Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Theodor Fontane · Kapitel 36 von 82

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Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil

Fahrland

 

O, wie warst du so schön, wenn die Fliegen der Stub’ im September

Starben, und rot die Ebereschen am Hause des Jägers sich färbten;

Wenn die Reiher zur Flucht, im einsam schwirrenden See-Rohr,

Ahnend den Sturm, sich versammelten.

 

Aus Schmidt von Werneuchens: Fahrland

 

V on Potsdam bis Fahrland ist eine gute Meile. Der Weg läuft in gerader Linie nordwärts und wendet sich erst ganz zuletzt gegen Westen. Die erste halbe

Meile, wenn man nicht das Glück hat, auf dem links hin sich dehnenden

Exerzierfelde die Potsdamer Garden in Übung zu sehen, ist interesselos; in Höhe

des Dorfes Nedlitz aber ändert sich die Szene und wir treten, auf eine ganze

Strecke hin, in ein durch Landschaft und Geschichte gleich bemerkenswertes

Terrain ein. Nur schade, daß die Geschichte an der Grenze sagenhafter Vorzeit

liegt und nur Vermutungen gestattet.

 

Die Nedlitzer Fähre

 

In Höhe von Nedlitz geben sich an einer Schmalung drei Seen ein

Rendezvous; die Krampnitz, der Fahrlandsche und der Jungfern-See treffen an

einer Schmalung zusammen und ein viaduktartiger Bau, mit Brückentoren und

Brückenhaus, führt von einem Ufer zum andern.

Ein so stattliches Bild präsentierte sich hier nicht immer. Dies war vordem

die bescheidene Wirkungsstätte der Nedlitzer Fähre. Jahrhundertelang fuhr hier

ein schlichter Kahn über die Schmalung, erst von Vater und Sohn, dann vom

Enkel und zuletzt vom Ur-Urenkel geführt. Immer desselben Namens. Die

Nedlitzer Fährstelle war eine Erbstelle geworden. Schon im vorigen Säkulo war

die Familie so angesehen, daß sich ihre Töchter nach Sanssouci hin mit

Hofgärtnern und Hofbauräten vermählten. Die Fähr-Müllers von Nedlitz waren

reiche Leute; in Bornstädt hatten sie ein Erbbegräbnis, das größte was der

Kirchhof bis diese Stunde noch aufzuweisen hat.

Die Fähre ist nicht mehr. An ihre Stelle ist die imposante Bogenbrücke

getreten; aber noch im Ausscheiden aus ihrer alten dynastischen Herrlichkeit hielt das Glück bei den Müllers aus. Die Ablösungssumme entsprach nicht nur