Parasit

Alex Pohl · Kapitel 28 von 68

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Parasit

Kapitel 28

 

O ffenbar habe ich wohl doch mehr Talent zur ausgefuchsten Schwerkriminellen, als ich dachte, denn ich habe Hauptkommissar Wiesner belogen, und ich denke, er hat mir geglaubt. Bloß saß ich dabei natürlich nicht breitbeinig grinsend vor ihm auf dem Stuhl, während ich gelangweilt Zigarettenringe an die Decke pustete, und es war auch keine große Lüge. Ich sagte ihm lediglich, ich sei Laufen gewesen, und dass das mit der Windschutzscheibe schon früher passiert ist, auf der Landstraße, bei meiner Rückkehr aus Frankfurt, so, wie ich es Sophie erzählt habe. Was er mir vermutlich glauben wird, weil der Schaden nicht so groß war, dass ich nicht hätte weiterfahren können. Und selbst, wenn er mir nicht glaubt – wie will er beweisen, dass es nicht so gewesen ist?

Trotzdem bin ich den gesamten Nachmittag ruhelos durch das ganze Haus getigert, und habe dabei beinahe eine ganze Flasche Barolo vertilgt, bis Sophie endlich heimkam. Immerhin habe ich mich inzwischen dazu durchgerungen, ihr zu erzählen, dass ich auf Wiesners Bitte hin zum Revier gefahren bin.

Nur, um ein paar Routinefragen zu klären, sage ich.

Sie ist nicht begeistert.

Ich hätte ihn vertrösten sollen, sagt sie. Ich muss nämlich gar nichts, solange man mich nicht offiziell vorlädt, und dabei wäre es ganz egal, ob ich verdächtig bin oder nicht, da geht es ums Prinzip.

»Schlesinger sagt«, erklärt sie mir, »dass das die Standardtaktik bei der Polizei ist. Sie machen auf freundlich und erklären dir, du seist nur eine Zeugin, und bevor du dich versiehst, ist dir irgendeine harmlose Bemerkung rausgerutscht, die sie dir dann nach Strich und Faden im Mund herumdrehen.«

»Aber mir ist nichts rausgerutscht«, erwidere ich trotzig, der Barolo ist schuld. »Ich habe diese Sache geklärt, und nun ist sie vom Tisch.« Glaube ich zumindest.

Sophie runzelt wortlos die Stirn und dann gibt sie mir die Nummer von Schlesinger, dem Familienanwalt. Ich soll ihn morgen Vormittag anrufen, und er sei schon ins Bild gesetzt über die ganze Angelegenheit. Und kein einziges Wort mehr zur Polizei, das muss ich ihr versprechen.

Schon gar nicht ohne Anwalt.

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