Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 123 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 525

 

Die Sinnlichkeit in ihren Verkleidungen: 1. als Idealismus „Plato“), der

Jugend eigen, dieselbe Art von Hohlspiegelbild schaffend, wie die Geliebte im speziellen erscheint, eine Inkrustation, Vergrößerung, Verklärung, Unendlichkeit um jedes Ding legend – : 2. in der Religion der Liebe: „ein schöner, junger Mann, ein schönes Weib“, irgendwie göttlich, ein Bräutigam, eine Braut der Seele – : 3. in der Kunst, als „schmückende“ Gewalt: wie der Mann das Weib sieht, indem er ihr gleichsam alles zum Präsent macht, was es von Vorzügen gibt, so legt die Sinnlichkeit des Künstlers in ein Objekt, was er sonst noch ehrt und hochhält – dergestalt vollendet er ein Objekt („idealisiert“ es). Das Weib, unter dem Bewußtsein, was der Mann in bezug auf das Weib empfindet, kommt dessen Bemühen nach Idealisierung entgegen, indem es sich schmückt, schön geht, tanzt, zarte Gedanken äußert: insgleichen übt sie Scham, Zurückhaltung, Distanz – mit dem Instinkt dafür, daß damit das idealisierende Vermögen des Mannes wächst. (– Bei der ungeheuren Feinheit des weiblichen Instinkts bleibt die Scham keineswegs bewußte Heuchelei: sie errät, daß gerade die naive wirkliche Schamhaftigkeit den Mann am meisten verführt und zur Überschätzung drängt. Darum ist das Weib naiv – aus Feinheit des Instinkts, welcher ihr die Nützlichkeit des Unschuldigseins anrät. Ein willentliches die-Augen-über-sich-geschlossen-halten.... Überall, wo die Verstellung stärker wirkt, wenn sie unbewußt ist, wird sie unbewußt.)