Parasit
56. Drei Wochen später
KAPITEL 56
DREI WOCHEN SPÄTER
E ine knappe Woche später fand man das ausgeschlachtete Wrack des dunkelblauen Passats von Simon Schwarz in der Elbestraße in Frankfurter am Main. Die Elbestraße war einer Gegend, in der solche Wracks nicht sonderlich auffielen, es musste seit Tagen dort herumgestanden haben.
Es ließ sich niemand finden, der diesem Umstand ausreichend Beachtung geschenkt hatte, um sich noch daran zu erinnern, wie lange es das schon getan hatte, denn das Viertel entlang der Elbestraße wurde größtenteils von Junkies und Bandenkriminellen bevölkert, die, selbst, wenn sie etwas gewusst hätten, darüber als Letztes mit der Polizei gesprochen hätten. Die Karosse samt Rädern, den Motor und sogar den größten Teil der Innenausstattung hatten selbst die Autoschieber dieser Gegend weitestgehend verschmäht, vermutlich waren die Nummernschilder noch das Wertvollste an dem Auto gewesen. Deren Fehlen war überhaupt der Grund, aus dem man das Auto erst so spät gefunden hatte, obwohl bereits tagelang danach gefahndet worden war.
Die Kriminalpolizei ließ den Wagen abschleppen und überstellte ihn ins Labor, wo er gründlich untersucht wurde. Hinweise auf den Verbleib des Lehrers oder einer möglichen Verwicklung in den Todesfall ›Mia Neumann‹ wurden nicht gefunden, womit auch niemand wirklich gerechnet hatte. Was man allerdings fand, waren chemische Rückstände, die in Zusammenhang mit der Herstellung einer synthetischen Droge namens Crystal Meth gebraucht wurden, und davon reichlich.
Daraufhin ließen die Behörden Simons Haus im Wald öffnen und durchsuchten dieses unter der Leitung von Alexander David, der damit den dritten und bislang größten Drogenfund innerhalb weniger Tage verbuchen konnte, und das in einer Gegend, an der die meisten Menschen vermutlich am allerwenigsten damit gerechnet hatten.
Allerdings erfuhren die meisten Menschen auch nie von den Erfolgen Alexander Davids, weil diese aufgrund der Bemühungen gewisser Einwohner von Élysée nie in der Presse auftauchten. Hauptkommissar David selbst erhielt eine mehr oder weniger inoffizielle Belobigung durch seinen direkten Vorgesetzten und erfreute sich anstatt an ausgeschnittenen Zeitungsartikeln über seinem Triumph an der Betrachtung eines ganz bestimmten Fotos, das während der Durchsuchung von einem Kollegen geschossen war, kaum mehr als ein Schnappschuss.
Es zeigte David im Kreise einiger grinsender Drogenfahnder dabei, wie er einen großen Beutel Crystal Meth aus dem Inneren eines höchst kitschigen indianischen Totempfahls zog.
Auch Alexander David grinste dabei.
Auch wenn im Anschluss an diesen Fund offiziell die bundesweite Fahndung nach Simon Schwarz ausgerufen wurde, und David und seine Kollegen diverse Theorien zum Verbleib des Lehrers hatten, gelang es nie, ihn aufzuspüren oder die Umstände seines Verschwindens restlos aufzuklären.
Er blieb wie vom Erdboden verschluckt.
Für immer.
OceanofPDF.com