dr. Gregory B. Newby

Chief Executive and Director

gbnewby@pglaf.org

 

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: http://pglaf.org/donate

 

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

 

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

 

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, including how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.