Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil
Fahrland
O, wie warst du so schön, wenn die Fliegen der Stub’ im September
Starben, und rot die Ebereschen am Hause des Jägers sich färbten;
Wenn die Reiher zur Flucht, im einsam schwirrenden See-Rohr,
Ahnend den Sturm, sich versammelten.
Aus Schmidt von Werneuchens: Fahrland
V on Potsdam bis Fahrland ist eine gute Meile. Der Weg läuft in gerader Linie nordwärts und wendet sich erst ganz zuletzt gegen Westen. Die erste halbe
Meile, wenn man nicht das Glück hat, auf dem links hin sich dehnenden
Exerzierfelde die Potsdamer Garden in Übung zu sehen, ist interesselos; in Höhe
des Dorfes Nedlitz aber ändert sich die Szene und wir treten, auf eine ganze
Strecke hin, in ein durch Landschaft und Geschichte gleich bemerkenswertes
Terrain ein. Nur schade, daß die Geschichte an der Grenze sagenhafter Vorzeit
liegt und nur Vermutungen gestattet.
Die Nedlitzer Fähre
In Höhe von Nedlitz geben sich an einer Schmalung drei Seen ein
Rendezvous; die Krampnitz, der Fahrlandsche und der Jungfern-See treffen an
einer Schmalung zusammen und ein viaduktartiger Bau, mit Brückentoren und
Brückenhaus, führt von einem Ufer zum andern.
Ein so stattliches Bild präsentierte sich hier nicht immer. Dies war vordem
die bescheidene Wirkungsstätte der Nedlitzer Fähre. Jahrhundertelang fuhr hier
ein schlichter Kahn über die Schmalung, erst von Vater und Sohn, dann vom
Enkel und zuletzt vom Ur-Urenkel geführt. Immer desselben Namens. Die
Nedlitzer Fährstelle war eine Erbstelle geworden. Schon im vorigen Säkulo war
die Familie so angesehen, daß sich ihre Töchter nach Sanssouci hin mit
Hofgärtnern und Hofbauräten vermählten. Die Fähr-Müllers von Nedlitz waren
reiche Leute; in Bornstädt hatten sie ein Erbbegräbnis, das größte was der
Kirchhof bis diese Stunde noch aufzuweisen hat.
Die Fähre ist nicht mehr. An ihre Stelle ist die imposante Bogenbrücke
getreten; aber noch im Ausscheiden aus ihrer alten dynastischen Herrlichkeit hielt das Glück bei den Müllers aus. Die Ablösungssumme entsprach nicht nur