Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 55
Entwicklung des Pessimismus zum Nihilismus. – Entnatürlichung der
Werte. Scholastik der Werte. Die Werte, losgelöst, idealistisch, statt das Tun zu beherrschen und zu führen, wenden sich verurteilend gegen das Tun.
Gegensätze eingelegt an Stelle der natürlichen Grade und Ränge. Haß auf die
Rangordnung. Die Gegensätze sind einem pöbelhaften Zeitalter gemäß, weil leichter faßlich.
Die verworfene Welt, angesichts einer künstlich erbauten „wahren,
wertvollen“. – Endlich: man entdeckt, aus welchem Material man die „wahre Welt“ gebaut hat: und nun hat man nur die verworfene übrig und rechnet jene höchste Enttäuschung mit ein auf das Konto ihrer Verwerflichkeit.
Damit ist der Nihilismus da: man hat die richtenden Werte übrig behalten
– und nichts weiter!
Hier entsteht das Problem der Stärke und der Schwäche: 1. die Schwachen zerbrechen daran;
2. die Stärkeren zerstören, was nicht zerbricht;
3. die Stärksten überwinden die richtenden Werte. Das zusammen macht das tragische Zeitalter aus.