Parasit

Alex Pohl · Kapitel 44 von 68

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Parasit

Kapitel 44

 

P rivatdetektiv Harforch stand zum zweiten Mal innerhalb von vierundzwanzig Stunden vor dem Haus des Lehrers, und auch diesmal sah er keinen Hinweis darauf, dass Simon Schwarz tatsächlich noch hier lebte. Oder überhaupt noch lebte, was das betraf. Bei seiner Ankunft hatte er das Haus umrundet, in jedes Fenster geblickt, geklingelt und geklopft. Keine Reaktion, niemand war zu sehen gewesen. Simon Schwarz war nicht daheim. Oder er versuchte mit einigem Ehrgeiz, diesen Eindruck zu erwecken.

Harforch war ehemaliger Berufssoldat und Kriminalpolizist – unter anderem – und als solcher ganz sicher nicht der Typ, der an Zufälle glaubte. Er zog es vor, die Parameter seiner Umgebung genau zu kennen, einen Plan zu haben und nach Möglichkeit im Voraus zu wissen, worauf er sich einließ, wenn er vor Ort eintraf. Er wusste, dass in gewissen Situationen das schiere Überleben davon abhängen konnte, wie gut man auf Eventualitäten vorbereitet war.

Woran er allerdings durchaus glaubte, war Instinkt.

Und sein Instinkt sagte ihm, dass etwas mit diesem Lehrer ganz und gar nicht stimmte. Da war zum einen die Tatsache, dass der Kerl einfach nie zu Hause zu sein schien, und ebenso wenig sein Wagen. Harforch hatte sich inzwischen das Kennzeichen des alten Passats und eine ausreichende Menge Fotos des Lehrers besorgt, dann hatte er seinen Spezialisten darauf angesetzt, die gängigen Überwachungskameras zu knacken und die üblichen Kanäle abzuklappern, aber nichts davon hatte ihn auch nur ein bisschen weitergebracht. Simon Schwarz war wie vom Erdboden verschluckt.

Aber niemand, das wusste Harforch ebenfalls, verschwand jemals wirklich spurlos.

Irgendwann tauchten sie alle wieder auf.

Als die Dunkelheit hereinbrach, hockte Harforch noch immer reglos in einem Gebüsch in der Nähe des alten Forsthauses, von wo aus er das Gebäude und das umliegende Gelände gut im Blick hatte. Doch nichts regte sich im Inneren des Hauses, kein Licht wurde angemacht, nicht die geringste Bewegung war zu sehen. Harforch nippte geduldig an dem Kaffee, den er sich in einer Thermoskanne mitgebracht hatte. Wenn nötig, würde er die restliche Nacht hier warten. Oder, und diese Möglichkeit erschien ihm zunehmend verlockend, er würde einen Blick ins Innere des Hauses werfen. Schlesinger hatte ihm gesagt, dass für seine Klientin eine Menge davon abhing, dass dieser Schwarz alsbald auftauchte, auch wenn er dabei nicht ins Detail gegangen war. Doch für das Geld, das der Anwalt ihm für diese Art von Spezialaufträgen zahlte, interessierte sich Harforch auch nicht für Details.

Außerdem war da noch dieser Junge gewesen, Julian Jensen. Der Junge mit dem Plastikbeutel voller Crystal Meth, der an der Haustür eben jener Bruchbude aufgetaucht war, als Harforch zuletzt hiergewesen war. Auch diesbezüglich glaubte der Privatdetektiv nicht an einen Zufall.

Als er Minuten später die schwere Maschine aus der Ferne heranknattkern hörte, stahl sich ein mildes Lächeln auf Harforchs dünne Lippen.

Endlich kam also Bewegung in die Sache.

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