Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 164 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 577

 

„Seinem Gefühle folgen?“ – Daß man, einem generösen Gefühle

nachgebend, sein Leben in Gefahr bringt, und unter dem Impuls eines Augenblicks: das ist wenig wert und charakterisiert nicht einmal. In der Fähigkeit dazu sind sich alle gleich – und in der Entschlossenheit dazu übertrifft der Verbrecher, Bandit und Korse einen honetten Menschen gewiß.

Die höhere Stufe ist, auch diesen Andrang bei sich zu überwinden und die

heroische Tat nicht auf Impulse hin zu tun, – sondern kalt, raisonnable, ohne das stürmische Überwallen von Lustgefühlen dabei.... Dasselbe gilt vom Mitleid: es muß erst habituell durch die raison durchgesiebt sein; im anderen Falle ist es so gefährlich wie irgendein Affekt.

Die blinde Nachgiebigkeit gegen einen Affekt, sehr gleichgültig, ob es ein

generöser und mitleidiger oder feindseliger ist, ist die Ursache der größten Übel.

Die Größe des Charakters besteht nicht darin, daß man diese Affekte nicht

besitzt, – im Gegenteil, man hat sie im furchtbarsten Grade: aber daß man sie am Zügel führt.... und auch das noch ohne Lust an dieser Bändigung, sondern bloß, weil....